Asphaltestrich (alt) lassen oder Trockenestrich verlegen?

11.09.2010



Liebe Fachwerker,

wir wohnen in einem 70er Jahre Billig-Beton Reihenhaus das wir Zimmer für Zimmer Restaurieren - teilweise selber und teilweise mit Fachbetrieb- wenn es um Dinge geht von denen keiner von uns Ahnung hat.
Beim aktuellen Anlass haben wir von mehreren Handwerkern sehr unterschiedliche Dinge gehört und sind verunsichert, da wir keinem an der Nase ansehen können, ob er eher recht hat oder der andere.

Ausgangssituation:
Das Erdgeschoss soll umgebaut und saniert werden.
Die Winz-Küche soll mit dem Essplatz in eine offene Küche mit Essplatz "verschmelzen", hierzu werden Trockenbauwände entfernt - es entstehen "Spalten" im Estrich, dort wo die Trockenbauwände entfernt werden da diese nicht auf dem Estrich sondern auf dem Betonboden unter der Ausgleichsschüttung aufliegen.
Der Estrich ist lt. Aussagen eines Bodenlegers ein Asphaltestrich (schwarz wie Teer) darauf liegen zwei Lagen Fliesen (vom Vorbesitzer) die ich entfernen möchte/muss, da sie lose, gesprungen und hässlich sind.
Darunter befindet sich eine Ausgleichsschüttung (Korngrösse ca. 1mm) und diese liegt direkt ohne Folie oder sonstwas auf dem Betonboden.

Ziel:
Erdgeschoss komplett gefliest mit 30x60cm Feinsteinzeug drunter eine elektrische Fussbodenheizung (nicht als vollwertige Raumheizung, nur für ein behaglicheres Gefühl im Winter).

Fragestellung:
Was mach ich in Bezug auf den Estrich - rausreissen und durch Trockenestrich ersetzen oder drin lassen?

Ein Maurer meinte, man müsste die Fugen die durch die entfernten Trockenbauwände entstehen einfach "mit was Zement oder so "zumachen", dann wäre alles paletti, weil der Asphaltestrich "nach so vielen Jahren eh nix mehr tut".

Der Fliesenleger (Meisterbetrieb) der grad beim Nachbarn arbeitete, riet dazu auf jeden Fall den alten Estrich drin zu lassen, auf keinen Fall Trockenestrich zu legen.
Allerdings meinte er man müsse die Estrich-Teile links und rechts der Fugen die durch die entfernten Kalksandsteinwände entstehen "kraftschlüssig mit quer eingelegten Armier-Eisen" verbinden, weil sonst später die Fliesen platzen/reissen wenn sich die Estrichteile bewegen und/oder womöglich "anders arbeiten" als das Füllmaterial mit dem der Spalt geschlossen wurde.
Nach dem schliessen der Spalten sollten wir die Elektro-Fussboden-Heizmatte ausbringen, dann mit Fliesspachtel ausgleichen/eingiessen (der alte Asphaltestrich ist auch relativ uneben) und mit Flexkleber draufzufliesen.

Tags drauf kam der Fliesenleger (Fachbetrieb) der schon unsere Bad-Wände gemacht hatte und meinte:
Das muss alles raus bis auf die Betondecke.
Da es eine Küche wird, gehört dann eine Dicht-schicht rein, dann neue Ausgleichsschüttung (gebunden - was immer er damit meinte) drauf und dann muss darauf wiederum 2-lagig Trockenestrich drauf, die beiden Schichten 90° zueinander verdreht, damit sich maximale Festigkeit ergibt. Nur so könne man einigermassen sicher sein das die Fliesen nicht hinterher alle reissen, insbesondere mit der geplanten (schwachen) Fussbodenheizung.

Fazit:
Wir sind nun komplett verunsichert, ich hab echt Angst vor einer Fehlentscheidung insbesondere da ich Kleinverdiener bin und für diesen Renovierungsschritt viel sparen musste.
Ein neuer Nass-Estrich scheidet leider aus, weil wir in dem Haus wohnen und auf die Räume nicht wochenlang verzichten können. Ich hab nach rausreissen des alten Bodens genau 10 Tage Zeit für den neuen Boden, dann muss die neue Küche rein.

Für jeden hilfreichen Beitrag bedanken wir uns herzlichst im voraus.
Mike & Maggie



Zu Fussbodenheizung



gibt hier schon einiges nachzulesen. Aus diesem Grunde mache ich hier nur einen Vorschlag, wie der Boden schnell, warm, gut, gesund und trocken aufgebaut werden kann:
- Estrich entfernen
- mineralische oder bituminöse Abdichtung, wenn kein Keller vorhanden ist. Gibt es einen funktinierenden Keller mit Betondecke kann vielleicht auf eine Abdichtung verzichtet werden ansonsten eine PE Folie auslegen.
- Lagerhölzer verlegen
- Dämmung zwischen die Hölzer (Zellulose, Perlite, Hanf, Holzweichfaser, ...
- evtl. Papier
- Dielenboden nach Wahl

Ich halte den Einbau von Fliesen 30*60 auf einem Trockenestrich für problematisch.



