Renovierung mit Isofloc und OSB?

22.11.2017 Pirmin Braun



Hallo zusammen, ich bin zu einem Fachwerkhaus von 1900 gekommen wie die Jungfrau zum Kind: Beim Tapete abmachen ergoß sich ein Sand- und Staubregen auf den Boden. Das war wohl der Lehmputz. Zum Vorschein kam Fachwerk mit Gefachen, die locker mit Porenbetonsteinen ausgelegt sind - gemauert kann man nicht sagen. Das muss auf jedenfall raus. Nun ist außen davor noch in ca. 10 cm Abstand eine Außenschale bestehend aus einer Bretterschicht mit Schieferschindeln, augenscheinlich intakt. Die Balken sind tadellos und trocken. Nachdem ich mich etwas eingelesen habe, tendiere ich dazu, für den Neuaufbau Isofloc zu nehmen. Was man so liest, besteht Konsens, dass die Gefache keinerlei statische Funktion haben (ausser die Balken sind geschwächt, was hier nicht der Fall ist). Ich könnte mir noch vorstellen, dass das Gewicht der Gefache eine Schwingungsdämpferfunktion hat, habe dazu aber nichts gefunden. Auch nichts dazu, dass das Gewicht dazu nötig wäre, die Holzkonstruktion "vorzuspannen" und damit zu verfestigen. Schließlich hatte ich noch überlegt, ob das Gleichgewicht des Hauses in Schieflage kommt, wenn nur an einem Ende die Gefache rausgenommen werden. Sollte das auch zu vernachlässigen sein, würde ich die Gefache nicht mehr zumauern, sondern mit Isofloc füllen, mitsamt dem Zwischenraum zur Außenschale und nach innen mit einer OSB-Platte, die direkt auf die Balken geschraubt wird, zumachen. Kann das funktionieren?

Man soll zwar keine OSB-Platte nehmen, weil nicht diffusionsoffen, aber in diesem Fall hat man ja quasi eine Außendämmung und die Isofloc Füllung soll kapillar aktiv sein. Auf jeden Fall doch mehr als der Porenbeton wie jetzt. Der Taupunkt wäre mit diesem Aufbau doch nach außen verlagert? In Ratgebern zur Innendämmung wird allenthalben eine moderate Dampfbremse empfohlen. Diese Funktion kann die OSB Platte doch von sich aus schon mit übernehmen?

Isofloc dient nach eigener Aussage auch zur Schalldämmung. Hat dazu jemand Erfahrungswerte?

Und schließlich: Wenn ich die Balken mit OSB verplanke, wird die Konstruktion ja wie beim Holzrahmenbau ausgesteift. Kann das schädlich sein oder ist das sogar besser? Kann es ein Problem sein, wenn die eine Hälfte des Hauses so versteift ist und die andere noch frei schwingt?



Fachwerk- Zellulosedämmung



Masse dämmt niederfrequenten Schall, dies kann nicht von leichten Dämmstoffen geleistet werden.

Wenn die Schieferverkleidung bleibt, was als Regenschutz empfehlenswert ist, können die Gefache zB mit Lehmsteinen ausgemauert werden.

Bei geringer Lärmbelastung genügen uU schwere Holzfaserdämmplatten, als Außenlage zB eine Lehmbauplatte.
Nach innen hin kann mit Ständerwand, Platte und Zellulose gedämmt werden
oder alles mit Holzfaserplatten dämmen und innen mit Kalkmörtel oder Lehm verputzen.
Entweder eine feuchtevariable Dampfbremse verwenden oder darauf verzichten- je nach Gesamtaufbau.

