Innenlehmputz - aber richtig!

01.02.2010



Hi!

Wir sind grade dabei uns ein Fachwerkhaus von 1900 zu kaufen.

Der erste Schritt dort wird sein die Wände von den Generationen von Tapeten (teilweise Isoliertapete) und Grundierung zu befreien und zu verputzen.

Leider haben wir keine Ahnung von Lehmputz.

Wie funktioniert das, wenn wir Lehmgefache und Holzträger frei gelegt haben?

Kommt der Lehmunterputz da direkt drauf oder muss da irgendwas zwischen? Vieleicht damit es überhaupt hält?

Wie dick muss der Lehmunterputz sein und wie dick der Lehmoberputz?

Welche Anbieter von Lehmputz und welche Produkte da kann man empfehlen?

Gibt es gute Literatur zum Thema?

Ich hoffe ich nerve nicht mit diesen Anfängerfragen...
Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für jede Hilfe.

Gruß,
Tom





Hallo,
Ich denke wenn Sie noch gar keine Ahnung haben, sollten Sie spätestens nach dem Freilegen der Wände einen Fachmann für derartige Objekte auf die Baustelle holen.
Es geht ja nicht nur um den Putz sondern um einiges mehr woran Sie sicher noch nicht denken. Auch um eventuelle Holzschäden beispielsweise.

Grüße aus Schönebeck



mach bloß nicht den Fehler,



alles abzureißen.

Gruß...J.





Einen entsprechenden Fachmann für ökologische Sanierung von Fachwerkhäusern haben wir an der Hand, der auch eine erste Sichtung der Baumaterie gemacht hatte.
Den kann ich dann zu Rate ziehen.

Warum sollte nicht alles runter?
Ich dachte Fachwerkwände sollten innen diffusionsoffen verkleidet sein.
Und das sind 2-3 Schichten Tapeten mit Tapetenleim nun mal nicht.

Für entsprechende Aufklärung wäre ich dankbar...

Gruß,
Tom





Hallo Tom,
ob nun alles runter sollte oder nicht hängt zum einen vom ist Zustand ab, und zum anderen von dem was Sie für weitere Vorstellungen haben. Elektrik, Dämmung, Wandheizung usw.
Für eine Begutachtung der Fachwerkkonstruktion ist eine konsequente Entkernung immer gut. Hier werden oft auch Bausünden offengelegt die man sonst eventuell nicht gesehen hätte.


Grüße aus Schönebeck





Ah, danke für die Information.

Eine Innendämmung ist nicht vorgesehen, da wir aus einem nicht isolierten Holzbau in das Haus ziehen und daher die einfachen Fachwerkwände schon riesige Sprünge nach oben auf unserer persönlichen Dämmskala machen. :)

Wandheizungen sind installiert und sollen weiter betrieben werden. Ihre Rohe sind, genauso wie die Elektrik, in den Fussbodenleisten verlegt, kommen dem Entkernen also auch nicht wirklich in den Weg.

Zumal wir einen Elektriker an der Hand haben der uns bei der Neuanbringung der Elektrik zur Hand gehen wird (und ich das vor mehr als einem Jahrzehnt auch mal gelernt habe...)

Da an den Wänden, dank der alten Dame die dort bisher wohnte, die letzten 20 Jahre nicht viel passiert ist, würden wir wie gesagt am liebsten alles runterholen und neu verputzen.

Wobei ich mich jetzt natürlich frage welche Probleme das verursachen könnte.
Auser besagten Bausünden - von denen es ja meist besser ist wenn man sie früher als später findet.

Gruß,
Tom



Warum nicht alles runter?



weil die Erfahrung zeigt, daß mehr abgerissen wird, als es dem Haus gut tut.

"Ich mach hier alles mal neu", heißt es oft, "Geschichte bewahren" ist ein anderer Standpunkt.

Mein Tip: Tapeten runter, aber vorsichtig mit der Putzschicht.

Gruß...J.



Verputzen?



