Rosshaar für in den Gefachelehm

25.12.2008



Wer kann mir einen tipp geben wo ich pferdehaar in ausreichender länge und menge bekomme um es dem Lehm für meine fachwerkgefache unterzumischen.
ich werde ca 3-4 qubikmeter lehm benötigen unf dafür die passende menge haar.
möglicherweise weiß jemand auchnoch welches mischungsverhältnis und welche länge passend ist!

horido



Woher?



Woher haben Sie denn diese Rezeptur erhalten?
Oder ausgegraben?
Eher unüblich, da es die Materialien nunmehr ja bereits als fertige Ware am Markt gibt.
Z.B. mit Strohhäcksel, Hanffasern etc.
Könnten Sie nähere Angaben zum Einsatzort geben und vielleicht auch ob innen oder außen?
Handelt es sich da etwa um Oberputzgestaltung im Sichtfachwerkbereich?

Handwerklicher Gruß



Bin zwar kein Maurer / Lehmbauer ----



--- aber seit vielen Jahren auf diversen Baustellen tätig. --- Nun muß ich mich den Fragen und Bedenken vom Udo anschließen ---
Warum und weshalb ausgerechnet Pferdehaare zur Mörtelarmierung besonders gut sein sollen. - Ja, früher war es durchaus üblich, daß man den Beiputzmörtel für frisch eingesetzte Türen und Fenster mit Tierhaaren armierte.
- Nur um drei bis vier Kubikmeter Lehm mit Pferdehaaren zu armieren, müsste man alle Rassepferde des sächsischen Landesgestütes in Moritzburg kahlscheren. Wenn das nicht reicht, würden auch noch die edlen Tiere der Außenstelle in Graditz bei Torgau Haarspenden abgeben.
- Meisteradam, bleib bitte auf Deinem Rosshaarteppich und
beherzige die Ratschläge vom Udo.
- Mit wiehernden Grüßen, A.M.



Nachtrag!



@ Andreas

Deine Gedankenschweife sind wirklich gut! Muss mich hin und wieder richtig auf dem Rücken wälzen, um vor lachen nicht vom Bürostuhl zu fallen.
Gute Sichtweise.

@ Tierhaare

Wir haben im Lagerbestand noch einige Kartons mit Dachshaaren (solche wurden und werden noch in Kalkputze beigemischt!), aber eben die Variante mit dem Roßhaar ist uns ungeläufig.
Was uns aber noch bekannt ist, sind historische Ausstopfungen mit Roßhaaren und Kalkgemenge. Aber eben in beschaulicher Menge.

Nachfragende Grüße
Udo



Aus Dachshaaren kann man beispielsweise ---



--- hervorragende Rasierpinsel herstellen - oder Malpinsel
für den Künstlerbedarf. Oder Verteiberpinsel für Holzbeizen.
- Allerdings sind die Themen Beizen und Färben völlig unterschiedliche Schuhe.



@ Andreas



Du hast ja Recht.
Und das sind wirklich gute und hervorragende Pinsel. Nicht nur für das Kinn!!

http://www.shavemac.com/dokumente/start.html

Doch Roßhaar wird auch in der Haute Couture verwendet und im Polstergewerbe.

Haarige Grüße



Seit wann....



...Andreas, werden Pferde geschoren??

Ich würde da mal beim Schlachter nachfragen. Es soll ja noch Leute geben, die Pferde verspeisen.
Vieleicht gibt es da eine ausreichende Menge Rosshaar zum "abgreifen".

So über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren könnte dort sicher eine entsprechende Menge anfallen ;-))

Gruß
Martin



Liebe Kollegen!



Wenn, dann eignet sich eigentlich nur Kälber oder Rehhaar! Dies aber nur als Armierung von "Kalkmörteln", da dieses Haar die Eigenschaft besitzt sich zu drillen wenn es naß wird. Die Wirksamkeit kann ich bezeugen, denn ich habe noch originale Putzreste aus dem Barock. Bei Lehm höre ich es zum ersten Mal. Ich wäre aber an dem Rezept interressiert
(Herkunft bzw. Quelle & zeitl. Einordnung), da für mich regionale Eigenheiten von Bautechniken sehr von Belangen sind.

