Falscher Putz (Zementputz) im alten Keller und Kondenswasserproblem, was nun?

22.06.2013 Candy



Im Keller eines ca. 100 Jahre alten Hauses wurde vor kurzem fälschlicherweise ein Zementputz angebracht.

Der Keller hatte ehemals einen Erdboden. Inzwischen wurde der Boden betoniert.
Das Mauerwerk ist ein Mischmauerwerk. Die meisten Teile der Wände bestehen aus alten Vollziegeln, an anderen Stellen sind Betonwände mit zum Teil sehr grobem Kies.
Die Decke ist eine Holzdielendecke.

Nach mehreren Tagen großer Hitze hat sich nun sehr viel Kondenswasser an den mit Zementputz verputzten Wänden gebildet, das auch auf den Boden gelaufen ist, sodass sich mehrere Pfützen gebildet haben.
Am schlimmsten betroffen sind die Nordwand (liegt nicht unter der Erde) sowie die Ostwand, die unter der Erde liegt (Haus ist nur teilunterkellert).

Frage 1: Wie macht man den Zementputz wieder weg? Vor allem, ohne die Mauer zu stark zu beschädigen?

Frage 2: Dass man solche Keller im Winter bei Frost richtig durchlüften soll, und im Sommer ausschließlich nachts oder morgens, solange es noch kühl draußen ist, habe ich hier im Forum bereits mehrfach gelesen, und das wird in Zukunft auch so gemacht werden.
Statt des Zementputzes würden wir gerne 1 - 2 cm dick Kalkputz auftragen (der, zusammen mit der Wand, das Kondenswasser aufnehmen kann) und dann mit Sumpfkalkfarbe streichen.
Hat jemand hier Erfahrung mit solchen Kellern? Ist die Idee mit dem Kalkputz das richtige? Soll man mit dem Kalkputz nur die Ziegelmauerstücke streichen, oder auch die Betonwandstücke? Wenn nicht, wäre für die Betonwandstücke dann ein Kalkzementputz besser?
Oder hat vielleicht jemand eine ganz andere Idee?

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn mir jemand einen fachlichen Rat geben könnte!
Vielen Dank schon mal im voraus!



Kellerputz



Das klingt eher nach einem Sanierputz der hydrophob eingestellt ist.
Ein Austausch des Putzes- egal ob hydrophob oder nicht- halte ich für überflüssig.
Kalkputz bringt nur eine Verzögerung von ein paar Tagen, dann ist Mauerwerk und Putz ebenfalls wassergesättigt und es läuft das Wasser herab (falls es denn Kondensat ist) Dafür haben Sie im Rest des Jahres die Gefahr von Schimmelbefall auf einer dauerfeuchten Wand.
Falls die Wand mit Salz befrachtet ist, bei einem Altbau der Normalzustand, fliegt Ihnen der Kalkputz nach ein paar Jahren wieder von der Wand.
Statt Putz und Wand als Wasserspeicher zu nutzen können Sie den Feuchtezufuhr minimieren, das geht am besten bei diesem Wetter ganz ohne Lüften.
Das betrifft aber nur Kellerräume ohne besondere Ansprüche an das Raumklima, bei höherwertiger Nutzung (z.B. Aufenthaltsraum) können komplexere Lösungen erforderlich sein.
Aber:
Ich sitze jedenfalls in meinem Kellerbüro, weder hier noch in meinem Weinkeller nebenan läuft Kondensat von der Wand obwohl ich ebenfalls Betonfußböden und Kalkzementputz an der Wand habe. und die Luftfeuchte um 70% liegt. Schimmelbefall kenne ich auch nicht.

Viele Grüße



Der Kalkputz/Kalkzementputz...



... wird da auch nicht wesentlich zur "Verbesserung" beitragen... Das bisschen, was der Putz aufnehmen kann muss er ja auch irgenwann wieder loswerden...
Die extreme Feuchte Hitze Mitte der Woche ist ja nicht der Normalfall... inwieweit auch Restfeuchte aus dem "vor kurzem" angebrachten Zementputz auch eine Rolle spielt, sei mal dahingestellt, weil keine näheren Infos...
Zu wildem Aktionismus ala "böser falscher Zementputz muss weg" besteht erstmal kein Anlass...

Hier bei uns kam es zu der fast schon absurden Situation, dass das Klinikum in der Glas-Eingangshalle wegen Tauwasserbildung am Boden (und Rutschgefahr) bei 30° außen die Fußbodenheizung angeschmissen hat um dem ganzen Herr zu werden...

MfG,
sh



Kondenswasser im Keller



Gegen Kondenswasser im Keller hilft ne leichte Beheizung mittels einfachem Kupferrohr überm Fußboden und geringer Vorlauftemperatur um die Oberflächentemperatur der Wände anzuheben.
Auf warmen Wänden kondensiert kein Wasser aus.

MfG
Sascha aus Berlin



Dann wären wir...



... wieder mal bei "Temperierung nach Großeschmidt", das ist doch in diesem Fall sinnlose Energieverschwendung bei 30° draußen, außerdem muss man der Heizung noch das Heizen beibringen (witterungsgeführte Regelung)... für die 3-5 Tage im Jahr, in denen das Phänomen auftritt, eine überflüssige Maßnahme...
Man kann auch mal wischen...

MfG,
sh



Dann wären wir...



... wieder mal bei "Temperierung nach Großeschmidt", das ist doch in diesem Fall sinnlose Energieverschwendung bei 30° draußen, außerdem muss man der Heizung noch das Heizen beibringen (witterungsgeführte Regelung)... für die 3-5 Tage im Jahr, in denen das Phänomen auftritt, eine überflüssige Maßnahme...
Man kann auch mal wischen...

