Richtige Behandlung unserer 204 jahre alten Holzbalken

06.07.2016



Hallo zusammen, ich möchte mich kurz vorstellen und brauche direkt eure Hilfe.

Ich heiße Andreas bin 32 Jahre alt und habe zusammen mit meiner Frau vor kurzem unser Traumhaus erworben, ein 1812 erbautes, inzwischen denkmalgeschütztes Fachwerkhaus.

Nun möchte ich diesen Sommer noch etwas in Richtung Holzpflege der aussenliegenden Balken tun, habe aber Angst etwas falsch zu machen, weil das Internet voll von Bauschäden und Baumängeln ist, suche ich hier kompetente Hilfe.

Handwerklich sollte es für mich kein Problem darstellen, jedoch möchte ich mich absichern das richtige zu tun.

Der Zustand allgemein ist super, lediglich die Holzbalken auf der Wetterseite sehen aus als ob der Putz das Holz "verwaschen" hat durch den Regen.


Jetzt meine Frage an euch: Fachmann anschauen lassen ? oder kann ich hier ein Bild hochladen ?

Dann, Holz anschleifen oder nicht?
Dann, Leinöl zu Behandlung nehmen ? oder gibts es noch was besseres? und wie kommt vor allem die schöne Schwarze Farbe der Balken her? kriegt man das mit Leinöl wieder so schön schwarz?

ich habe inzwischen die Website gefunden

http://www.fachwerkfarben.de/



vielen Dank schonmal und Grüße aus Siegburg



Bilder



Bilder hochladen - immer nur eins im beitrag geht, wenn man sich angemeldet hat. Kostet nichts und tut auch nicht weh :-)
Macht sich aber besser, um manche Frage zu verstehen anhand des Bildes.



hier ein Bild vorn der Wetterseite



wetterseite 1



hier ein Bild vorn der 2 . wetterseite



wetterseite 2



hier ein weiteres Bild vorn der Wetterseite



wetterseite



Balken + Gefache



Damit das Haus auch noch lange ein Traumhaus bleibt, sollten Sie vor einer Überarbeitung des Balkenanstrichs folgende Punkte klären:

- woraus bestehen die Gefache ? Ich vermute, das sie vor der Einstufung zum Denkmal in den 80er Jahren mit Porenbeton ausgemauert worden sind. Der "moderne" Reibeputz und die sehr gleichmäßige Gefacheoberfläche lassen darauf schließen.

Das wäre nicht das bevorzugte Material der Wahl mit eher nachteiligen Langzeitwirkungen. Das Problem sind u. a. die vielen Meter Anschlußfuge zum Fachwerk. Hier treten Risse auf, durch die Regenwasser eindringen kann. Vor einem Anstrich muß über eine fachgerechte und fachwerkgerechte Fugensanierung und -abdichtung nachgedacht werden. Zudem sind die Gefache auf ihre kraftschlüssige Verbindung zum Fachwerk zu untersuchen. Oft sind die Ausmauerungen ohne mechanische Befestigung in die Gefache gesetzt worden, prinzipiell beweglich und vielfach mit den Jahren auch nach außen getreten/gekippt. Sie stehen dann bis zu 10 mm vor und leiten dadurch auf der oberen Kante ggf. verstärkt das Regenwasser in die Gefache.

- sind die Gefachefugen mit Acryl/Silikon verfugt worden ? Wenn ja, muß es entfernt werden.

- sind eventuelle Fachwerkschäden mit Acryldichtmassen/Zement/Bitumenmassen a. ä. "ausgebessert"
bzw überschmiert worden ? Wenn ja: entfernen und überprüfen, ob sich darunter Fachwerkvermorschungen gebildet haben.

- feststellen -und zwar eindeutig, ggf. durch eine Materialanalyse- um welche Art von Anstrich/en es sich aktuell handelt, wie sie entfernt werden können und welche Art von neuem Anstrich damit ggf. bauphysikalisch harmoniert. Optisch wirkt wie ein ausgewaschener Anstrich mit Dachbitumen ("Dachlack"). Früher wurde oft alles genommen, was Werkstatt und BAumarkt hergaben, um die Balken zu schwärzen.

- Ebenfalls müssen die neu eingebauten Fenster sorgfältig in den Anschlußfugen überprüft werden. Auch hier wird gerne mit unverträglichen Dichtmassen gearbeitet, die langfristig zu Fachwerkschäden führen können. Schwachpunkt ist u. a. das Fensterbrett und die seitlich Aufkantung, die nicht durch eine Laibungsbekleidung überdeckt wird, sondern eine nach oben offene Blechkante zeigt, die dann "abgedichtet" wird. I.d.R. natürlich nicht dauerhaft und dann hinterlaufen wird. Hier leiden dann im Laufe der Jahre die Brüstungsriegel unerkannt, weil verkleidet.

- Was befindet sich auf der Innenseite der Gefache? Eine Innendämmung ? GKB- Vorsatzschalen mit oder ohne Dämmung ? Dampfsperren oder sonstige Folienwerkstoffe in Kombination mit Spanplatten ?

- Die schlagregenbeanspruchte Wetterseite sollte prinzipiell bekleidet werden. Sichtfachwerk ist dort nicht zulässig. Das muß mit der Denkmalbehörde abgesprochen werden.

Diese Fragen zur Bestandsaufnahme sollten Sie klären,bevor Sie aktiv werden. Es sind z.B. Fragen, die sich in einer vergleichbaren Situation vor wenigen Wochen bei einer Bestandsaufnahme hier in der Eifel ergeben haben. Dabei ging es zunächst auch "nur" um die Überarbeitung des Anstrichs.

Grundsätzlich sollten alle Sanierungsarbeiten des Vorbesitzers einmal gründlich auf Sinnhaftigkeit und langfristige Fachwerkverträglichkeit überprüft werden.



Fachwerkfassade



Hallo Andy,
noch ein paar Ergänzungen zum Beitrag von Will Pickartz:
Ich schätze die meisten der Profile auf den Fotos sind keine 204 Jahre alt, vielleicht zwei oder drei, mehr nicht.
Neues Tragwerk, neuer Putz, neue Ausmauerung, neues Dach- viel ist von dem Denkmal nicht übrig geblieben. Wie man einen solchen Putz an ein Denkmal bringen kann ist traurig. Wie die Sanierung innen abgelaufen ist kann man nur vermuten, aber wahrscheinlich im Stil dessen was damals modisch und modern war.
Das mit den Gefachausmauerungen sollte unbedingt geprüft werden, schon auf den Fotos kann man erkennen das da was nicht stimmt.
Als besonders kritisch sehe ich den Absatz an der Traufseite, links auf den Giebelfotos sichtbar. Wie die obere Schwelle und die Decke das die letzten 30 Jahre weggesteckt hat sollte sich mal ein Fachmann ansehen.