Natursteingewölbe sanieren

28.07.2009



Hallo an alle,

ein ca. 130 Jahre altes Natursteingewölbe hat sich um ca. 4cm gesenkt und unterseitig sind Risse im Putz zu sehen. Ein Freilegen des EG Bodens bis zum Gewölbe zeigt, dass die Holzbalken (auf Gewölbe aufliegend) morsch sind und der Fugenmörtel stark sandet (siehe Fotos und Skizze).
Wie kann ich das Gewölbe stabilisieren um nachher einen Fussboden samt Wärmedämmung aufzubringen. der Aufbau muss niedrig gehalten werden, da die Raumhöhe derzeit nur 2,16m ist.

Danke für Eure Tipps,
Gruß, Max



Bild des rechten betroffenen Gewölbes



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Bild des kleinflächig freigelegten Gewölbes (Meterstab durchdringt Gewölbe)



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Bild der Absenkung gegenüber hinterer Mauer samt Riss und Meterstab (siehe auch gleicher Meterstab voriges Bild)



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Hallo Max,

im Vorfeld sollte die statische Problematik der Rissbildung abgeklärt und untersucht sein.

Danach kann man dieses Gewölbe mittels Spezialzement stabilisieren.

Zurzeit betreue ich eine ähnliche Sanierungsmaßnahme in einem Gewölbekeller aus dem Jahre 1567 in Ingolstadt. Hier kam noch erschwerend dazu das dieser Gewölbekeller unter der Fußgängerzone liegt.


Gruß
Dieter



Bild bei dem die Absenkung des Gewölbes zur hinteren Mauer gut ersichtlich ist



Danke Dieter für die Antwort auf meinen Beitrag.

auf dem Bild sieht man noch gut den Meterstab der durch ein Loch im Gewölbe (Kabeldurchzug) gesteckt ist und mit dem sich die Gewölbescheitelhöhe von 22cm bestimmen lässt.

meine weitere Vorgehensweise habe ich mir so ausgedacht:
1) Statiker kontaktieren und Sanierungsplan erstellen lassen
2) falls Statiker eine Gewölbeverstärkung vorschlägt......
(vielleicht wäre eine Verstärung des Gewölbes mit einer Thermozell 250 Leichtbetondecke auf Trennlage möglich??, darauf ca. 5cm WD, Holzdielen)
3) Putz von Gewölbe entfernen und anschließendes Sandstrahlen
4) Fugen ca. 3 cm auskratzen und mit Trassmörtel neu verfugen
5) event. den Boden (derzeit in Lehm versetzte Natursteine) in Lehm Sand neuverlegen (da derzeit ein starker Modergeruch im Keller ist - ist recht feucht und der derzeitige Lehmboden /Sandboden ist schon 130 Jahre als und riecht dementsprechend)

Was meint ihr dazu....gibts Tipps oder Bedenken.

Gruss, Max





Hallo Max,

achte darauf das der Statiker Erfahrung mit Gewölben hat.

Bei allen anderen nachfolgenden Fragen bin ich gerne bereit, fachlich zu helfen.

Gruß
Dieter



Natursteingewölbe sanieren



Hallo Max,
leider kann ich mit Ihren Zeichnungen wenig anfangen, da die Stichhöhe der Gewölbe (Höhe ab Kämpfer bis zum Scheitel) und die Dicke des Gewölbes im Stich fehlt.
Nach den alten empirischen Regeln sollte die Stärke der Kappe 24 cm nicht unterschreiten. Die gilt für Ziegelmauerwerk; wie das Natursteinmauerwerk von der Tragfähigkeit her beschaffen ist, kann man auf den Fotos nicht erkennen.
Ich kann auf den Fotos auch keine definitiven Schäden an den Gewölben erkennen,der Riss zur Außenwand ist atypisch für ein Gewölbeversagen und kann auch in einer Auswanderung der Außenwand begründet sein.
Falls das Gewölbe sich im Scheitel um diese angegebenen 4 cm gesenkt hat, kommen in der Regel folgende Ursachen dafür in Frage:

1. Einer der Auflagerbereiche ist ausgewandert.
Das kann bei solchen nicht im Endfeld verankerten Gewölbefelder durch bauliche Änderungen an der Außenwand wie Straßenbaumaßnahmen, Aufschachtungen wegen einer neuen senkrechten Abdichtung oder anderer Änderungen der Wand (Abbruch von aussteifenden Querwänden usw.) vorkommen.
Schon das Aufschachten der Außenwand kann durch Wegnahme des passiven Erddruckes dazu führen.
Der betreffende Bereich ist auf dem Foto leider nicht sichtbar.