Gruß Ronny





Hallo Meisteradam,
Wie du meinen Vorrednern sicher schon entnommen hast ist das Armieren mit Roßhaar oder anderen Tierhaaren im Lehmbau heutzutage eher unüblich, und auch in Kalk bzw. Lehmgrundputzen nicht mehr nötig, es sei denn der zuständige Denkmalschutzbeauftragte verlangt dies aus bestimmten Gründen.
Kurz: Dem Lehm zur Gefachreparatur wird üblicherweise gehacktes Stroh beigefügt.
In den Kalk bzw. Lehmgrundputz wird anstelle von Tierhaaren ein Putzgewebe eingelegt.

Weihnachtliche Grüße



rosshaar, kälberhaar etc.



wurde, soweit ich weiß, schon im mittelalter dem lehm als armierung beigemischt, auch wegen der von ronny herbst beschriebenen eigenschaften; das schloß die gleichzeitige verwendung von strohhäcksel nicht aus. es wurde das beim striegeln anfallende, herausgekämmte haar verwendet, nicht das schweifhaar. dieses war zu wertvoll und wurde zum polstern verwendet oder verwebt.
bezugsquelle: nachfrage bei polsterern und raumausstattern, die noch traditionell arbeiten, und matratzenherstellern (gereinigte ware) oder in reitställen.
googeln unter "rohstoff rosshaar" bringt auch ein paar interessante ergebnisse.
die idee ist also nicht so abwegig, wie manche hier meinen.
der in meinem haus herausgeholte alte lehm (mind. aus 1600) enthielt neben Häcksel auch eine geringe menge tierhaare.
gruß, carmen



Jenseits der Tatsache,



daß sich zuweilen in alten Putzen Haare finden, ich würde sie weglassen, besonders in Lehm. Nicht alles, was 'mal gemacht wurde, hat sich auch bewährt. Kalk reagiert ja wenigstens noch stark alkalisch und kann diese für Pilze aller Art hochschmackhaften Eiweiße besser konservieren. Im Lehm mit seiner großen Wasserbindefähigkeit mache ich damit Problemstellen noch problematischer, würde ich meinen.

Grüße

Thomas



klingt gut!



ich möchte eine außenfachwerkwand komplett neu herstellen.
da meine finanzen natürlich nicht unerschöpflich sind versuche ich einsparpotenzial zu erschließen. habe einen bekannten der mir aus einem ziegelwerk den lehm kostenlos besorgt und deshalb werde ich dsa gemisch für die kompletten gefache selbst anmischen. wenn wie ich euren antorten entnehme pferdehaar nicht so der bringer ist würde mich nun brennend interessieren wo ich den zusatz für die amierung herbekomme. hanffasern machen mir eigendlich einen guten eindruck. kann mir dazu jemand einen tipp geben?
wie ist das mit kuhmist? sollte welcher rein(wenn ja in welcher menge)?
außerdem habe ich gelesen dass man beim ausfachen mit Staken keine weidenzweige(die auf dem Grundstück wachsen) nehmen soll sondern haselnusszweige. aberwo bekomme ich in dieser menge welche her?
habe schon überlegt die stapelleisten von bretterpaletten einzuweichen und dann wenn sie hoffentlich biegsam sind zu nehmen. diese haben dann keine rindenanteile(bakterienanfällig) und wären für mich in ausreichender menge zu besorgen!
was haltet ihr davon?
es freut mich sehr dass auf dieser plattform solche fragen für mein gefühl sehr wohlwollend und auch von leuten die sich für das thema begeistern erörtert werden können ohne dass man sich für hunderte euro bücher zulegen muss in denen dann jegliche variante beschrieben wird aber nichts wirklich favoritisiert! also es ist eine tolle sache und ich bin nun auf eure meinungen scharf!
lg



Hat sich mal jemand gefragt...?



