Sandige Fuge verfestigen und neu verfugen, Stall

23.04.2019



Hallo Zusammen,

ich baue gerade einen alten Stall (Baujahre ca. 1890) zu einer Werkstatt um. Eine der Wände besteht aus Bruchsteinen. Diese hatte bis dato kein Fundament, wurde von uns jedoch um bis zu 80cm unterfangen. Seitdem hat die Wand enorm an Feuchtigkeit verloren, es scheint wenig bis kein Wasser von unten nach zukommen. Salzausblühungen sind jedoch reichlich vorhanden (Stall!).

Eben diese Wand hat enorm sandige Fugen. Zur Zeit reinige ich diese Wand und entferne das alte Fugenmaterial bis in ca. 2-3cm Tiefe. An vielen Stellen wurde wohl immer schon ausgebessert, so dass sich ein wilder Materialmix aus Zement, Gips und wasweißich noch so findet.

Eine Neuverfugung mit Kalkmörtel 0-2mm ist geplant. Jedoch hadere ich noch mit mir, ob ich das anstehende Fugenmaterial (extrem sandend) in irgendeiner Form behandeln soll.

Hier im Forum wird häufiger die Essigsaure Tonerdelösung empfohlen. Leider finde ich hierzu keine Bezugsquelle. Meine Baustoffhändler kennen es nicht und wollen es nicht besorgen. Einzig eine Firma im Netz vertreibt es von der Firma Hasit, leider kostet der Versand genausoviel wie das 10L-Gebinde (~75€), so dass die Option auch erst mal raus ist. Meine Wand ist ca. 20m² groß, sodass ich tatsächlich nur eine relativ geringe Menge benötige.

Vielleicht hat hier jemand einen Tip für mich, wo ich die essigsaure Tonerde beziehen kann?

Wie sieht es mit Alternativen hierzu aus? Stichworte die hierzu immer wieder zu finden sind, sind (Kali)wasserglas, Kaseingrundierung, Staubkalk. Leider kann ich nicht einschätzn, ob dies eine ähnliche Wirkung hat.

In unserem Wohngebäude hat der Verputzer uns PCI Gisogrund empfohlen. Dieses haben wir vor dem Verputzen mit Kalkputz großflächig eingesetzt (verfestigen des teilweise noch vorhandenen Putzes sowie als Aufbrennsperre auf sehr saugenden Bimssteinen).

Wäre so etwas auch mit den Fugen machbar? Oder wird das Zeug zu steif und unelastisch für Fugen? (Wie ich es teilweise von Kaliwasserglas gelesen habe).

Leider komme ich in dieser Frage gerade überhaupt nicht weiter...

Viele Grüße aus der Eifel

Bastian



Unverständnis



mal googeln: tausend Bezugsquellen:
- dm
-Apotheke
- amazon
-medpex
etc, etc



Stimmt, aber



Ich wollte keine apotheke leer kaufen. Ausserdem habe ich das zeug bis jetzt nur in tablettenform oder als paste oder so gefunden. Ich weiss auch nicht ob tatrat zb nicht eher kontrsptoduktiv ist usw. Deswegen höre ich gerne auf leute, die Erfahrung mit der anwendung haben. Nichts für ungut, aber dein beitrag erweckt nicht den eindruck als hättest das schon mal un der hand gehabt.

Ciao, Bastian



Richtig



" Meine Wand ist ca. 20m² groß, sodass ich tatsächlich nur eine relativ geringe Menge benötige. Vielleicht hat hier jemand einen Tip für mich, wo ich die essigsaure Tonerde beziehen kann?" - Also habe ich draus geschlossen, dass Du da keine Apotheke leerkaufen musst, sondern eine kleine Menge reicht. Und ja; ich habe es noch nicht benutzt ( zumindest nicht für diesen Anwendungsfall) und ein Teil Deiner Frage bezog sich ja auf Bezugsquellen. Die Paste würde verdünnt, natürlich nicht so in die Fuge gedrückt. Eine Verfestigung kann man auch mit einer Kalkmilch aus hydr. Kalk erreichen. Das würde ich favorisieren. Aber wenn die Fugen auf diese Tiefe ausgeworfen werden, sollte die Flankenhaftung ausreichen um genügend Festigkeit zu erzielen.



