Neue Riegel

04.01.2010



Hallo liebe Fachwerker,

wir bekommen bald neue Fenster in unsere Fachwerkwand.Für die alten sind die Gefache unten einfach mit unterschiedlichsten Steinen ausgestopft. Das sieh ziemlich unprofessionel aus. Der Tischler hat uns gebeten unter den Fenstern neue Riegel einbauen zu lassen. Wir haben unseren Zimmermann gefragt, "Kein Problem" sagt dieser. Er würde einfach Balken mit Winkeln anspaxen.
Kann aus dem nichtfachwerkgerechtem Einbau der Riegel ein Schaden entstehen? Ich denke da vorallem an die Problematik das sich dann Metall im Fachwerk befindet. Gibt es noch Handwerker die den Riegel fachgerecht Einbauen können?





Suchen sie sich einen anderen (vernünftigen) Zimmermann.



Anspaxen?



Hallo Anja,

von diesem ZusammenZimmerMann würde ich mich eher abwenden.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Nehmen Sie es



dem Kollegen nicht übel.Er hat die günstige und schnelle Art der Ausführung angeboten.
Fragen Sie nach der Ausführung mit traditonellen Holzverbindungen.Wundern Sie sich aber nicht über den etwas höheren Preis.





auch wenn jeder was degegen hat ist die Lösung mit dem Winkel genauso machbar und unproblematisch und bedeutend günstiger ist dies auch. (der Fensterbauer kann den Riegel in dieser Art wahrscheinlich auch mit auswechseln).
Aber deswegen den Zimmermann schlechtreden ist vielleicht etwas dumm.



Machen Sie es so, wie Herr Skupke vorgeschlagen hat.



Fragen Sie den Zimmermann nach der fachgerechten und damit tradtionellen Methode. Wenn er die nicht bieten kann, würde ich mir an Ihrer Stelle eine Zimmerei suchen, die sich mit so etwas auskennt. Hier im Forum gibt es sicher auch einige.
Auf Dauer sind diese Verbindungen nicht haltbar und führen, vereinfacht gesagt, unter anderem zu beschleunigtem Zerfall des Holzes an den verschraubten Stellen. - Fehlte nur noch, daß er die Fächer anschließend dauerelastisch versiegeln würde.

@ Mirko Schlosser: Wie kommen Sie darauf, daß diese Holz-/Metallverbindung im Außenfachwerk unproblematisch ist? Im "Lenze" steht ziemlich genau beschrieben, was auf Dauer mit per Montagewinkel eingebauten Riegeln geschieht. - Es ist ja nicht umsonst jeder dagegen.

Viele Grüße
Achim Hecke





bei einem einbau von Riegeln in bestehendem Gefach gibt es nur zwei möglichkeiten, diesen einzubauen, ohnen einen immensen Aufwand zu betreiben. Mal abgesehen von der Winkelmontage.

1) den so genannten "falschen Zapfen"
2) den Jagdzapfen mit Schwalbenschwanz

fragen Sie einfach den Zimmermann ob er das kann, das sind Grundkenntnisse der Zimmererausbildung



Wieso...



..sollen denn neue Riegel eingebaut werden? Was ist mit den Alten?

Metallverbindungen gehören nicht ins Fachwerk. Wieso das so ist, kann man vielerorts nachlesen und ich halte diese Erläuterungen auch für schlüssig.

Falls die Zapflöcher an den Ständern rechts und links schadhaft sind, gäbe es noch die Möglichkeit die Ständer entsprechend auszuarbeiten und anschließend Passstücke aus altem, abgelagerten Holz in gleicher Holzart einzubauen.

Hat zumindest den Vorteil, das man einen "echten" und ganzen Riegel verbauen kann.

Und ganz so schlecht aussehen tut es auch nicht.

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Grüße
Martin





Die alten Riegel sind entfernt worden als die tollen Plastefenster vor ca 12 Jahren eingebaut wurden.
Ich werde also versuchen einen Zimmermann zu finden, der uns die Riegel ohne Metall einbaut.



Metallwinkel am Fachwerk



..und in der Praxis sieht das dann so aus:
Den nebenstehend abgebildeten Rillennagel konnte ich mit wenig Mühe mit einem Schraubenzieher aus dem Eichenkernholz heraushebeln.