...warum im Lehm vielleicht Tierhaare, welche auch immer!!!, vorzufinden sind?
Analyse der alten historischen Materialien natürlich betrachtet.
Nicht einmal die "richtungsweisenden" Schreibtischmitarbeiter der vielen unzähligen Denkmalsbehörden im Lande, konnten uns dazu in den letzten Jahren einschlägige Informationen liefern und diese auch belegen.
Einzig und allein, dass es keinen Schaden verursachte, wenn diese Materialien in den Lehm eingetragen wurden, bringt sie zu der Auffassung, dass derartiges nun einfach wieder dort hineingehöre.
Wir sagen aus unserer Erfahrung heraus: Blödsinn!
Stroh, Schilf, Hanf, Flachs etc. in Formen von Häcksel oder Fasern ja, aber die anderen Dinge (Haare/Borsten) maximal bei Kalkputzen.
Auch die Frage nach dem Dungeintrag im Lehmbaustoff läßt einiges an Diskussionen aufkommen.
Ob nun oder ob nun nicht!

Doch nun die alles entscheidende Frage:
Woher könnte denn die Tatsache herrühren, dass solche Dinge im historischen Lehmmaterial vorgefunden werden?

Bin gespannt!

Grüße in die Runde
Udo



Vielleicht...



...wurde einfach der "Abraum" aus dem Stall eingemischt? Könnte doch sein.

Der Stall war mal wieder sauber und der "Mist" war entsorgt". Nur so´ne Idee ;-))

Purismus in allen Ehren. Aber beim nächsten Bauern ein paar alte Strohballen besorgt (alt weil früher das Stroh länger geschnitten wurde als heute) und beigemischt.

Ist meine unmaßgebliche Meinung.

Grüße
Martin



@ meisteradam



Hier ein kleiner Vorgeschmack für die anstehenden Arbeiten.
Einfach auch einmal in der Plattform die Bildergalerie durchforsten.

Mit den Haselnussruten, Weidenästen etc. sollte man es nicht so engstirnig sehen. Wichtig ist die Funktionalität und das optisch passende Gesamtergebnis.
Wenn man sich einen BigBag Strohlehmunterputz besorgt (Conluto z.B.), dann schafft man damit bereits eine ganz gehörige menge.
Und das Material ist auch sehr verarbeitungsfreundlich.
Mit einem guten Grubenlehm ist die Rohausfachung ebenfalls möglich, aber wenn es in die Putzoberflächen geht, dann u.U. die angesprochenen fertigwaren nutzen. Qualitätsmerkmale!

Handwerklicher Gruß
Udo



wie kam der Kuhmist in den historischen Strohlehm?



Da es damals keine maschinellen Rührmaschinen gab, haben Kühe,Pferde, Ochsen etc. den Lehm mit Füßen/Hufen im Rundgang aufbereitet, wobei ab und zu mal tierisch Kuhmist reinfiel.



@ Klaus



Ich laß' sofort den Rentierschlitten einspannen und den Gewinnanteil ausliefern!
Bravo! Bravo! Bravo!

Dies fand ich einmal in einem alten Fachbuch, welches als Reprint erschienen ist.
Da wurde genau diese mittelalterliche Strohlehmknettechnik mit Landvieh als Zeichnung dargestellt.

Und so könnte die Knettechnik ausgesehen haben:



Feiernde Grüße

Udo



Boooha - Udo, ---



--- wozu noch Maschinen ? , ein paar verrückte Kühe sind doch
viel bessere Zwangsmischer -- ( hi hi hi ! ) - und
ab und zu lassen die auch noch etwas volumenvergrößerndes " Streckmittel" fallen.
- Nur bekommt man in einen T4 maximal eine " Mischeinheit" rein.
- Mit herzhaft feixenden Grüßen, Andreas



In...



...der Zähmung des Widerspenstigen (Adriano Celentano) gab's doch auch so einen schönen Tanz. In Lehm umgesetzt wäre das so eine Art "Dirty Dancing". Bliebe nur die Frage der etwas anderen Exkremente...

Spaß beiseite, der Kuhfladen enthält unverdaute Pflanzenfasern, kann also in Grenzen armieren; und über den Eintrag leichter Substanz verbessert er die Dämmwirkung des Ganzen.

Hanffasern gelten als verrottungsfester. Lose Kokosfasern wären vermutlich optimal als Armierungsmaterial für die, die es exotisch mögen.

Grüße

Thomas



...und hier die praktische Einführung!



Bauen mit Naturmaterial!

Klebende Grüße