Dielen gerissen

10.07.2015 jonzewiespike



Lieber Forumsteilnehmer,


ich habe eine erneute Frage bezüglich meines Katastrophenbaus.

Bei der heutigen Begehung fiel auf, dass sämtliche Thermostate der Fussbodenheizung im Haus auf Maximaltemperatur gestellt worden waren.
Da die Heizungsanlage laut Heizungsinstallateur noch nicht eingeregelt war, lief diese mit einer Durchlauftemperatur von 45-55°C.
Sämtliche Wohnungen hatten eine Innentemperatur um 30°C gemäß , die Luftfeuchtigkeit betrug nur noch 40% (zuvor ca. 55-60%)laut den dort installierten Messgeräten.
Da dies am Morgen des Vortages bei der Begehung noch nicht der Fall war, scheint dies im gestrigen Tagesverlauf erfolgt zu sein.

Das Problem ist, dass auf 150 m² Douglasiendielen (pur natur, 25 cm breit, bis 4 m Läne, 22 mm Dicke) verlegt sind
(verdeckt verschraubt auf Traghölzern). Die Dielen sind bereits gelaugt und geölt (vor 7 Tagen).
Diese zeigen nunmehr deutliche Risse, teils über die gesamte Dielenlänge.

Wie immer ist unklar wer die Thermostate verstellt hat.
Am gestrigen Tag waren sowohl Heizungsinstallateur, Tischler (für den Boden verantwortlich) und Maler, sowie die Reinigungsfirma im Haus.

Falls jemand einen Rat hat möchte ich darum bitten ob mir jemand mitteilen kann ob und falls ja an wen ich eine Mängelanzeige stellen kann oder, wieder einmal, auf dem Schaden sitzen bleibe.

P.S.: Sämtliche Verträge nach VOB. Eine Abnahme ist noch nicht erfolgt.

P.P.S: Ich schließe nicht aus das es sich um Sabotage handelt.

Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße!



Dielung



Zur rechtlichen Problematik:
Gibt es einen Bauleiter AG?
Gibt es einen Objektüberwacher/Baubetreuer?
Gibt es einen Generalunternehmer?
Gibt es einen Bauträger?



Wie



wurden sie Dielen auf dem Untergrund befestigt und sind diese für diesen Aufbau vom Hersteller vorgesehen.

Und wer hat den Aufbau geplant?

Grüße



Antworten.



1) Sehr geehrter Herr Böttcher, ich kann Ihnen die folgenden Angaben machen:
Die Bauleitung hat unser Architekt, inklusive Leistungsphase 8, also der Baubetreuung.
Es sind verschiedene Einzelgewerke beauftragt.
Was genau ist ein Bauleiter AG?

2)Sehr geehrter Herr Meurer, hier die Antworten auf Ihre Fragen:
Die Dielen sind gemäß Herstellerangaben auf Traghölzern verschraubt. Laut Hersteller ist die Verwendung auf FBH problemlos möglich. Allerdings nicht bei so hohen Vorlauftemperaturen, die nun aus nicht nachvollziehbarer Ursache vorlagen.
Der Aufbau ist von Architekt und Tischler gemeinsam geplant worden.

Herzliche Grüße



Dielung



Zur fachlichen Seite kann ich mich nicht äußern, ich bin Maurer, aber zur vertragsrechtlichen:
Ein Bauleiter AG ist der Vertreter des Bauherren in fachlicher Hinsicht. Er koordiniert die Schnittstellen zwischen der öffentlich-kommunalen Seite und dem Bauherren, die Schnittstellen zwischen den Gewerken und beaufsichtigt die Arbeit des Architekten.
Diese Funktion kann! auch der HU oder der Architekt übernehmen, das muß dann aber vertraglich so geregelt sein.
Wichtig ist festzustellen wer diese Funktion (BL AG) hatte als der Schaden eintrat. Den (und dessen Berufshaftpflichtversicherung) können Sie verantwortlich machen, egal wer nun wirklich den Schaden verursacht hat. Das möge dann der Bauleiter AG in seinem Verantwortungsbereich selber klären und seinerseits Schadenersatz fordern. Wenn Sie keinen BL AG eingesetzt haben sind Sie es selber. Sie müssen dann herausfinden wer Schuld hatte und sich an dem schadlos halten. Das ist erfahrungsgemäß kaum möglich wenn mehrere Einzelfirmen beteiligt sind.



