Auswertung einer Salzanalyse aufgrund Feuchtigkeit im Mauerwerk

24.08.2010



Hallo, ich habe eine Wohnhaus Baujahr ca. 1900, ohne Feuchtigkeitssperre unter der ersten Ziegelschicht. Das Haus ist teilunterkellert und teilweise auf Erdreich gebaut. Ich habe in 2 Räumen Feuchte Wände. Darauf haben wir eine Salzanalyse durchgeführt, mit folgendem Ergebnis:

Raum 1 (evtl. ehemaliger Stall, da Ziegelgewölbe drin ist, und restliche Zimmer eine Holzbalkendecke haben)

Chlorid: M. -% < 0,2
Nitrat: M. -% < 0,1
Sulfat: M. -% >0,5
Feuchte: M. -% 9,79

Raum 2
Chlorid: M. -% < 0,2
Nitrat: M. -% < 0,1
Sulfat: M. -% >0,5
Feuchte: M. -% 15,23

Es wurde mir zur Austrocknung des Mauerwerks geraten und ein Sanierputz soll aufgebracht werden.

Ich habe auch noch vor, das Haus abschnittsweise zu unterfangen und eine Sperrbahn einzubringen.

Was meint ihr zu dem Ergebnis der Salzanalyse?





Hallo Russi,

die Chlorid- und Nitratwerte sind eher im unbedenklichen Bereich, Maßnahmen sind hier nicht wirklich erforderlich. Auch die Sulfatbelastung ist eher als gering bis mittel einzustufen, bedürfte aber einer genaueren Bestimmung.

Trocknung ist Pflicht; Sanierputz ist hier ein häufig gewählter Weg, doch zuvor sollte ein Spritzbewurf aufgebracht werden, dessen Bindemittel sulfatbeständig sind.

Wichtiger als die Folgebehandlung ist aber die Trocknung. Und vor der Trocknung steht die Frage: Weshalb sind die Wände tatsächlich feucht, bzw. wo stammt die Feuchtigkeit her?

- Liegt das Gebäude am Hang?
- Wie wurden die Räume bisher genutzt und wie sollen Sie in Zukunft genutzt werden?
- Wurden die Räume bisher im Winter beheizt
- Welche Wandbekleidung ist derzeit im Innen Raum, welche an der Fassade?
- Wie ist der Fußboden beschaffen?
- Wie ist der an das Bauteil angrenzende Boden im Außenbereich beschaffen?
- Wie werden die Räume bisher belüftet, wie soll getrocknet werden?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Was sind denn das für Angaben? Größer als 0, irgendwas kann auch 10 sein. Wer hat die Analyse gemacht?



Salzanalyse



Die Werte entsprechen verdächtig exakt den Grenzwerten für geringe Salzbelastung nach WTA.
Sind die wirklich so gemessen?
Nehmen wir an die stimmen.
Der Durchfeuchtungsgrad liegt deutlich unter 40%.

Dafür bieten Systemhersteller Sanierputzaufbauten an. Ich kenne die Vorgaben von Remmers für diesen Fall.
Das wären ein Spritzbewurf (5 mm), bei Bedarf ein Grundputz zum Ausgleich und ein Sanierputz nach WTA min 20 mm dick.

Aber eigentlich gibt es zu solchen Analysen eine textliche Einschätzung bzw. Wertung der Ergebnisse sowie Empfehlungen zur weiteren Vefahrensweise. Was steht denn noch in der Analyse?

Viele Grüße



Hier würde ich



den Weg mit Luftkalkmörtel beschreiten z.B. solubel SP50.
Dieser Zieht beim Durchcarbonisieren die Feuchtigkeit und Salze aus der Wand und dieser hält vorallem.

Grüsse Thomas



jaja der Georg.....



dem entgeht nix!
War auch so mein Gedanke Georg:-)

Die beiden Räume um die es hier geht, gehören die zu denen mit Keller oder ist das der Teil des Hauses der auf Erdreich steht?



Danke



erstmal für die vielen Antworten. Also ich versuch e die Fragen zu beantworten:

Die feuchten Wände stehen auf Erdreich und sind nicht unterkellert.

An den feuchten Wänden war innen und aussen Zementputz, Höhe ca. 2,00 m, den ich abgeschlagen habe.

Es ist keine Hanghaus

Die zukünftige Nutzung ist als Wohnraum gedacht.

Fußboden ist Estrich, der ist trocken.

Boden im Aussenbereich angrenzend an das Bauteil: Erdreich Bkl. 3 - 5

Belüftung: Fenster offen. Ich lass den Bau über den Winter austrocknen.

Analyse hat Fa. Rygol (putzhersteller) durchgeführt.

Vorgaben von Rygol: Sanierspritz aufbringen. Dann 2 Lagen Sanierputz drauf 10 - 20 mm je Lage. Oberfläche der ersten Lage gut aufrauhen.
Mauerwerk vorher austrocknen lassen und erneute Feuchtigkeitszufuhr unterbinden.



