Kalkputz wie viel Zement zulässig / Prospekthaftung

15.01.2010



Hallo Forumsgemeinde,

kann mir jemand sagen wie viel Zement in einem Kalkputz enthalten sein darf. Der Putz wurde im Prospekt beworben und verkauft als baubiologischer Kalkleichtputz Mörtelgruppe PI nach DIN 18550 (also Bindemittel Luftkalk, Weiskalkhydrat und hydraulischer Kalk). Von Zement steht in der DIN nichts. Des Weiteren steht im Technischen Datenblatt Bindemittel nach DIN EN 459 also Kalk.

Nach vollständiger Aushärtung stellt sich der Putz(neben anderer Probleme auf die ich hier zunächst nicht näher eingehen will) sehr grau und subjetktif eher hart.

Nach diversen Recherchen haben wir das Sicherheitsdatenblatt gefunden. In diesem steht:

Anteil Kalk 2,5 bis 10%
Anteil Zement 10 bis 25%

also wenn ich Pech habe ist es ein fast reiner Zementputz.

Die Frage ist wieviel Zement darf in einem Kalkputz sein bis die Prospekthaftung oder ähnliches greift und der Hersteller/Händler in Anspruch genommen werden kann. Ich möchte betonen, dass es hier nicht um einen Handwerker geht. Putz wurde von einem Privatmann nach Beratung durch den Hersteller (Wunsch nach möglichst reinem Kalkputz wurde klar geäussert) beim Baustoffhandel gekauft.

Den Hersteller habe ich bewußt nicht genannt.

Und gibt es Möglichkeiten im abgebundenen Putz oder in der Trockenmischung den Zementgehalt feststellen zu lassen?

Vielen Dank für Eure Antworten



Was steht



denn auf dem Sack? Das ist ja das, was du an der Wand hast....wurdest du evtl. schlicht nur falsch beliefert? Dann hättest du m.E. umtauschen lassen müssen = dein Pech.

Vielleicht ist dann der Händler so kulant das richtige Material kostenlos zu stellen, war ja sein Versehen, die Arbeit bliebe allerdings bei dir.

Lediglich wenn Sackaufdruck und Inhalt nicht übereinstimmen, sehe ich da ne Chance jemand Anderes an den Kragen zu kriegen...bei allem Verständnis für deinen Ärger.

Gruss, Boris



Natürlich



habe ich den Putz geliefert bekommen den ich bestellt habe. Nur ist halt in dem Kalkputz wohl mehr Zement als Kalk wie sich jetzt heraus stellt.



Zement im Kalkputz



Zuerst mal:
Welche Festigkeitsgruppe/-klasse hat denn der Putz?
1 oder 2 sind Luftkalke mit geringen hydraulisch wirkenden Beimengungen.

Um den Anteil an hydraulischen Bindemitteln zu prüfen, genügt die Wasserlagerung eines Stückes vom angesteiften Kalkputz.
Den Putz steif bis erdfeucht anmischen, in einer Form verdichten (z.B. alte Konservendose) und nach ca. 2-3 Stunden im Wassereimer versenken.
Wenn der Putz in den nächsten Tagen durchhärtet, dann ist es ein hydraulischer Putz mit silikatischer Bindung.
Wenn er weich bleibt, ist es Luftkalk.

Zum Sicherheitsdatenblatt:
Da stimmt was nicht.
Das ist keine Rezeptur für einen bestimmten Putz.
In keiner Rezeptur steht: 10 - 25% oder 2,5 - 10%,
egal für welchen Bestandteil.
Außerdem:
Von was sind das Prozente: Gewichtsanteile Raumteile, Trockenmörtel, Frischmörtel, Bindemittel?

Viele Grüße



Die Festigkeitsklasse



ist CS II gem. DIN EN 998-1. Heist das es darf kein Zement enthalten sein? Ob Luftkalk oder Hydraulischer Kalk wäre ja erst mal egal, es wäre ja auf jeden Fall ein Kalkputz.

Wichtig wäre für mich zu wissen wie viel Zement in dem Kalkputz sein darf ohne des er Kalk-Zementputz heißen muß bzw. er in Mörtelgruppe PII in der Prospektangabe eingeordnet werden muß.