Wird die Fußbodenheizung über elektrische Stellantriebe gesteuert?



Es gibt stromlos geschlossene Antriebe (NC) und stromlos offene Antriebe (N0) . Letztere öffnen bei Stromausfall oder Abschaltung komplett. Wenn der Typ NO bei ihnen verbaut ist, und der Rücklauftemperaturbegrenzer zu hoch eingestellt ist oder fehlt, kann das was sie schildern passieren.

Gab es eine elektrische Störung im System?

Gruß
Selle



KAPUTT!



1) Vielen Dank Herr Böttcher. Das bedeutet dann also , dass unser Architekt, der laut Vertrag die Bauleitung innehat, Schadensersatzpflichtig wäre.
AG steht dann für Auftraggeber? Wofür steht HU?

2) Leider kann Ich aktuell nicht sagen was wir für Stellantriebe eingebaut haben, werde das aber in Erfahrung bringen. Von einem Stromausfall oder andersartigen elektrischen Störung wüsste ich aber nichts.

Der Fussboden sieht heute Abend dann stellenweise so aus. Zudem noch mehr Risse und die Fugen sind auch erheblich breiter geworden. Das war dann wohl der Boden :-(



Das ist



aber kein Riss was da in dem Bild sichtbar ist.
Man sieht es nicht genau , aber es scheint mir eine Diele zu sein die etwas Herzholz hat und sich der Span durch die Hitze, der Harz wurde weich, abgehoben hat.
Haben sie etwas mehr Bildmaterial was die Schäden aus der Senkrechten zeigen ?
Übrigens sollten sie sich darauf einstellen , dass der Boden so oder so Fugen und Risse bekommt,im Laufe der Zeit.

LG

G.Kiss



Welches...



System wurde denn als FBH verbaut?

Das Bild zeigt abspleißendes Holz aus dem Kern. Das ist für Douglasie nicht ungewöhnlich. Was ich auf diesem Bild sehe, hat nur sekundär mit der FBH zu tun, diese Abspleißung wäre sonst vermutlich später sowieso passiert. Beschreiben Sie doch die Schäden etwas genauer.

Ist den die Holzfeuchte mit einem ernstzunehmenden HF - Messergerät ermittelt worden?

Verantwortlich scheint mir für eventuelle Schäden derjenige, der die Heizungsanlage in unfertiger Form in Betrieb genommen hat oder dies beauftragte.

Grüße

Thomas

P.S. Der abgebildete Spleißel kann mit Kleber niedergelegt werden, ein klein wenig Nacharbeit, punktuell nachölen...



Danke für die Antworten



Dann bin ich ja zumindest etwas beruhigt. Sieht halt für den Laien beunruhigend aus.
Häufiger sind aber Risse wie in diesem Foto. Ich weiss nicht ob diese normal sind, sie waren aber in den Vortagen noch nicht da.

Dass es zu einer verstärkten Fugenausprägung kommen kann war uns bewusst, dass es zu einer solch erheblichen Rissbildung kommt eher nicht.

Das Fussbodenheizungssystem ist ein Trockenbausystem und nennt sich Krauthöfer Thermoflair (Würde ich nie weiterempfehlen!). Einen vorgegeben Aufbau für Holzdielen gab es nicht; Heizungsingenieur und Architekt haben einen Bodenaufbau konzipiert und getestet.

Die Holzfeuchte wurde vor der Verlegung durch den Architekten bestimmt und lag im Zielbereich bei ca. 9%. Aktuell gibt es noch keine Messung.



Dielung



HU = Hauptunternehmer.



Auch der...