Hallo,
ich würde ja erst mal die Wände von den alten Tapeten bzw. Isoliertapeten befreien und dann mal schauen was zum Vorschein kommt. Wenn Ihr Glück habt, ist der Putz darunter noch ganz gut. Ist zumindest in meinen beiden Häusern so. Da sind zwar paar kleine Stellen abgefallen, die Balken waren bis auf die Dachkammer mit überputzt. Ich habe die Fehlstellen einfach mit Kalkputz bzw. Kalkglätte ausgebessert. An größeren Schadstellen an der Decke habe ich auch mal Ziegeldrahtgewebe drunter gemacht. Wenn Löcker im darunter befindlichen Lehm waren, hab ich die mit Lehmputz ausgebessert. Hat bisher gut gehalten. Die Wände sind nicht perfekt plan, mir gefällts aber so wie es ist. Viel Erfolg und Geduld!





Wie gesagt, es hängt vom ist Zustand ab.
Im Idealfall braucht bloß die obere Lage des jetzigen Lehmverputz runter und eine neue drauf.
Das sollte Ihr Lehmprofi dann einschätzen können.


Grüße aus Schönebeck





Na ja, "Geschichte erhalten" würde ich gerne und da gebe ich dem Fachwerk von 1900 ehrlich gesagt den Vorzug vor 70er Jahre-Tapete. :)

"Mein Tip: Tapeten runter, aber vorsichtig mit der Putzschicht"

...war das, an das ich dachte.
Und für Tips wie diese Vorsicht konkret aussehen sollte bin ich auch immer dankbar. :)

Ich möchte halt einfach nicht das das Fachwerk, da es nicht atmen kann, unter der Tapete langsam aber sicher wegfault.


Edit:
Vielen Dank auch für die weiteren Aussagen.
Wir werden dann mal die Tapete vorsichtig entfernen und schauen was zum Vorschein kommt.
Das dann begutachten lassen und hoffen, das wir einfach auf der alten Lehmschicht überputzen können und nur möglicht wenige Löcher im alten Lehm der Gefache ausbessern müssen. :)

Was müsste man den machen wenn man die Balken überputzen wollte?



Tapeten runter



Also ich hab erst mal abgezogen, was einfach ab ging. Hartnäckiges abgeweicht teils mit so einem Tapetenablösegerät (funktioniert mit Wasserdampf, ob das mit Isotapeten geht -k.A., Sonst halt Spachtel oder so .... und Gedult, Gedult, Gedult!!!





Die Isotapeten fallen eh schon von den Wänden weil die auf dem Untergrund einfach nicht halten.

Und ein entsprechendes Tapetenlösegerät haben wir auch noch in der Abstellkammer.

Also werden wir es wohl auch so halten. :)





Wenn Balken überputzt werden sollen,
sollten Schilfrohrmatten als Putzträger angebracht werden.


Grüße aus Schönebeck



Unverputze Balken sehen auch nicht übel aus



Finde ich zumindest





Die Heizung stört etwas mein Auge.

Grüße aus Schönebeck





Kann man beliebige Schilfrohrmatten nehmen oder gibt es da spezielle für die Verputzung?

Ja, stimmt, mir gefallen unverputzte Balken auch gut nur schränkt das in der Möbelauswahl sehr ein.
Da leg ich mich nicht mit der angehenden Hausherrin an. ;)





Die Schilfrohrmatten bekommen Sie dort wo Sie den Lehm beziehen.
Hier im Forum sind auch viele die diese Baustoffe vertreiben.

Grüße aus Schönebeck



Für's herangehen...



...an Ihre renovierenden Vorstellungen, haben Sie schon den richtigen weg gewählt.
Welche Gesamterfahrung hat Ihr erwähnter ökologischer Fachmann, was Sanierungs- und Renovierungsfragen in Fachwerkhäusern betrifft?

Vieles wurde hier bereits angeschnitten, dass man eher sensibler an die Rückbaufragen herangehen sollte, als mit roher Gewalt.
Und da sollte bereits eine gute handwerkliche Begleitung erfolgen. Wir würden sagen, Konzept erarbeiten!!
Darin sollten alle Ideen, Wünsche, Vorstellungen, Nutzungsverhalten, Ästhetik und die entsprechenden Materialien bereits einfließen.
Und aus dieser Zutatensammlung erarbeitet man sich die einzelnen Schritte der Do-it-yourself-Maßnahmen.
Also auch die handwerklichen Einschätzungen dürfen hier nicht zu hoch eingestuft werden oder sollten halt sehr realistisch beurteilt werden.