Im Sicherheitsdatenblatt steht ja nicht die Rezeptur des Putzes. Lediglich unter "Gefährliche Inhaltsstoffe" habe ich diese Werte gefunden.

Da ich an die Rezeptur / Volldeklaration nicht herankomme wäre interessant zu wissen ob man den Zementanteil im Putz nachweisen kann?

Gruß Ratsuchender



Kalkputz



Es gibt nur wenige Kalkputze ohne großartigen Zementanteil (<10-25%) auf dem Markt. Von den großen Herstellern kenne ich fast kein Produkt.
Der Zementanteil wird gerne verschwiegen, u.a. wird Weißzement zum kaschieren der Farbe eingesetzt.
Hilfreich zur Bewertung der Zusammensetzung ist meist nur das Sicherheitsdatenblatt, da erkennt man den Zement ganz schnell.
Geeignet wäre evtl. die von einigen Kollegen gern genannten Solubel-Produkte.
Schöne Grüsse,
Thomas Leyh



Aber



wieviel Zement darf in einem KALK-Putz sein das er noch als KALK-Putz verkauft werden darf. Wenn ich mal die Daten aus dem Sicherheitsdatenblatt heranziehe geht das Verhältnis Kalk zu Zement im Bindemittelanteil bestenfals von 1:1 bis schlechtestens 1:10. Wenn ich als Endkunde einen KALK-Putz kaufe, muss ich dann akzeptieren, dass in dem Putz mindestens so viel Zement wie Kalk bis zu 10x so viel Zement wie Kalk enthalten ist. Ich kaufe schließlich einen KALK-Putz, keinen Kalk-Zementputz und keinen Zementputz.

Gruß
Ratsuchender



Ein



geringer Zementanteil ist zulässig, das Material gilt dann immer noch als Kalkputz. Auch sind Kunstharzbestandteile zulässig.
Wer einen reinen Kalkputz will, sollte selber mischen oder bei der Bestellung eine klare Definition treffen, z.B. "Reiner Kalkputz ohne Zement- und Kunstharzbestandteile", dann ist der Lieferant genagelt und muss dann falsch geliefertes zurücknehmen.
MfG
dasMaurer



Was



bedeutet denn aber "ein geringer Zementanteil". 50% des Bindemittels sind doch kein geringer Anteil mehr. Weis jemand ob das irgendwo geregelt ist?

Gruß
Ratsuchender



Mörtel



Bei der Festigkeitsklasse CS II von Putztmörtel liegt die 28-Tagefestigkeit zwischen 1,5- 5 N/mm², das ist relativ weich.
Mit einem selbstgemischten Luftkalkputz kann man ohne Weiteres höhere Festigkeiten erzielen.

Zum Vergleich:
In der Gruppe CS 1 sind es 0,4 - 2,5 N/mm².
CS III liegt zwischen 3,5 und 7,5 N/mm², CS IV über 6 N/mm²
Die Festigkeitsklassen von Beton bewegen sich zwischen 15 und 60 N/mm².
Nicht die Zusammensetzung, sondern die Festigkeitsklasse ist die entscheidende Eigenschaft bei Putz.
Und die wird i.d.R. eingehalten.
Die Zementzugaben in Putzen sind der besseren und vor allem schnelleren Verarbeitung geschuldet. Bei mehrlagigen Putzen müsste der Unterputz erst lange durchhärten, bis die nächste Lage aufgetragen werden kann.
Ich glaube das in Ihrem Putz Wasserkalk mit enthalten ist. Der kann je nach Ausgangsmaterial auch grau aussehen.
Das mit dem Zement ist, so wie ich das sehe, eine reine Vermutung Ihrerseits, ebenso die Festigkeit des Putzes.
Wichtig ist, das der Putz weicher ist wie der Untergrund, auf dem er aufgetragen wird.
Schauen Sie sich das Produktdatenblatt noch mal in Ruhe an!
Wenn Sie reinen Luftkalkputz haben wollen, dann entweder wie schon geschrieben selber mischen oder Sie nehmen PI der Festigkeitsklasse CSI. Da ist der Anteil an hydraulischen Beimegungen geringer bis 0.
Für was ist denn der Putz vorgesehen?

Viele Grüße

p.s.
Auch die Fa. Solubel fügt ihren Kalkputzen bei bestimmten Anwendungsbereichen hydraulisch wirkende und andere Beimengungen zu.