Risse im Kellerboden - Wasser dringt nach starkem langanhaltenden Regen ein

14.06.2016 JoMa_35



Hallo Alle zusammen,

Ich habe ein Problem mit dem Keller in unserem Altbau von ca. 1910.

Das Gebäude steht auf Streifenfundamenten, der Boden der Kellerräume
wurde mit Beton/Estrich aufgefüllt und an der Wand ca. 50cm hochgezogen.
Wie genau der Boden aufgebaut wurde kann ich nicht genau sagen.

Der Keller teilt sich in 4 Räume auf - ein Raum ist ca. 30cm tiefer als die anderen drei. Dieser wurde früher wohl als Waschraum genutzt - heute steht dort unter anderem die Heizungsanlage, im Boden ist ein Bodenablauf eingelassen.

Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder das Problem das nach starken Regenfällen in diesem Keller durch die im Boden befindlichen Risse Wasser eindrang, wie kleine Sprinbrunnen.

Ende letzten Jahres haben wir die Grundleitung und Hauseinführungen komplett erneuert - die Tonrohre hatten keine Füllung mehr an den Muffen und waren komplett undicht, teilweise war zwischen Muffe des einen Rohres und der Spitze des anderen Rohres 3-5 cm Platz....
Alle Rohre wurden mit KG2000 ersetzt und bis zum Bodenablauf im besagten Keller erneuert.
Der Estrich/Beton in diesem Heizungsraum scheint ca. eine Dicke von 4-6 cm zu haben, darunter war Sand und bindiger Boden (im Bereich der Abwasserleitung).

Nach den starken Regen der letzten Tage drückt nun wieder Wasser durch alte vorhandene Risse in diesem Kellerraum und auch zwischen dem alten Estrich und dem neu eingebrachten. Es kommt nicht mit Druck raus (kein Springbrunnen), aber doch langsam und stetig. da das Wasser auf Grund des Gefälles auf dem Boden direkt in den Bodenablauf fliessen kann hält sich der Schaden momentan in Grenzen.

Wie sollte man bei so einem Schadensbild vorgehen? Es scheint ja anstauendes Sickerwasser von der Oberfläche zu sein, meine Vermutung, da der Boden um das Haus ebenfalls sehr bindig ist.

Sollte man es einfach dabei belassen oder vorsorglich einen kleinen Pumpensumpf in diesem Raum einbauen?
In einigen Themen habe ich auch das verschliessen der Risse mittels Giesharz oder Verpressung vernommen, aber würde das bei diesem Problem tatsächlich langfristig helfen?
Die Option einer Dränung um das Haus ist leider nicht möglich.

Danke für eure Tipps und Hilfe,

Viele Grüße!



Eindringendes Wasser



"Ende letzten Jahres haben wir die Grundleitung und Hauseinführungen komplett erneuert..."
Wo wurde der GK an die öffentl. Entwässerung angeschlossen?
Ist sichergestellt, dass alle Ablaufstellen an die neue Leitung angeschlossen sind?
Hat der Bodenablauf einen Rückstaudoppelverschluss?
Ist die öffentliche Entwässerung ein Trenn- oder Mischsystem?





Hallo,

alle Abwasserleitungen führen durch die Kellerwand in den Hof, sammeln sich dort in einer Grundleitung, durchlaufen einen Kontrollschacht mit einer geschlossenen Rinne an der Grundstückgrenze und gehen dort in das Steinrohr der Stadt über.
Auch der Schacht wurde erneuert.
Alle Abwasserleitungen im Kellerbereich mit eigenem Abgang nach außen (3 Stück), die Anschlüsse der Fallrohre im Außenbereich (2 Stück) sowie auch der Hofablauf wurden erneuert. Alles wurde korrekt angeschlossen.
Der GK im Hof ist ebenfalls bis Grundstücksgrenze erneuert.
Es ist also alles bezüglich Abwasser ab Keller bis Grundstücksgrenze erneuert worden.

