Rat bei altem Bauernhaus/Scheune

16.10.2017 feuermelder



Hallo liebe Forumsgemeinde,

ich suche Rat/Tips für die Renovierung eines alten Bauernhauses (Bj. ca. 1920-1930). Es geht um die Aussenwand für einen Teil des Hauses, welches ursprünglich ein Stall war, aber vor ca. 50 Jahren zu Wohnzwecken umgewidmet wurde.

Ich habe mal eine Skizze angefügt, aus der der Aufbau hervorgeht. Das Fundament/Scokel ragt ca. 30-40 cm über die GOK hinaus. Darüber ist mit Ziegeln aufgemauert. Es befindet sich eine Dachpappe als Horizontalsperre dazwischen.

Im Innenbereich habe ich alle Fussbodenaufbauten etc. entfernt und in den Bereichen, wo kein Beton war (war Lehm) , neuen Unterbeton eingebracht. Darauf habe ich eine Abdichtung aufgebracht und darauf soll irgendawann der neue Fussbodenaufbau (Dämmung + Estrich/FBH).

Das Problem bzw. meine Fragestelung ist nun wie ich am besten die Abdichtung mit der alten Horizontalsperre verbinde (es soll ja wieder Putz auf die Innenwand). Als ich das Haus gekauft habe (war allerdings auch 2 Jahre unbewohnt), war der untere Putz (unterhalb der Horizontalsperre) feucht. Allerdings kann ich nicht sagen, ob diese Feuchtigkeit von aussen kam (über den Sockel oder das Fundament) oder eher Kondensfeuchte aufgrund der alten Fussboden Konstruktion war. Es war eine PE Folie auf dem Boden ausgelegt, an den Wänden ca. 15 cm hochgeschlagen (aber nicht befestigt). Darüber lag Dämmung und eine Holzständerkonstruktion für den Holzfussboden. Nach dem Abschlagen des Putzes war der Teil (zumindest oberflächlich) trocken.

Oder sollte das Fundament von aussen bis in den Sockelbereich abgedichtet werden?

Also, ich bin für jeden Ratschlag, der von Euch kommt, dankbar.

Grüße



Abdichtung Sockel



Fundamentabdichtung ist 1. Gaga und 2. Gefährlich, die Schachterei an den Flanken kann zum Tragfähigkeitsverlust führen. Die Abdichtung innen sollte nur bis etwa Oberkante fertiger Fußboden reichen. Der Sockelputz sollte bis etwa 30 cm unter OKG reichen.
12 cm Unterbeton sind viel zu viel, ein Drittel hätte auch gereicht.
Der Unterbeton liegt zu tief, für den neuen Fußbodenaufbau brauchen Sie etwa 12 bis max. 14 cm, mehr nicht. Um eine wirklich glatte und ebene Oberfläche in richtiger Höhenlage zu erreichen werden Sie wohl noch einen Estrich zum Ausgleich einbauen müssen.



Abdichtung Sockel



Vielen Dank Herr Böttcher!

Einige kleine Nachfragen:
Warum ist eine Fundamentabdichtung (ich meinte eine vertikale Abdichtung und nicht darunter) unsinnig?
Ist es auch gefährlich, wenn man es abschnittsweise machen würde?
Warum sollte der Sockelputz bis 30 cm unterhalb OKG ausgeführt werden?
Wenn ich Sie richtig verstehe, halten Sie die jetzigen Abdichtungen für ausreichend?

Der Fussbodenaufbau geplant war: 10cm Dämmung, 7cm Heizestrich, 1,5 cm Bodenbelag



Fußbodenaufbau



Nochmal:
Fundamente werden nicht abgedichtet!
Sie liegen im erdfeuchten, gewachsenen Boden und das soll auch so bleiben. Eine senkrechte Abdichtung läuft bis auf Höhe Oberkante des Fundamentes, nicht tiefer.
Die 30 cm unterhalb OKG sind der Bereich wo flüssiges Wasser an die (Keller)wand kommt und wo normalerweise kein gewachsener Boden ansteht sondern Oberboden oder Auffüllung. Deshalb dort Sockelputz als Abdichtung gegen flüssiges Wasser. Tiefer wird eine Kellerwand nur noch durch Bodenfeuchte belastet.
Ihre Zeichnung ist etwas verwirrend, Fundamente befinden sich im Boden. Streifenfundamente wurden in Fundamentgräben eingebaut die im gewachsenen Boden geschachtet wurden. Laut Ihrer Zeichnung ist das Sockelmauerwerk und Streifenfundament in einem.
Die senkrechte Wandfläche zwischen Unterbeton und Horizontalsperre lässt sich am besten mit einer mineralischen Dichtschlämme ausbilden.



