Putzdicke auf unregelmässigem Ziegelmauerwerk

01.03.2021 Michael2

Putzdicke auf unregelmässigem Ziegelmauerwerk

Guten Tag

Dürfte ich um einen kleinen Rat bitten? Ich möchte eine Wand mit einem selber gemischten Kalkgrundputz aufbringen. Es ist roter Ziegel.
Mischung:
1/6 Hydraulischer Kalk NHL 2
1/6 Calciumhydroxid CL90 S
4/6 Sand 0/4

Das Rezept habe ich aus der Literatur und es funtkioniert auf Testflächen gut.
Leider ist die Wand unregelmässig gemauert (Siehe angehängtes Bild) da sie ursprünglich nur getäfert war. Ich schätze die Höhenunterschiede auf 10mm. Da ich ja eine mindestdicke von 12mm einhalten muss dachte ich mir, dass ich eine Dicke von 20-22mm Auftrage (gemessen an der Stelle die am weitesten zurückspringt). Dann sollte die Mindestdicke weitestgehend >= 12mm sein.
Würden Sie dieser Vorgehensweise zustimmen?

Danke

Michael

Nachtrag: Grundierung mit HAGA Mineralputzgrundierung



Grundierung



Ich würde einen Kalkzement-Spritzbewurf aufbringen statt Chemie, 50 % Deckungsfläche. Im Bauwesen wird nicht nach Milimeter gemessen, das Korn ist schon 1-2 mm beim Sand ...... 1,5 cm Grundputz, 1 cm Deckputz.



Viel zu fett?



Die Mischung ist bei dir also Bindemittel:Sand = 1:2
Das sollte eher 1:3,5 sein.
Und eine Frage in die Runde: Wozu muss so ein perfekter Untergrund grundiert werden???



Grundierung



ich würde auch nicht grundieren, habe ich noch nie gemacht, immer ausreichend vornässen reicht. Ich finde die Mischung auch zu fett.



Was ist dahinter



Wie stark ist die Wand, was ist dahinter? Wäre nicht ein Dämmputz eine Alternative ?



Grundieren!



Liebe Kollegen,
schaut euch bitte das Bild genau an.
Das sind keine Ziegelsteine das sind Porotonsteine.
Die saugen das Anmachwasser schneller weg als der schnellste Verputzer den Putz an die Wand werfen kann.
Entweder muss man die Steine extremst fluten (mit dem Gartenschlauch), oder aber grundieren.

Ich würde die Wand auch nicht mit einem "gewöhnlichen" Kalkputz verputzen.
Nicht umsonst müssen porosierte Hochlochziegel gem. DIN mit einem Leichtputz verputzt werden.
Ein normaler Kalkputz kriegt Risse ohne Ende, weil er zu starr ist.
Habe deswegen schon ordentlich Lehrgeld bezahlt.
Ich bette auf solchen Wänden auch immer ein Gewebe vollflächig ein und ziehe nochmal eine Lage Putz drüber.



Danke



Guten Tag

Danke für die Antworten. Der Putz hat ein Verhältniss von 1:3. Die beiden Kalke sind JE ein halbes Drittel (= 1/6). Grundierung: Wurde mir so empfohlen. Das Haus ist von 1962. Gabs da schon Poroton?

In dem Haus ist auf dem gleichen Mauerwerk ein Putz ohne Netz aufgebracht. Ich weiss aber nicht was für ein Putz. Ich tippe auf Kalkzement. Ich möchte es aber ohne Zement machen.
Die Mauer ist 2x12 Stein und dahinter eine vorgehängte neu isolierte Fassade.

Meine Ursprüngliche Frage: Wie gehe ich mit diesen Unterschieden in der Dicke um? Es ist sogar bis zu 15mm. Da ich mich meines wissens zwischen der drei und vierfachen Kornstärke bewegen muss (= 12 - 16mm) wird das schwierig. Bei einem zweilagigen Auftrag würde die Putzstärke theoretisch zwischen 16 und 1mm variieren.

Michael



Mischungsverhältnis



Moin,
das Mischungsverhältnis ist = Bindemittel : Zuschlagstoff (Sand).
Du rechnest jedoch Bindemittel : Gesamtmenge. Das ist nicht korrekt! Also immer noch zu fett. Warum die Testfläche nicht gerissen ist, kann ich aber auch nicht erklären ;-)
Das Thema mit dem Leichtputz kenne ich nur bei hochgedämmten Ziegeln im Zusammenhang mit Außenputz. Aber das solltest du auch nochmal hinterfragen.
Gruß



Adam Riese....



.... würde sich im Grabe drehen ab mir..
Ihr habt natürlich recht. Den Putz für den Test habe ich natürlich 1:3 gemischt und desswegen reisst er nicht. Nur falsch geschrieben habe ich es.
Also. Die Mischung ist: 1:3. Das Bindemittel ist zur Hälfte NHL2 und zur anderen Hälfte CL90.

Ich entschuldige mich für das Versehen

MIchael



Vielen Dank....



