Putzaufbau auf Sandsteinwand innen




Guten Tag allerseits,

nachdem ich bereits letztes Jahr zum Thema Dachausbau sehr qualifizierte und hilfreiche Antworten hier im Forum erhalten habe, habe ich heute eine neue Frage. Diesmal zum Thema Innenputz.

Wir stehen bei der Sanierung und Umnutzung unseres alten Kuhstalls aktuell vor der Entscheidung den Innenputz, in den eine Wandheizung integriert werden soll, rein in Lehm aufzubauen, oder, als erste Lage, einen mineralischen Dämmputz zu verwenden. Die Wand besteht aus Sand-Bruchsteinmauerwerk, und zwar aus einer Innen- und einer Außenschale und dazwischen eine Füllung aus kleinen Steinen und hauptsächlich Lehm. Die gesamte Wand ist 1m bis 1,10m stark.

Die bislang an uns herangetragenen Meinungen gehen diesbezüglich auseinander.

Unser Architekt sagt, dass der U-Wert der Wand zwar rechnerisch schlecht sei, aber aufgrund der enormen Masse der Wand dieses im Grund kompensiert würde. Auch wenn er das rechnerisch nicht nachweisen könne und die EnEv das natürlich anders sähe. Insofern müsse er einen Dämmputz innen "offiziell" zwar empfehlen, hielte ihn persönlich aber für überflüssig.

Der Putzer der die Arbeit machen soll, sieht das anders und rät massiv zu dem Dämmputz mit EPS-Zuschlag, bzw. mit Perlite-Zuschlag, da sonst zuviel Wärme verloren ginge.

Auf dem Unterputz, sei er nur aus Lehm oder aus Dämmputz, ginge es dann mit den Wandheizungsregistern und einem Lehmputzaufbau weiter.

Wir müssen die EnEV übrigens nicht erfüllen, da wir aufgrund des Denkmalschutzes per Baugenehmigung davon befreit wurden.

Die Frage ist: Sind die Mehrkosten für den Dämmputz sinnvoll angelegt?
Ich persönlich bin skeptisch und erwarte von 2-3cm Dämmputz nicht besonders viel. Außerdem wäre es mir sympathisch nur Lehm zu verwenden.

Ich freue mich auf Ihre Meinungen.

Beste Grüße
Henry



Dämmputz



An dieser Stelle und so wie geschildert ist der Dämmputz tatsächlich eher nicht sinnvoll. Die Kosten stehen wohl in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen.
Prinzipiell ist es schon sinnvoll, die Wandheizung thermisch weitgehend von der Außenwand zu entkoppeln, hier wäre allerdings eine "richtige" Dämmung, die dann auch die WH und den Lehm trägt, dann die wahrscheinlich bessere Wahl. Das könnte eine Dämmung aus Holzfaser sein, 40-80mm dick, wenn sonst nix dagegen spricht.
Der Architekt möge das bitte in Erwägung ziehen...



Wie ist die Salzbelastung?



Hallo Herr Altmüller,

ohne jetzt von Ihrer konkreten Frage ablenken zu wollen,
wie ist denn mit aufsteigender Feuchtigkeit und der Salzbelastung der Wände Ihres Kuhstalles?
Erfahrungsgemäß haben ehem. Stallungen meistens Feuchte und extrem "versalzene" Wände.
Das ist ein viel größeres Problem.
Wenn Sie da einen Lehmputz direkt aufziehen, wird der Ihnen die Feuchtigkeit und somit die darin gelösten Salze aus dem Mauerwerk an die Oberfläche ziehen.
Die Salze kristallisieren an der Oberfläche, zerstören diese langsam und bilden die ungeliebten Ausblühungen.
Das macht allerdings auch jeder Dämmputz......
und (falls Ihnen jemand dazu rät) jeder (teure) Sanierputz auch, nur dauert es bei dem länger bis er von der Wand bröselt.
Wie heißt es 1000fach in diesem Forum: Genaueres müßte erst eruiert werden...