Ich geb dir mal nen Tip



Lass einfach die ganze Chemiepampe weg. Ein sehr schlauer Typ sagte mal "Mit Wasser anfeuchten ist auch eine Grundierung."
Funktioniert und passt vong Budget.



Besten Dank,



Das sind antworten mit denen ich gut was anfangen kann! Danke!

Ciai, Bastian



Misch den Mörtel



selber, einfach Kalk CL90 und Sand 1:4.
Wenn dir das zu weiß ist, dann nimm
Ziegelmehl : Kalk : Sand 1:3:12
In meinem Profil sind paar Fotos.
Ziegelmehl kannst du bei mir bekommen...





Zur Apotheke würde ich nicht laufen.

Die (essigsaure) Tonerdelösung dient dazu Sinterschichten bzw. Altputze zu ätzen um so neuerliche Putzhaftung zu begünstigen, gemeinhin wären hierzu auch mechanische Verfahren denkbar.

Das Tartrat ist Weinsäure und wird zum stabilisieren der sich sonst zersetzenden Lösung hinzugefügt.

Diese Grundierung wird im Kalksystem der Fa. Solubel angewendet was hier im Forum oft als "Nonplusultra" kolportiert wird, deswegen findet das häufig Erwähnung.

Beispielsweise wäre "Vogelfluat" ebenso anwendbar und sollte über den gutsortierten Fachhandel auch im Kleingebinde verfügbar sein.

In deinem Fall aber letztlich unnütz da ja gerade ein stabiler Untergrund fehlt und ein anderes Vorgehen empfehlenswert ist. Durch die ständigen Kristaisationsvorgänge ist der Fugenmörtel mürbe geworden. Die nunmehr geringe Druckfestigkeit ist insofern unbedeutend da der Mörtel nicht einfach raus rieseln kann. Insovern ist wie bereits dargetan ausreichend die Fugen wiederum aufzufüllen und ein ausreichende Flankenhaftung (Verbindung Steinkante und Fugenmörtel) zu gewährleisten.

Zunächst sind die Salzausblühungen sorgfältig abzukehren und mit dem Schutt gründlich zu betäumen.

Für den Mörtel empfiehlt sich ein natürlich hydraulischer Kalk (NHL), im Bindemittel-Zuschlagsverhältnis 1:3, diese sind gegenüber Salz und Feuchtigkeit beständiger.

Um nun den Verbund zur neuen Mörtellage zu verbessern, sollte zunächst ein wenig Mörtel in streichfähiger Konsistenz angemacht werden. Mit diesem wird
dann der angefeuchtete Bestandsmörtel eingestrichen. Dadurch bindet die Oberfläche tragfähig ab und es kann nach zwei bis drei Tagen verfugt werden.

Hierbei die Mörtelkonsistenz erdfeucht bis leicht plastisch halten. Bei tiefen Fehlstellen mehrlagig arbeiten. Die Oberfläche der Fugen nicht mit übermäßigen Druck glätten, da sonnst Bindemittel an die Oberfläche gezogen wird.

Nach dem Ansteifen den Mörtel mit einem Bürste, Handfeger oder steifen Pinsel abstupfen.