Der Bodenablauf hat einen doppelten Rückschlagverschluss,
der Aber die letzten Tage nicht angesprochen hat (hört man deutlich wenn dieser schließt, gab also keinen Rückstau aus dem Abwassersystem), es kam auch kein Wasser aus selbigen.
Wir haben hier ein Mischsystem.



Wassereintritt



... wenn das so ist sollte es nicht am GK liegen. Wurde denn eine Dichtprüfung durchgeführt.
Die Herkunft des aus den Betonrissen austretenden Wassers lässt sich nur vor Ort klären.



Dichtigkeitsprüfung



eine Dichtigkeitsprüfung wurde durchgeführt.

Ich war auch bei den ganzen Arbeiten anwesend als die Leitungen zusammengesteckt wurden (um ja sicherzustellen das nicht doch irgendwo 90°grad Bögen verbaut werden...).

Wen sollte man für so eine "Begutachtung" am besten kontaktieren?
Habe ich selbst noch Möglichkeiten das Problem weiter einzugrenzen?



Wassereintritt



Ich kenne die Örtlichkeiten nicht und eine Ferndiagnose ist schwierig bis unmöglich.
Fesstellen, wo das Wasser herkommen kann. Möglich ist auch ein hoher Grundwasserspiegel, der bei Regen ansteigt.
Mit dem Kanalbauamt sprechen.
Wenn es zu aufwendig wird, die Ursache zu finden und abzustellen ggfs. einen Pumpensumpf mit automatischer Pumpe einrichten.
Ggfs. den Kellerboden mit Dichtbahnen komplett Abdichten und darauf einen Estrich aufbringen.
Das sind Möglichkeiten, die vor Ort abgeklärt werden müssen,
Viel Erfolg.



Aufstauendes Sickerwasser



Bis jetzt habe ich immer versucht, Fragestellern sinnlose und überflüssige Dränanlagen auszureden.
Ich spekuliere jetzt mal:
Das wäre nun mal ein Fall wo eine Dränung sinnvoll ist, nämlich um den Fußboden drucklos zu halten.
Hier scheint es auch keine zu geben (oft wird vergessen die Anlagen zu warten und dann versagen die ihren Dienst).
Ihr Vorgänger hat sich schon damit beholfen das er die Fußböden der drei Räume mit einer Auflastsicherung aus Beton versehen hat. Der Druckausgleich passiert jetzt über den vierten Raum und den Einlauf. Der hydrostatische Druck wölbt die zu dünne und leichte Estrichplatte auf, es entstehen diagonal in Richtung der Raumecken verlaufende Risse, Wasser quillt heraus.
Sie können das ändern wenn Sie eine neue, wasserdichte, in den Wänden rückverankerte (oder sauschwere) Stahlbetonplatte einbauen
oder
einfach einen Pumpensumpf zur Entlastung anlegen. Mit einer automatischen Tauchpumpe sollte sich das Problem relativ einfach und kostengünstig lösen lassen. Eine Gefahr gibt es dabei noch: Wenn Sie eine Grundleitung aus leichtem Kunststoff unter der Platte liegen haben kann es sein das die beim nächsten Wasseraufstau aufzuschwimmen versucht. Deshalb die Absenkung tief genug halten.

Bei der Stahlbetonplatte sollten Sie Aufwand und Nutzen miteinander abwägen. Selbst wenn die Platte funktioniert kann es sein das Sie stattdessen irgendwo anders im Keller Wassereinbrüche haben werden, z. B. an der Kellertreppe oder an den Wänden.



Grundwassspiegel



erst mal vielen Dank für Ihre Hilfe Herr Esztermann.

Ich habe tatsächlich einige Daten zu den Grundwasserspiegeln in der Umgebung vom Hochbauamt, mit denen ich allerdings wenig anfangen kann, aber vll. kann jemand im Forum etwas dazu sagen.

Es gibt eine Messstelle die ca. 480m Luftlinie entfernt ist, dazu habe ich folgende Daten erhalten:
GOK. +95,29 m ü. NN Pegel - Lottiefe 8,26 m
GW-Hoch
06.02.2001 GW -0,47 m bis GOK.
GW-Niedrig
23.09.2005 GW -1,56 m bis GOK.