Ein paar kleine Hilfestellungen noch nachreichend.
Bei Elektrionstallation im Fachwerkgebäude, keinen Gips verwenden.
Was ist das bei Ihnen für eine Wandheizung, die Sie da angesprochen haben.
Ergibt kein Bild!!!!
Oberflächen auf bestehende Putze sind sehr vielfältig zu lösen.
Wir haben da vor kurzem einen Lehrgang in Österreich absolviert, Feinsttonoberflächen auf alle Untergründe.
Farbigkeit fast unbgrenzt.
Abriebfest, wischfest und bei dem entsprechenden handwerklichen Geschick mit entsprechenden guten Werkzeug bis zum Glanz und dann sogar spritzwasserfest.
Gewachste Oberflächen halt.

Ich stehe Ihnen gern zu fachlichen Hilfestellungen parat.
Rufen Sie ganz einfach mal durch.

Handwerklicher Gruß,
Udo MÜhle





Vielen Dank für diese Auskunft, da werde ich drüber nachdenken.

Ein Nachtrag zur Heizung - mein Fehler, nicht Wandheizung sondern Heizkörper. So etwas passiert wenn man spät in der Nacht durch zu viele Publikationen liesst...

Gruß,
Tom



Lehmputz innen



...ich nochmal. :)

Angenommen die alten Tapeten und Haftgründe sind runter und es steht nur noch die Holzkonstruktion und die (eventuell ausgebesserten) Lehmgefache.

Wie wird der Lehmputz dann aufgetragen?

Unterputz direkt auf die Gefache, Strohmatten auf die Balken und auch mit Unterputz verputzt.
Das trocknen lassen und danach Feinputz in der gewünschten Farbe drauf.

Seh ich das so richtig?

Leider finde ich keine Anleitung online die entsprechend ins Detail geht.

Gruß,
Tom



aber wenn die Tapete runter ist,



stösst Du doch nicht gleich auf die Balken. Da ist doch noch der Originalputz dazwischen, den es zumindest vorerst zu erhalten gilt...oder was?

Gruß...J.





Das werde ich wohl erst wissen wenn die Tapete unten ist.

Natürlich wäre mir das am liebsten aber in der ersten Etage haben wir eine Stück wo besagte Isoliertapete von der Wand gefallen ist, wo direkt auf das Gefache irgendeine Grundierung gepatscht und die Tapete drauf geklebt wurde.

Daher gehe ich, grade für die jetzt anstehenden Kostenkalkulation, besser von der teuersten Variante aus.


Mal gesetzt dem Fall nach sanftem Abschaben der Tapete stehe ich vor Lehmgefache und Balkenwerk - würde die folgende Konstruktion Sinn machen:

Kabelkanäle, Steckdosen und Schalter auf den Balken anbringen. (Heizungsrohre liegen unter den Fussleisten, bleiben also Aufputz)

Auf die Holzbalken (und damit über die Kabelkanäle und um die Schalter und Stecker) Claytec Rohrgewebe.

Dann Claytec Lehm-Oberputz GROB um eine (mehr oder weniger) grade Putzschicht zu erzeugen.

Darauf CLAYFIX Lehmputzgrundierung und dann, für die Optik, CLAYFIX Streichputz in der gewünschten Farbe.


Geht sich das so aus? Ist Claytec qualitativ empfehlenswert?
Und würde man die Halme des Grobputzes durch den Streichputz sehen? Das würde ich nämlich gerne vermeiden.





Hallo Tom,

rufen Sie Udo Mühle doch mal an, er hat es Ihnen doch angeboten.

Grüße aus Schönebeck





Ja, ich habe schon mit ihm gesprochen und wir werden heute Abend ausführlicher telefonieren.

Eigentlich war es meine Überlegung hier einmal "Grundsätzlichkeiten erst einmal in die bahn zu bekommen", wie Udo in mein Profil schrieb.

Ich finde es schade das das in Schriftform anscheinend nicht möglich ist, denn dann ständen diese Informationen auch anderen, die ähnliche Probleme später haben, zum nachlesen zur Verfügung.