Im Grunde genommen wird auch nach Jahrzehnten der Eichenholzquerschnitt dadurch kaum geschädigt, jedoch wird das Holz im Kontaktbereich mit den Nägeln verfaulen. Die Verbindung ist dann nicht mehr kraftschlüssig (außer gegen Abscheren).

Bei Nadelhölzern tritt die Schädigung aufgrund der geringeren Dauerhaftigkeit entsprechend früher ein.

Ob diese zweifellos unfachmännische Art der Ausführung aber bei einem Riegel jemals zu einem äußerlich sichtbaren Schaden führt, sei mal dahingestellt.

Gruß
Boris Blenn



Chinaschrott, Ostblockware, Metallwinkel



das Böse hat einen Namen...

@Anja,
ein Riegel kann nur im Neubau richtig eingebaut werden. Schick Deinen Zimmermann nach Vorlage dieser Forumsdiskussion in die Wüste, wundere Dich aber nicht, wenn er die potentielle Baustelle mit den Worten "Na dann eben nich" verlässt und sich noch jahrelang mit seinen Kollegen über Dich und die vorgeschlagene Schwalbenschwanzverbindung im Fachwerkgefüge beölt.

Gruß...J.



Würde gerne noch eine weitere Reparaturvariante vorschlagen:



Es ist auch möglich, neue Riegel vermittels einer Schleifzapfenverbindung einzusetzen.

Diese Variante bietet folgende Vorteile:

1.) Die ursprüngliche Holzverbindung wird quasi wieder hergestellt.
2.) Das Lastenverteilungs-/abtragungsverhalten eines so reparierten Riegels entspricht respektive Punkt 1 den Originalen.
3.) Diese Reparaturvariante ist später nicht mehr sichtbar.
4.) Nach meinem Wissen recht einfach herzustellen, da im Grunde nur eine Vergrößerung der Zapfenlöcher erforderlich ist, die später durch die Ausfachung bzw. in Ihrem Fall durch das Fenster abgedeckt oder ggf. auch wieder mit einem entsprechenden Holz verschlossen werden kann.

Habe leider kein Bild zur Verfügung.

Viele Grüße
Achim Hecke



Schleifzapfenverbindung



Die genannte Schleifzapfenverbindung wurde schon lange vor
der Erfindung von Winkel ,BMF und Kammnägeln praktiziert.
Jeder der Fachwerk saniert kennt solche Langlöcher.
Auch ich setze so Riegel ein z.B. bei der Fenstersanierung.

Hans-Peter Mast



@ Boris



solche Korrosionen habe ich schon mehrmals im Zusammenhang/Kontakt mit Holzschutzmitteln gesehen. Kann es nicht auch nur am Salz liegen ?



Korrosion



@Olaf: Ja, sehe ich auch so, dass die Möglichkeit der Korrosion von Metallteilen in Verbindung mit salzhaltigen Holzschutzmitteln zum Problem werden kann. Da der Rillennagel (wie auch alle anderen Nägel an diesem Bauwerk) aber über dessen gesamten Länge verrostet war, würde ich Holzschutzsalze in diesem Fall mal ausschließen, da diese bei einer Oberflächenbehandlung bei weitem nicht so tief in das Kernholz der Eiche eindringen würden.

Die Gerbsäure der Eiche hat hier möglicherweise eine größere Rolle gespielt. Jedoch war in diesem Fall nicht so sehr die Korrosion des Nagels, sondern vielmehr das angefaulte Holz im Kontaktbereich mit dem Nagel für die Schwächung der Verbindung entscheidend, hervorgerufen eben durch erhöhte Feuchtigkeit.



Faul



Genau, es ist die Feuchtigkeit. In den Fachwerkwänden ist (egal ob die Wand in Ordnung ist oder schadhaft) ein gewisses Maß an Feuchte enthalten. Wenn nun der Stahlwinkel oder andere Bauteile aus Metall z. B. witterungsbedingt auskühlen wird an diesen Bauteilen lokal Kondensat ausfallen, was dann zur Korrosion oder auch zum Faulen des Holzes führen kann.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer