Frage zu Salpeter an der Kellerwand

07.11.2008



Hallo und guten Tag,
ich habe eine Frage und zwar bewohne ich eine Wohnung in einem Fachwerkhaus ( Denkmalschutz-Kulturerbe )gebaut wurde das Haus 1834, das Problem ist Salpeter an einer Kellerwand, der munter spriest. Wie kann ich das Problem beheben lassen ?
Würde mich über Antworten freuen.
Lieben Gruß Angelika



Salpeter



Hallo Angelika,
das klingt erst einmal nach einer Mietwohnung, die Sie haben.
Das Problem liegt also grundsätzlich bei Ihrem Vermieter und nicht bei Ihnen.

Mit dem Behebenlassen ist das ohnehin so eine Sache.
Wenn Sie Mauerwerkstrockenleger und ähnliche Firmen aus der Zeitungswerbung kommen lassen, werden Sie sich wundern, wie kaputt der Keller und das Haus ist, das von bösen Salzen zerfressen wird.
Wie gehen seriöse Anbieter normalerweise an die Problemlösung?
Zuerst werden die versuchen, die Größe, die Art und die Ursache der Salzbelastung und der Durchfeuchtung festzustellen:
- wann trat die Salzausblühung auf oder war sie schon immer da?
- was für ein Salz blüht da aus, Kalksinter, Magnesiumverbindungen, Chloride, Nitrate...?
- was liegt bzw. lag vor der betreffenden Kellerwand, ehemalige Trockenklos, Stallgebäude, Entwässerungsleitungen Sicker- oder Klärgruben?
- wie wird der Keller überwiegend genutzt, wie ist der Gesamtzustand?

Aus diesen Erkenntnissen heraus kann man dann Sanierungsvorschläge erarbeiten.
Bei einem Kellerraum in normaler Nutzung kann es schon reichen, die Ausblühungen ab und an einfach abzukehren bzw. zu bürsten, wenn die Quelle der Versalzung bzw. der Feuchte abgestellt wird.


Viele Grüße

Viele Grüße



Thema Salpeter



Vielen Dank für Ihre Antwort.

Es handelt sich nicht um eine Mietwohnung sondern um eine Eigentumswohnung. Der Salpeter habe ich erst nach dem Kauf der Wohnung entdeckt.
Es handelt sich um eine Aussenwand, diese grenzt direkt an das Nachbargebäude.
Der Kellerboden ist mit Estrich ausgelegt und ich nutze den Keller ganz normal. Im Nachbarkeller, der meinem gegenüber liegt, findet sich kein Salpeter bzw. keine Salzausblühungen.

Wie kann ich feststellen, wo die Feuchtigkeit her kommt ?
Sollte ich erst mal versuchen die Wand abzubürsten. Was muss ich dabei beachten ? Brauche ich da einen Mundschutz, ist das Zeug giftig ?

Lieben Dank für die Hilfe und einen schönen Abend.
Viele Grüsse Angelika



Salzausblühungen



Beim Abkehren bzw. noch besser Absaugen mit einem Baustaubsauger (eigener geht auch!), ist eigentlich kein großes gesundheitliches Risiko zu erwarten. Außerdem, man ist allergisch gegen Staub und Dreck.
Und dann bestenfalls mal mit einem Techniker eine Wandfeuchtemessung vornehmen und kontrollieren, ob es vielleicht an dem eingebauten Betonboden liegt.
Denn meistens sind diese zu dicht und mit Sperrfolien zusätzlich gegen aufsteigende Feuchtigkeit versehen.
Somit passiert es dann immer wieder, dass die alten Wandbereiche plötzlich mehr überfeuchten und zu diesen Oberflächenerscheinungen neigen.


Grüße Udo



Salzausblühungen



Vielen Dank Udo,
das ist sehr nett, dass Sie mir den Tipp mit dem absaugen gegeben haben.
Ich werde das auf jeden Fall mal versuchen und werde mich auch mal bei der Hausverwaltung informieren bezüglich einer Wandfeuchtemessung.
Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen.
Mit freundlichen Grüssen
Angelika



Kalk und Salpeter?



Hallo Ruth,

schau mal hier rein:

http://www.porofin.de/POROFIN_INFOMAPPE_PMD.PDF

MfG, Ralf





Hallo Angelika,

was unterscheidet diesen Keller im wesentlichen von all den anderen im Haus, in denen es keine Salpeterausblühungen gibt?

