Fundament stabilisieren?

02.11.2006



Hallo,
ich habe in der einen Ecke meines Hauses(100Jahre) einen kräftigen Riss freigelegt. Der Riss war außen im Putz nur als Haarriss zu sehen. Innen war alles mit Gipskarton verkleidet und nachdem ich alles entfernt hatte kam dieser schöne Riss zum Vorscheinen. Siehe Bild. Der Giebel des Hauses muß in der Vergangenheit mal neu hochgemauert worden sein. Der Riss befindet sich zwischen dem "neuen" Teil und dem alten Teil. Das Alte ist mit Lehm gemauert und das Neue mit Kalkmörtel. Zwischen beiden Teilen wurde nicht vernüftig verzahnt. Der Giebel hat sich um ca. 10 mm gesetzt und ca. 20 mm nach außen geneigt (in 2 Meter Höhe). Er hat also eine anständige Beule. Ich denke durch eine defekte Dachentwässerung an dieser Ecke. Zu den vorhandenen 2 Mauerankern habe ich 2 zusätzliche eingezogen.
Ich möchte die Ecke nun neu hochmauern.
Ist es erforderlich an dieser Ecke das Fundament zu stabilisieren?
Das Fundament besteht aus großen Feldsteinen, die Zwischenräume sind mit Lehm ausgefüllt. Darauf liegen dann rote Backsteine.Die erste Schicht über der Erde besteht aus hochkant gestellte Backsteine.
Welche Möglichkeit habe ich zu verhindern das der Riss wieder kommt.

Gruß
Gerd



Statiker vor Ort



Hallo,
ob Sie ein Fundament brauchen oder nicht, beantwortet Ihnen am besten ein Statiker vor Ort, den Sie sich auf die Baustelle holen und die Stelle zeigen. Der kann Ihnen unter Umständen auch gleich noch erklären wie Sie die Wand unterfangen können, ohne das Sie Ihr Haus zum Einsturz bringen. Ansonsten fragen Sie eine Baufirma vor Ort, die kann Ihnen sicher auch mit Rat und Tat zu Seite stehen. Aber auf Grund eines Fotos ist diese Frage nicht ebantworten. Denn:

- Wie tief gründet das Fundament?
- Wie ist der Zustand der Steine?
- Zustand und Tragfähigkeit des Untergrunds?
- Tatsächliche Ursache für Wegkippen? Setzungsanfälliger Baugrund, Umlastungen im Gebäude, Kanalarbeiten vorm Haus?
- etc.

Sie sehen, diese Fragen sind nicht durch ein Foto zu erklären. Da muß ein erfahrener Fachmann ran und sich die Sache ansehen.
Mit schönen Grüßen aus Bayern
Wolfgang Kugler



Moin,



Herr Kugler hat soweit alles gesagt und bevor Sie sich ans Abreissen machen, lassen Sie sich ausfuehrlich beraten, es besteht ja auch z.B. die Möglichkeit das ganze mittels Gewistaeben neu zu verankern, aber erst muss die Ursache geklärt sein.



Hallo



Danke für die Antworten.
Mir ist schon klar das mir hier keiner, ohne den Schaden zu begutachten, eine perfekte Lösung für das Problem geben kann. Ich brauche eigentlich nur ein paar Anregungen und einen Meinungsaustausch zu dem Problem um in meiner Entscheidungsfindung voran zu kommen.


