Sandstein Sockel sanieren

13.08.2015 Steffen



Hallo zusammen
Ich lese seit einiger Zeit sehr interessiert in diesem Forum sämtliche Beiträge rund um die Fachwerkhausrenovierung und konnte mir schon einige hilfreiche Tipps abschauen – vielen Dank an die fleißigen Hilfesteller!
Auch zu meinem Thema wurde hier schon viel geschrieben, aber ich habe nicht die passenden Antworten auf meine Fragen gefunden.

Ich habe ein Fachwerkhaus BJ ca. 1900 und möchte den Sandsteinsockel (roter Sandstein) sanieren und Verputzen (am liebsten danach auch streichen), da dieser sehr ausgewaschen ist und die Farbe des Sandstein einfach unschön ist.
Das Haus steht an einem leichten Hang und ist vollständig unterkellert. Eine Hälfte mit Gewölbekeller (gut feucht, da Lehmboden) andere Hälfte normaler Keller (eigentlich trocken).
Der Sandsteinsockel geht einmal rund ums Haus und wurde im Hintergartenbereich vom Vorgänger teilweise verputzt und gestrichen (sicher nicht mit diffusionsoffenen Materialien/ teilweise bröckelt der Putz ab)
Jetzt zu meiner Frage: Wie kann ich den Sockel fachgerecht sanieren, so dass der Sockel weiter „atmen“ kann und die Feuchte aus dem Keller nach draußen weitergibt und kein Kapillareffekt entsteht.

Hier ein Bild der Hausvorderseite.

Ich freue mich über Tipps!



Sandsteinsockel



Mir fällt dazu nur ein den Weg etwas schmaler anzulegen und vor den Sockel einen spritzwasserbrechenden Streifen zu setzen.
Irgendwann wird es erforderlich sein, die untere Steinreihe durch Vierungen oder Austausch nach und nach zu ersetzen



Restaurierungsmörtel statt Vierungen



Die oberen Steine sind auch schon sehr porös und angegriffen, d.h. Vierungen oder Austausch ist eine sehr aufwendige und teure Angelegenheit. Gibt es ggf. auch eine kostengünstigere Möglichkeit mit Restaurierungsmörtel o.ä.?



ganz schön verzwickt



Das was ich hier sehe ist:

deutliche Schadsalzeinflüsse in den unteren zwei Schichten, vermutlich Streusalzeinträge (oder ist das kein öffentlicher Gehweg?) aber auch andere Schadsalze sind hier nicht auszuschließen.
Die Steine darüber zeigen deutliche anzeichen für eine mäßige Witterungsbeständigkeit. Das äußert sich durch Aufspaltung in Lager, Bröckelzerfall, absanden usw. Vom Erscheinungsbild der Schäden scheint das ein kalkgebundener Sandstein zu sein oder zumindest tonige und mergelige Anteile zu besitzen.
Zu stark geschädigte bzw. stark Salzbelastete Steine sollte man vor einer Sanierung tatsächlich am besten austauschen, da sonst die Schadsalze bei einem Verputz oder ähnlichem sofort in das Material einwandern.
Die losen Bestandteile der lediglich Witterungsprozessen verdankten Schäden an den Steinoberflächen sollte man abarbeiten.
Anschließend Fugen nacharbeiten und die Steine mit einer Opferschicht versehen. Diese sollte nicht zu starr und vor allem kapillar zugänglich sein, damit Schadsalze und Feuchtigkeit an die Oberfläche transportiert werden können. In der Natursteinrestaurierung bedient man sich hier oftmals Opferschlämmen die aus einem NHL 2 Kalk oder einem Sumpfkalk mit NHL 5 Anteilen für die hydraulische Bindung hergestellt werden. Also Kalkschlämmen aus Kalk mit natürlichen Hydraulefaktoren und feinen Sanden z.B. mit Quarzdsandanteilen.
Zur Rezeptierung fragst du am besten einen Restaurator im Steinmetzhandwerk oder einen Techniker für Baudenkmalpflege auf dem gleichen Gebiet.
Aber dazugesagt, es sind Opferschlämmen, die zumindest bei Schadsalzeinflüssen regelmäßige Wartungsintervalle erfordern. So wie es der Name schon sagt opfern diese Materialien für den Bestand.
Von diversen Restaurierungsmörteln rate ich dir ab. Die sind viel zu teuer und sind eh mehr eine Marketingstrategie.