- Sind die Böden gleich gefertigt worden?
- ebenso die Wände?
- Welche Temperatur herrscht im Keller vor?
- gibt es evt. eine permanente Lüftung oder steht ein Fenster dauerhaft auf?
- Ist bekannt wie der Keller früher genutzt wurde?
- Was findet/fand auf der anderen Seite der Außenwand statt?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer

P.S.: Dann möchte ich mich mal Herrn Rupnow in ähnlicher Empfehlung anschließen: Schauen Sie hier mal rein: Fachwerk.de => Suche => Porofin. Etwas Zeit mitbringen

... und wer ist eigentlich Ruth ?





Sorry, da habe ich wohl nicht alle Buchstaben mitgetippt. Natürlich Angelika Ruh. Aber egal, lesen Sie die Infomappe. Wenn Herr Kornmayer so charmant auf Zeit hinweist meint er damit die vielen Diskusionen über die eine oder andere Meinung hier im Forum zu der einen oder anderen Methode. Machen Sie sich aber einfach selbst ein Bild. Hier ein Auszug zum Salpeter aus der Infomappe:

Wie jeder, der eine nasse Kellerwand hat, weiß, entstehen auf der Wand immer wieder weiße, lose Ablagerungen, die im Volksmund Salpeter genannt werden. Die Ablagerungen sind natürlich keine Salpeter-, sondern Kalk-Ausblühungen.
Warum die Ausblühungen als Salpeter bezeichnet werden, soll auch kurz erklärt werden.
Im Preußenreich, welches große Mengen Schießpulver benötigte, wurden dementsprechend große Mengen an Salpeter, dem Hauptbestandteil des Schwarzpulvers, benötigt. Da es in Preußen keine Salpeter-Lager-stätten gab, musste Salpeter aus dem Ausland eingeführt werden, was in Kriegszeiten schwierig und zudem teuer war.
Ein findiger Allchimist hatte nun bemerkt, dass Mauern, die aus Kalksteinen (Kalk-Bruchstein) gemauert waren, beim Begießen mit Jauche, nach einigen Tagen weiße Ausblühungen zeigten. Er stellte fest, dass diese Ausblühungen aus Kalksalpeter bestanden, den man mit Kalisalzen in Kalisalpeter -wie gesagt, Hauptbestandteil des Schwarzpulvers- umwandeln konnte.
Da die Kalkausblühungen an nassen Wänden ein ähnliches Aussehen haben, wie die Ausblühungen der Salpeter-Gewinnungswände, war in der damaligen Zeit klar, dass alles Salpeter war, was aus einer Wand ausblühte, obwohl alle Versuche scheiterten, aus dem „Salpeter“ normaler nasser Wände Schießpulver herzustellen.
Wie kommen nun die Kalkausblühungen auf die Wand?
Das in die Wand eindringende Wasser löst bei seinem kapillaren Transport geringe Mengen Kalk aus dem Mauermörtel, der ja aus einem Gemisch von Kalk und Sand besteht, auf. Die Kapillaren transportieren das Kalkwasser an die Maueroberfläche, wo das Wasser verdunstet und den Kalk als feine, weiße Ablagerung zurücklässt. Ein Vorgang, der aus Tropfsteinhöhlen bekannt ist.
Die auf den Kellerboden rieselnden Kalkausblühungen sind aber nicht nur lästig, weil man sie ständig auf kehren muss, sondern zeigen dem Fachmann, dass das Mauerwerk einem langsamen, aber ständigen Verfall ausgesetzt ist. Der Kalk stammt nämlich aus dem Mörtel, in dem der Kalk als Bindemittel für den Sand dient. Wenn nun ständig Kalk aus dem Mörtel aufgelöst und wegtransportiert wird, dann wird der Mörtel immer binde-mittelärmer und verliert an Festigkeit. Außerdem werden die Mörtelporen durch den Kalkverlust immer größer. Durch die größeren Poren erhöht sich die Geschwindigkeit des Wassertransports. Durch den steigenden Wassertransport wird mehr Kalk aufgelöst, was zu noch größeren Poren und noch größerem Wassertransport führt. Vorgänge, die von Tag zu Tag schneller und größer werden.
Eines Tages ist dann der Mörtel so geschwächt, dass seine Druckfestigkeit nicht mehr ausreicht und er das Gewicht des Hauses nicht mehr tragen kann. Die Fugen werden zusammengedrückt und die Steine verlieren ihren Halt. Der Fachmann nennt diesen Vorgang „Baufälligkeit durch Mörtelkompression“. Das Haus ist dann nicht mehr zu retten.
Bei Häusern, die achtzig Jahre oder älter sind, muss man den ständigen Wassertransport, durch die Erstellung von Sperren, abstellen, wenn man die Bausubstanz noch länger erhalten will.



