Risse und Feuchtigkeit in Wand

10.04.2012



Mahlzeit liebe Gemeinde,

hab vor Ostern schon mal etwas zu unserem Fachwerkhaus geschrieben. Bj. 1810, Backsteinmauerwerk (außen Läuferverband, innen längs dagegengemauert[also 3 Ziegelbreiten ca. 40cm]). Wir haben Risse an den Ecken zum Giebel, unsere Vermutung ist, dass früher eine kaputte oder garkeine Regenrinne zu einer Ausspülung geführt hat. Das Haus steht auch nicht auf einem vernünftigen Fundament, nur auf verdichtetem Schutt. Auf der Giebelseite sind die Mauern besonders feucht, dort stand lt. Vorbesitzer vor langer Zeit ein Stall. Salzausblühungen sind daher auch vorhanden.
Wie muss ich die Risse behandeln (vernadeln, abspannen oder garnichts?)Wie kann ich die Feuchtigkeit loswerden? (Horizontalsperre?). Wir haben vor den Sockel mit Bitumen und Perimeterplatten zu schützen und ein neuer Boden soll auch rein.
Über Anregungen würde ich mich freuen.
@G. Böttcher: Jetzt sind auch Bilder dabei:-)

Der Schubi



Noch ein Bild



Das ist ein Riss an der Giebelseite, das ist genau der Riss, den man auf dem ersten Bild neben der Porotonmauer sieht.



Riss Außenwand



Zur Schadensursache:
Ein defektes Fallrohr an der linken Gebäudeecke kann mit eine Ursache sein. Ich vermute das dies allein nicht ausreicht, das Rissbild passt nicht zu einem abgesackten Fundamentbereich, der Baugrund (wahrscheinlich Karnickelsand) auch nicht. Mir sieht das eher nach einem oder mehreren Sparren aus, die seitlichen Druck auf die Außenwand ausgeübt haben. Fragen sie mal den Vorbesitzer zum Dach aus.
Wenn die Rissursache ermittelt und abgestellt ist kann man sich Gedanken zur Sanierung der Risse machen. Normalerweise reichen die Deckenanker und die Mauerlatte aus um die Wand zu fixieren (wenn sie denn noch funktionieren).
Das ergibt sich wenn das linke Gesims angefangen vom Giebel aus stückweise abgebrochen wird; denn das muß in dem Bereich der sichtbar ist auf jeden Fall erneuert werden. Dann kann man eine Entscheidung treffen ob hier oben noch eine Verankerung eingebaut wird. Die Risse selber sollten danach vermörtelt bzw. verpresst werden. Der neue Anbau stabilisiert das Ganze.

Zu den Feuchteschäden:
Eine funktionierende Dachentwässerung und das Verfugen des Sockelbereiches (Unterhalb Oberfläche Sperrputz) sollten erst einmal reichen. Ein Verputz des Mauerwerkes insgesamt ist sicher auch hilfreich, das hängt aber von der vorhandenen Salzbelastung ab, die zu ermitteln wäre. Danach kann man sich Gedanken über einen Verputz machen

Viele Grüße



Weiteres Bild von Schubi



Dieses Bild ist von der Fassade der Giebelseite. An der linken Seite ist der Riss, den man auf dem ersten Bild geshen hat. Man sieht auch gut die Feuchtigkeit an der Wand.
Das ist übrigens die einzige Wand am Haus, die noch nicht verputzt wurde.

Schubi



Eins noch



Das Bild zeigt eine kleine Probeschachtung in der Mitte der inneren Giebelwand. Man kann schlecht erkennen was für ein Material als Fundament benutzt wurde. Ab 60cm kommt aber ein kiesiges Bodenmaterial. Hab bei Bedarf noch ein paar Bilder.

Schubi



Risse



An dieser Stelle hat sich nichts am Fundament bewegt.