...abgebildete Riss ist nicht ungewöhnlich, ein Radialriss. Er war schon vorher da, würde ich vermuten. Nur markiert er sich erst jetzt; und wird es wieder in der Heizperiode tun. In den wenigen Stunden zu hoher Temperatur wird sich die Douglasie nicht dramatisch verändern können. Es ist jetzt vermutlich nichts passiert, was im trockneren Heizungsklima im Winter sowieso wieder kommen wird.

Wie ist die Douglasie geschraubt, 1x pro Kreuzungsstelle Lagerholz verdeckt in die Feder?

Das ist suboptimal, wenn Planer und Installateur das Fahrrad neu erfunden haben. Wie soll da eine Berechnung des Systems funktionieren? Es hätte ja auch FBH - Systeme im Trockenaufbau speziell für diese Anwendung gegeben...

Grüße

Thomas





Verstehe ich den Aufbau richtig?

Dielen
Lagerhölzer
Krauthöfer Heizsystem
Beton oder anderer Estrich

Hintergrund der Frage: Das verwendete Heizsystem ist für Laminat, Fliesen usw geeignet, es benötigt einen direkten Flächenkontakt zum Fertigfussboden, andernfalls ist es nicht effizient - die Lagerhölzer würden diesen Kontakt unterbrechen.



Die Infos...



...auf der Seite sind zwar jämmerlich bis dürftig, und einen Fußbodenaufbauvorschlag finde ich nicht; dennoch ist anzunehmen, daß die FBH - Elemente zwischen und nicht unter Lagerhölzern liegen.

Wie weit liegen die Lagerhölzer auseinander, und hat die Oberseite der Heizelemente direkten Flächenkontakt zur Unterseite der Dielung?

Grüße

Thomas



Fussbodenaufbau



Der Fussbodenaufbau stellt sich wie folgt dar (von unten nach oben):

- Holzbalkendecke
- Alte Holzdielen
- Holzfaserplatten 4mm
- Holzfaserplatte 4mm
- Traghölzer und FBH-Elemente. Die FBH-Elemente liegen - zwischen den Lagerhölzern und schließen mit diesen auf einer Höhe ab Gesamthöhe ca. 14mm.
- Anschließend wurde eine dünne wärmeleitende Folie verlegt so daß sich eine weitestgehend plane Oberfläche ergab.
Die Dielung liegt also, getrennt durch diese dünne Folie direkt den FBH-Elementen auf.
- Dielung. Die Lagerhölzer haben einen Abstand von 60 cm. Die Verschraubung der Dielung erfolgte an den Kreuzungsstellen verdeckt in die Feder.

@Herr Böhme
Auch ich hatte eigentlich das Ripal-System favorisiert. Vielleicht können Sie sich erinnern, Sie hatten im letzten Jahr ein Telefonat mit dem Ingenieur. Der Schallschutz ist jetzt gut ;-).
Letztlich wäre das Ripal-System 1) günstiger und 2) vernünftiger gewesen.
Aus Gründen die ich hier nicht öffentlich darlegen kann war ich aber letztlich gezwungen diesen Aufbau und dieses Produkt zu akzeptieren.

Naja, so wie sich alles insgesamt darstellt werde ich in ein paar Jahren den Fussbodenaufbau und gesamten Innenausbau von vorne beginnen. Dann sicher mit einer vernünftigen Konzeption und hoffentlich fähigen Handwerkern.

P.S.: Solche Risse (die dünnen Risse in der Mitte der Diele?) tauchen in fast jeder Diele auf.
Zudem sind auf dem gesamten Fussboden die Schuhsolenabdrücke der nachfolgenden Handwerker zu bewundern.



Mindere Qualität



Der Bodenausschnitt auf dem Bild scheint nicht die beste bzw. zu erwartende Qualität für einen Dielenboden darzustellen .
Die mittlere Diele ist für Douglasie recht hell und die obere scheint im unteren Drittel einen Bläue Streifen zu haben .
Auch vom Erscheinungsbild dürften die Stämme nicht stark genug gewesen zu sein um hochwertiges Schnittgut daraus zu gewinnen.

