Kupferrohr verlöten oder pressen?

06.11.2012



Hallo zusammen,

zum Thema Kupferrohre (für Heizung und für Brauchwasser) verbinden habe ich von den Handwerkern 2 Meinungnen.
Einer möchte verpressen, der andere weich verlöten.
und ja, jeder möchte ja seine Lösung verkaufen und macht die andere entsprechend schlecht.

Was sind denn Vor- und Nachteile der beiden Methoden?

Danke.

Gruß
Andreas



Beides...



... sind geeignete Verbindungsmethoden.

Vorteil Pressen:
- Schneller Arbeitsfortschritt --> niedrigere Lohnkosten

Nachteile Pressen:
- Fittings recht teuer (insbes. bei innenbeschichteten TW-Rohren) --> höhere Materialkosten
- Rohrdämmung etwas schwieriger anzubringen
- bei Blankverlegung etwas "klobigere" Optik
- Nacharbeiten in der Regel nicht "einfach" möglich

Vorteile Löten:
- Materialkosten niedriger
- Dämmung einfach anzubringen
- bei Blankverlegung etwas "elegantere" Optik (zumindest, wenn der Installateur nicht so mit Lot und Flußmittel rumferkelt)
- lässt sich nacharbeiten, wenn undicht

Nachteile Löten:
- längere Arbeitszeit --> höhere Lohnkosten
- bei unsauberer Arbeitsweise und Blankverlegung unschöne Laufnasen möglich
- gewisses Risiko durch Arbeit mit offener Flamme

Noch was zu TW-Leitung und Kupfer:
Ich meine mich zu erinnern, dass manche Kommunen in der Odenwaldregion TW mit einem eher niedrigen pH-Wert zur verfügung stellen. Hier wäre Kupferrohr nicht unbedingt geeignet bzw. auch gar nicht zugelassen.
Bitte bring durch Anfrage beim örtlichen TW-Versorger oder via www in Erfahrung:
- pH-Wert
- Härtegrad
- toc-Wert

Die Installateure kannst Du auch mal befragen ("Ham wa imma so gemacht")

Gutes Gelingen & Gruß,
sh



Noch ergänzend:



Weichlöten kann man auch mit einer Lötzange (keine offene Flamme).

Beim Pressen brauch man überall entsprechend Platz, um mit der Presszange sauber im 90°-Winkel zum Rohr dranzukommen - das ist bei Sanierung nicht immer möglich.

Mepla wäre auch noch eine Alternative.

Gruss, Boris

P.S. Wieso kein Cu bei niedrigem pH? Hör' ich zum ersten Mal.



Die Trinkwasserverordnung...



... nimmt Bezug auf DIN 50930-6.
Demnach ist CU für Trinkwasserinstallationen ohne Einzelfallprüfung bei einem pH-Wert >= 7,4 zulässig, bei TOC <= 1,5 auch bis pH 7,0.

http://kupferinstitut.de/front_frame/pdf/i158_Sep2012.pdf

Abschnitt 7.2, Seite 34

Gruß,
sh



Möglichkeiten und Grenzen ...



... des Einsatzes von Kupferrohren in der Trinkwasserinstallation sollten, wie hier angesprochen, unbedingt in die Überlegungen mit einbezogen werden, denn es sind gesundheitliche Belange sowie die Haltbarkeit zu berücksichtigen.

Es will also gut abgewogen sein, welches Materal man für die Trinkwasserinstallation verwendet.
Einen kleinen Exkurs in die Thematik bieten wir auf unserer Website unter:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/79-trinkwasserinstallation-rohrleitungsmaterialien-im-vergleich



Ergänzung zur Frostbständigkeit



Hallo,

noch eine Erfahrungswert... Im letzten Winter waren bei mir im Keller (Hausanschlußraum) die Leitungen eingefroren. Es waren weichgelötete und gepresste Verbindungen eingesetzt.
Die Pressverbindungen hat das Eis alle auseinandergedrückt
Im Bereich der Gelöteten wurde ein Rohr leicht deformiert vom Eis. Die Verbindungen haben alle gehalten
Gruß
Detlef



Danke schonmal



Hallo zusammen,

vielen Dank für die Antworten.

Kupfer wird bei uns in der Gegend häufig verwendet - das sollte also den Werten her passen. WErde da aber mal noch nachforschen.

Zum Einfrieren:
Mir sind im Haus im Februar die alten weich verlöteten Verbindungen aufgeplatzt....
Da ich aber künftig ja mein Haus beheizen möchte, sollte ja auch nix einfrieren.... ;-)

Gruß
Andreas



Lustigerweise...



... war es bei mir genau umgekehrt.
Im Februar haben durch Frost zwei Lötverbindungen im Mauerwerk versagt, während die Pressverbindungen gehalten haben...

sh



Bei mir...