Gruß Emzet



@ Emzet



vielen Dank für deine Hilfe!!

Würdest du empfehlen einen Opferputz aufzutragen und diesen nach ca. einer Woche wieder zu entfernen, wenn er die Schadsalze aufgenommen hat und anschließend einen neuen Kalkputz (ebenso NHL 5, o.ä.) zum Verputzen zu nehmen?
(Ja es ist ein öffentlicher Gehweg)

Jetzt hab ich noch ein paar Fragen:
Die Fugen mit einem Kalkmörtel neu verfugen und dann neu verputzen?
die Stellen an denen der Sockel schon verputzt wurde (sicher eher Zement als Kalk) abschlagen und auch neu verputzen?

Vielen Dank vorab :-)



Na denn



Nochmal, die unteren Steinlagen weisen Salzschäden auf. Salzeinträge durch Streusalz scheinen hier regelmäßig. Das bedeutet, dass hier kontinuirliche Schadsalzeinträge stattfinden. So sind Versuche Schadsalzkonzentrationen durch Entsalzungsmaßnahmen, z.B. durch Opferputze, zu senken kontraproduktiv. Wobei die Reduzierung von Chloriden eh ein schwieriges Thema darstellen.
Also: dieses Bauteil (zumindest die unteren Steinschichten) werden immer eine Dauerbaustelle sein. So ist es meiner Meinung nach wichtig eine Lösung zu finden, die hier wirtschaftlich erscheint. Das bedeutet, wie ich schon angesprochen habe, dass du dir von einem erfahrenen Restaurator...eine Opferschlämme rezeptieren lässt, die man bauseitig herstellen kann, um damit die gefährdeten Bereiche zu entlasten. Das ist dann relativ kostengünstig im Gegensatz zu diversen Mittelchen die man von industriell geprägten Bauwerkserhaltern beziehen kann.
Z.B. (Beispielhaft je nach Gesteinsart): Ein Steinmetz (diese sollte es in Deiner Region mehrfach geben) rezeptiert dir eine Schlämme mit Sumpfkalk, ausgesuchten Sanden und verschneidet diese mit einem NHL 5 Mörtel bzgl. der Beständigkeit und erzeugt so einen Mörtel der ähnlich wie ein NHL 2 Mörtel ist. Nun kannst du dir aus dem carbonatisch abbindenden Teil (Sumpfkalk und Sand) das eine oder andere Fass (luftdicht und frostfrei) in deinem Keller zeitlich unbegrenzt einlagern und verschneidest diesen bei der Wartung deines Natursteinsockels mit einem NHL 5 Kalk. dann hast du eine relativ kostengünstige Lösung, die dafür sorgt, dass der Natursteinsockel nicht weiter zerfällt. Zementöse Putze würde ich auf jeden Fall entfernen und auch diese Bereiche mit einer Opferschlämme versehen und das so lange, bis sich eventuelle Schadsalzschäden reduzieren oder einstellen. Erst dann würde ich den Schritt eines Verputzes wagen, der von der Bindung ähnlich sein sollte wie die Schlämme. Aber wie gesagt, die genaue Rezeptierung solltest du dir von einem erfahrenen Handwerker bauseitlich einstellen lassen.

Grus Emzet

PS. NHL 5 kann auch gehen sollte aber eben vom Fachmann auf das Natursteinmaterial abgestimmt werden. Für mich sieht der Stein aus der Entfernung eher nach elastischeren Mörteln aus. Vielleicht funktioniert auch nur eine Kalkkaseinschlämme... aber abwarten.



Sandsteinsockel sanieren



Hallo,
schauen Sie bitte hier nach.
http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/image/a/showPicture/37413$.cfm

Andere Strukturen und Farben sehen Sie unter:
http://www.sandstein-visionen.de/

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Kusche
flexibler SandStein



Steinmetz



Vielen Dank für die Antworten!

In 2 Wochen kommt ein Steinmetz, der sich den Sockel anschaut - ich werde berichten wies weitergeht :-)