Weiterhin eine archivierte Messung die ca. 15 Meter von unserem Grundstück entfernt liegt, jedoch aus den 60èr Jahren:
GOK. +96,91 m ü. NN
GW am 04.06.1960 bei 1,35m

Etwa 60 Meter entfernt verläuft auch ein Bach durch den Ort.

Alle anderen Kellerräume sind ebenfalls mit kleinen bis mittelgroßen Rissen durchzogen, jedoch stand dort noch nie Wasser, einige der Risse sahen in der Vergangenheit jedoch feucht aus, die Tage jedoch alles trocken.

@Herrn Böttcher
Da der Keller keiner hochwertigen Nutzung zukommen wird (Deckenhöhe ungefähr 1,85m, und Heizungskeller 2,10m) will
ich den Aufwand so gering wie möglich halten.

Ich gehe mal stark davon aus das wenn ein Pumpensumpf in Frage kommen sollte dafür eine Genehmigung der Stadt (Frankfurt am Main) vorliegen muss (Grundwasserabsenkung)?
Eine Drainage ist leider nicht vorhanden und nachträglich auf Grund der Bebauung und Lage quasi unmöglich.

Welche Qualifikation sollte jemand haben um so etwas vor Ort
sachkundig begutachten zu können? Sachverständiger für Bauschäden?



Kellerabdichtung



Das ist keine Grundwasserabsenkung, höchstens eine kurzzeitige Wasserhaltung ohne Absenktrichter. Da würde ich kein Aufheben machen denn Sie pumpen nicht ständig ab sondern halten nur eine Sicherung für Starkregenereignisse vor.



wasser fliest



wollte nur ein kurzer Update nachreichen:
der letzte Niederschlag liegt etwas über 16 Stunden zurück,
Wasser dringt immer noch über den Boden ein.



Wasser



Hi JoMa_35,
du schreibst, du wohnst in Frankfurt. Wie weit liegt denn dein Haus vom Main entfernt? Haben Nachbarn evt das gleiche Problem? Ich kenne ähnlich Phänomene aus dem "Mainvorland".
Wenn der Grundwasserspiegel durch Dauerregen erhöht ist und nicht mehr in den Main abfließen kann, dringt das Wasser in sämtliche Keller ein. Einen Pumpensumpf finde ich sehr gut! Haben viele hier.
Je nachdem wie viel Wasser da eindringt rate ich davon ab gleich ab zu pumpen! Ich weis hört sich doof an, aber man kann seinem Gebäude schädigen, wenn man bei nachfließendem Wasser ständig abpumpt. Es kann soweit gehen, dass Gebäude aufschwimmen oder es zu Grundbrüchen kommt.
Bei Unwetterlagen (Hochwasser) fängt die Feuerwehr erst bei fallenden Grundwasser/Pegelständen an zu pumpen und das nicht weil wir keinen Lust haben sondern um größere Schäden am Gebäude zu vermeiden.
Grüße
Heiko



Wasser



Guten Morgen Heiko,

vom Main sind wir ein sehr gutes Stück entfernt :-)
Allerdings fliest der Sulzbach ca. 50 Meter entfernt und die Nidda in ca. 1000 Meter Entfernung.
Der eine Nachbar hat eine dichte weisse Wanne und die anderen älteren Häuser haben Feuchte Keller, und ab und an pumpt auch mal die Feuerwehr etwas aus wenn es mal zum Rückstau kam - weiß aber nicht ob die mit dem Grundwasser Probleme haben bzw. mit von unten drückenden Wasser.