Im Moment ist das, was mich am Lehmbau am meisten frustriert, das man nirgendwo im Netz Grundlageninformationen oder allgemeine Erläuterungen zu Vorgehensweisen, Techniken und Problemen findet. Höchstens hier Fragestellungen zu ganz spezifischen Problemen oder Herstellerangaben, aus denen man sich dann irgendwie ein schwammiges Bild zusammen reihmen muss.
Grade als Autodidakt im technischen Bereich ist das für mich sehr unbefriedigend. Aber vermutlich bin ich da nur verwöhnt, da ich aus dem IT-Bereich komme, wo die Lage medium-bedingt ganz anders aussieht.

Aber auch das kriegen wir schon hin, ich hoffe darauf das Udo zumindest in meinem speziellen Fall hier etwas Licht in die Dämmerung bringt.

Wenns einfach wär könnts ja jeder. ;)



An Tom:



Bei Herrn Mühle sind Sie in besten Händen.

Zu Ihrem gewünschten (Grundlagen-)Wissen einige Empfehlungen:

- Ökobuch-Verlag Autor: Richard Niemeyer, Titel: Der Lehmbau und seine praktische Anwendung. - Auch bekannt als die "Lehmbibel" - ISBN 3922964109

- AT-Verlag, Autor: Klaus Schillberg u. Heinz Knieriemen, Titel: Bauen und sanieren mit Lehm. ISBN 3855026882

- IG-Bauernhaus, Autor: E. Preßler, Titel: Das Ausfachen mit Lehm. - Zu beziehen nur über den Versand der IG-Bauhernhaus.

Bei der Interessengemeinschaft Bauhernhaus (kurz IG-Bauernhaus) sind noch weitere gute Publikationen zu diesem Thema erhältlich.

Viele Grüße
Achim Hecke





Vielen Dank für die Buch-Tips.
Dann habe ich ja jetzt sinnvolle Verwendung für die Amazon-Gutscheine meines Geburtstages.



Ich bringe...



...Ihnen Grundsaätzlichkeiten bei.
Und da so gut wie möglich objektiv.
Entscheidungen sollen Sie trotzdem selbst mit Ihrer Familie treffen.

Wir werden heute Abend mal mit einem fachlichen Prolog beginnen.

PS:
@ Achim
Danke für die netten Blumen!

Grüße bis dahin,
Udo Mühle



Innenlehmputz-aber richtig!



Hallo Tom!
Schön, dass noch jemand so arbeiten möchte wie ich, und auch genau die gleichen Fragen hat, darum beteilige ich mich hier mal.
Mein Haus ist von 1748, ich habe im Untergeschoß noch 2 Räume, die ich bisher nur zu Abstellzwecken nutze, da ich leider mit Kater hier alleine wohne. Ich habe Ende Novenber alle Tapeten mit viel Wasser und "Geduld, Geduld, Gedult" abgemacht, gut geweicht hatte ich den Eindruck, das Haus stößt sie ab;-) Darunter kam eine etwa 2-5mm dicke Schicht Gips (Rotband?) zum Vorschein, die ich mit dem Spachtel vorsichtig vom originalen Leicht-Lehmputz abhob. Das war eine Arbeit, die mir einen "Tennisarm" einbrachte, aber ich bereue nichts!
Habe auch schon mit Udo Mühle gesprochen- hallo Udo!
Meine Fragen werden am besten hier vor Ort erklärt, und hoffe, das wird bald was.
Noch was zur Elektrik:
Das ist auch mein Beruf, und ich habe keine Bedenken, die Leitungen die im Moment total blödsinnig verlegt sind (auch mit Gips) neu zu verlegen, sowie auch die Schalterdosen mit Lehmputz einzuputzen. Habe damit an einer Stelle schon gute Erfahrungen mit gemacht. Einmal Lehm- immer Lehm.

Ich lese z.Z. folgende Bücher:
-Richard Niemeyer:Der Lehmbau.....
-Gernot Minke:Lehbau- Handbuch
-Klaus Schillberg,Heinz Knieriemen:Naturbaustoff Lehm
Leider muss ich die beiden letztgenannten Bücher wieder abgeben da sie aus der Stadtbibliotek sind.
Wer möchte mir diese Bücher günstig verkaufen?
Ich hänge mal ein Bild vom "Rückbau Zustand" an.
Hoffe, wir bekommen hier noch Antworten!
Gruß
Christoph