MfG,
sh



@Sebastian Hausleitner



Vielen Dank für Ihre Antwort! Beruhigt mich ein bisschen, dass das auch in neueren Bauten, wie Ihrem Klinikum, vorkommt.
Natürlich ist das mit dem Beheizen fast "sinnlose" Energieverschwendung. Aber mein Gedanke war, da in diesen Keller eine neue Ölheizung samt Tanks eingebaut wird, möchte ich vermeiden, dass diese doch nicht ganz billige Heizanlage unter zu extremer Freuchtigkeit leidet und nach dem nächsten Sommer wieder rausgerissen werden muss; insofern überlege ich, das bisschen Mehrenergie, das an den extremen Hitzetagen notwendig ist, zu investieren.
Nochmals Danke und liebe Grüße



@Sascha



Vielen Dank für Ihre Antwort!
Wie schon eben geschrieben, tendiere ich wahrscheinlich dazu, es mit so einer Heizleitung zu versuchen.
Ist das dann richtig so:
Im Sommer Heizleitung an machen und nur in den ganz frühen Morgenstunden lüften, wenns draußen noch kalt ist.
Im Winter Heizleitung auslassen, stattdessen 1 Heizkörper im Raum anmachen, und gelegentlich kurz aber kräftig lüften, wenns draußen Frost hat?
Liebe Grüße



@Dip.-Ing. Georg Böttcher



Lieber Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Und vielen Dank für den Tipp, dass es nicht notwendig ist, den Zementputz (es handelt sich übrigens um normalen Zementputz, keinen speziellen Sanierputz) zu entfernen.
Ich werde den Keller jetzt also, wie Sie schrieben, bei heißem Wetter so gut wie gar nicht lüften.

Noch zwei kleine Fragen: 1.) In diesen Keller soll demnächst eine Ölheizung und Öltanks eingebaut werden. Ist das Ihrer Meinung nach o.k.? 2.) Sie haben bei sich im Keller Kalk-Zement-Putz, ich hab nur Zementputz - würden Sie mir raten, auf meinen Zementputz noch eine Schicht Kalk-Zement aufzuziehen, oder einfach jetzt so lassen?

Auf Ihrer sehr guten Homepage, die ich allen, die das hier lesen, übrigens sehr empfehlen kann, konnte ich auch noch einige für mich neue und nützliche Informationen finden.

Liebe Grüße



Eigentlich sollte vernünftiges...



... Lüften reichen. Eine gewisse Abwärme wird die Heizung auch im Sommer produzieren, wenn dort auch zentral ein Brauchwasserspeicher installiert ist. Ich würde erstmal abwarten wie sich das ganze nach endgültigem Abziehen der Baufeuchte entwickelt. Und stellt erstmal 'nen kleinen ventilator dazu, der begnügt sich mit 15W elektrisch...

Muss es denn wirklich Öl sein? Egal... das gehört nicht hierher...

Mit der Rohr-Temperierung für nur einen Kellerraum sind die Probleme weit komplexer, als nur der Mehrverbrauch von ein paar Dutzend Liter Öl... Das wird eine recht komplexe Hydraulik-Schaltung und Regelungstechnik erfordern, wenn das einigermaßen funktionieren soll... Der Kessel wird einfach die erzeugte Wärme nicht wegbekommen und sich in Folge dessen zu Tode takten und dementsprechend oft den Taupunkt durchfahren... das ist wie Stop-And-Go beim Auto nicht wirklich gut für die Maschine...
20m 18er CU-Rohr haben grade mal einen Wasserinhalt von 20m*Pi*0,008m² = 4Liter (ungefähr)...
Vom Stromverbrauch der Heizung/Regelung/Pumpe mal gar nicht erst angefangen...

Überlegung/Anregung: Man könnte die Zirkulationsleitung vom Brauchwasserspeicher (so vorhanden) zweckentfremden...

Insgesamt schätze ich das so ein, dass es deutlich weniger Aufwand wäre für die paar Tage im Jahr einen elektrischen Heizlüfter aufzustellen... wenn denn das Problem tatsächlich ein dauerhaftes ist...

MfG,
sh



sommerliche Kellerheizung



Die sommerliche Beheizung des Kellers kann auch energiesparend mit einer selbst gebauten Solaranlage funktionieren. Einen flachen innen schwarz gestrichenen Holzkasten in Südausrichtung (zur Sonne) montieren mit einer Glasabdeckung (ähnlich eines Frühbeetes). Die Sonne erwärmt nun durch das Glas die Kiste, wie ein Gewächshaus. In dieser Kiste befindet sich eine gelötete Kupferrohrschlange. Hiermit wird nun Warmwasser erzeugt, welches zur Beheizung des Kellers benutzt werden kann. Eine kleine Umwälzpumpe ist erforderlich. Im Winter muss das System wegen Frost allerdings entleert werden.

Die Kellerlüftung sollte grundsätzlich wegen Kondensatvermeidung nur dann erfolgen, wenn es im Keller wärmer ist (incl. Kellerwandoberflächentemperatur) als draußen.

Die Winterbeheizung des Kellers kann auch mittels einfachem Kupferrohr an der Wand erfolgen. Durch gleichmäßigen Wärmeeintrag in die Wand wird auch aufsteigende Feuchte gebremst. Näheres dazu auch unter www.temperierung.net

Grüße aus Berlin
Sascha