... für eure Ratschläge. Dann werde ich das mit dem Putzkeil probieren und die Mischung etwas abmagern (1:3.5) Die Kornregel höre ich zum ersten mal so grosszüg ausgelegt (min 2 max 5).
Mir wurde noch gesagt, dass für die Karbonatisierung des Luftkalkes aber maximal 15 Putzstärke aufgetragen werden soll.
Wie steht ihr dazu? Könnte ich es auch in 2 Durchgängen machen?

Michael



mehrere sichten / carbonatisierung / sinterschicht



hallo mario

wie schnell bildet sich eine sinterschicht?
würden 25mm auch noch gehen oder dann besser in 2 schichten?


leider stehen mir nur sand 0/4 sowie 4/8 zur verfügung. ggf könnte man daraus 0/8 mische? dann würde sich das korn für dickere schichten eignen?
wenn das geht: muss ich die beiden "sande" 1:1 vermischen oder brauchts da ein andres verhältniss?

michael



Am Rande gefragt:


Am Rande gefragt:

Bist Du von Beruf Lehrer oder Werkzeugmacher ? Immer, wenn ich solche Milimeterangaben lese, muss ich an meinen Schwiegervater denken - der war ein guter Werkzeugmacher..... Die andere Berufsgruppe habe ich weniger angenehm in Erinnerung. Bitte nicht beleidigt sein .... Ich putze seit 40 Jahren von Hand mit Sand, Kalk und Zement - ich habe aber meine Putzstärke noch nie auf Milimeter gemessen und auch die Unebenheiten nicht, da bei Einsteindicken Wänden ohnehin nur eine Seite glatt sein kann. Wie oben schon geschrieben wurde - mit dem Vorspritz werden schon ca 3 mm Putznoppen aufgetragen, je nach Geschick - wie willst Du dann den Unterputz bemessen. Da es ein Innenputz ist, kommst Du mit 2 cm Innenputz gut hin - wenn man abschleppt und verreibt, gleicht sich die Putzstärke ohnehin über die ganze Fläche aus - da kratz Du keine 2 oder 3 mm wieder runter, nur weil es da die Dreikornregel gibt. Die Stärke gibts Du beim Anwerfen vor - und da gehört Übung dazu. Oder Du arbeitest mit Putzlehren, die zeichnen sich aber fast immer ab.



@Olaf



Wie?
Was?
Du arbeitest nicht auf Millimeter?
Unglaublich!!!! ....
Zum Glück bist du kein Werkzeugmacher geworden....... ;-)
.....breit grins.......



Erwischt



Guten Morgen

ich bin gelernter Uhrmacher was man mir scheinbar mehr anmerkt als mir lieb ist :-)
Zu meiner Verteidigung muss man sagen, dass halt die Mindest- und Maximaldicken so wie die Körnung stets in mm angegeben werden.
Ich als Laie kann schwer beurteilen wieviel Spielraum ich habe. Was ich nicht möchte ist, dass der Putz die Wand runterkommt weil ich ihn zu dick/dünn/oder mit der falschen Sieblinie aufgebracht habe.

Aber die Botschaft ist eingetroffen! :-)

Beim Verputzen machen ich mir Putzschienen mit dem Putz.

Bringt mich zur vorherigen Frage: Wenn ich eine Körnung 0/8 will mir aber nur 0/4 und 4/8 zur Verfügung stehen kann ich die beiden 1:1 mischen?

Gruss und Danke

Michael



sinterschicht und putzschienen



hallo Mario

Du bist zwar Quereinsteiger aber offensichtlich mit viel Erfahrung. Danke für Deine komptetenten Auskünfte.
Aus reiner Neugierde: Die 15% 4/8. Gibt es irgend eine Formel mit der man sich die Sieblinie richtig zusammenmischen kann? Ich meine: Sind die 15% ein Erfahrungswert oder gibts da irgend eine Grundlage?

Den Kellenwurf habe ich schon tüchtig geübt, mehrheitlich mit Kalkzementputz den ich aber nicht mag weil er so schnell anzieht.

Bislang habe ich die Sinterschicht mit einem Gipshobel aufgerauht. Was für ein Werkzeug benutzt Du?
Mit den Putzschienen habe ich das gemeint was Du als Mörtellehre bezeichnets. Ich habe schon mit Putzschienen aus Metall gearbeitet (an einer Wand wo Fliesen hinkommen), aber die Dinger sind auch nicht ganz gerade und an einer Wand schwer aus zu richten.

Michael



Wenn einer eine Reise tut....



... dann reicht es nicht nur einen Reiseführer zu lesen. Ich verstehe was Du meinst.
Viele Fragen von mir sind entstanden durch meine ersten Putzarbeiten.

Ich bin schon froh, dass ich hier Fragen stellen kann zu selbergemischtem Putz. Von Fachleuten werde ich da müde belächelt und zur Sackware verwiesen. Auf der anderen Seite war mein Eindruck, dass die meine Fragen teilweise nicht hätten beantworten können. Wer nur Sackware verwendet, also alles fertig gemischt, der muss sich keine Gedanken zur Sieblinie machen.

