Bezeichung der Dacheindeckung


Bezeichung der Dacheindeckung

Moin, moin,

ich leite hier mal eine eMail-Anfrage weiter, die ich nicht beantworten kann. Gesucht wird die Bezeichnung der im Bild zu sehenden Dacheindeckung.

Das Bild wurde in Quedlinburg vom Schlossberg aus aufgenommen. Auch die genaue Adresse wäre von Interesse.






Gruß übern Harz

Hartmut



Haus in Quedlinburg



Ich möchte zu der Anfrage bezüglich des besonders gedeckten Hauses in Quedlinburg noch ergänzen, dass das Haus Wordgasse 3 in Quedlinburg, das hier auch auf der Seite abgebildet ist, in der selben Technik gedeckt wurde.

Kurz nach der Wende war ich in Quedlinburg und ließ mir die Stadt von einem kundigen Einheimischen zeigen. Ich kann mich noch genau erinnern, dass er sagte, dass dieses Dach nach einer sehr alten Technik gedeckt worden sei, und er nannte auch einen Namen dafür.



Sowas



hab´ich auch noch nicht gesehen, sieht aus wie "Nonne OHNE Mönch". Da fehlt doch irgendwie was. Sieht aus wie verkehrtrum verlegte Firstziegel mit Mörtel abgedeckt. Vielleicht hat da ein Laie richtig kreativ sein wollen.
MfG
dasMaurer



Wordgasse 3, Quedlinburg


Ständerbau (Quedlinburg, Wordgasse 3)

Ich glaube nicht, dass das eine kreative Laienleistung ist. Scheint eine "Schmuckvermörtelung" zu sein. Ist auf jeden Fall eine interessante Dachflächengestaltung.



Gruß
Hartmut



Nee,



laienmässig sieht die Vermörtelung wirklich nicht aus. Wie schon geschrieben wurde, könnte es sich durchaus um eine alte Technik handeln, wobei der Mörtel aber sicherlich eine Funktion hat, nur zu Schmuckzwecken wurde damals eigentlich nix gemacht. Aufgrund der schlechten Haltbarkeit des Mörtels an einer solch exponierten Stelle hat sich diese Technik vielleicht nicht durchgesetzt. Das Baugewerbe ist ja traditionell schon immer sehr innovativ gewesen, und Fehlentwicklungen verschwinden eben wieder. Dafür gibt´s ja genug Beispiele in jüngerer Vergangenheit.
MfG
dasMaurer
PS: Sieht aber klasse aus :-))



Dacheindeckung



Nonne mit Kalkleiste
für diese Eindeckung bzw. deren Ursprung oder Namen sind verschiedene Versionen im Umlauf:
1.Version: sie ist Vorläufer der Eindeckung Mönch und Nonne (statt mit Mönchen überdeckt wurden die Nonnen mit einer Kalkleiste versehen)
2.Version: es ist eine Not- oder Sparsamkeitsform der originalen Mönch-Nonne Deckung
3.Version: In Quedlinburg gab es im Mittelalter mehrere Klöster mit Nonnen und Mönchen. Beherrscht wurde die Stadt Quedlinburg jedoch lange Zeit vom Äbtissinnenstift. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, wonach durch religiöse Eiferer veranlaßt wurde, die Mönch-Nonne Eindeckung (eben weil sie von den Handwerkern diesen Namen bekommen hatte) einfach zu verbieten.
Übrigens, um ein bißchen mehr Kontrolle über das Tun und Lassen der heiligen Brüder und Schwestern zu bekommen, soll eine Äbtissin ja auch den damaligen Schloßpark, heute heißt er Brühl, mit dem streng riechenden Bärlauch bepflanzt haben. Da steht und riecht er heute noch.
Belastbare Beweise für die eine oder andere Variante gibt es meines Wissens aber nicht.
Grüße in die Runde
Detlef Rohnstein



@Detlef



Beim nächsten Besuch geb' ich den Kaffee aus ;-).



danke vielmals



Nonne mit Kalkleiste - das war's, noch dazu diese tollen historischen Informationen. Durch Anruf beim Bauamt in QLB heute erfuhr ich die Adresse: Lange Gasse 24. All meine Informationswünsche wurden erfüllt, noch dazu mit einer so interessanten Geschichtsstunde...
Ich wünsche allen Usern hier noch weiterhin alles Gute

Ulla Rissmann-Telle