Re: G. Böttcher



Vielen Dank erst einmal,

hab mit wesentlich mehr Aufwand gerechnet. Mit dem Karnickelsand haben Sie vollkommen recht, Lausitz halt.
Der Dachstuhl hat auch schon enorme Mängelerscheinungen, ich werde ersteinmal genauer schauen ob es im Bereich der Decke soetwas wie eine gängige Mauerlatte gibt.
Das Dach wurde kurz nach der Wende neu gedeckt, allerdings nicht von Profis. somit wurde auch am maroden Dachstuhl nicht viel verbessert. Der Gnadenschuss waren dann wohl die schweren Betonziegel, allerdings vermute ich, dass die Risse älter sind (mit Kalkputz verputzt und Ölfarbe drüber).

Bzgl. Feuchtigkeit:

Also meinen Sie das nach dem Austrocknen des Sockels ein einfacher Sperrputz einen großen Teil der eindringenden Feuchtigkeit verhindert? Kein Bitumen, keine PPlatten? Das wär schon nicht schlecht!

Können Sie mir noch ein paar Tips zur Verarbeitung geben?

Zum Zustand des Dachstuhls frage ich dann noch einen befreundeten Bauing.

Schubi



@Schubi



Bitte Bilderserien als "Antworten" erfassen. Danke.

Hartmut



Frage an Hartmut



Hallo Hartmut,

du meinst also, dass ich zu meiner Frage selber Antworten erstellen soll bloß mit Bildern oder?

Schubi



Sanierungsvorschlag



Hallo Schubi,
wenn ich dich richtig verstehe soll nur von innen saniert werden. Meine Empfehlung: erst mal schauen ob sich die Risse weiter vergrößern, (Gipsmarkierung setzen)- dann, falls die Risse sich NICHT vergrößern: horizontal absperren, verkieseln, Sanierputz aufziehen und ganz wichtig: diffusionsoffen Streichen (z.B. Silikatfarbe) und ausreichend heizen und stoßlüften.
Für den Boden würde ich empfehlen: Bitumenschweißbahn als Abdichtung und eine Fußbodenheizung im Trockenverfahren. Fussbodenbelag wenn möglich auch atmungsaktiv. (z.B. Industrieparkett geölt)
Habe genau so bereits gute praktische Erfahrungen gemacht.
LG



Hallo Schubi,



meiner Meinung nach ist die Gründung der neuen Porotonwand schuld am entstandenen Riss.

Das Flächengewicht von Betondachsteinen ist genauso hoch wie das von Tondachziegeln, nämlich 0,55 KN/m2.
Defekte Sparren verursachen in der Regel keine solche Risse.

VG Gerhard



Schubi nochmal



Tja, eine Frage, viele Antworten.
Vielen Dank erst einmal für eure Antworten.

@erni: Im laufe der Zeit werden wir auch Außen etwas machen müssen aber erst einmal überwiegend im Innenbereich. Wie wird denn eine Bitumensperrbahn an eine verkieselte Wand angeschlossen? Angeschweißt?
Die Risse sind schon ewig alt aber ich probiere es mal mit dem Gips. Danke

@Gerhardt:

Ist mir tatsächlich neu mit den Auflasten, war immer der Meinung das die Betonziegel schwerer wären. Die neue Wand kann aber nicht daran schuld sein, sie wurde vor ca. 10 Jahren gebaut, als Ersatz für eine andere Mauer die als rückwand eines Kaninchenstalls ausgeführt war. Die Risse scheinen wesentlich älter zu sein. Ich werde diesbezüglich aber noch einmal mit dem Vorbesitzer reden. Allerdings rückt der ungern mit den Wahrheiten heraus, weil er alles selber gemacht hat. Und wer ist schon freiwillig ein Depp?
Auch Dir ein Dankeschön.

Mfg Schubi



Dachziegel



Hallo Schubi,

Betondachsteine sind schon schwerer als Tonziegel, auf das einzelne Teil gerechnet.

Bei Betondachsteinen brachst Du aber nur zehn Stück pro Quadratmeter, bei Tonziegel sind es in der Regel 14 bis 16 Stück auf derselben Fläche.

Deshalb denkt man, Tonziegel wären leichter.