Fussbodenaufbau



Mir scheint es so, dass Fundament und Sockelmauerwerk ein Bauteil darstellen (Beton). Wie wurde so etwas denn typischerweise ausgeführt?
Wenn ich Sie Richtig verstehe, sollte ich mit einer Dichtschlämme auf der sicheren Seite sein.

Eine allgemeine generelle Frage zu Wasser/ Durchfeuchtung. Wird eine Wand nicht auch durch das geuchte Erdreich irgendwann komplett durchfeuchtet sein? Und nicht nur durch flüssiges Wasser?

Vielen Dank



Sockelabdichtung



Das Streifenfundament und Sockelbereich in einem Stück betoniert wurden ist zwar selten aber machbar. Fundamentgraben ausheben, betonieren, anschließend Schalung stellen und Sockel betonieren; so etwas war damals machbar.
Ob der unterirdische Teil feucht ist oder nicht ist erst einmal zweitrangig, für den Beton sind die Bedingungen im Boden (geringe Temperaturschwankungen, gleichbleibende Feuchte)ideal. Der Wohnraum wird durch die waagerechte und die innenliegende senkrechte Abdichtung geschützt.
Ein größeres Problem wird bei fehlender Innendämmung Kondensatausfall sein.



Sockelabdichtung



Hier ein paar Informationen zzum Thema.
Die Broschüre von Remmers ist Werbegedöns, Sie finden hier aber Detailzeichnungen zur Ausführung.
Der zweite Text ist eine grundsätzliche Erläuterung des Problems Altbaukeller und Abdichtung.

http://www.remmers-media.com/fileadmin/dam/Broschueren/de/bau/921/921.pdf

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Gab_es_frueher_trockene_Keller.pdf



Innendämmung



Zur Zeit ist es ja noch eine Baustelle, daher wäre eine Innendämmung problemlos möglich. Allerdings bin ich mir unsicher, was dafür optimal wäre. Da die meisten Dämmstoffe ja diffusionsoffen sind, würde doch Feuchtigkeit im hinteren Teil dieser Dämmung bzw. Übergang Dämmung/Mauer kondensieren. Sofern diese schneller nach aussen abtransportiert werden kann, als Feuchte von innen nachkommt, sollte das ja funktiinieren. Aber was nimmt man dort? Silikatplatten, Hartschaum?



Innendämmung



Die Planung der Innendämmung erfolgt nicht durch Auswahl des Materials sondern durch eine Wertung aller relevanten Umstände, im Zweifelsfall durch eine feuchtetechnische Simulation.
Bei Innendämmungen kommt es nicht auf Diffusionsoffenheit an sondern auf Kapillartransport.



Innendämmung



Hm..das hilft mir nicht wirklich ;-)

Die Wand besteht aus 23 cm Vollziegelmauerwerk (20 er Jahre, kein Klinker)

Wenn ich mir das selbst (nur auf Wärmedurchgang bezogen) anhand der einschlägigen Literaturwerte (die natürlich in Abhängikkeit der Feuchtebeladung des Materials anders sein können) statisch berechne, komme ich bei einer Innenluftttemperatur von 20°C und einer Aussenlufttemperatur von -10°C auf eine Innenwandoberflächentemperatur von 10.5°C. Bei einer angenommenen Luftfeuchte von 60% bei 20°C würde hier Kondensat ausfallen (Taupunkt ~12°C).
Wenn ich jetzt einen Innenputz von 2 cm hätte, der einen lambda-Wert von 0.1 erreicht, könnte ich Oberflächentemperatur auf 13.5 °C erhöhen, was in diesem theoretischen Beispiel einen Kondensatausfall an der Oberfläche verhindern würde.
Da natürlich Kondensat (in Abhängigkeit des Diffusionswiderstandes) im Putz anfallen würde, müsste es doch möglich sein, diesen in Hinblick auf Wasserdampfdiffusion und Kapillarität so einzustellen, dass eingefallenes Wasser in der Sommerperiode wieder entweichen kann.