Salzausblühungen



Guten Tag Herr Kornmayer
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich bin mal aus Spurensuche gegangen.
Es ist so, dass es sich um einen Gewölbekeller handelt und die Keller sind offen und nur durch Holzabtrennungen getrennt worden.
Bei meinem Keller handelt es sich um den letzten Keller zur Aussenwand. Die nasse Aussenwand grenzt an ein Nachbarhaus.
Zwischen dem Nachbarhaus und unserem Haus befindet sich das Regenfallrohr und dieses läuft an der nassen Wand entlang und ca. 50 cm über dem Boden läuft das Regenfallrohr in unseren Keller und ich denke unter dem Estrich dann in die Kanalisation.
Wir haben im Keller zwei tragende Säulen und auch an diesen habe ich die Salzausblühungen gefunden.
Es gibt ein Fenster im Keller und dieses ist schräg gestellt, dass etwas Luft in den Keller kommt.
Die Böden sind gleich gefertigt worden, es handelt sich um einen Estrich.
Die Wände sind auch gleich sind ganz alte Steine in unterschiedlicher Grösse und zum Teil mit etwas Mörtel aufgefüllt.
Ich hoffe Sie können mir noch einen Tipp geben.
Herzlichen Dank und einen schönen Abend und vielen
Dank für Ihre Hilfe.
Angelika Ruh





Hallo Frau Ruh,

zunächst würde ich den schon von Herrn Böttcher angesprochenen, preisgünstigeren Weg einschlagen: Abstellen der Feuchtigkeitsquelle.
Zunächst Kondensfeuchte durch vernünftige Lüftung etc. ausschließen (war das Fenster möglicherweise den gesamten Sommer über gekippt?), dann das Regenrohr kontrollieren lassen.

Gibt es vielleicht Bereiche im Keller – z. B. in der Nähe des Regenrohres die mehr befallen sind als andere?
Kontrolle: Wenn diese beiden Faktoren ausgeschlossen sind können Sie in regelmäßigen Abständen die Wandfeuchte an verschiedenen Stellen messen, aufschreiben und vergleichen was über den Winter passiert.

Trotz allem wäre es besser, wenn sich das mal jemand ansieht, vielleicht finden Sie einen Kollegen über die Suche per Postleitzahleneingabe.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Salzausblühungen



Guten Abend Herr Kornmayer,
herzlichen Dank für Ihre Antwort. Sie haben Recht die Salzausblühungen sind in der Nähe des Regenfallrohres am stärksten.
Das Fenster war den ganzen Sommer über gekippt und wurde jetzt im Oktober von meinem Nachbarn, in dessen Keller sich das Fenster befindet, geschlossen.
Dieser Keller liegt meinem direkt gegenüber.
Aber ich werde jetzt das machen was Sie mir mitgeteilt haben.
Ich werde der Hausverwaltung mitteilen, dass Sie uns mal einen Fachmann in das Haus schickt.
Vielen Dank nochmals für die Hilfe, welche ich von Herrn Böttcher und Ihnen erfahren habe.
Einen schönen Abend für Sie und
freundliche Grüsse
Angelika Ruh



Fallrohr!?



Hallo Angelika Ruh,

die Vorschläge von Herrn Böttcher und Herrn Kornmayer sind sicher nicht falsch, doch wenn Sie "Salpeter" im Keller haben kommt das nicht von Kondensfeuchtigkeit. Hier liegt in jedemfall der Defekt einer Erdgebundenen Feuchtesperre vor. Wenn die in Ordnung wären könnte ein Kapillarer Wassertransport nicht stattfinden der wie beschrieben Salze und Kalk durch die Kapillaren nach außen transportiertes sei Sie hätten den Keller mal mit Wasser geflutet. Mit dem öffnen des Fensters im Sommer haben Sie sicher das Problem zusätzlich verschlimmert aber nicht verursacht. Die Tatsache das es im Bereich des Fallrohrs am schlimmsten ist bestätigt meine Ansicht da hier vermutlich besonders viel Wasser zur Wand angetragen wird. Ich finde auch das ein Fachmann aus Ihrer Region mal genau den Fall prüfen sollte.

Viel Glück,