VG Gerhard



Wieder was gelernt



Danke Gerhard,

so hab ich das noch nicht gesehen. Bin ja auch nicht vom Fach... Jedenfalls ist der Dachstuhl mächtig marode und die Betonziegel passen absolut nicht zum Haus. Biberschwänze in Krondeckung passen eher dazu, auch wenn diese sicherlich um einiges teurer sind. Das sollte die Authentizität aber auch wert sein. Gibt es eigentlich noch diese schönen (im Spreewald sagt man "blaugebrannte") Biberschwänze? Die neuen Ziegel in hellrot sind nicht so mein Fall, ich glaube die sind auch nicht glasiert und setzen schon nach ein paar Jahren Moos an, oder laufe ich falsch?

Schubi



Anschluss Bitumenbahn an Wand



Die Abdichtung kann einfach ca. 10 cm hochgezogen und angeschweißt werden. Sieht man dann ja nicht wenn ein neuer Bodenaufbau reinkommt.

Übr. was das Gewicht von Dachsteinen gegenüber Ziegeln betrifft: Die Betonsteine sind immer schwerer als die Ziegel, und wie viele man pro m2 verlegt kommt ganz auf den Typ an. Pfanne, Biber, Flachstein....Groß oder Kleinformat.....

LG Erni Dipl. Ing. (FH) Architekt



der Anbau?



ähnlich wie Herr Schobig habe auch ersteinmal den neuen Anbau in Verdacht etwas damit zu tun zu haben. Entweder hat

- die Gründung etwas damit zu tun,
- eine Setzung des Anbaus
- oder dieser hat bei einer Bewegung aus Setzung, Schwinden etc. die Hausecke mitgenommen wenn er verbunden ist.

so etwas muss man sich aber vor Ort ansehen. Auf alle Fälle Gipsmarken setzen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Risse



Das mit dem Anbau hatte ich auch in Erwägung gezogen,
aber nach meiner Erfahrung reißt eher ein Anbau ab, weil der sich noch setzen kann. Der Boden unter dem alten Fundament ist schon komprimiert und ob eine kraftschlüssige Verzahnung mit dem Bestandsbau erfolgt ist glaube ich nicht. Außerdem erfolgt bei nicht bindigem Boden die Setzung zeitnah, der Riss am Haupthaus wäre dann erst während der Errichtung des Anbaues aufgetreten. Der Riss sieht aber älter aus.
Wie gesagt, alles nur Vermutungen.
Das Anschauen vor Ort ist unumgänglich, um zu sehen welche von den drei Theorien :
- defektes Fallrohr,
- defekte Gespärre,
- Setzung Anbau
was damit zu tun hat.
Vielleicht ist es auch ganz was anderes.

Viele Grüße



Setzung



Morgen liebe Gemeinde,

Möglichkeiten über Möglichkeiten und kein Land in Sicht.
Ich denke Herr Böttcher hat recht mit der Behauptung, dass der Anbau nicht daran schuld ist. Die Porotonwand ist stumpf gegen das Haus gemauert, sollte also keine Kraftschlüssige Verbindung sein. Es gibt an fast allen Ecken des Hauses solche, wenn auch kleinere Risse. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Regenwasserabführung vernachlässigt wurde. Die Vorbesitzer der letzten 200Jahre waren recht arme Leute und taten sich schwer mit dem Erhalt der Substanz. Regenrinnen waren eher spartanisch angebaut, vor allem wenn das Wasser nicht vom Haus weggeführt wird. Die Sparren wären definitiv eine Variable, der Dachstuhl ist wirklich sehr marode.
Danke auch an erni, ist eigentlich ganz logisch, so hätte ich das auch gedacht mit der Sperrbahn.

Wenn euch noch etwas einfällt, ich bin immer offen für Vorschläge.

Danke,danke, danke

Schubi



Riss



Hallo Schubi


Ich tippe bei dem Schadbild auf schiebende Sparren. Ich denke, daß der Dachstuhl eventuell mal auf Rohrdach oder Strohdach ausgelegt wurde und dann mit Dachsteine oder -ziegel verschlimmbessert wurde...


Andreas



@Andreas



Danke auch Dir Andreas,

ich werd mich mal im Dorf umhören, ob es jemanden gibt der dazu etwas sagen kann. Bei einem 200 Jahre altem Haus kann man auch davon ausgehen. Allerdings waren und sind diese Art von Hausbedeckungen eher untypisch für unsere Lausitz. Schaun wir mal...

Schubi