Um zu Ihrer Frage zurück zu kommen.
Sollten Ihre Wände trocken sein, können Sie auch einen rein mineralischen "Dämmlehmputz" selbst herstellen,
indem Sie groben Lehmunterputz einfach mit Blähton oder Perlite "verlängern".
Je nachdem wieviel Sie "verlängern" und somit abmagern, sollten Sie irgendwann noch etwas Tonpulver bei mischen, um die Bindigkeit/Klebekraft zu erhalten. (am Besten eine Probefläche herstellen)

Eine Alternative wäre vielleicht auch 2cm- oder 5cm-Schilfplatten auf die Wand zu bauen.
Die Schilfplatten haben einen eingermaßen guten Dämmwert, sind von den Materialkosten her recht preiswert, extrem verrottungsfest (im Gegenssatz zu Holzweichfaserplatten) und sind ein guter Untergrund zur Montage einer Wandheizung und für dicke Putzschichten.
Ein Nebeneffekt ist, daß die Kapillarität des Wandaufbaus dadurch unterbrochen wird. (Thema feuchte Wand)
Schilfplatten sind zwar sehr diffusionsoffen, aber kapillar fast nicht leitfähig.
"Fast" deshalb, weil sie nur in Längsrichtung (Wuchsrichtung) der Halme leiten, quer zum Halm, und somit in der "normalen" Einbaulage an der Wand, wegen der hohen Verkieselung der Halmoberfläche nicht.
Um einer eventuellen Schimmelgefahr entgegen zu wirken, würde ich die Schilfplatten sicherheitshalber statt in Lehm in einen Kalkputz einbetten.
Auf die Schilfplatten und die Wandheizung können Sie ja dann immer noch einen Lehmputz aufziehen.

Betrachten Sie meine Ausführungen bitte zunächst mal nur als Denkanstöße, bzw. als eventuelle Möglichkeiten.
Ohne von Ihnen mehr über den Zustand der Wände erfahern zu haben, wird Ihnen hier im Forum keiner der Profis eine definitive und umfassende Aussage machen.
Wie bereits geschrieben, Genaueres müßte .....

Grüße aus Rheinhessen,
KHH



zu Salzbelastung und Feuchtigkeit



Hallo zusammen,

vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Feuchtigkeit und Salzbelastung sind bei unserem Bauvorhaben natürlich ein Thema. Erfreulicherweise haben wir nur einen kleineren Wandbereich, der direkten Kontakt zur Gülle hatte und auch offensichtlich salzbelastet ist. Für diesen Bereich ist als Grundputz tatsächlich ein Sanierputzsystem geplant. Dies in dem vollen Bewusstsein, dass es keine Dauerlösung darstellt, aber hoffentlich wenigstens eine mittelfristige Lösung für die nächsten ca. 10 Jahre. Dann müssen wir da halt nochmal ran.

Die Sockel der Wände sind natürlich auch feucht, dass Gebäude wurde ja noch nie beheizt. Dies wird zum Teil aufsteigende Feuchtigkeit sein, aber zu einem wesentlichen Teil auch Kondensation. Eine Horizontalsperre können wir bei dem Mauerwerk technisch nicht realisieren, deswegen sind folgende Maßnahmen zum Umgang mit der Feuchtigkeit geplant:

1. OK fertiger Fußboden wird 20cm höher liegen als Gelände-OK außen, so kommen wir aus dem feuchtesten Bereich raus, und
2. direkt über OK Fertigfußboden wird eine Heizleitung im Putz liegen um den Wandsockel zu temperieren; zur Not auch im Sommer, deswegen als separater Heizkreis.
Außerdem soll die Abdichtung auf dem Rohboden an den Wänden bis zu OK Fußleiste hochgezogen werden, so dass der Holzboden seitlich keine Feuchtigkeit abbekommt.

Den Vorschlag einen Lehm-Dämmputz selbst herzustellen finde ich interessant und werde es dem Putzer mal vorschlagen.

Die Verwendung von Dämmplatten haben wir ausgeschlossen, weil der Aufwand mit vielen Vor- und Rücksprüngen und bogenförmigen Stürzen und Labungen uns zu hoch (und damit zu teuer) ist.

Soweit,
ich hoffe, so langsam erschließt sich das Gesamtbild unseres Vorhabens.

Ich freue mich über jede Meinung.

Schönes Wochenende allerseits.
Grüße
Henry