2. Statische Überlastung des Gewölbes

Solche flachen Segmentgewölbe sollten nicht im Scheitelbereich belastet werden. Das kann zum Absenken des Gewölbes in der Mitte führen.
Gleichzeitig heben sich die beiden Seiten etwa in den Drittelpunkten etwas nach oben. Die dafür typischen Risse sind auf den Fotos nicht zu sehen.
Außerdem sind solche Gewölbe empfindlich für punktförmige bzw. unsymmetrische Lasten, wie sie während Bauarbeiten auftreten können.

3. Veränderung der Zwickelbereiche

Wenn im Zwickelbereich, bei dem obigen Beispiel etwa 1 m rechts und links von der Auflagerwand, von oben Material abgetragen bzw. gelockert wird, dann kann dort die Kraftlinie freigelegt werden, das Gewölbe verformt sich.

4. Zu schwache Ausführung des Gewölbes

Auch früher wurde massiv Geld gespart, sowohl am Material als auch an Fachkräften.
Möglich, das dies hier geschah.
Das kann man feststellen, wenn man das Gewölbe nachrechnet und die ermittelten Spannungen mit den vorhandenen Materialkennwerten und der Geometrie vergleicht.

Es kann auch sein, das keiner der 4 möglichen Ursachen allein zur Verformung geführt hat, sondern eine Kombination verschiedener Möglichkeiten.
Das kann man nur vor Ort feststellen.
Aus dem Ergebnis dieser Überprüfung kann dann überlegt werden, wie weiter zu verfahren ist.

Viele Grüße

p.s. habe gerade Deine Vorschläge gelesen, keiner von denen ist geeignet!



Ich habe auch so ein Gewölbe wie deines..



.. und ich finde das sieht top aus!! Bei uns ist längst kein Putz mehr an den Wänden und man sieht die Mauersteine von unten.. Jedenfalls haben wir zwischen Außenwand und Gewölbe eigentich immer soviel Platz, dass man fast seine hand durchstecken kann! Die Gewölbe sind ja nicht mit der Außenwand verbunden und liegen ja nur auf den Wänden im Keller auf.. Also als Laie würde ich da gar keine Angst haben dass da irgendwas passiert..

Wir haben mal nen Fußboden rausgerissen unds dabei nicht ausgepasst das gleichmäßig abzutragen (waren sagenhafte 25 cm Beton plus Sand zum Ausgleichen der Gewölbe!!!), da hats mal knack gemacht, ein Riss ist entstanden und mehr war dann nicht.. Hab nen ganz schönen Schreck gegeben, aber alle die ich gefragt habe meinten das war nur wegen der Entlastung und nun passiert da nix mehr.. Gewölbe hält ja bekanntlich sehr viel aus..

Also meiner Meinung nach brauchst du dir keine Sorgen um das Gewölbe machen. Und der FB ist ja auch nicht schwer..



Gewölbestich



Hallo Herr Böttcher,

- die Stichhöhe der Gewölbe (Höhe ab Kämpfer bis zum Scheitel) und die
- Dicke des Gewölbes im Stich habe ich noch einmal auf folgendem Foto blau eingezeichnet.

was ich an dem Gewölbe nicht ganz verstehe ist warum ein Balken direkt auf dem Stich aufliegt...und damit an der schwächsten Stelle eine doch erhebliche Last überträgt. Es liegen alle Balken auf dem Gewölbe bzw auf dessen mit Bauschutt und tw. vermörtelten Steinen aufgefüllten Zwickel auf und die Balken sind in Längsrichtung des Gewölbes (ca. 7,5m lang).
Die Zwickel habe ich mich nicht getraut auszuräumen, da ich dachte, dass das Gewölbe die Auflast vielleicht braucht. Oberhalb des Stichs habe ich nur eine kleine Fläche und nur losen Bauschutt entfernt um zu sehen wie das Gewölbe beeinander ist.


dass einer der Auflagerbereiche ausgewandert ist kann gut sein. Die Aussenwand wurde vor 15 Jahren freigelegt um die Perimeterdämmung anzubringen. Wie weit hinuntergegraben wurde und ob die Grabung abschnittsweise durchgeführt wurde kann ich nicht sagen. Jedenfalls denke ich dass dies sicher nicht optimal für das Gewölbe war.
Bei folgendem Foto sieht man auch die Einbindung der Gewölbekämpfer in das Mauerwerk (Unterkante Kämpfer ca. 0,62m unter Boden).

im Inneren des Gewölbes ganz rechts bei der Aussenwand ist auch eine Rinne eingezeichnet....diese ist derzeit immer mit ein wenig Wasser gefüllt (derzeit steht das Wasser), das dann über eine Verrohrung abgeführt wird....dies ist auch einer der Gründe warum es derzeit so feucht und modrig ist.


