Salzpetersaeure

22.07.2006



Hallo - ich habe einen kleinen 3 seiten hof gefunden bei uns im Nachbardorf der mir sehr gut gefaellt- gebaut wurde er so um 1900. Nun das Problem ist, mein Papa hat gesagt das in der Mauer Salzpetersaeure ist und das man das Haus nur noch abreissen kann. Hat jemand Erfahrung damit und gibt es vielleicht eine preiswerte Loesung fuer das Problem?
Gruss aus der Hitze in die Hitze Jeannette



Salpeter



Was Ihr Vater meint, ist keine Salzpetersäure, sonder sogenannter Salpeter oder andere Salze, die im Mauerwerk vorhanden sind. Diese können verschiedener Art und Herkunft sein, zum Beispiel durch Streusalz am Bürgersteig oder durch einen Misthaufen direkt am Haus.
Daß man das Haus nur noch abreißen kann ist sehr wahrscheinlich eine maßlose Übertreibung. Vielleicht könnten Sie mal ein Bild einstellen.
Je nach Nutzung stellen leichte Salzausblühungen kein größeres Problem da, zumal diese selten überall auftreten, sondern meist nur da wo wie erwähnt der Misthaufen war, oder die Straße mit Salz gestreut wird.



Abriss oder Sanierung



Hallo

Der "Salpeter" der in der Mauer steckt (ob nun aus einem Misthaufen, Stall oder von der Strasse kann manchmal auch alte Ziegelsteine kaputt machen und richtig "zersetzen" - aber da muss man nicht gleich die Hütte abreissen ...
ein partieller Austausch der Steine geht mit eineigem Aufwand ... aber das ist das "Schlimmste" ... Wenn die Wand damit belastet ist muss das Zeug rausbebracht werden ... in dem man einen sog. "Opferputz" aufbringt, der die Salze herauszieht; herausziehen kann - und das macht am besten ein Luftkalkmörtel.
Wenn der "Voll" ist muss der Wieder runter und ein neuer drauf ... Ist zwar etwas aufwändig aber m.E: die beste Lösung ... alle anderen gehen nach der devise: "Was ich heute nicht machen will - macht ein anderer in naher Zukunft!"
Alle Versuche den Putz sperrend aufzubauen (damit nichts "durchkommt") hat die Konsequenz, dass das Zeug drinnen bleibt und irgendwann die Wand fertig gemacht hat ... dann wird die Sanierung teurer ...

Wie gross nun die Schädigungen sind, kann man nur vor ort sehen ...
Vorher ansehen lassen und eine Expertise einholen ... dann kann man besser abschäten, was zu machen ist ....

mfG

FK



Nitrate



Hallo Jeanette

Hier eine kurze Exkursion zum Thema "Salpeter":
Unter Nitraten versteht man in der anorganischen Chemie die Salze (M+NO3) der Salpetersäure, HNO3. Viele von ihnen haben Trivialnamen, die auf -salpeter enden.
z.B.
* Ammonsalpeter (Ammoniumnitrat)
* Barytsalpeter (Bariumnitrat)
* Chilesalpeter (Natriumnitrat)
* Kalisalpeter (Kaliumnitrat)
* Kalksalpeter (Calciumnitrat)
Historisch sind vor allem Kali- und Chilesalpeter als Sauerstoffspender im Schwarzpulver von Bedeutung.
Nitrate sind in der Biosphäre allgegenwärtig. Das Nitrat kann direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden.

Grundwasser enthält geringe Mengen löslicher Salze, darunter Chloride, Nitrate und Sulfate. Diese steigen im Wasser gelöst durch das Mauerwerk auf und bleiben bei der Verdunstung als Rückstände zurück. Nach vielen Jahren aktiver aufsteigender Feuchtigkeit sammeln sich große Mengen dieser Salze im Mauerwerk und in den Fassaden an, wo sie meist in einem generellen „Salzstreifen“ in Maximalhöhe der Feuchtigkeit konzentriert sind.
Oft befinden sich Konzentrationen dieser Salze auch sehr weit unten an der Mauersohle.
Sowohl Chloride als auch Nitrate haben im Allgemeinen hygroskopische Eigenschaften, d.h. sie können Feuchtigkeit aus der näheren Umgebung absorbieren, und allgemein lässt sich feststellen, dass je höher der Salzgehalt, desto größer die Absorptionsrate von Feuchtigkeit, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit. Es ist also möglich, dass die aufsteigende Feuchtigkeit zwar durch Einsetzen einer instandsetzenden Feuchtigkeitssperrschicht beherrscht wurde, das Mauerwerk und ggf. befallene Fassaden bzw. Dekorationen aber aufgrund der Salze weiterhin feucht bleiben.

Gruß

L. Parisek



Es gibt wie immer mehrere Lösungen



Da der Begriff Salpeter ausführlich beschrieben wurde z.B. woher aber auch wie dieses Problem zu bearbeiten ist noch eine etwas andere Variante.
Solange Salze in Lösung bleiben passiert überhaupt nichts.
Was die Oberfläche zerstört ist ausschließlich der Wechsel - trocken - feucht.
Nun kommt es darauf an, welche Salze wo und in welcher Konzentration vorliegen. Da bekannt ist, dass sich die Salze im wesentlichen an der Oberfläche anreichern (weil nur das Wasser verdunstet) reicht es aus, durch eine dampfdichte Verkleidung dafür zu sorgen, dass die Salze in Lösung bleiben.
Die Argumente, dass die Wand zerstört werde entbehrt jeder Grundlage.
Man denke nur an Fundamente in sehr alten Stallungen. Auch hier geht "nur" die Oberfläche kaputt nicht jedoch die Wand.
Es wird auch nicht nach oben gedrückt wie so oft behauptet.
Dafür gibt es keinerlei Argumente.
Zwar gibt es die hygroskope Wasseraufnahme, dies aber nur dann, wenn die Oberfläche nicht dampfdicht ausgebildet ist.