Auf jeden Fall



ist die Lösung mit dem "was Zement oder so zuschmieren" die Garantie für Schäden. Speziell diese "Monsterfliesen" brauchen einen sehr stabilen Untergrund, und auch das ist keine Garantie. Selbst bei 30/30 zeigen sich schon nach wenigen Jahren Risse und ausgebrochene Fugen. Ob das verdübeln bei Asphaltestrich funktioniert, weiss ich nicht, habe aber Bedenken.
MfG
dasMaurer





Hallo,

es gibt auch bezahlbare Mittelwege, aber die sind honorarfeindlich bzw. auftragsschädlich.
Also: Den entstehenden Spalt können Sie natürlich schließen.
Einfach Plempe reinlaufen lassen: Sopro, Rapidur B1.
Die entstandene Grundrissläche gliedern Sie anschließend durch 2 cm tiefe Oberflächenschnitte neu, indem diese Schnitte an allen Türöffnungen ausgeführt werden.
Für die Fliesen verwenden Sie eine Entkopplungsmatte, dann reißen die auch nicht.

Dann hat der Fliesenleger nur das halbe Auftragsvolumen, aber die Sache stimmt.



Danke und Nachfrage



Hallo die Herren,

vielen Dank für Ihre Ausführungen, hier noch zusätzliche Informationen:
EG besteht aus 2qm Eingangs-Flur, 3,5qm Vorraum, 1,5qm Toilette, 7,5qm Küche und 10qm Esszimmer.
Esszimmer und Küche sollen zusammengelegt werden.
Alles ist unterkellert, Keller aus Beton (wie das ganze Haus) und gut isoliert - außerdem leicht beheizt da dort Heizkeller und Hobbyraum sind.

@Hr Heim:
Leider können wir Ihren Vorschlag nicht umsetzen da:
- wir die Fliesen schon haben (waren ein Geschenk von einem Kunden bei dem sie übrig waren)
- Holz in vernünftiger Qualität und Ausführung ca. 40.-/qm oder mehr kosten würde.
- Ich bei einer intensiv genutzten Küche Bedenken hätte da dort alle zwei Tage feucht gewischt wird und auch mal was runtertropfen kann und vielleicht nicht sofort bemerkt wird.
- Wir bei Bekannten erlebt haben wie die die ganze Küche wieder rausreißen mussten weil der Boden nach einer geringfügigen Undichtigkeit an der Spülmaschine hochkam.

@Hr Warnecke:
Im 1.OG haben wir vor 8 Jahren das Bad renoviert und dabei eine Wand versetzt, dort hat der Fliesenleger den Spalt von der entfernten Wand verschlossen (weiß nicht mehr wie das Material hieß), dann hab ich die e-Fussbodenheizmatte verlegt und der Fliesenleger hat Nivellierspachtel (dickflüssig war der) drübergeschüttet, so daß das Heizkabel ca. 2mm überdeckt und der Boden Plan war. 24h Später hat er mit 30x30 Fliesen draufgefliest und am Rand eine 12mm Silikonfuge zu den Wandfliesen gezogen. Bis heute alles bestens.

@Hr. Beckmann:
Bitte um Entschuldigung, aber ich bin nicht sicher, wie das mit den 2cm tiefen Oberflächenschnitten gemeint ist:

- Sollen wir da, wo die Übergänge zwischen den Räumen wären eine Dehnfuge (z.B. Silikonfuge) vorsehen?
- Sollen wir die Oberflächenschnitte im Estrich machen?

Vielen Dank und Grüße
Mike und Maggie



Mit



den 2cm- Schnitten soll eine Sollbruchstelle im Estrich erzeugt werden. Diese dann als Dehnfuge in der Oberfläche ausbilden. Dadurch werden Spannungen besser verteilt und das Risiko der Rissbildung stark reduziert.
MfG
dasMaurer



Herzlichen Dank



für die Erläuterung - ganz besonders weil Sie so freundlich waren und mir etwas erklärt haben was ein anderer vorgeschlagen hat.

So viel Hilfsbereitschaft ist selten.
Ganz DICKEN Dank von Mike und Maggie aus München!

Falls Interesse besteht, werden ich posten was wir letztlich gemacht haben (morgen kommt auch noch ein anderer Fliesenleger) und Bilder einstellen
Schönen Sonntag Abend noch!





Leider können wir Ihren Vorschlag nicht umsetzen da:

"- Holz in vernünftiger Qualität und Ausführung ca. 40.-/qm oder mehr kosten würde."

-- Stimmt!

"- Ich bei einer intensiv genutzten Küche Bedenken hätte da dort alle zwei Tage feucht gewischt wird und auch mal was runtertropfen kann und vielleicht nicht sofort bemerkt wird."

-- die Bedenken teile ich aus persönlicher Erfahrung nicht. Außerdem wird mir immer wieder bestätigt, dass sich ein Holzboden leicher wichen läßt wie ein Fliesenboden, denn ein Fliesenboden hat auch Fugen.

"- Wir bei Bekannten erlebt haben wie die die ganze Küche wieder rausreißen mussten weil der Boden nach einer geringfügigen Undichtigkeit an der Spülmaschine hochkam."

-- War die Undichtigkeit wirlich so geringfügig? Ein kleines Loch über eine lange Zeit und auch ein Fliesenboden muss entfernt werden.

"- wir die Fliesen schon haben (waren ein Geschenk von einem Kunden bei dem sie übrig waren)"

-- aber wenn es die Fliesen umsonst gibt, man muss dann mitdem Boden auch vielleicht 30-40 Jahre leben. Und die Fussbodenheizung macht die Sache auch nicht besser. Das muss dann jeder für sich entscheiden.