Hallo Britta,
danke für deine Info...das beruhigt mich dass deins auch noch hält.
mal sehen wie es weitergeht mit dem Gewölbe...:-)

Gruß, Max



Natursteingewölbe sanieren



Mit den Maßen ist es ein Segmentgewölbe. Ohne zu rechnen und rein gefühlsmäßig glaube ich die Dimensionen stimmen.
Ob das Material und die Verarbeitung in Ordnung ist, kann man so nicht beurteilen.
Den Zwickelbereich solltest Du auf keinen Fall ausräumen, er stabilisiert das Gewölbe. Zur Verstärkung solltest Du hier mit Normalbeton bis auf Scheitelhöhe auffüllen.
Wenn nur der eine Riss am Gewölbeabschluß vorhanden ist, dann hat der mit der Tragfähigkeit des Gewölbes selber nichts zu tun und ist wohl in der Bewegung der Außenwand begründet.

Viele Grüße



Gewölbe



Hallo Max,
ich hatte ein ähnliches Problem.
Der Riß zur Giebelseite/Steinsockel (etwa 4 cm, über komplette Hausbreite) war zurückzuführen auf eine Bewegung der Giebelseite.
Hier war eine "einfache" statische Ertüchtigung mit Armierung und Bodenplatte nicht ausreichend. Da man nur die Symptome bekämpft, die Bewegung aber nicht stoppt!
Das war ne ziemliche Aktion alles, wenn du nähere Infos brauchst bitte melden. Ich hoffe es wird sich bei dir einfacher lösen.
Schreib doch mal, was der Statiker sagt.
Gruß Peter



Modergeruch



im Keller habe ich mal ganz eifach bekämpft.
Schwefelstreifen für Gewächshäuser ca 3 Stück abbrennen un den Keller 3 Tage verschlossen halten und dann lüften. Klingt zwar sehr chemisch, aber im Gartenbau eine übliche Lösung. Du Wirst staunen, wie klar die Luft wird. Wenn es hinterher wiede schlimmer wird, muß es eine andere Ursachen geben als das Alter des Sandes.
Bin gespannt auf die Reaktion der Ökologischen Seite wegen dem Schwefel - bedenkt aber bitte vorher, wo ihr im Januar euer Obst her habt oder ob es nur Sauerkraut, Grünkohl und Äpfel aus dem eigenen Garten war!



Sanierung



Hallo Peter,

Du schreibst:
>Hier war eine "einfache" statische Ertüchtigung mit >Armierung und Bodenplatte nicht ausreichend. Da man nur >die Symptome bekämpft, die Bewegung aber nicht stoppt!

Meinst du damit, dass die Armierung und Platte über dem Gewölbe nicht ausgereicht hat um das Gewölbe zu sichern?
bei mir ist das Gewölbe wie auf dem unteren Schnitt-Bild ersichtlich unterhalb des Erdbodens (tükise Linie) und die Bewegung müsste eigenlich gestoppt sein....bin mir nur nicht sicher ob nicht schon etwas beschädigt wurde bzw. ob das Gewölbe noch die ursprüngliche Tragkraft hat.

Ich denke der Statiker wird dazu sicher was sagen können.
Gruß, Max



Gewölbe



Hallo Max,
nunja, das sollte der Statiker klären können.
Bei mir war das Problem, das sich die Giebelseite in Bewegung befand (durchsägte Schwellen/ Hanglage). Die Bewegung konnte das Gewölbe nicht mitmachen und daher der Riß. Hätte ich jetzt armiert und betoniert wär das erstmal ok, allerdings würde sich die Wand weiter bewegen und der Riß tritt in ein paar Jahren erneut auf.
Wichtig ist die URSACHE des Risses, gegen die mußt du vorgehen.
Wie gesagt, schreib mal was der Statiker dazu sagt.
Gruß Peter



Natursteingewölbe nun gesichert



Hallo an alle!

jetzt ist es soweit und ich habe das Natursteingewölbe gesichert. Wie auf den Bildern erkennbar habe ich 1. zuerst den Boden entfernt, 2. Gewölbe vollständig freigelegt, 3. die Fugen mit Hydraulkalkmörtel verfugt, 4. die Zwickel mit Beton verfüllt und zuletzt eine Stahlbetonplatte ca. 10cm Dick aufgebracht.
Nun werde ich als nächstes ca. 6-8 cm dämmen und den Dielenboden aufbringen (mit dieser Konstruktion bleibe ich in etwa gleich hoch wie der Ursprungsboden).
Gruß, Max