...haben beide Verbindungen den Frost überstanden. Geplatzt ist die CU-Leitung jeweils abseits der Verbinder ;-)



Löten oder Pressen



wie schon gesagt, sind beide Methoden fachgerecht.
Löten ist die ältere Methode. Fachgerecht ausgeführt ok. Bei Wasserleitungen ist Weichlöten angesagt, bei der Heizung auch Hartlöten.
Pressen verdrängt immer mehr das Löten. Es hat diverse Vorteile gegenüber Löten. Der höhere Preis der Fittings wird durch die Zeitersparnis mehr als wett gemacht.
Der Nachteil ist das System.
Beim Löten kann ich den Fitting von jedem Hersteller mit jedem Rohr kombinieren und jedes geeignete Lötgerät verwenden.
Beim Pressen muss ich für die Fittings jedes Herstellers ein entsprechendes Presswerkzeug haben.
Die Presswerkzeuge müssen regelmäßig gewartet werden.
Die am meisten verbreiteten Systeme sind Profi- und Sanpress von Viega und Mapress von Geberit.
Beide Verbindungen sind längskraftschlüssig und werden bei Druckbeaufschlagung (u.a. Frost) nicht zerstört. Der typische Schaden ist ein aufgeblasenes Rohr mit einem Längsriss.
Wenn sich die Verbindung hierbei löst, liegt i.d.R. ein Verarbeitungsfehler vor.
"Nacharbeiten" bei Pressverbindungen ist nicht erforderlich. Eine Pressverbindung ist dicht (eingelegte Dichtung, richtige Presskontur, richtiger Pressdruck, ausreichende Einstecktiefe, Sauberkeit). Eine undichte Lötstelle ist i.d.R. schwerer nachzulöten; das Wasser muss restlos entfernt werden und die Lötqualität ist dann suboptimal.
Beide Verbindungsarten sind nicht trivial!
Wasserleitungen sollten immer – auch TKW – gedämmt werden. Die Wülste der Pressfittings sind beim Dämmen kein Hindernis.
HL brauchen nicht gedämmt zu werden, wenn die abgestrahlte Wärme dem Raum zugute kommt. Das Aussehen ist Geschmackssache.
Über die Möglichkeit der Verwendung von Kupferrohr für TW-Installationen den Wasserversorger fragen. Es gibt auch innenverzinnte (nicht verzinkte!) Kuferrohrleitungen; z.B. Copatin von KME.
Das angesprochene Verbundrohrsystem Mepla von Geberit ist für alles geeignet. Für warmgehende Leitungen bis 70 °C (kurzfristig bis 95 °C).
Hier kommt oft der Einwand, dass es sich beim wasserführenden Innenrohr um Kunststoff (PE Xb) handelt. Das ist richtig; aber die Versorgungsleitungen sind heute ebenfalls aus Kunststoff (PE)
SG
Paul



Nach Information...



... unseres Haustechnikers werden längerfristig generell keine Kupferrohre für TW mehr zugelassen. Ob das technisch/gesundheitlich sinnvoll ist oder ob es nur Gerede bzw. Wunschtvorstellung im Sinne einer Konjunkturförderung ist, werden andere besser wissen. Angesichts der aktuellen staatlichen Verordnungswut und des rasant gestiegenen Kupferpreises wären Alternativen zumindest eine Überlegung wert.



CU-Verbot bei TW...



... kann ich mir nicht vorstellen...

Allerdings ist momentan der Preis von Edelstahlrohr nicht mehr allzu weit weg von CU halbhart (Stangenware); das ist grad mal noch ein guter Euro/m bei DN 15

Gruß,
sh



Kupferrohrverbot



z.Z. ist kein generelles Kupferrohrverbot in Trinkwasserinstallationen zu erwarten.
Die bei reinem Kupferrohr bestehenden Einschränkungen sind hinlänglich bekannt und können beim jeweiligen Wasserversorger erfragt werden.
Außerdem bietet die Industrie innenverzinnte Kupferrohre (Copatin) an, für die diese Einschränkungen nicht gelten.
Die Bruttopreise für ein Meter DN 15 liegen z.Z. bei 12,60 €/m für Sanco-Ringrohr; 12,00 €/m für Sanco-Stangenrohr; 15,80 €/m für Copatin-Ringrohr und 15,60 €/m für Copatin-Stangenrohr.
Edelstahlrohr der gleichen Dimension liegt bei 9,10 €/m.
Mepla-Rohr kostet 3,80 €/m.
Alles sind Großhandelslistenpreise, der Nettopreis ist of deutlich niedriger, besonders bei Kupfer, weil hier die DEL-Notierung oft stark schwankt.
Also immer vorher nachfragen, es lohnt sich.
Im übrigen sollten immer die Kosten für die Gesamtanlage berücksichtigt werden. Reine Rohrpreise sind da nicht wirklich aussagekräftig.
SG
Paul



Was



bei Cu und zu niedrigem ph-Wert passiert, habe ich vor Jahren auf einem Ferien-Bauernhof mit eigener Quelle miterlebt. Da gab es in den Duschen, Badewannen und Waschbecken dicke grüne Ablagerungen und das Leitungswasser war geschmacklich untrinkbar und vermutlich auch nicht ungiftig. Als die Rohre gegen Kunststoff getauscht wurden, waren die Probleme auf einen Schlag beseitigt.

Über Mapress habe ich kürzlich gelesen, dass die ersten solchen Fittings auch ohne Verpressen dicht genug waren, um bei schlampiger Endkontrolle nicht aufzufallen. Daher findet man in solchen Installationen ab und an Verbindungen, die der Wasserdruck irgendwann einfach auseinanderreißt. Das könnte eventuell die Ursache für die oben genannten unterschiedlichen Erfahrungen bei Frost sein.