Die Gesamtsituation müßte bekannt sein, Außenwände allseitig, Fenster, Sockel, Heizsystem und Wärmeverteilung, Fußbodenaufbau etc

Andreas Teich





Die Schieferverkleidung bleibt. Ich will wenn es irgendwie möglich ist, auf Mauern, Lehm und Putz und Gips verzichten. Meine Vorstellung ist, dass ich jederzeit für Revision/Reparatur/Installationen einfach die OSB Platten wieder abschrauben kann. Lärm haben wir dort keinen. Eine Ständerwand will ich nicht, wegen Raumverlust, Konstruktionsaufwand und vor allem weil dann die Balken in der Kälte sind und die Feuchtigkeit abkriegen.
Zwei Wände sind Außenwände mit besagter Schiefer-Außenschale davor, eine Wand grenzt ans Nachbarhaus. Geheizt wird mit einem Heizkörper unterm Fenster. Der Fußboden ist ein Holzdielenboden, darunter Dreck mit Stroh auf Lättchen und die Decke darunter mit Rigips. Will ich mittelfristig aber auch ändern, indem ich die Decke darunter wegreiße, OSB draufschraube und Isofloc reinblase.



Richtig bauen



Wenn korrekt geplant und gebaut wird gibt es keine Schäden und man muß auch nicht alle Verkleidungen abschrauben und inspizieren, wie soll das überhaupt praktisch möglich sein?

Kalte Balken stellen keinerlei Problem dar- das ist bei jedem Fachwerkhaus und Dachstuhl der Fall.
Länger anhaltende Feuchtigkeit und Undichtigkeiten verursachen Schäden, schlechte Dämmung verursacht Kondensat und in der Folge Feuchtigkeitsanfall.
OSB- Platten quellen bei Feuchtigkeit stark auf und verlieren ihre Festigkeit- in der Hinsicht ist Massivholz besser.

Andreas Teich





ähm, hab mich undeutlich ausgedrückt: an den kalten Balken kondensiert das Wasser aus der warmen Luft, die durch unvermeidliche Fehlstellen der Dämmung nach außen sickert. Deswegen will ich die Balken im warmen haben und den Taupunkt weiterhin draußen an der Schieferhülle (s. Skizze Horizontalschnitt des geplanten Wandaufbaus). Auch die OSB Platte ist im warmen und wird nicht feucht. Die Außenhülle hält Schlagregen ab. Würde auch das wasserfeste OBB-3 nehmen.



Außenansicht



so sieht die Schieferhülle übrigens von außen aus. Die hält was ab.



Schieferverschalung



die ist sicherlich als hinterlüftete Vorhangschalung konzipiert. Also ich würde die nicht bis zu den Schiefern ausblasen. Unser altes Dach hatte eine Schieferdeckung, die scheinbar auch dicht war. Bei ganz feinem Flugschnee bei russischem Wind aus Osten war auf dem Dachboden alles schön eingeschneit. Zugegeben, die Unterspannbahn (damals noch in Form einer bitumengetränkten Pappe) war größtenteils weg. ich hätte Bedenken, dass sich die Zellulose durchfeuchtet. Ob es gelingt, eine Unterspannbahn dauerhaft dicht vorzuspannen, wage ich zu bezweifeln.



Dämmung unter Schieferverkleidung



Befindet sich noch eine Bitumenbahn oä.auf der Holzschalung?
Dann könnte hier Kondensat ausfallen.

OSB ist nie wasserfest- besonders der Fugenbereich quillt sehr stark und die Platten verlieren ihre Festigkeit.
Sonst könnten die als Außenverkleidung verwendet werden, was leider nicht möglich ist.
Im Rauminneren ist die Feuchtigkeitsbelastung aber ohnehin nicht hoch.

Bei unflexiblen OSB Platten müßte der Untergrund ausgerichtet werden.
Zudem ist die Sorptionsfähigkeit sehr eingeschränkt.

Wie sollen Installationen montiert werden?

Wieviel Dämmung ist zwischen Fachwerkbalken-Außenkante und Schieferschalung möglich?

Andreas Teich



Dämmung unter Schieferverkleidung



ja, soviel ich erkennen konnte, ist eine Bitumenbahn zwischen Schieferschindeln und der Bretterwand, auf die sie genagelt sind; das sind übrigens die senkrechten Wände, nicht das Dach, um was es mir hier geht.
Die OSB Platten sind ja im Innenbereich gemäß NKL 2 verwendet, normales Wohnzimmer.
Schätzungsweise 15 cm sind zwischen Außenkante Balken und der Bretterwand mit den Schieferschindeln.
Da Isofloc so sehr die Kapillarwirkung der Zelluloseflocken anpreist, hätte ich gedacht, in den Zwischenraum eindringende Feuchtigkeit kann dadurch besser verdunsten, weil sie sich aufgrund der Kapillarwirkung auf eine größere Oberfläche verteilt?
Quasi so, dass die Füllung Starkregen/Flugschnee/Tau aufsaugt und als Verdunstungsverstärker fungiert. Bisher benetzt diese Feuchtigkeit nur die Bretterwand und Gefache und Balken;



OSB Fugen



achso, für bessere Demontage würde ich stumpfe Platten verwenden. Wenn ich bei Montage auf die Kanten eine Silikonspur auftrage, müsste doch dicht sein?



