Kalk-Zement-Mörtel für das Gefache benutzen??

06.11.2011



Hallo,

ich muss für die Schule ein Projekt ausarbeiten und stecke da gerade irgendwie fest.

Eine der Projektaufgaben lautet:

- Die Fassade eines Gebäudes (Bj.1945) soll beschichtet werden.
Der ausgemauerte Giebel - (Gefache schon mehrfach ausgebessert)-
besitzt einen Putz der Mörtelgruppe P2b.

Das sind alle vorgegebenen Angaben zum Fachwerkgiebel.

Jetzt sitze ich gerade an der Bestandsaufnahme des Giebels und überlege folgendes zu bestimmen:

- Der Verputz der Gefache des Fachwerkgiebels wies beim abklopfen Ablösungen und Hohlräume auf. Des weiteren zeigen sich deutlich Abplatzungen sowie Risse in der Putzoberfläche. Einige Gefache scheinen leicht nach außen zu kippen.

Nun meine Fragen:
Könnte das, das Schadensbild sein, welches ich nach gut 30 Jahren vorfinde, wenn ein Mischmauerwerk - Gefache mit einem Kalk-Zement-Mörtel verputzt wurde?
Oder macht ein Kalk-Zement-Mörtel Verputz in diesem Fall vieleicht doch einen Sinn und es ist gar nichts passiert?

Wäre für etwas`"Nachhilfe" sehr dankbar.:-)

Viele freundliche Grüße,

Flori.



Außenputz



Am Putz allein liegt das jedenfalls nicht.
Da spielen eine ganze Reihe anderer Faktoren mit eine Rolle.

Viele Grüße



Außenputz [forum 177767]



Sehr geehrter Herr Böttcher,

erstmal vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben mir ja schon einmal sehr weitergeholfen. Auch dafür nochmal vielen Dank.

Ich mache gerade meine 1. Ausbildung zum Maler und Lackierer und bin jetzt in das zweite Lehrjahr eingestiegen.
Es ist mir ja etwas unangenehm solch „einfache“ Fragen zu stellen, aber ich stecke leider noch in den Kinderschuhen. Jedoch finde ich diese doch recht umfangreichen Themen rund um das Baugeschehen höchst interessant und habe auch riesigen Wissenshunger. :-)

Wenn der Putz daran nicht allein Schuld für dieses Schadensbild trägt, würde ich jetzt darauf tippen,

- das dieser nicht Fachgerecht verarbeitet wurde, z.B. bei falschen Witterungsbedingungen, oder mit zu viel / zu wenig Anmachwasser.
- Der Untergrund Mängel aufwies, wie z.B Feuchtigkeit oder lose Verunreinigungen.

Meinten Sie vielleicht solche Faktoren? Das würde dann ja evtl. bedeuten, das ich nach einer Entschichtung der alten Putzschicht und der Reinigung des Untergrundes wieder mit Kalk-Zement-Mörtel Verputzen dürfte. - Oder?? :-)

Viele Grüße,

Florian



Putz



Hallo Florian,
welche Mängel im Detail vorliegen kann man nur konkret vor Ort feststellen. Schon der Begriff "Ablösungen und Hohlräume" muß nicht zwingend auf Mängel hindeuten.
Schon gar nicht die in Mode gekommene Behauptung, der "böse" Zement im Putz sei an allem schuld.
Kleinere Hohlstellen bzw. Ablösungen die nur durch Abklopfen festgestellt werden können stellen an sich keinen Mangel dar, wenn die gesamte Putzfläche fest, eben und ohne relevante Risse ist. Bei Rissen geht man davon aus, das unter 0,2 mm Breite keine statische Beeinträchtigung vorliegt.
Ursachen für solche Ablösungen:

Da wären erst einmal Verarbeitungsfehler beim Putz selber. Mangelnde Untergrundvorbereitung (Staub, Schmutz auf der Oberfläche,unterschiedlich saugende Steine ohne Aufbrennsperre, zu magerer Unterputz, zu fetter Oberputz...) Wenn dieser Putz allerdings seit über 30 Jahren immer noch hält, sollte man das nicht überbewerten; der Putz hat funktioniert und seinen Zweck erfüllt.

Dann kann der Untergrund Auslöser für solche Hohlstellen sein. Einzelne versalzene Ziegel, Auffeuchtungen der Fachwerkwand infolge Kondensateintrag aus dem Innenraum... Das könnte zu Salzabsprengungen und Frostschäden im Übergang Mauerwerk- Putz führen.
Solche Schäden treten dann auf, wenn sich die Nutzungsbedingungen im Innenbereich ändern, z.B. Ausbau eines Dachgeschosses vom Kaltraum in Aufenthaltsbereiche.

Eine weitere Schadensursache kann in der veränderten Tragstruktur des Gebäudes liegen. Umbaumaßnahmen können zu Lastumlagerungen oder Mehrbelastung führen. Das Tragwerk reagiert auf solche Lasten mit Verformung der Verbandhölzer, die wiederum zu Kantenpressungen oder Spaltbildungen am Übergang Putz- Holz führen. Das Gefachmauerwerk reagiert mit Rissen und Putzablösungen auf solche Belastungen. Typisch dafür ist der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnzwecken. Neue, schwerere Dacheindeckungen, Dachschrägendämmung und - Verkleidung, Zwischendecke auf der Zangenlage usw. führt zu vermehrtem Lasteintrag über First- und Mittelpfetten in den Giebel. Auch Schäden am Tragwerk führen zu Verformungen, wenn Fußschwellen oder Rähme verfaulen und dadurch nachgeben.

Viele Grüße



Außenputz



Hallo,
ok, -da können wirklich viele Faktoren eine Rolle spielen! Vielen Dank für die Hilfe und schöne Grüße,

Florian