Rohrbruch - aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden




Hallo,
wir haben ein altes Haus erworben. Gebaut aus Ziegelsteinen vor 1900. Als wir die Holzverkleidung in der Durchfahrt und im Wohnzimmer weg gemacht haben, haben wir eine Feuchte Wand entdeckt, hoch bis über 2 m. Wir haben darauf hin die Abwasserrohre, verlaufend parallel zu der Wand überprüfen lassen. Hier wurde nunmehr festgestellt, dass es im Abstand von je 50 cm zu Undichtigkeiten gekommen ist sowie auch ein Rohbruch voliegt. Das Rohr war auch vollkommen versptopft. Hier hat sich das Wasser gestaut über Monate oder Jahre hinweg. Wir haben daraufhin die Gebäudeversicherung kontaktiert, wg. der Folgeschäden. Diese will nunmer nur 10 % des Schadens übernehmen, da sie die Aufassung vertreten, dass es eh zu dem Schaden gekommen wäre aufgrund einer fehlenden Sperre und der aufsteigenden Feuchtigkeit. Kann man feststellen (Labor etc.) woher die Feuchtigkeit tatsächlich gekommen ist. Die gegenüberliegende Wand ist auch betroffen, aber nicht in dem Ausmaß. Die Wand wird Richtung Garten trocken. Mir stellt sich hier die Frage ob jemand schon in einem solchen Fall Erfahrungen gesammelt hat? Ist es sinnvoll einen Gutachter einzuschalten (wg. der Kosten)?



Kapillarfeuchte


Kapillarfeuchte

Wie definiert ein Nichtfachmann kapillare Feuchte?
Man glaubt das die Mauer bzw. das Fundament im erdfeuchten Boden steht und das dieses Wasser kapillar als Flüssigkeit in den Poren der Mauer nach oben steigt.
Alles was im unteren Mauerwerk als feucht angesehen wird schiebt man auf diese "aufsteigende Feuchte". Dann definiert ein Laie alle Verfärbungen einer Wand als "Feuchte", egal ob das alte Trocknungsspuren oder einfache Farbveränderungen sind, ob die Feuchte nur an der Oberfläche oder im gesamten Wandquerschnitt existiert.
Die Wirklichkeit sieht etwas komplexer aus.
Ob mit oder ohne Abdichtung- diese Art Feuchtetransport ist nie allein für Feuchteanfall verantwortlich und wenn dann nur in geringem Maße. Bei Ziegelmauern sind das 20, 30 cm als kapillare Steighöhe da die unterschiedlichen Eigenschaften zwischen Mörtel und Steinen und die Verdunstung diese Steighöhe begrenzen. In zusammenhängenden Putzflächen kann diese Höhe überschritten werden, theoretisch bis etwa 1,5 Meter. Praktisch wird diese Höhe allein durch aufsteigende Feuchte nie erreicht.
Eine feuchte Wand entsteht immer durch mehrere Wirkmechanismen, da wären hygrische Feuchte (Salze in der Wand binden Wasser aus der Umgebungsluft), Kondensatausfall (Luftfeuchte kondensiert an der kalten Wand) und - bei Außenwänden- von außen über den Sockelbereich eindringendes Spritzwasser. Dann wie bei Ihnen passiert Havarie- und Planschwasser.
Welches Wasser durch welche Ursache eingetragen wurde lässt sich nur indirekt nachweisen- am Feuchteprofil der Wand. Das kann durch Probeentnahme, Messung und Beprobung geschehen.
Auf dem Foto sehen Sie eine jahrhundertealte Wand an einem Kanal in Livorno, an den Ziegeln ist das Wasser kapillar nur einige Steinschichten gestiegen. Innerhalb der Mauer mag das etwas höher sein, außen wirkt dem die Verdunstung entgegen.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Wann_ist_eine_Wand_nass.pdf





Vielen Dank für die Informationen. Dir Wand ist leider mit Zement verputzt. Daher kann Wasser hochsteigen. Können Sie mir sagen welche Kosten für ein Gutachten entstehen? Oder ist das Angebot der Versicherung angemessen?



Versicherungsschaden



Da ich nicht weiß auf welche Leistungen/Kosten sich diese 10% beziehen kann ich dazu auch nichts sagen.
Auf jeden Fall hat die Versicherung die Trocknung der befallenen Wandteile bis auf die vorherige Ausgleichsfeuchte inklusive aller Folgeleistungen dafür zu finanzieren.
Was kostet so ein Gutachten?
Das letzte was ich für einen ähnlichen Fall hier bei mir in der Nähe gemacht habe lag bei rund 400,- €. Je nach Entfernung können die Fahrtkosten im Bereich mehrerer hundert Euro liegen. Falls Laboruntersuchungen nötig sind kosten die auch noch mal.
Ich denke aber das es sich bei Ihnen um keinen allzu komplizierten Fall handelt. Schauen Sie bei Ihnen auf die Internetseiten der Handwerks- oder Ingenieurkammmer, da stehen Gutachter mit ihren Fachgebieten drin.