Lehmputz kreidet massiv! Welche Grundierung bzw. Oberflächenverfestigung kann Abhilfe schaffen?

16.11.2012



Hallo!
2008 haben wir unser Haus von Grund auf renoviert und Lemputz der Firma Claytec durch einen Fachbetrieb einbringen lassen. Wir haben uns damals bewusst für weißen Feinputz entschieden, damit wir die Wände nicht weiter bearbeiten müssen, z.B. streichen.
Von Anfang an haben wir das Problem, dass unser Lehmputz stark kreidet. Jeder Kontakt mit den Wänden führt z.B. zu weißen Händen oder weißer Kleidung. Kleidungsstücke können wir nur in Schränken aufbewahren. Außerdem haben wir eine sehr starke Staubbelastung im Haus, die zu gesundheitlichen Belastungen führt. Die Kinder wie auch wir können nachts nicht gut schlafen, bekommen schlecht Luft und haben ständig belegte Schleimhäute.
Unsere Reklamationen bei der Firma Claytec und bei dem verarbeitenden Fachbetrieb wurden während der ganzen Jahre nicht zu unserer Zufriedenheit bearbeitet, sodass wir einen unabhängigen Sachverständigen beauftragt haben, der in einem jetzt vorliegenden Gutachten gravierende Mängel dokumentiert hat.
Wir haben uns in der Zwischenzeit darauf geeinigt, dass der Lehmputz mit einer Grundierung bearbeitet und dadurch verfestigt werden soll. Probeweise wurde ein Raum mit Kaseingrundierung der Fa. Kreidezeit gestrichen, das Ergebnis war zufrieden stellend, aber damit tut sich ein neues Problem auf:
Unsere Kinder sind Allergiker. Sie reagieren allergisch auf Hausstaub und auf verschiedene Nahrungsmittel, vor allem auf Eiweißprodukte wie Milch usw. Da die Kaseingrundierung auf Quarkbasis hergestellt wird, würden wir den Staub wahrscheinlich binden, aber Eiweiß an den Wänden haben.
Hat jemand Erfahrungen, wie sich Kaseinprodukte bei Allergien auswirken können?
Diverse Beratungen bei Baubiologen haben uns noch nicht weitergeholfen. Wir wissen, dass die Kaseingrundierung sehr schimmelanfällig ist. Das wäre ein zusätzlicher Grund, davon Abstand zu nehmen, weil wir den Schimmel auch schon im Haus hatten und eine teuere Sanierung vornehmen mussten.
Eine weitere Auskunft war, dass wir keine Grundierung auf Mineralputzgrundlage aufbringen sollen, da diese zu viel Spannung auf den Lehm bringen würde.
Wir sind ziemlich ratlos, wie und mit welchem Produkt oder Verfahren wir unser Lehmputz festigen können, um die extreme Sandung und Kalkung in den Griff zu bekommen.
Hat jemand eine Idee? Oder kennt jemand die Problematik?



Wenn



der Lehmputz angenässt und ausgekehrt wird, könnte sich die Situation erheblich verbessern.

Alternativ könnte auch Wasserglas zu verfestigung eingesetzt werden.

Grüße aus Koblenz Gerd



Wie siehts



mit Tylose aus ? Vertragen das die Kinder auch nicht. Dann würd ich nähmlich die Oberfläche mit Tyloselösung festigen !



Ich



persönlich würde es mit einem Lehmanstrich probieren,eventuel
zuvor mit einer Lehmputzgrundierung verfestigen.

Grüße Larry



Zelluloseleim



kann die Lösung sein. Handelsüblich ist dieser als Tapetenkleister, welcher farblos, transparent abtrocknet. ACHTUNG! Es ist der Kleister einfachster Ausführung - in kleinen Papiertütchen. Ich würde diesen 2x auftragen, in verdünnter Form ca. 3/1 bis 5/1. Bitte Probefläche anlegen.



Auf meinen Baustellen...



...wurde sehr oft mit Lehm gearbeitet, daher einige Beobachtungen:

Die Festigung mit Wasserglas funktioniert sehr gut. Das ist zudem ein rein mineralisches Produkt ohne Allergiepotential. Zur richtigen Konzentration sollten Sie sich aber noch befragen. Bei zu hohen Konzentrationen soll es auch zu Schalenbildungen kommen können.

Der fachgerechte Auftrag (gut verrieben statt nur draufgeschmiert)von Lehmfeinputz löst Ihr Problem ebenfalls.

Ihr jetziger Putz ist vermutlich zu mager und / oder falsch aufgebracht.

Zelluloseleim funktioniert sicher in der richtigen Konzentration, kann aber auch Futter für den Schimmel bieten, ebenso wie Tylose (was ja wohl in etwa das Selbe ist).