Außendämmung



Vermutlich liegt die dargestellte Konstruktion ohnehin fest wenn so darauf beharrt wird?



Isofloc



keineswegs, das ist jetzt meine erste Lösungs-Idee für meine doch spezielle Situation mit der Außenschale. Fest steht nur, dass ich kein so Lehmgebrösel mehr im Haus haben will. Hatte mir Erfahrungswerte bzgl. Isofloc erhofft. Was ist dran? Hält es in der Praxis durch oder sind das leere Werbeversprechungen? Worauf muss man ggfs. achten?



Fachwerkdämmung



Für den angebotenen Zweck ist es geeignet, jedoch als alleiniges Material zur Außenweltabschottung neben ein paar dünnen Brettern wird es selbst von Herstellern nicht empfohlen.

Andreas Teich



Isofloc sagt:



meine Hoffnung nährte sich aus dem Anwendungsfall 8 "Steildach mit außen dampfdichter Dämmschutzschicht und vorhandener Innenverkleidung, mit neuer Dampfbremstapete" aus "Sanieren mit System", in welchem ich mich wiedergefunden habe, inbes. "Bei intakten Schalungen ist der unmittelbare und vollflächige Kontakt des Zellulosedämmstoffs mit derselbigen ein wesentlicher bauphysikalischer Vorteil gegenüber Plattendämmstoffen. Der Zellulosedämmstoff nimmt dank seiner Sorptionsfähigkeit entstehende Feuchtigkeit auf und entlastet angrenzende Bauteile".



Isoflocdämmung



Meine Hauptbedenken wären, dass Sie eine diffusionsdichte Wandkonstruktion schaffen, innen mit OSB verkleidet, außen die Bitumenbahn.Sollte dabei ein Anschluß der OSB an z.B. Fensterlaibung oder einbindende Wände undicht werden, kann ausfallendes Kondensat an der Außenschalung nicht verdunsten. Mir wäre das zu schadensträchtig. Gleiches gilt für die Schlagregenbelastung, falls die Bitumenbahn nicht durchgängig intakt ist. Die lösen sich im Laufe der Jahre auch gerne auf bzw. werden bröselig, insbesondere, wenn sie starker Besonnung ausgesetzt sind.



Idee..



also noch eine Belüftungszwischenschicht?
Z.B. eine diffussionsoffene Unterdeckplane mit Abstandshalter von innen auf die Rauspundbretter und dagegen erst die Flocken?
Dann müsste der Taupunkt außen auf der wasserdichten Seite der Plane sein, wo das Wasser ablaufen/verdunsten kann. Für Wasser, das durch Undichtigkeiten der Außenschale kommt, ist auf der Plane Schluss. Die Flocken geben ihre Feuchtigkeit aus Warmluftlecks durch die Folie in die Belüftungsschicht ab. Muss nur noch eine Drainage drunter, eine Innendachrinne quasi.



Isofloc + Schieferverkleidung



Grundsätzlich ist Ihre Konstruktion schadensträchtig. Die Schiefervekleidung ist immer auf einer Vordeckbahn verlegt worden, i.d.R. eine besandete Dachbahn mit nicht näher definiertem sd-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstandswert). Diffusinsoffene Vordeckbahnen gibt es erst in neuerer Zeit. Bis zum Nachweis der Eignung würde ich davon ausgehen, das die vorhandene Vordeckbahn relativ dampfbremsend/dampfdicht ist und ein Kondensatausfall an der Innenseite der kalten Schalung möglich und wahrscheinlich ist. Isofloc mag zwar kapillaraktiv sein und ein Rücktrocknung begünstigen, aber diese sog. "Umkehrdiffusion" im Sommer funktioniert nur, wenn Sie innen eine relativ diffusionsoffene Folie/Membran etc. anordnen, z.B. eine feuchteveariable Dampfbremse. Eine OSB-PLatte ist das eben gerade nicht. Die Feuchtigkeit wird im Gefach bleiben.