Die Ecke mit dem Riss ist vor ca. 30 Jahren von außen verputzt worden, wurde mir von Nachbarn gesagt. Der Vorbesitzer war die Gemeinde und die hat in den letzten 20 Jahren an dem Haus nichts gemacht. Im Außenputz war der Riss nur als Haarriss zu erkennen. Ich kann also davon ausgehen das sich die Ecke in den letzten 20-30 Jahren nicht mehr bewegt hat.
Ich hatte den Riss von einem Bauingenieur, aus einem vor Ort ansässigem Baubetrieb, begutachten lassen. Der war der Meinung das der Riss von der an dieser Ecke befindlichen Dachentwässerung kommt. Da lief in der Vergangenheit das Regenwasser oberflächlich direkt in die Erde. Es wurde nicht vom Haus weggeleitet. Er hat mir empfohlen die Ecke einfach neu hochzumauern. Eine Stabilisierung des Fundaments hält er nicht für erforderlich. Da ich aber ein vorsichtiger Mensch bin habe ich die Frage nach der Stabilisierung hier nochmal gestellt.
Das Fundament ist etwa 60-70 cm in der Erde. Ich wollte die Ecke bis zur Fundamentsohle aufgraben(2x2m) 50cm breit, einschalen und mit Beton (mit Armierung) füllen. Bringt das überhaupt was?

Gruß
Gerd



Risß in der ecke



Guten Tag,

das umgießen bringt vermutlich nichts, weil der Boden unterhalb nachgegeben hat. Es würde aber helfen, den Boden mechanisch zu stabilisieren, also Zement unterzuspritzen (nur durch Fachfirma machbar). Den Riß würde ich zugfest verpressen lassen (wieder Fachfirma), Preis um die 90 €/m + MWSt. und Baustelleneinrichtung.
Auf jeden Fall aber sollten Sie zum Statiker gehen.

Grüße



nicht zuviel machen



wenn sich in den vergangenen Jahren ein Haarriss in einem nicht verzahnten Mauerwerk zeigt, ist dies gewiss kein Grund zue Panik und zu überzogenen Massnahmen. Dann hat sich das Fundament sicher kaum noch bewegt.
Ich würde daher nicht alles aufgraben und das Fundament damit erst schwächen, sondern eine einfache Lösung zum überbinden / "nähen" / verpressen des Risses suchen.

Ich kenne im übrigen Beispiele, die zeigen, dass durch Zuganker (Maueranker?) ein Ausbeulen begünstigt oder erzeugt wurde.
Von dieser Stelle aus schwer zu beurteilen.

Gutes Gelingen wünscht
jh



Hallo



Danke für die Antworten.

Ich denke und hoffe auch das sich das Fundament nicht weiter setzt.
Im Jahr 2001 wurde in der Straße vor dem Haus Kanalisations-und im Jahr 2004 Regenwasserleitungen verlegt. Alles in offener Bauweise mit jeder Menge Erschütterungen. Dabei hatte ich keine Veränderungen von außen im Putz festgestellt. Den Riss von innen kannte ich damals noch nicht.
Ich denke ich werde am Fundament nichts machen und es so lassen wie es ist.

Da ich das Haus aber perspektivisch wieder vom Putz befreien möchte, werde ich die Ecke neu hochmauern. Mal sehen ob ich einen Statiker auftreibe der sich das mal kostengünstig anschaut.

Kann mir bitte mal jemand beschreiben wie der Riss nach einem "Verpressen" aussieht und was da gemacht wird?

Gruß
Gerd



Riss verpressen



Der Riß wird an den Flanken aufgeweitet und mit Druckluft ausgeblasen, also gesäubert. In Abständen von ca. 30 cm werden sogenannte "Packer" gesetzt, das sind die späteren Einspritzdüsen. Je nach Situation vor Ort und Beschaffenheit bzw. dynamischem Status des Risses wird das Verpreßmaterial gewählt. Meistens wird es ein ein Zweikomponenten-Kunstharzgemisch sein, daß schnell abbindet und die Flanken rißfrei und zugfest miteinander verbindet.
Das sieht danach aus wie eine Mörtelfuge, allerdings frei von Flankenrissen und absolut geschlossen. Würden Sie verfugen, hätten Sie nicht einen Riß sondern zwei (wg. Schwindens). Wenn Sie das vorhaben, schicke ich Ihnen eine Tel.Nr.

