Regenwasser-Sickergrube

27.03.2008



Hallo Allerseits,
da ich ein braver Mensch bin, setze ich meine Antwort nochmal als Frage rein, weil es sonst zu Unstimmigkeiten kommt:
nach Juli-Hochwasser 2007 und 120cm Wasser im Keller suchen wir nach Ursachen und Lösungen:
Einer der Gründe für das Wasser im Keller war, dass Regenwasser aus dem Dachrinnen-Fallrohr einen Rückstau an unserem Drainage-Zufluss erzeugte, unsere Drainage komplett unter Wasser setzte, aus der das Wasser dann durch die Wände und Mauerrisse bzw. in den nicht-unterkellerten Teil des Hauses (d.h. Grund-Mauer geht nur ca. 1m tief,dann Fundament, Wasser aus nicht unterkellertem Bereich über Halbtüre in Restkeller) eindrang.
Wir wohnen in nicht "verdichteter Bauweise", Eck-Grundstück ist ca. 600qm groß, da wäre also m.E. Platz für eine Stelle, an der man das Regenwasser ohne Nachbarn zu tangieren direkt im Boden versickern lassen könnte (sobald man unter der Lehmschicht ist), also eine Regenwasser-Sickergrube anlegen lassen könnte. Es wäre zumindest ökologisch. Bei unserer alleinstehenden Fertig-Garage (ca.3m von Haus entfernt) funktioniert das seit über 30 Jahren problemlos.
Angesichts der diskutierten Kellerfeuchtigkeits-Probleme durch zufällig entdeckte Regenwasser-Sickergrube beim Haus unter: "Drainage und die endlose Geschichte !!! ES GIBT WAS NEUES ZU BERICHTEN !!!! ", frage ich mich:

* Langt unsere Gartenfläche für eine Regenwasser-Sickergrube für ca. 100qm Dachfläche? Wir sind im Regnitz-Schwemmland, d.h. sandiger Lehm in den oberen Schichten.
* Ist so etwas genehmigungs-pflichtig?
* Gibt es landesspezifische Auflagen?
* Reduzieren sich dadurch unsere Kanal-Gebühren?
* Gibt es womöglich - aus ökologischen Gründen - für so etwas Zuschüsse? Von der Stadt, vom Land Bayern/Deutschland?
* Was kostet das Verbuddeln einer Sickergrube ca.?
* Gibt es Auflagen für eine Zisterne mit Regenwasser-Sickergrube als Überlauf?
* Was kostet das Verbuddeln einer Zisterne+Sickergrube ca.? Unseres Erachtens könnte man für die Baukosten bis ans Ende seiner Tage den Garten gießen, zum selbermachen haben wir zu wenig „Mucki“.
* Muss man sich Änderungen in der Verlegung der Abwasser-Rohre im eigenen Garten genehmigen lassen?
* die billste Lösung: anderer Weg der Regenrinnen-Fallrohre zum Gully im Garten: gibt es Absperrventile gegen Rückschlag für Abwasserltg.en, die im Garten-Gully landen?
* Was spricht dagegen, die Gartenplatten mit Neigung vom Haus weg bis über die Drainage bis zum Haus hin legen zu lassen, damit die nicht mehr so viel Wasser "von oben" bekommt (Dachrinne lief auch über)

Grüße!





Hallo Frau Bischoff,

Möglichkeiten gibt es viele zur Versickerung von Regenwasser auf dem Grundstück, auch bei stark undurchlässigen Böden. Ich würde mich an Ihrer Stelle an die Kommune wenden, die Ihnen die genauen Bodenverhältnisse mitteilen kann. Mit diesem Wert wenden Sie sich an einen Tiefbau-Unternehmer, der mit diesen Angaben und den weiteren vorhandenen ( Ort, Dachfläche, Grundstückgsgrösse ) eine Berechnung von einem Hersteller für sogenannte Versickerungsblöcke aus Kunststoff erstellen lassen kann, evtl. in Kombination mit einer Regenwassernutzungsanlage. Hersteller sind z.B. die Fränkischen Rohrwerke oder die Fa. Graf aus Teningen. Oder Sie wenden sich an den örtlichen Baufachhandel, der Ihnen diese Berechnung vom Hersteller ebenfalls erstellen lassen kann. Diese Maßnahmen sind zu einem gewissen Teil auch in Eigenleistung erbringbar.
Gutes Gelingen
Sascha Krings





Diese "Bierkisten" sind eine gute Sache, weil sie das Volumen
der Rigole im Vergleich mit einer Kiesfüllung vergrößern (Porenvolumen oder Stauraumvolumen), ohne daß man den Graben (Rigole) deswegen vergrößern müßte.
Zubehör: geotextil zum Einwickeln, oberes Verteilrohr und Absetz- und Beruhigungsschacht, den es als Fertigteil bei den erwähnten Herstellern gibt.
Die Sache ist dann genehmigungsfrei, wenn Sie die Versickerung über die natürliche Bodenschicht vornehmen, also vorher in eine Mulde einleiten, die sie als unten durchlässigen und wechselfeuchten Gartenteich gestalten können.
Alle anderen Fälle müssen Sie bei der Unteren Wasserbehörde genehmigen lassen. Das ist recht billig und man hilft Ihnen mit Merkblättern zur Berechnung.
Diese Berechnungen werden von Amts wegen geprüft, wenn Sie sich selber das nicht zutrauen, brauchen Sie also ein Ing.-Büro, das für Sie den Antrag stellt. Hier kommt es unter anderem auch darauf an, die ausreichende Versickerungsfähigkeit des Bodens festzustellen.

Ein Hinweis noch: Wenn, wie bei Ihnen, Regenwasserzulauf aus der Dachentwässerung die Drainage fluten kann, dann ist grundsätzlich ein konzeptioneller Fehler gemacht worden, die Hausentwässerung kann dann wohl kaum nach DIN 1986 geplant worden sein.

Zu Ihren Fragen im Einzelnen ganz kurz:
1. 600 m² Garten sind sehr großzügig
2. zur Genehmigungspflicht s.o.
3. landesspezifisch ist das Landeswassergesetz
4. die Kanalgebühren reduzieren sich i.A. um den regenwasseranteil; sollte die Wirtschaftlichketi in der Gemeinde über die Ökologie gestellt werden, bleibt es allerdings beim alten Beitrag.
5. Zuschüsse gibt es für Großanlagen
6. Kosten: sind individuell auszurechnen (Bodenaushub, Rohrverlegung, Bierkisten kaufen, Geotextil, wieder schließen, gärtnerisch herrichten und Ing.-Arbeiten); wegen der unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten kann ich dazu nichts sagen.
7. Zu Genehmigung und Auflagen > Untere Wasserbehörde fragen
8. Änderungen der Abwasserrohre fallen unter die bayerische Bauordnung > bayerische Kollegen fragen !
9. Kosten: Unterschätzen Sie die Wasserkosten für Frischwasser nicht, schließlich ist es Trinkwasser, das hier verplempert wird.
10.Selbstverständlich gibt es Rückstauklappen für nicht mit Fäkalien verunreinigtes Abwasser.

Grüße vom dauerfeuchten Niederrhein