Ihre KOnstruktion funktioniert auch nur, wenn das gesamte Schiefergefach noch gut beisammen ist, regen- und winddicht. Davon sollten Sie automatisch nicht ausgehen. Davon abgesehen wird es rund um´s Haus auch etliche speziellere Ecken geben, die sich mit einer einzigen Methode der Vorgehensweise nicht zufriedenstellen lösen lassen. Da ist -wie immer- eine Bestandsaufnahme, eine Beratung vor Ort und eine fachlich fundierte Detailplanung die Grundvoraussetzung.



Taupunkt



wird eher nicht außen auf der Unterspannbahn liegen. Zur Grobdarstellung kostenfrei bei u-wert.net anmelden und dort mal den geplanten Aufbau simulieren.



Berechnungsverfahren



Das Glaserverfahren als 1-.dimensionales, stationäres Rechenmodell taugt nicht als Nachweis der bauphysikalischen Unbedenklichkeit.

Es berücksichtigt nicht die komplexeren Zusammenhänge im Bauteil (Feuchtespeicherung, kapillarer Wassertransport, Konvektion, Veränderung des Lambda-Wertes (Wärmeleitfähigkeit) durch Feuchteaufnahme). Da muss man schon etwas tiefer in die Tasche greifen und eine hygrothermische, instationäre, 3D-Simunlationsberechnung (WUFI, Delphin, COND) beauftragen, die auch Rücktrocknungsvorgänge im Sommer (Umkehrdiffusion) erfasst. Würde ich in diesem Falle unbedingt tun.



Der bauliche Wahnwitz kennt keine Grenzen....



...und es finden sich auch immer wieder Leute, die sich auf derartigen Wahnwitz mit einlassen und ihre hohe fachliche Kompetenz verhökern.
Es verschlägt einem wirklich die Sporache, wenn man liest, was Selbstbauer bzw. zum Bauen selbst ernannte "Häuslebauer" sich da so einfallen lassen und partout ihre Ideen zur Ausführung bringen wollen.

Viele Beiträge überflog ich zwar, aber schon in den Ansätzen, grauste mir das Nackenhaar.
Massefüllungen zu entfernen und dann nur mitz einer OSB-Platte die Innenwand zu beplanken bzw. zuzuschrauben, um eventuell diese als Revisionskontrollebenen zu nutzen, ist ein Hohn an bauliche Fachwerksanierung und deren Gebäudenutzung.

Ich gebe jetzt einmal einen Aufbau vor, der sich über Jahre bewährte und immer noch mängelfrei zuur Ausführung kommen kann.
Masseausfachung belassen (wie stark ist ihre Fachwerkwand?), dahinter innenseitig eine Holzständerkonstruktion stellen, diese mit Baupapier (pro clima DB+) beplanken, Stützlattung aufbringen, Hutprofile montieren und mit einer Fermacellplatte beplanken.
Andere Beplankunslösungen sind jederzeit denkbar, aber bitte nicht GK oder gar OSB.

Ich stehe ihnen auch gern im gesprochenen Wort zur Verfügung.

Und da sie ja Koblenz als region angegeben haben, hier ein kompetenter Tipp für eine vor-Ort-Begehung und -analyse;

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/124$.cfm

FG von einem Handwerker.



@Udo



… und was ist über jahre hinweg nachprüfbar schadensfrei als Dämmung zwischen FW-Aussenwand und innenseitiger Fermcell-Beplankung eingebaut worden ? Zumindest das Dämmmaterial muss dann eine kapillaraktive Rücktrocknung unterstützen. Die Fermacellplatte hat im Vergleich zur OSB-Platte einen sehr niedrigen sd-Wert. Im Gegensatz zur GKB ist sie aber nicht besonders saugfähig bei flüssigem Wasser, wenn ich mich an meine letzten Erfahrungen am Bau erinnere. Ganz anders da die GKB.