Renovierung Bauernhaus - Schutt durch Blähton ersetzen - Schalldämmung

13.05.2014



Hallo zusammen,
ich bin dabei den Fußboden im 1.OG eines Bauernhauses zu renovieren. Da der Boden sehr uneben war, habe ich mich bereits bis auf die Balken vorgekämpft und diese durch Aufleisten auf ein Niveau gebracht.
Zwischen den Balken befindet sich im unteren Teil eine Glasfaserisolierung, darüber eine Art Zwischenboden und darauf 20 cm hoch sandiger Schutt zur Schalldämmung bis nahezu auf Höhe Oberkante der Balken.
Nun hat mir ein Bekannter (von Beruf Architekt) geraten, den Schutt zu entfernen, die Bretter ggf. zu erneuern und anstatt dem Schutt Blähton mit Zement und Wasser gemischt einzufüllen um die Schalldämmung zu verbessern.

Unten wohnen leider recht laute Mieter, weshalb ich nichts gegen eine bessere Schalldämmung habe. Da bisher diese altertümliche Schalldämmung mit Schutt nicht im ganzen Zimmer umgesetzt wurde (eine Balkenreihe war nur mit Glasfaser versehen), ist es schwer zu sagen, ob der Lärm von unten wegen der lückenhaften Schalldämmung oder wegen der Art der Schalldämmung ins 1. OG gelangt ist.

Ich frage mich nun, lohnt sich dieser Aufwand? Es heißt ja, "Masse verringert den Schall". In dem Fall tausche ich aber Masse gegen Masse, habe einen hohen Aufwand und auch gewisse Kosten. Da will ich mir sicher sein, dass das auch einen spürbaren Effekt zur Folge hat.

Wie sind eure Erfahrungen?





Die Masse mindert tatsächlich die Schallübertragung, ein Austausch von Masse gegen Masse dürfte keinen hörbaren Unterschied erzeugen. Wichtig ist aber den neu entstandenen Luftraum zwischen den Leisten mit Masse zu füllen. Die Decke muss natürlich ausreichend tragfähig sein.
Einen noch größeren Effekt erzeugt die Entkopplung der Laufebene um die Übertragung von Körperschale noch weiter zu vermindern.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Renovierung Bauernhaus - Schutt durch Blähton ersetzen - Schalldämmung



Also hat das Blähton-Zementgemisch keinen spürbar besseren Lärmdämmeffekt wie das bisher verwendete Sand-Schuttgemisch?

Eigentlich wollte ich den Luftraum, den die Leisten neu erzeugt haben mit Glasfaserisolierung ausfüllen. Anstatt dessen weitere Masse einzubringen wäre also deutlich sinnvoller (ausreichend Tragfähigkeit vorausgesetzt)?

Zur Entkopplung wollte ich auf die Leisten Moosgummi kleben, darauf 22 mm OSB-Platten und da der Balkenabstand teilweise 90 cm beträgt quer dazu nochmal eine OSB-Plattenschicht. Beide OSB-Platten schwimmend verlegt. Obendrauf dann eine Trittschalldämmung und zu guter letzt Laminat.





Es wird eher schlechter werden da Blähton weniger Masse besitzt. Die Kosten + die Arbeit kommen oben drauf.
Es macht aber trotzdem Sinn die einzelnen Felder auszuräumen, den Fehlboden zu prüfen und notfalls zu erneuern, unter selbigen weitere Dämmung Miwo oder noch besser Holzfaser einzubringen, Rieselschutz drauf und dann wieder den Dreck da rein.
Eventell Kabel für Deckenleuchten im EG gleich mit reinlegen. So einfach gehts nie wieder.



Schalldämmung



Ich glaube auch nicht das sich die Luftschalldämmung damit verbessern wird. Außerdem ist dafür nicht nur die Decke zu betrachten, es gibt auch Nebenübertragungswege.
Die Trittschalldämmung kann sich durch eine starre Füllung noch verschlechtern.
Wofür ist dort überhaupt eine erhöhte Schalldämmung erforderlich?