Wenn Sie noch Abschnitte der Dielen hätten wäre eine Ansicht der Stirnseiten interessant.



Dielen



Die Dielen sind von pur natur. Die Firma scheint zumindest einen guten Ruf zu haben, weshalb wir sie ausgewählt haben.
Bestellt wurde in Select Qualität.
Diese grauen Streifen finden sich teils auch ausgeprägter, auf weiteren vereinzelten Dielen, diese demarkieten sich erst nach der Oberflächenbehandlung. Die Farbe ist nicht die ursprüngliche, der Boden wurde gelaugt und weiß geölt.
Der Parkettmeister, der den Boden abgeschliffen hat empfand das Holz als gut.

Wir haben noch ein paar Reste übrig. Ich werde die Stirnseiten und original Farbe später mal fotografieren und einstellen.



Eine geringere Qualität...



sehe ich nur bei der Verbläuung. Da wäre über eine Minderung zu reden, das hat in dem hochwertigen Dielenangebot nix zu suchen. Wie der gelöste Spleiß nachgebessert werden muss. Soweit die Sortierungskriterien das nicht ausschließen, darf Splint in beliebiger Menge dabeisein. Die mittigen Haarrisse deuten nicht unbedingt auf einen schonenden Trockenprozess hin (leider wird die duldsame Douglasie oft ziemlich schnell heruntergetrocknet); aber fast alle Hersteller schließen Haarrisse in Ihre Sortierungskriterien ein. Sie sind kaum sichtbar und die Funktion der Diele wird nicht beeinträchtigt. Vorallem aber markieren sie sich oft erst nach Verlegen/ Oberflächenbehandlung/ Nachtrocknen in der Heizperiode.

Eine andere Sache ist die Hiebreife. Ohnezweifel ist älteres Holz besser als das hier abgebildete. Jedoch ist das Alter eben kaum einmal ein Sortierungskriterium. Zumindest bei den größeren Herstellern wird man wohl kaum dazu Aussagen bekommen.

Grüße

Thomas



Tatsächlich,



ich erinnere mich an das Telefonat. Der Ripal - Aufbau wäre höher geworden, hätte aber auch eine vollwertige Fußbodenheizung mit einer kompletten Berechnung geboten. Da habe ich bei der vorliegenden Ausführung meine Zweifel.

Vielleicht kontaktieren Sie 'mal den Hersteller und fragen ihn, was er von der ausgeführten Verlegung hält, und speziell, ob er eine hinreichende Heizleistung sieht.

Zum anderen würde ich einen nicht unerheblichen Teil der Rechnung bis zum Nachweis einbehalten, daß Ihre Wohnung auch tatsächlich im Winter warm wird.

Mitunter werde ich hier angegriffen, weil ich unter Dielung NUR das Ripal - System empfehle. Man bedenke aber, daß eine massive Diele auf FBH immer ein wenig Grenzbebauung ist, abhängig von guten Materialien bei FBH und Dielung. Und da sehe ich aus eigener praktischer Erfahrung halt nur bei Ripal eine hinreichend gute Wärmeverteilung und ein durchweg sehr gut leitendes System, daß die niedrigen Vorlauftemperaturen unter Holz erst ermöglicht. Denn was passiert, wenn es nicht hinreichend warm im Hause wird? Sie erhöhen die Vorlauftemperatur :-(

Grüße

Thomas



Von



Herrn Krauthöfer kamen leider nur schwammige Aussagen die in keinster Weise behilflich waren. Nachfragen lohnt sich da nicht.
Wie bereits erwähnt kann ich dieses System nach den gemachten Erfahrungen definitiv nicht empfehlen.



Ich verstehe



nicht warum die Heizung mit 45-55°lief. Wenn der Heizungsbauer die Anlage in Betrieb nimmt dann bitte auch mit der richtigen Vorlauftemperatur!

Was sagt Ihr Architekt?