Altes Haus vermessen

19.05.2012



Hallo,

zu meinem kürzlich erworbenen Haus (geschätztes Baujahr 1914, Stadtvilla eines Maschinenbauunternehmers) gibt es leider keinerlei Zeichnungen ober Bauunterlagen. Ich bin nun eine Weile durch alle Räume gegangen und habe eine Vielzahl von Maßen aufgenommen aus denen ich nun ein Zeichnung erstellen will.
Weiß jemand, ob zur damaligen Zeit Häuser nach einem Baunennmaß geplant wurden? Soweit ich das im Keller erkennen konnte, wurden Steine im alten Reichsformat verwendet (25*12). Wenn man von 1cm Fuge ausgeht, würde das auf ein 13cm Raster hinauslaufen. Bei einigen meiner Maße scheint das halbwegs zu passen, bei anderen wieder gar nicht. Allerdings kann man nicht überall gut messen und manche Wandbeläge werden auch unbekannte Stärken haben.

Gruß Erwin



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Hallo Erwin



Villa von 1914? Da dürften einige Umbaumaßnahmen durchgeführt worden sein. Nur von Ziegelmaßen und Putz oder Fugestärke auf irgendwelche Maße zurückzuschließen würde ich persönlich nicht machen. Es könnte sein, daß eine 36 Wand aus 2x13cm Ziegel besteht, dazwischen nix, Luft oder Bauschutt. Im günstigsten Fall? sind in solchen Wänden sogar horizontale Kamine oder Lüftungen versteckt.
Ich habe in Berliner Altbauten Wände gefunden, die 14er Maß hatten. Beim Schlitzen für Leitungen sind diese dann in sich zusammengebrochen: Sackleinen oben und unten angenagelt und mit Putz beworfen.
In einer Neubauvilla im Grunewald bestanden so wie auch im ***** Hotel Adlon die meisten Innenwände aus Rigips. Ich denke, daß gerade im "Luxusbereich" gerne getäuscht wird.

Solltest Du eine gründliche Bestandsaufnahme machen wollen, bleibt dir nichts weiter übrig, in jedem Zimmer an den Wänden Putzproben abzuschlagen.
Noch besser aber teurer währe es, den Putz komplett zu entfernen. Dabei kommen oft versteckte Türen, durchgefaulte Balken und andere Überraschungen zu Tage.


Lass einen Planer kommen, der erstellt dir eine aufmaßfähige Zeichnung, die Du eh für Einreichplanungen brauchst. Wenn Du dann jedem Gewerk eine Kopie überreichen kannst, sollte bei der Sanierung nix mehr schief gehen...

Dann viel Spass, viel Erfolg und keine bösen Überraschungen.


Andreas



Versteh



ich die Frage richtig - daß alle Ecken und Öffnungen in einem bestimmten Raster liegen sollen wegen dem Steinmaß ?? - Das bekommen ja nicht einmal heutige Planer trotz PC hin ! Das wird dann wohlm nur bei kurzen Wandabschnitten oder Pfeiler funktionieren. Abgesehen davon waren die damaligen Planeichnungen weit "einfacher" ausgeführt. Für ein schnelles Aufmaß besoger dir einen Laser-Entfernungsmesser. Das funktionier besser als mit Zollstock oder Bandmaß.



Danke für die Warnungen,



allerdings ist das Haus grundsätzlich in einem bewohnbaren Zustand, so dass ich ohne Not keine Putzproben würde machen wollen.
Zumindest im EG haben alle Räume etwas aufwändigere und vollständig erhaltene Stuckarbeiten an den Decken, so dass ich davon ausgehe, dass die Wände noch da stehen, wo sie ursprünglich gestanden haben. Die Wände, die sich messen ließen (außen 41cm, innen 28-29cm und 15-16cm), passen m.E. ganz gut zum Reichsformat Stein.
Einige Raummaße passen aber nicht so recht in das 13cm Raster.
Deshalb die Frage ob jemand weiß, ob bei Häusern aus der Zeit bei der Planung von Außen- oder Innenmaßen auf das Raster Rücksicht genommen wurde, das sich durch den verwendeten Stein ergeben hat?
Muss man bei der Bestimmung der Maße vielleicht auch mit 1/4 der Steinlänge, d.h. bei Reichsformat auch mit 6,5 cm rechnen? Z.B. wenn eine 1/2-Stein-EG-Wand auf einer 1-Stein-Kellerwand steht, dann stelle ich mir vor, dass die 1/2-Stein-EG-Wand mittig auf der 1-Stein-Kellerwand steht, so dass sich im EG ein Raummaß mit halbem Nennmaß ergibt, wenn das Kellergeschoss im ganzen Nennmaß geplant war.

@Olaf
Habe deine Antwort zu spät gesehen.
Laserentfernungsmesser habe ich schon. Ohne den wird man ja ganz meschugge.
Heute nehmen die meisten Planer auf gar nichts mehr Rücksicht. Kostet ja angeblich nichts. Wahrscheinlich können das aber nur die wenigsten.



Rastermaße



Hallo Erwin



Ich frag mich im Moment nur, warum Du so auf irgedwelche Rastermaße rumreitest. Die Wände stehen und namit sollte es doch passen. Wenn Du neue Fenster und Türen zusätzlich einbauen willst, lass sie sägen, ist zwar teuerer aber erschütterungsfrei...



Andreas



Wenn man von einem Raster ausgehen könnte



dann wäre die Erstellung der Zeichnungen für mich leichter und es würden eher die Stellen auffallen, an denen ich mich vermessen habe oder an denen es am ehesten Veränderungen bzgl. unbekannter Wandaufbauten gegeben haben könnte.



und



vergiss nicht: zwischen Planer mit Raster und Deiner schönen Zeichnung steht noch immer ein Maurer, der sich vermessen kann ... :-) ... nimm es wie es ist.
Da gibt es einen Spruch zum Unterschied zwischen Werkzeugmacher, Zimmermann und Maurer ...)



Hallo



habe gerade handgezeichnete Bauunterlagen für ein Einfamilienhaus Bj. 1957 gefunden. Das wurde, wenn man von den Maßen der Wände ausgeht (38, 25 und 12 cm), offensichtlich auch noch mit Steinen im Format 25*12 gebaut. Abgesehen von den Wandstärken ist nicht erkennbar, dass in irgendeiner Form auf das Steinmaß Rücksicht genommen wurde.



Mein



Eindruck ist, dass damals auf herzlich wenig Rücksicht genommen wurde, Steine wurden da nach Lust und Laune halbiert, gedrittelt, geviertelt,...

Am lustigsten ist der Campus der Uni Wien, auch als altes AKH bekannt. Die Gebäude wurden teils im 18., teils Mitte des 19. Jahrhunderts als Krankenhaus errichtet und mit dessen Übersiedlung in einen Neubau Anfang der 90er (größter Bauskandal der österreichischen Geschichte, aber das tut hier nichts zur Sache) zum Unicampus umgebaut. Die Bauteile aus dem 19. Jahrhundert haben ca. 1m starke Außenmauern, die in Wirklichkeit aus zwei halbsteinstarken Ziegelmauern und dazwischen Bauschutt oder Luft bestehen. Der Architekt hat im großen und ganzen gefunden "Hmmm, das steht seit 150 Jahren so, dann lassen wir besser die Finger davon!".