Schalldämmung



Bisher war die Dämmung nicht gut, das liegt aber wahrscheinlich daran, dass sich die Dämmung nicht über den gesamten Raum erstreckte.
Ich werde jetzt wie vorgeschlagen die Schutt-Dämmung lückenlos erweitern und ausbessern ohne den Blähton.

Vielen Dank für die hilfreichen Kommentare



Nur



am Rande: Laminat ist aufgrund seiner harten Oberfläche trittschalltechnisch eine der schlechtesten Lösungen, da machen die 3 mm Trittschalldämmung drunter das Kraut auch nicht fett!

Die Mieter über uns haben über den Terrazzo in der Küche Laminat gelegt (vorher PVC-Rollenware), seither glaube ich immer ich wohne unter einer Bowlingbahn.



Letztes Jahr erst.....



....solch einen Komplettbodenaufbau in einem Bauernhaus ausgeführt und erneuert.
Blähton mit Zement anmischen nund feucht einbringen, zeugt von wenig Ahnung deines Architektenfreundes!

Blähton selbst und trocken eingebracht, kein Thema!
Ich baue folgendermaßen auf:
1. Blindboder erneuern und lose eingelegte Bretter ohne Zwang und schön locker einfügen
2. Komplett Rieselschutzvlies darübnerbringen und auch die Balkenlagen mit erfassen und mind. 10 cm überöappen und vielleicht auch leicht antackern
3. ca. 5-7 cm Lehmunterputzmaterial einfüllen und seicht anstampfen
4. nunmehr den Blähton als Gemischtkorn oder kleinkörnig auffüllen.
Abschließend dann ein Vlies darüber legen, um die Endbodenbelegung harmonisch auszuführen (keine Körnchen in Nut+Feder



Hm



Vielen Dank, aber wie sehen Sie das Kosten-Nutzenverhältnis?
In mir entsteht etwas Widerstand, wenn ich daran denke, 6m³ Sand aus dem 1. Stock zu entfernen um dann 6m³ anderes, teures Material nach oben zu schleppen und einzuarbeiten. Wenn ich dadurch 30% Verbesserung im Vergleich zur Sandlösung erhalte, ists mir der Aufwand wert, aber nicht für bspw. 5%



Schalldämmung



Gegen was wollen Sie denn nun dämmen, nur Tritt- bzw. Körperschall, Luftschall oder beides?
Warum genau wollen Sie dämmen?
Welche Nutzung ist oben und unten geplant?



Nicht um jeden Preis....



....muss man die vorgefundene Massefüllung entsorgen.
Man kann auch diese belasen, nur eben aufnehmen und seitlich zwischenlagern, Aufbau neu herrrichten und nach heutigen Erfordernissen ausführen und dann diese wieder einbringen und nur fehlendes Material zusätzlich besorgen und einfüllen.
Also entweder Lehmschüttung und die restliche Höhe dann mit einem Dämmstoff (Holzfaser) unterblasen, wenn der Boden fast fertiggestellt wurde.



Ich



würde definitiv nicht oben noch eine Zellulosedämmung einbringen wenn unterhalb des Fehlbodens ohnehin schon eine Wärmedämmung vorhanden ist.

Ich verstehe die Sachlage so, dass es um Luftschall von unten nach oben geht.

Ich würde aber dennoch einen hohl liegenden Holz- oder OSB-Boden um jeden Preis vermeiden, denn dieser wirkt meiner Erfahrung nach bei Trittschall wie ein Trommelfell.

Als Kind war ich oft bei meiner Oma zu Besuch, in dem Haus waren Lagerhölzer auf Betondecke und darauf hohl liegende Dielen. Im Stockwerk unterhalb der Eigentümer. Wenn ich an die Besuche denke, kriege ich heute noch Alpträume!



Luftschall von unten



Ja genau, das Problem sind die Gespräche von unten und das Geschrei der Kinder, da das wohl ein Kinderzimmer / Spielzimmer ist. Andersrum soll das Kind unten aber auch nicht geweckt werden, wenn das Zimmer mal bei Nacht betreten wird.

