Rätsel: Horizontalabdichtung aus Lehm – gewollt oder Laune der Natur?

18.12.2013 holzkatze



Hallo Fachwerker,
kennt diesen Aufbau jemand oder ist es eine Laune der Natur/ des Zufalles?
Ort: Haus (1927) – Keller aus Magerstampfbeton
Unter unserer Horizontaldichtung aus Teerpappe an den Außenwänden befindet sich umlaufend eine dünne Schicht Lehm (ungefähr so dick wie die Teerpappe ), welche anscheinend horizontal durch die ganze Wand reicht. (Durch aufsteigendes Sickerwasser ist dieser Bereich sehr porös und wurde so weit wie möglich entfernt.)
Die Teerpappe befindet sich ca. 10 cm über der Fundamentsohle bzw. gerade über der Oberkante des 4-5 cm dicken ehemaligen Estrichfußbodens, welcher wegen Kanalarbeiten entfernt wurde.
In den Innenwänden gibt es keine Teerpappe, aber eine Lehmschicht.
Ist diese Lehmschicht damals bewußt aufgebracht oder durch einen Niederschlag aufgespült worden - während die Kellerwände gegen den Lehm geschalt wurden??? Anstehender Boden ist ein Lehm, welcher aber rötlicher und sandiger ist, als der in der „Horizontalabdichtung“…
Was denkt Ihr?

Rästelhafte Adventsgrüße
Holzkatze

PS: Leider kann man auf den Fotos die Lehmschicht nur erahnen – etwas brauner als der Magerbeton.



Abdichtung



Die Abdichtung ist keine Teerpappe sondern sieht eher nach einer Goudronschicht aus.
Die lehmige Schicht darunter könnte eine Verunreinigung der Wand durch ausgespültes Bodenmaterial sein oder eine Ausgleichsschicht aus Sperrmörtel um Goudron zu sparen; das kann man auf dem Foto nicht genau erkennen.



Goudron ?



was iss das Herr Bötcher?



Goudron



Goudron wurde Anfang des 20.Jhr. als Synonym für bituminöse Dichtmassen die aus Steinkohlenteerpech, Holzteer und Naturasphalt gewonnen wurden, verwendet. Man stellte daraus Asphaltteer, Asphaltmastix oder Gussasphalt her. Die ersten Beschreibungen über den Einsatz tauchen etwa um 1840 auf; Leo von Klenze soll damit die ersten Abdichtungen entwickelt und eingesetzt haben.
Goudron in Form von Gießmassen, Anstrich oder als Platten fand neben Teerpappen ("Asphalt- Isolierfilzpappen"), mit Asphaltpappe beschichteten Bleiplatten ("Siebels Bleiisolierungen") und mit Goudron beschichtete Glasplatten ab Anfang des 20.Jhr. Einzug ins Bauwesen. Asphaltplatten wurden um 1900 z.B. von Büschner &Hoffman in Eberswalde hergestellt.
Eine ausführliche Beschreibung findet man z.B. in der Baukonstruktionslehre von Otto Frick und Karl Knöll oder in Otto Fricks "Konstruktion von Hochbauten" von 1930.



wieder was gelernt



... vielen Dank