Reetdach

25.07.2005



Hallo,

uns wurde empfohlen, beim Neudecken eines Reetdaches, Folie unter das Reet legen zu lassen. Nun verspreche ich mir vom Reet auch den klimaregulierenden Effekt im Gebäude und habe meine Zweifel ob durch die "Folie" dieser nicht verhindert würde.

Tips, Ratschläge?

Vielen Dank,
Dirk Seewald



Reet und Folie?



Hallo Dirk,
das mit der Folie halte ich bei Reet für blanken Unsinn. Zu welchen Zweck?
Reet soll/muß unterlüftet sein, damit es auch lange hält.
Wir haben auch ein Mitglied hier auf dem Formum von Hiss-Reet. Vielleich sagt er noch etwas!
Hier ein Link
www.hiss-reet.de/reetdach/bauphysik.html

Es grüßt Michael





Laut ENEV muss auch bei Neueindeckungen die Winddichtigkeit des Reetdaches gewährleistet sein. Diese Winddichtigkeit können Sie durch das installieren einer Dampfbremse auf der Innenseite des Reetdaches erreichen.
Dies muss nicht heißen, das Sie auf eine Hinterlüftung verzichten. Denn da scheiden Sich die Geister:

Hinterlüftung des Reetdaches
Für eine lange Haltbarkeit ist die Hinterlüftung des Reetdaches unerläßlich.
Nur so wird gewährleistet, dass
_ von außen eindringende Feuchte auch auf der Innenseite der Eindeckung abtrocknen kann und
_ eventuelle Feuchte von innen nicht in das Reet gelangt (Taupunktproblematik)

Bei vorschriftsmäßiger Hinterlüftung hat die Reeteindeckung kaum eine dämmende Wirkung. Daher müssen die gleichen Dämmvorschriften wie bei einem Hartdach eingehalten werden.
Aufgrund der notwendigen Hinterlüftung müssen die Sparren ausreichend hoch sein. Bei z.B. 16 cm Zwischensparrendämmung muss der Sparren eine Höhe von mindestens 22 cm haben (16 cm Dämmung + 6 cm Hinterlüftung).

Verzicht auf Hinterlüftung

Bei historischen Gebäuden und auch bei einigen neueren Gebäuden wurde und wird auf zusätzliche Dämmung verzichtet und die Unterseite des Reetdaches mit Lehm verputzt. Dadurch wird das Reetdach winddicht und die guten Wärmedämmeigenschaften des Reetdaches können genutzt werden. Das steht jedoch im Widerspruch zu den „Fachregeln für Dachdeckungen mit Reet“, in denen ein Luftraum von 6cm zwischen der Unterseite der Lattung und der Wärmedämmung gefordert wird, um das Binden und oder Reparieren der Reetdeckung zu ermöglichen.

Lehm hat generell die Eigenschaft, dass er Feuchtigkeit aufnimmt, auf die Lehmschicht kapillar verteilt und an ein trockeneres Medium wieder abgibt. Durch die entfeuchtende Wirkung des Lehms wird von ihm umgebenes Fachwerkholz über Jahrhunderte konserviert. Bei der Innendämmung von Fachwerkhäusern mit Reetplatten hat sich bewährt, die Reetplatten vollflächig durch eine Lehmschicht mit dem Mauerwerk zu verbinden und auf der Innenseite mit Lehm zu verputzen. Bei der mit Lehm verputzten Reetdachunterseite sollte das Prinzip analog funktionieren: eventuell anfallende Feuchtigkeit an der Reetunterseite wird vom Lehm aufgenommen und an den Raum wieder abgegeben. Sicherlich wirkt sich ein dicker Lehmputz (z.B. 5cm) positiv aus, da er eine höhere Speicherfähigkeit vorweist und als Dampfbremse fungiert. Da für die Langlebigkeit des Dachaufbaus mit Reet und Lehm der wissenschaftliche Nachweis fehlt, bewegt man sich hier außerhalb der Norm. Den Autoren sind jedoch keine negativen Erfahrungen mit Reetdächern, deren Unterseite mit Lehm verputzt wurde bekannt.

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben. Können Sie uns gerne Anrufen. Unser Ansprechpartner für technische Fragen ist Herr Jedack.

MfG

Philip Kullmann
Hiss Reet eK