Gutes Gelingen



Verpressen



Da wir uns immer noch in der Sanierung eines historischen Geäudes befinden, schlage ich Ihnen vor, den Riss mit einer Kalkzementsuspension zu verpressen. Wir haben es hier mit Mauerwerk zu tun und nicht mit der Abdichtung eines Stahlbetonbauwerks. Für die Verhinderung von Schwindrissen wird nach einiger Zeit das Mauerwerk nachverpresst.



Hifg tec?



Ich würde auch keine Kunstharz-Hightec- Verfahren wählen sondern immer zuerst versuchen, Gleiches mit Gleichem zureparieren, also Ziegelmauerwerk und Lehm oder Kalkmörtel nehmen. Insbesondere wenn die Ecke wieder aufgemauert werden soll würde ich Ziegel von vergleichbarer Art und gleicher Lagenstärke und Mörtel wie vorhanden verwenden. Das kann man so auch gut mit dem alten Mauerwerk verzahnen.

beste Grüsse,
jh



Hallo



Danke für die Antworten. Ich konnte mir unter "verpressen" nichts vorstellen. Der Begriff war mir nicht bekannt, daher meine Frage.
Wenn ich nicht zu völlig neuen Erkenntnissen komme werde ich die Ecke abreißen und wieder aufmauern. Ich werde die alten Steine sauber machen und wieder verwenden. Der Mörtel ist so weich dass ich ihn von den Steinen abkratzen kann. Da ist kein Gramm Zement drin.

Gruß
Gerd



Riß im Giebel?



Dachog. Gebe Jan Hülsmann Recht. 10 mm, 20 mm, cm ist auf dem Bau kein Maß. Wer garantier, daß die neugezogene Mauer nicht auch wieder absackt? Ist doch nun alles in Ruhe oder? Auf dem Teppich bleiben. Ist ja nun kein Ingenieurbauwerk. MfG ut de Oltmark.



Riss vernadeln?



Guten Tag,

wir haben/hatten ähnliche Probleme an einem ähnlichen Mecklenburger Bauernhaus aus wie Herr Rudorff. Einen Statiker haben wir geholt. Eine Fa. für Bausanierung hat das Feldsteinfundament mit Unterstopfmörtel neu verfugt, eine Betonschale vorgesetzt, und drüber mit den alten Ziegeln neu aufgemauert. War okay.

Wir haben aber noch einen langen Riß, der sich durch Aufsetzen einens neuen Daches (auf den alten Dachstuhl) vergrößert hat.
Unser Archi hat "Vernadeln" des Mauerwerks empfohlen: Fugen auskratzen, Edelstahlstäbe einschieben, zumachen. Ist das gemeint mit dem "Nähen", Herr Hülsemann?
Gruß J. Schwarz



Nähen



ja, das ist prinzipiell damit gemeint. Es gibt aber eine ganze Reihe von Methoden dafür, je nach Befund, Angaben des Statikers, Belastung, Zugänglichkeit, Bauaufwand, Geldbeutel, Erfahrungen des Maurers...

hier eine einfache Methode mit Eisenbügeln



oder



eine schwerere Variante mit Flachstahlverbindern durch die Wand vebolzt



oder



wie von Ihnen beschrieben mit Edelstahl- Spiralverbindern in Verbindung mit einem Spezialmörtel in die Fugen gelegt.

Dies ist sicherlich die teuerste Variante.

Es gibt sicherlich noch mehr Methoden.

beste Grüsse,
jh





Hallo Herr Hülsemann,

danke für die interessante Erläuterung des Nähens. Werde ich mir mal merken für meine nächsten Risse.

Gruß
Gerd Rudorff



Riss vernadeln?



Danke Herr Hülsemann,

sehr anschaulich ist das mit den Fotos. Wir reden nochmal mit dem Statiker. Kauft man denn bei Methode 1 die Klammern im Baumarkt und setzt sie in vorgebohrte Löcher, wenn mans selber machen will?

Klammert man nur von einer Seite her (nur das ginge bei uns, weil die Denkmalpflege die Fassade ziegelsichtig belassen will? Oder ist ein Vernadeln von innen und außen ein Muß?

Gruß Jürg Schwarz