Salze u. Feuchtigkeit



Zur Info:

Bewertung schadensverursachender Wirkung verschiedener Salzionen in Mauerwerkskörpern gemäß WTA-Merkblatt 4-5-99/D

Belastung gering - Maßnahmen im Ausnahmefall erforderlich
Chloride < 0,2 M% / Nitrate < 0,1 M% / Sulfate < 0,5 M%

Belastung mittel – Weitergehende Untersuchungen zum Gesamtsalzgehalt erforderlich – Maßnahmen im Einzelfall erforderlich
Chloride 0,2 – 0,5 M% / Nitrate 0,1 – 0,3 M% / Sulfate 0,5 – 1,5 M%

Belastung hoch - Weitergehende Untersuchungen zum Gesamtsalzgehalt erforderlich – Maßnahmen erforderlich
Chloride > 0,5 M% / Nitrate > 0,3 M% / Sulfate > 1,5 M%


Die Angabe der Feuchte in M% ist wichtig und wird benötigt, dennoch sollte die gesamte Feuchtebilanz ermittelt und der DFG errechnet werden.

Info DFG:

Der Durchfeuchtungsgrad, auch mit DFGges abgekürzt, bezeichnet das Verhältnis von Feuchtigkeitsgehalt zur maximalen Wasseraufnahme bei Baustoffen. Der Durchfeuchtungsgrad wird indirekt bestimmt, indem Feuchtigkeitsgehalt und die maximale Wasseraufnahme, jeweils als Massenprozent, gemessen werden. Der Durchfeuchtungsgrad dient der Beurteilung feuchter Baustoffe, beispielsweise von Holz, Estrich oder Mauerwerk.

Der Durchfeuchtungsgrad ein für die Auswahl von chemischen Injektionsmitteln zur Erstellung nachträglicher Horizontalsperren benötigter Kennwert. Auch die anzuwendende Verfahrenstechnik wird vom Durchfeuchtungsgrad beeinflusst.
Die meisten chemischen Horizontalsperren werden ohne Ermittlung des Durchfeuchtungsgrades von z.B. Architekten, Fachplanern und Ing.-Büros ausgeschrieben und von Fachfirmen ausgeführt. Diese Vorgehensweise kann als grob fahrlässig bezeichnet werden und widerspricht auf vielfältige Weise den Regelwerken.





>>>“Die meisten chemischen Horizontalsperren werden ohne Ermittlung des Durchfeuchtungsgrades von z.B. Architekten, Fachplanern und Ing.-Büros ausgeschrieben und von Fachfirmen ausgeführt. Diese Vorgehensweise kann als grob fahrlässig bezeichnet werden und widerspricht auf vielfältige Weise den Regelwerken.”<<<

Und das ist sehr pauschaler Blödsinn.

Grüße aus Schönebeck





>>Und das ist sehr pauschaler Blödsinn.<<

Tja, dann leben wir in offensichtlich verschiedenen Realitäten.

Schöne Grüße



Herr Dröhne....



mit einem CM Messgerät, einer Tabelle und nem Taschenrechner ist das gar nicht so aufwendig wie von Ihnen abgeschrieben und hier eingestellt, dauert 15min.

Noch was pauschales.
Fachplaner, Planungsbüros und Architekten schütteln nur gelegentlich den Kopf warum man eine schützende Patina von einem Denkmal nimmt und es so, schön gereinigt, den Umwelteinflüssen preisgibt:-)

Viele Grüße



Ich



habe eine komplette abschnittsweise Unterfangung geplant. Mit anschliessender Einlage einer Sperrbahn. Muss ich nun dazu noch den Durchfeuchtungsgrad ermitteln? Oder ist diese Art der Absperrung ok?





Ich würde erstmal auf Ursachenforschung gehen (lassen)

Grüße aus Schönebeck



Der



Putzhersteller sagt es ist aufsteigende Feuchtigkeit. Aber ich weiss, darüber gibt es hier kontroverse Diskusionen. Aber was könnte es noch sein?





>>>“Putzhersteller sagt es ist aufsteigende Feuchtigkeit.”<<<

Hat der sich das Objekt angesehen?

Grüße aus Schönebeck



Verschiedene Realitäten also ...



... bisher bin ich noch nie in die Verlegenheit gekommen eine "chemische Horizontalsperre" ausschreiben oder gar einbauen zu müssen.

Hallo Russi,

mal die Messung beiseite gelassen hast du das Wesentliche in Deinem späteren Beitrag geschrieben:

"An den feuchten Wänden war innen und außen Zementputz, Höhe ca. 2,00 m, den ich abgeschlagen habe."

Der Zementputz hat die bestehende Wand beidseitig daran gehindert abzutrocknen, hinter dem Putz musste es einfach feucht sein. Hier kann die Feuchtigkeit nicht bis an die Materialoberfläche vordringen und ausdiffundieren, sondern wird weiter noch oben transportiert als es die natürlichen Materialeigenschaften zulassen würden. Aufsteigende Feuchtigkeit ist eine gern genommene und schnell akzeptierte Diagnose.

Fußboden trocken, Wände feucht würde diese Annahme auch noch stützen. Wie ist denn der genaue Fußbodenaufbau?