Das zu renovierende Zimmer wird ein Hauswirtschaftsraum, gleihzeitig ist es aber auch ein Durchgangszimmer zum Balkon und es dürfte irgend wann auch mal ein Kinderzimmer werden.

Das mit dem Laminat muss ich mir nochmal überlegen. Das schöne daran ist, dass ich ihn selber Verlegen kann. PVC wird da schon schwieriger...



Schallschutz



Langsam kommen wir jetzt zum Kern der Sache, obwohl ich mir immer noch eine Menge zusammenreimen muß.
Ich versuche das mal zusammenzufassen worum es überhaupt geht:
1. Das ist ein Haus mit mehr als einer Nutzungseinheit, unten wohnt ein anderer Nutzer.
2. Das bedeutet das die Geschossdecke den heutigen baurechtlichen Anforderungen an Brandschutz und Schallschutz gerecht werden muß.
3. Der Bestandsschutz scheint hinfällig da unten schon einmal umgebaut /nachgerüstet wurde (Unterhangdecke). Spätestens wenn ihr Plan umgesetzt wird wars das mit dem Bestandsschutz.
4. Wenn Sie die Decke grundhaft umbauen wollen dann müssen Sie also die aktuellen Regeln Ihrer Landesbauordnung hinsichtlich Brand- und Schallschutz einhalten.
5. Solche Baumaßnahmen sind Sache des Hauseigentümers und nicht des Mieters.
6. Intern für Sie betrifft es hauptsächlich den Luftschall.

Ob Masse in Form der (aufgearbeiteten) Schüttung allein das Problem löst bleibt abzuwarten. Ich hatte schon mal auf Nebenübertragungswege hingewiesen.
Eine Unterhangdecke wie hier vorhanden kann den Schallschutz zumindestens im oberen Frequenzbereich verbessern wenn sie fachgerecht montiert ist. Die Frage ist ob das bei der Decke passiert ist.

Ich fasse zusammen:
In diesem Stadium kann man keine konkreten Vorschläge machen, dazu ist die Ausgangslage zu ungewiss.
Nur allgemeine Hinweise und generelle Empfehlungen sind möglich- die gab es schon.



Situation



Ja, entschuldigt, da war ich etwas sparsam was Informationen anbelangt.

Wir haben das Bauernaus (1 Wohnung im EG; 1 Wohnung im 1.OG, darüber ungenutzter Speicher) vor einem halben Jahr gekauft. Da der Vorbesitzer im EG sehr viel renoviert hat, konnten wir es direkt vermieten. In die obere Wohnung möchte ich in einigen Monaten einziehen. Hier ist aber in den letzten 40 Jahren so gut wie nichts renoviert worden. Entsprechend ist der Zustand der Böden sehr bescheiden. Neben dem Quietschen stört vor allem, dass in manchen Zimmern ein Gefälle von bis zu 10 cm vorliegt. Dazu kommt, dass die Mieter unten drunter ein totaler Fehlgriff waren. So ist da unten ständig Rambazamba und das in allen Räumen (Um ehrlich zu sein, darf ich mich wegen dem Lärm aber zur Zeit nicht beschweren, da ich mit meiner Renovierung so gut wie jedes Wochenende Lärm mache). Da sie die Miete bezahlen und sich hier pudel wohl fühlen, werde ich sie in naher Zukunft wohl nicht los... Deshalb auch der Fokus auf eine gute Lärmdämmung. Aber auch ohne diese Mieter finde ich dieses Thema sehr wichtig und wenn die Böden auf sind, dann will ich es auch richtig machen, denn so schnell komm ich da nicht mehr ran.

Eine Frage noch: Was sind konkrete Beispiele für Nebenübertragungswege



Schallübertragung



Zum Beispiel:
Der Spalt zwischen Wand und Streichbalken,
Installationsleitungen für Heizung,
nichttragende aber durchgehende Trennwände,
starr angekoppelte Unterhangdecken,
Lampenauslässe,
Trockenbauwände mit Anschluß zur Decke...