Ich denke dabei daran, mir einen Putz (auf Zementbasis) durch Zugabe von Perlite selbst "anzumischen".

Hat jemand Erfahrung mit so etwas bzw. Anmerkungen/Korrekturen/Verbesserungsvorschläge zu meinen Gedankengängen?

Gruß aus Norddeutschland



Innendämmung



Wenn Sie schon an Bauteilen herumbasteln wollen von deren Funktion Sie keine Ahnung haben hier ein paar Grundsätze:

Die Kleberschicht muß einen höheren Diffusionswiderstand haben als der Putz darunter.
Diffusionsoffene und diffusionshemmende Innendämmung ist hohlraumfrei aufzubauen.
Vorausgesetzt die Außenwand erfüllt die Kriterien des WTA- Merkblattes 6-4:
kein Feuchteeintrag aus Schlagregen (konstruktiver Schlagregenschutz, niedrige oder mittlere Beanspruchungsgruppe,, wasserabweisender Putz, Bestandskonstruktion erfüllt früheren Mindestwärmeschutz nach DIN 4108,
Innenklima entspricht normaler Feuchtelast gemäß WTA- Merkblatt 6-2,
mittlere Jahrestemperatur des Außenklimas min. 7°C
Die Dämmung erfüllt die Kriterien:
maximale Verbesserung des Wärmedurchlasswiderstandes infolge Innendämmung bis R = 2,5m²K/W (gut saugfähiger Untergrund) bzw. 2,0 m²K/W (schlecht saugender Untergründe)
Mindestens einzuhaltender Diffusionswiderstand nach Grafik im WTA- Merkblatt.
Danach können Sie Stärke, Aufbau und Material der Innendämmung festlegen.
Sie können es auch nach Gefühl machen.



Innendämmung



Die Funktion verstehe ich schon, allerdings sind für die genaue Berechnung des Feuchtehaushaltes numerische Methoden anzuwenden, die das dynamische Verhalten des Gesamtsystems abbilden. Das wäre mir schon möglich, da ich das beruflich mache (allerdings mit Hauptaugenmerk auf thermischen Aspekten), allerdings ohne die Möglichkeit dieses Modell zu verifizieren. Deshalb war ich auf der Suche nach praxistauglichen Regeln/Grundsätzen und da helfen mir die WTA-Blätter schon sehr weiter. Vielen Dank für den Hinweis!



Innendämmung Poroton WDF



Ich habe beim Recherchieren mit Perlite gefüllte Porotonziegel gefunden (Poroton WDF von Wienerberger), die für Innendämmungen angepriesen werden.
Hat jemand mit diesen Ziegeln Erfahrungen?

Bevor ich wieder von Herrn Bötcher einen auf den Deckel bekomme :-) natürlich sollte das rechnerisch nachgewiesen werden, falls manm sowas einbauen sollte.

Aber mich interessieren Meinungen dazu trotzdem, da ich bisher nur Werbepropaganda zu diesem Ziegel gefunden habe, aber keine rlei Erfahrungsberichte oder Kritiken.



Innendämmung



Erfahrungsbereichte nützen Ihnen nichts weil jedes Haus, jede Einbausituation anders ist. Bei Laien kommen noch unterschiedliche Verarbeitungsfehler hinzu. Außerdem ist das Material relativ neu, was für Erfahrungen sollen da zusammenkommen?



Innendämmung



Okay, mir war nicht bewusst wie lange es das schon gibt bzw. wenn ich Sie richtig verstehe, dass das relativ neu auf dem Markt ist. Mir ist dieses Material von einem Architekten empfohlen worden und daher wollte ich gerne noch ein paar zusätzliche Meinungen hören.