Zunächst würde ich alles Zementputzreste entfernen und das ganze gezielt abtrocknen lassen. Die Idee den Bau über den Winter austrocknen zu lassen ist ganz gut. Derzeit ist eine permanente Lüftung nicht anzuraten, da die Luftfeuchtigkeit der Außenluft noch immer recht hoch ist.
Beim Lüften ist immer darauf zu achten, dass die Temperatur der Außenluft kühler ist als die Oberflächentemperatur der Innenwände. Im Winter kein Problem denn besonders in Zeiten mit niedrigen Außentemperaturen ist das Lüften ganz besonders wirksam, da die kalte Luft - die eben gerade wenig Feuchte enthält - beim "einströmen" an den Oberflächen erwärmt wird. Hierbei sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, die Luft wird „trockener“ und gerade jetzt erst richtig aufnahmefähig für die abzutransportierende Feuchtigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt nun wieder an, bis auf etwa 70%, dann ist die normale Aufnahme weitgehend erschöpft, ein erneutes Lüften ist nötig. Je kälter die Außentemperatur ist, um so effektiver erweist sich die Lüftung. Mehr dazu hier.

Wenn Du dich daran hältst wird die Feuchtigkeit in der Wand abnehmen. Es ist gut möglich, dass Du keine Horizontalsperre einbauen musst, doch das sollte sich einmal jemand vor Ort ansehen, vielleicht finden Sie über die Suche oben rechts jemanden in Ihrer Nähe. Statt einem Sanierputz würde ich zu einem Luftkalkmörtel greifen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



ehem. Stall zu Wohnraum = Umnutzung = Genehmigungspflichtig



Der



Putzhersteller hat sich das Haus angesehen. Er sagt aufsteigende Feuchtigkeit. Auch ein Bauunternehmer rät mir zur Feuchtigkeitssperre. Ist halt schwierig auf diese zu verzichten wenn die Experten dazu raten.
Aber es soll auch draussen ein Vollwärmeschutz drankommen, da ich im OG nur 30 cm starke Wände habe. Die Zementarmierung würde wieder absperren. Deshalb glaub ich, ist die Feuchtigkeitssperre schon ratsam.

Ist es dann auch noch ratsam den Luftkalkmörtel zu nehmen, wenn draussen ein VWS drankommt?

Mit der Feuchtigkeit ist es so: Am schlimmsten ist die Seite wo das Haus direkt auf dem Boden steht (Traufseite, also 1. Ziegelreihe auf Höhe Erdreich. Dann nimmt es auf den Giebelseiten zur anderen Traufseite hin ab. Die andere Traufseite ist total Trocken. Auf der anderen Traufseite kommt die erste Ziegelreihe erst auf 50 cm Höhe, darunter ist Naturstein und darunter kommt erst das Erdreich.



Gelegentlich tun sich....



hier Frage auf die garkeine sind.
Das Mauerwerk braucht eine HZ-Sperre und aufgrund der Salze ein Sanierputzsystem!
Und da gibt es auch nix zu diskutieren von wegen Kalkmörtel hin, Kalkmörtel her, Wasser rein, Verdunstung raus, Diffusion und blablabla

Gruß

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Es sei denn, ja es sei denn du bringst innen einen Kalkputz auf. Verzichtest auf die Sperre. Stellst aber dafür ein Warmluftgebläse auf das den unteren Teil der Wand mit warmer Luft beaufschlagt und unmittelbar hinter dem Gebläse stellst du einen Luftentfeuchter daneben.
Dann, ja dann hast du eine trockene Wand im unteren teil ohne die dumme HZ-Sperre aber dafür mit Kalkputz und viel Geräuschkulisse. Dafür sorgt zumindest der Staubsauger den du täglich brauchst zum aufsaugen der rieselnden Salzkristalle die aus dem Putz blühen:-)



Salzanalyse



Bleiben wir bei der Salzanalyse:
Das ist erst mal richtig, Jens wenn die Wand versalzen und feucht ist aber ich bin beim Ergebnis der Analyse eben sehr misstrauisch.
Da will eine Firme teuren Sanierputz einbauen und dazu noch eine Horizontalsperre. Als Beweis der Notwendigkeit liefert sie die Analysewerte gleich mit (die eigentlich keine sind).

Ich schlage Russi folgendes vor:
Er soll sich die genauen Ergebnisse der Salzanalyse geben lassen. Inklusive der genauen Probeentnahmestellen also Lage, Höhe und Tiefe an der Wand.
Was ist, wenn die Salzbelastung unbedeutend ist?
Das Salz und die Durchfeuchtung nur in den oberflächennahen Schichten des Zementputzes konzentriert ist?
Auch nur da gemessen wurde?
Ohne eine genaue Analyse keine Entscheidung.
Immerhin geht es hier um eine Menge Geld.
Falls die Firma sich weigert, die vollständigen Analyseergebnisse herauszugeben, dann empfehle ich, selber eine durchführen zu lassen. So hat man eine objektive Bewertung.
Auch was den Wasserhehalt der Wand betrifft, kann man durch die üblichen Maßnahmen hinsichtlich Wassereintrag von Außen eine Menge erreichen.
Ich rate also zur Vorsicht was die Beauftragung betrifft.

Viele Grüße