"Richtiges Fachwerk" ??




In einem vorherigen Beitrag wurde mir gesagt, dass ein Fachwerk, was die modernen Ansprüche ans Wohnen erfüllt, kein richtiges Fachwerk mehr sein kann.

Deshalb will ich hier mal ein Beispiel einstellen.

Hier auf dem Bild sieht man die alte Zimmermannswerkstatt aus dem Museumsdorf in Cloppenburg. Ich gehe davon aus das es für alle ein richtiges Fachwerkgebäude ist????



"Richtiges Fachwerk" ??



Hier die Kopie von der Zimmermannswerkstatt, aus Altmaterial hergestellt. Die Fachwerkwände tragen die Balkenlage und das Dach. Das Gebäude hat ein kleines Schleppdach bekommen um der alten Kreissäge, die an der Seite steht, einen Wetterschutz zu geben. Nicht zu sehen, aber vorhanden, die heute übliche Dämmstärke. Dadurch hatte das Haus in 2014 einen Heizbedarf bei 80m² Wohnfläche von 4414kw incl. der Warmwasserbereitung.

Ist es kein richtiges Fachwerkhaus, nur weil kein Lehm verarbeitet wurde und mit Heizenergie sparsam umgegangen wird?????

Lieben Gruss
Heinz-Josef



Richtiges Fachwerk?



Ich weiß jetzt nicht auf welchen Beitrag du dich beziehst.
'Richtiges Fachwerk' ist sicher auch bei heutigen Ansprüchen möglich, wenn damit gemeint ist, daß dieses traditionell hergestellt wurde und statisch die Tragkonstruktion darstellt.
Nicht möglich ist es, mit den häufig üblichen dünnen Wandstärken heutigen Dämmstandards und -Anforderungen zu genügen.

Allerdings habe ich auch in Freilichtmuseen Fachwerkkonstruktionen mit fast 30x30 cm dicken Fachwerkständern gesehen was auch bei guter Dämmung heute (fast) genügen könnte.

Schwierig kann aufgrund der Unmenge an Fugen die Einhaltung der Luftdichtigkeit sein.

Aber es gibt ja auch hier im Forum Fachwerkhausanbieter, die noch richtige Fachwerkhäuser herstellen, allerdings mit anderen Wandaufbauten als früher üblich.
Auch Gebäude mit Strohballendämmung sind möglich, deren statisches Gerüst aus einer 'richtigen' Fachwerkkonstruktionen bestehen.

Man könnte sicher auch heute noch klassische Fachwerkhäuser konstruieren, die allen Anforderungen genügen- ggf auch als Passivhaus.

Andreas Teich



Ich habe wohl eher nicht behauptet,



"... dass ein Fachwerk, was die modernen Ansprüche ans Wohnen erfüllt, kein richtiges Fachwerk mehr sein kann."

Allerdings dürfte unstrittig sein, daß die Fachwerktechnologie nur schwer mit heutigen Anforderungen kombinierbar ist. Dazu muß dieses (zuweilen ja tatsächlich) "richtige" Fachwerk so wesentlich ergänzt oder auch verändert werden, daß man in der Gänze nicht von einem klassischen Fachhwerkhaus sprechen sollte. Das macht sich für mich auch nicht an der ohnezweifel charmanten Wiederverwendung alter Baustoffe fest, die schafft nur vorgegaukeltes Alter, aber keine Authentizität.

Weiter: Der Neubau mag eine Adaption des Vorbildes sein, von einer Kopie ist er auch optisch und konstruktiv weit entfernt. Das Fachwerk im letzteren Falle ist völlig anders und ziemlich willkürlich zusammengestellt. Während der ursprüngliche Bau durch gestalterische Klarheit und die Einfachheit besticht, die man am klassischen Fachwerk erwarten darf, hängt zum Beispiel der obere giebelseitige Austritt gestalterisch und konstruktiv in der Luft, statt auf dem Kehlbalken aufzustehen. Die putzig abgeknickten Streben oberhalb dieses Austrittes sind auch mehr gewollt dekorativ als traditionell. Zudem: Einen so schmalen Giebel über der übernommenen Viererteilung des Erdgeschosses im OG zu sechsteln, ist wohl keine optische Verbesserung des Vorbildes. Allenfalls niedlich.

Wie ich schon sagte, die auf der lebendigen Tradition fußende Fachwerkbaukunst gibt es nicht mehr. Neben Könnern unter den Zimmererleuten, die für sich diese Bauform wiederentdeckt haben, gibt es allerlei Nachahmer unterschiedlichen Niveaus. Und manchmal scheint das Ergebnis nur von den Dimensionen des vorhandenen Altholzes abzuhängen...Konstruktiv beherrschen das manche; das Gefühl für die Gestaltung und deren regionaltypische Besonderheiten ist aber kaum zu finden. Hat man das nicht, und es muß unbedingt Fachwerk sein, wäre eine 1:1 Kopie die bessere Wahl.

Grüße

Thomas