Mörtelreste nur mechanisch, trocken entfernen. Wasseranwendung nur nach vollständigen Abbinden, sonst legt man sich einen Kalkschleier an. Am besten nach dem Abbinden mit einer Wurzelbürste, ggf. dann auch ein wenig Wasser.

https://www.youtube.com/watch?v=ltFRjpRcbWQ



… da kommt ja einiges zusammen … 



… Ihre Wand ist auch nach der Fundamentsanierung voller Salze … 

Die sollten raus … vor allem auch aus den Fugen … diese tief auskratzen und mit LKM neu verfugen … 

Es kann aber sein, dass die Fugen Sich wieder "auflösen", denn das Salz will raus … 

Denken Sie auch beiläufig daran, dass es keine Taschenuhr wird, sondern eine Werkstatt …

Die von Ihnen aufgezeigten "Vorbehandlungen" können Sie sich sparen … weder mit "essigsaurer Tonerde" (die wäre dann was für die Bruchsteine, nicht für die Fugen) noch mit Kalkmilch (das wird immer wieder geschrieben und praktiziert, bringt aber meist nur eine Trennlage zwischen Untergrund und neuem Putz) – auch "Staubkalk" wäre nur was für flächigen alten sehr losen denkmalgeschützten Putz … (Staubkalk ist teuer und bringt nur was, wenn man weiß was der leisten kann … ist kein Allheilmittel für Dilettanten) … so auch die angesprochenen Chemopampen … die das Blaue vom Himmel versprechen … Finger weg davon … 

Machen Sie's einfach so wie geplant - auskratzen und neu Ausfugen mit Luftkalkmörtel … fertig … 

(es sollten doch nur die Fugen sein … nicht die ganze Wand neu verputzen … ?)

Viel Erfolg … Less is more

Florian Kurz



Das ist ja mal...



... ein Haufen an Informationen. Ich werde mich mal umsehen, was ich an Material so bekomme. WKH und gewaschener Sand 0-2mm bekomme ich auf jeden Fall um die Ecke. NHL ist mir so noch nicht aufgefallen.

Ich wollte nur verfugen, wenn ich die Wand halbwegs sauber bekomme. Wenn nicht, steht ggf. noch ein Schlämmputz oä. an.

Die Salze treten nur im unteren viertel der Wand auf. Dass ich hier die Fugen nach einer gewissen Zeit erneuern muss, habe ich nicht anders erwartet. Wobei die Unterfangung wirklich enorm viel Wasser von der Wand fern hält.

Richtig, es ist nur eine Werkstatt. Aus diedem Grund möchte ich den Mörtel auch gerne anmischen. Zwei der anderen Wände möchte ich ebenfalls mit einem selbstangemischen Putz verputzen. Einfach um es mal auszuprobieren. Darf selbstgemacht aussehen... Mit Kalkfarben habe ich meine Erfahrungen schon gemacht.

Viele Grüße

Bastian



Statt dem gewaschenen...



... Sand 0-2mm werde ich wohl eher Mauersand nehmen. Den wollte ich fürs Verputzen der anderen Wände nehmen. Ansonsten bleibt alles gleich.

Ciao, Bastian



wenn man …



es nicht weiß soll man es lassen … 

keinen gewaschenen Sand nehmen … 

Das ist einer der Kardinalfehler der "doItyourselfers" … dass die nicht wissen, was für ein Sand der richtige ist … es ist auch schwer sich da auszukennen … denn die meisten Maurer und Putzer kennen es auch nicht mehr … 

Der Sand ist das tragende Grundgerüstes des Putzes / Mörtels … wenn der nicht "gut" ist kann der Kalk auch nicht mehr helfen … deshalb hat ja die Bauindustrie den Zement erfunden … das Zeug braucht zwar auch einen relativ guten Sand … aber da ist es nicht so schlimm, denn der Zementbaaz klebt so ziemlich alles zusammen und dazu braucht man weder Erfahrung noch Können … 

Kalk ist nicht einfach eine "bessere Alternative" als Zementzeug … Kalk braucht Wissen und Erfahrung und ist nichts für mal so ausprobieren … 

Das ist auch ein Grund, dass in vielen der verkäuflichen "Kalkmörtel" so gut wie immer Zement drin ist … da wird gemauschelt, dass man "kotz…" muss … 

Es ist nicht alles "gut" wo "Kalk" draufsteht … 

Vorsicht … und "Sand" ist auch nicht gleich "Sand" …

Florian Kurz



Manche wissen...