Wie oben bereits geschrieben hatten wir vor der Erneuerung der ganzen Abwasserleitungen etc. das Phänomen das bei Rückstau aus vielen Rissen in diesem Raum das Wasser mit Druck herauskam. Den Grund dafür haben wir nach dem Öffnen gleich gesehen, keine dichten Muffen und teilweise Muffe und Spitze einige cm voneinander entfernt.
Es hörte allerdings auch fast sofort auf nachdem der Kanal wieder Wasser aufnahm.
Ich vermute jetzt einfach mal, das dieses dauerhafte Wassereintritt wie wir ihn jetzt haben nicht stattfand weil es einen einfacheren Weg gab - das Wasser konnte einfach über diese Muffen abfließen. Ist jetzt aber auch nur ein Gedanke.

Wie tief sollte man so einen Pumpensumpf auslegen? Ich lese immer etwas von 60-80cm Tiefe. Würde es nicht ausreichen einfach nur 5-10 cm unter den Vorhandenen Bodenaufbau zu gehen, da es eh schon der tiefste Punkt im Keller ist? So würde man ja wirklich nur Wasser abpumpen das sonst gegen den Boden drücken würde, aber auch nicht mehr.



Pumpensumpf



Hi JoMa_35,
ich w?rde den Pumpensumpf so ausf?hren, dass deine Pumpe bequem hineingeht bzw. die Ansaugung permanent ein St?ck unter Wasser steht.
Kommst du aus H?chst?
Ich komme aus Weilbach. Ist ja nicht weit.
Ich habe schon gesehen, dass Leute die so etwas st?ndig haben die Pumpe und Schl?uche immer installiert haben und im Fall der F?lle nur noch anschalten. Anschlie?end ziehen sie mit einem Abzieher das Wasser in den Pumpensumpf.

Gr??e
Heiko



Pumpensumpf



Es reicht eine kleine Grube in die das Wasser geleitet wird.
Darin eine Tauchpumpe mit Schwimmerschalter einbauen und über eine 1 1/4"-Druckleitung entwässern. Die Druckleitung über die Rückstauebene (Schleife) führen und an die Abwasserleitung anschließen. Direkt auf die Pumpe (oder in unmittelbarer Nähe) einen RV einbauen. Die Grube mit einem Rost abdecken; spart die Entlüftung.



Größe



des Pumpensumpfes hängt von der Größe der Pumpe und der Art des Schwimmerschalters ab. Kann man also nicht pauschal beantworten. Für provisorsches hinstellen und absaugen reicht 10cm tiefe. Bei fester Montage mit Schwimmerauslösung sind es 60 bis 80cm



sensorgesteuerte Pumpe



vielen Dank für die hilfreichen Informationen.
Echt ein tolles Forum.

@Heiko
fast, ein Ort nebenan - Sossenheim, schreib mir doch eine Email um die Kontaktdaten auszutauschen.

Bezüglich der Pumpe hatte ich vll. an eine sensorgesteuerte
gedacht, die kommen ohne Schwimmer aus und pumpen bereits ab
5mm Wasserstand (einstellbar) automatisch ab.



Auf der Suche nach einer Pumpe..



..wie beschrieben.
Bitte welcher Hersteller ist das?
Wer kennt solche Pumpen/Hersteller?



Pumpenanbieter



Von Gardena gibt es da interessante Pumpen (sicherlich auch noch von anderen Herstellern).
Anscheinend fehlt der Schmutzwasserversion das Rückschlagventil und muss nachgerüstet werden:
Modell: Comfort Aquasensor 9000 und 13000 (bis Korngröße 5mm)
Modell: Comfort Schmutzwasserpumpe Aquasensor 8500 / 13000 (bis Korngröße 30mm, allerdings Absaugung erst ab 70mm Höhe)

Bei einem Bekannten läuft eine von diesen und er ist sehr zufrieden damit, selbst habe ich damit noch keine Erfahrungen gesammelt - vll. bald.



Aw-Pumpe



Gardena ist was für den Garten und fürs Hobby.
Ich würde z.B. Jung, Kessel oder Grundfos oder einen anderen bekannten Hersteller nehmen. Diese Hersteller bauen schon seit Jahrzehnten Aw-Pumpen und Hebeanlagen.
So'n Ding soll ja zuverlässig sein.