Meine beiden angestammten Handwerke (Orgelbau und Uhrmacherei) lassen einem häufig keine Alternative als Grundlagenforschung zu machen oder aber auf das Wissen der älteren Kollegen zurück zu greifen. Fragen zu stellen, wenn man die Chance hat, gehört dazu.

Hat die Sinterschicht einen Einfluss auf das Tempo oder die Qualität der Karbonatisierung? Bei meinen avisierten 3cm (schon was gelernt, keine mm mehr :-)) dauerts ja eh schon 3 Jahre.
Hat die Bearbeitung des Feinputz einen Einfluss? Ich nehme an, dass eine intensive Bearbeitung mit einem Schwammbrett zum Beispiel eher eine Dichtende Wirkung hat, oder?

Michael



Sieblinie


Sieblinie

Danke für Deine Ehrlichkeit - für einen Uhrmacher ist diese Genauigkeit natürlich verständlich. Aber als Handwerker bekommst Du das sicher hin! Deine Frage nach der Sieblinie kann ich so nicht beantworten - das ist eher ein Thema bei der Betonherstellung. Ich selber verwende seit Jahrzehnten den altbewährten Dresdner Putzsand 0/2 als Kipperlieferung, dazu Weißkalkhydrat (früher gab es auch Karbidkalkhydrat und noch mehr Sorten im DDR-Baustoffhandel), sowie je nach Erfordernis Zement. Um Sackware mache ich wegen der Menge an Verpackungsmüll und der schlechten verarbeitung mit der Kelle nach einigen Versuchen nach 1990 wieder einen großen Bogen. Nur für Sonderzwecke , aber da gehört ein der Innenputz nicht dazu, greife ich gelegentlich darauf zurück. Innen putze ich meist einlagig und filze den frischen Ptz noch mit Weißkalkschlämme nach kurzer Zeit (etwa 1 h). Dadurch wird die Oberfläche sehr fein strukturiert und von allein weiß ohne Farbe - sobald er trocken ist. Das praktiziere ich ebenso für außen und habe so eine wunderbar gekalkte Fassade, die keinen Anstrich mehr benötigt.



@Olaf: Danke für den Tipp



(Zitat) ...filze den frischen Putz noch mit Weißkalkschlämme nach kurzer Zeit (etwa 1 h). Dadurch wird die Oberfläche sehr fein strukturiert und von allein weiß ohne Farbe - sobald er trocken ist. (Zitat Ende)
Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen.... ist ein super Tipp. Dankeschön!!!!
Eine Frage dazu: Welches Mischungsverhältnis hat die Schlämme und welchen Sand (Körnung) benutzt du dafür?



Kalkschlämme



ich nehme nur eingesumpften Weißkalk und filze damit die Oberfläche - der Sand wird nicht benötigt, da ja der Putz noch frisch ist - die gelösten Feinteile füllen so die Kratzspuren durch das Verreiben gut aus. Als Lehrling haben wir mehrere Tage alten Putz mit Zement/Kalk/Sand 1:1:1 gefilzt - der Putz wurde so geglättet und an der Oberfläche verfestigt.



sehr ansprechend....



.... dieser finish. trau ich mich aber nicht im Wohnzimmer zu machen. zuwenig erfahrung. zudem haben meine bessere hälfte und ich uns bereits auf ein deckputz von hessler geeinigt.

kann ich noch was zu dem mischungsverhältniss fragen?
da es bei mir teilweise auf einen dreilagigen putz hinausläuft dachte ich mir, dass ich den
ersten grundputz 1:3
und den
zweiten grundputz 1:3.5
ansetzte. beide mit je halbehalbe NHL2 und CL90.

um so die Kalkputzregel ein zu halten.

was meint ihr dazu?



Werkputzmischung Deckputz von Hessler


Werkputzmischung Deckputz von Hessler

Okay. 1:3

Avisierte Deckputze:
HP 90 SK Sumpfkalk Oberputz
HP 900 SK Sumpfkalkglätte

https://www.hessler-kalkwerk.de/naturkalk-putze.html

ZITAT "Sonst gilt die "Regel" von "mager" zu "fett""."

Nach meinem Verständniss ist das die UMKEHR der klassichen Kalkputzregel "Weich auf Hart" Richtig?
Ist dies aufgrund der Annahme, dass es ein porosiertes Mauerwerk ist?

Die Ziegel sind meines Erachtens klassische Ausführung. Die Mauer stammt von 1962 und Poroton wurde in der Schweiz später eingeführt. Siehe Foto.



Kalkputzregeln



Das habe ich allerdings auch anders verstanden und bis jetzt fehlerfrei so praktiziert: "Kalkputze sind von der untersten bis zur obersten Putzlage weicher einzustellen.Dies geschieht über das Verhältnis von Bindemittel zu Zuschlag" ( Zitat von Herrn Hoepfner)- dann folgt eine Tabelle, die sich allerdings nicht kopieren läßt, daher hier inhaltlich ausgeführt:
- spritzbewurf 1:3 ( 70% Deckung)
- Unterputz 1:3-4
-Oberputz 1: 4-5
Nach meinem Verständnis bedeutet das von fett zu mager.