...alles von anfang an. Andere, wie ich, die sich nur hobbymäßig mit sowas beschäftigen, sind froh wenn sie in ungezwungenem rahmen eine kompetente antwort bekommen. Manche sachen muss man wahrscheinlich auch erfahren. Dabei sinx mir meone grenzen auch bewusst. Deswegen mache ich das in meiner geplanten werkstatt, und nicht im wohnzimmer. Fehler sind da verschmerzbar. Wenns nicht klappt, dann halt neu.

In diesem sinne und in hoffnung auf gute und freundliche kommentare auf jedem wissensniveau.

Viele Grüße
Badtian



niemand …



… weiß von Anfang an alles … 

… aber ich erkenne immer wieder aus den dargelegten "Patentrezepten" welche Seiten gelesen wurden … 

Ich bin ein grosser Skeptiker von Foren … denn es tummeln sich da so "Macher", die ein Aufgeschaut machen und in epischer Breite eine Stuss verzapfen und die unbedarften Frager sich dadurch gerne blenden lassen … 

Dann gibts einen anderen Fehler: "nicht in Systemen denken" … alles wird auseinandergerissen … in Einzelteile Zerlegt … und im Nachhinein wird sich gewundert, warum es nicht geklappt hat … 

Ich hoffe, dass Sie einen "guten Sand" finden und ein gutes Kalkhydrat C90 oder einen guten Sumpfkalk im Fass … 

Dann wird das schon was mit den Fugen … diese aber bitte mehrmals gut anfeuchten damit der Mörtel nicht "verbrennt"

Gutes Gelingen

Florian Kurz



Geheimnistuerei hilft auch nicht Probleme in idealer Weise zu lösen.



Um den Feinanteil im Mörtel zu erhöhen, kann man einfach auch Kalksteinmehl zusetzen. Beispielsweise 1 Raumteil Kalkhydrat (CL90/NHL2/NHL3,5), 3 Raumteile Sand, 0,5 Raumteile Kalksteinmehl.

Durch den Feinanteil wir die Haftung und Festigkeit erhöht. Da Kalksteinmehl auch gut Wasser aufnimmt wird auch die Standfestigkeit und Wasserückhaltung im Mörtel verbessert.

Kalksteinmehl bekommt man in jedem Kalksteinbruch. In kleinere Mengen kann man auch über den Landhandel als Futterkalk bekommen, dort halt auf die Mahlfeinheit achten, 0, 09 mm bzw. 90 my ist ein gebräuchlicher Standart für brauchbare feine Kalksteinmehle. Das firmiert dann irgendwie unter (kohlensaurer) Futterkalk 95, 38 % Calcium oder so ähnlich.

Eine Verwendung von Sumpfkalk ist wegen der recht hohe Schwindneigung weniger optimal. Auch die Festigkeit liegt im unteren Bereich, hier bieten Mörtel mit natürlich hydraulischen Bindemitteln bzw. die empfohlene Zugabe von Ziegelmehl bessere Eigenschaften.



:-) ja Supermarkt



… allerdings semiprofessionelle Patentrezepte mit Futterkalk auch nicht … 

Florian Kurz



In der Antike...



...ging man bei fundamentalen Problemen zum Orakel. Heute taucht schon bei Banalitäten manch Anderer auf...

Wenn der Florian Kurz denn so genau über den "einzig wahren" Sand Bescheid weiß, warum teilt er sein Wissen dann nicht mit all den Laien hier?

"Ich bin ein grosser Skeptiker von Foren … denn es tummeln sich da so "Macher", die ein Aufgeschaut machen und in epischer Breite eine Stuss verzapfen und die unbedarften Frager sich dadurch gerne blenden lassen … "

Aha.

Schönen Feiertag wünscht

Thomas



Die Profis



schwören auf gewaschenen Wesersand, nur mal so nebenbei erwähnt, damit werden jedes Jahr zig ALDIs verklinkert, tausende Quadratmeters, ich persönlich nehme Mauersand direkt aus der Grube



Und glaubt ja



nicht, dass die Sackware nehmen