Viel Erfolg

Thomas



Möglicherweise...



...hilft auch die Abkehr vom "Öko-Lehm-Wahn".

Sucht euch sterile, anorganische, Varianten. Allergien, vor allem bei Kindern rühren, soweit ich weiß, oft daher, dass sie von jedem "Dreck" ferngehalten wurden.

Da könnte Lehm schlichtweg die falsche Lösung sein!

Grüße
Martin



Was für eine...



...überflüssige Anmerkung.

"Öko-Lehm-Wahn"? Was das wohl sein mag?

Lehm ist bekanntlich anorganisch. Und scheinbar geht's hier nicht um zuwenig, sondern um zuviel Dreck bzw. Staub.

Grüße

Thomas



richtig!!



..deshalb ja auch Allergien. Es ist zuviel Dreck und Staub. Im Hinblick auf die allergen veranlagten Kinder sollte man das reduzieren. Was anderes habe ich oben nicht beschrieben.

Im übrigen habe ich "Öko-Lehm-Wahn" in Anführungszeichen geschrieben, was einen gewissen Ironiespielraum offen ließe, wenn der Lesende dazu in der Lage wäre.

Im übrigen übe ich mich gerade im Verfassen "überflüssiger Anmerkungen", denn so gut wie du, kann ich das noch lange nicht.

Aber kann ja noch werden.



Ich habe...



...nicht die leiseste Ahnung, warum bei einer einfachen und sachlich zu klärenden Frage der Ironie-Button gedrückt werden muß.

Ferner, warum eine klare Falschaussage (warum Lehm keine "sterile, anorganische" Variante sein soll, erschließt sich mir nicht) Ironie sein soll.

Grüße

Thomas





möglicherweise habe ich die Frage zu genau gelesen. Da ist nämlich von Kasein, Staub- und Eiweisallergie zu lesen. Aber eben alles Öko oder?
Vorallem aber oraganisch. Auch Lehmputze oder Lehmbaumaterialien haben im Allgemeinen organische Bestandteile. Der Lehm an sich ist anorganisch, okay!

Ironie deshalb, weil ich vermute, dass dort alles Öko sein soll, dabei aber vergessen wurde, die Organismen der Kinder darauf "vorzubereiten".

Möglicherweise sollte ich mir abgewöhnen die Fragen genau zu lesen. Scheint nicht modern zu sein, hier!



Vielen Dank für die vielen Beiträge!



Hier einige Rückmeldungen:
1.An den Wänden wurde brauner Lehmputz aufgebracht, darauf kam Claytec-Feinputz in weiß.

2.Verschiedene „Sanierungsarbeiten“ wie z.B. abkehren usw. wurden selbstverständlich schon durchgeführt.

3.Gestern hatte ich ein Beratungsgespräch mit der Firma Kreidezeit. Hier wurde mir auch Lizium-Wasserglas, Vega-Grundierung oder Kleister empfohlen. Das versuchen wir nächste Woche auf einer kleinen Fläche.

4.Zum Thema Öko-Wahn …… Als das Haus renoviert wurde, waren unsere Kinder noch nicht geboren, darum war das Thema „Allergien“ zu dem Zeitpunkt für uns nicht relevant.
Die Stauballergie der Kinder hat sich nach ärztlicher Meinung erst durch die hohe Staubbelastung im Haus entwickelt.
Natürlich wollten wir unser Haus so ökologisch wie möglich sanieren und uns möglichst keine Giftstoffe ins Haus holen. Ich bin in einem „Lehmhaus“ aufgewachsen und weiß um die Qualitäten des Lehmputzes. Ich hoffe, dass wir mit der richtigen Bearbeitung, jetzt auch eine Oberflächenfestigung erreichen können.

Und dann geht es weiter um den Farbanstrich, der nach bisherigen Empfehlungen kein Casein enthalten sollte wegen der Milcheiweißallergie der Kinder.



es fällt...



...die Vega-Grundierung von vornherein aus (Casein). Kleister ist Schimmelpilzfutter (methylzellulose).

Lithium-Wasserglas verwende ich gern bei akuter Schimmelpilzgefahr, als festigende Imprägnierung kenne ich es nicht. Eine festigende Wirkung vermute ich auch nicht, da es wasserlöslich bleibt.

Ich empfehle also das Na/K- Wasserglas, mehrfach gut verdünnt aufgetragen

http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserglas

Grüße

Thomas



Lithiumwasserglas



So schreibt Kreidezeit :
Verkieselndes Bindemittel für alle Putze im
Innen- und Außenbereich. Für Lehmputze nur
im Innenbereich.
Im Lehmbau wird häufig eine feste
Oberfläche verlangt ohne einen Farbanstrich
aufzutragen, wobei der Putz in seinem
ursprünglichen Erscheinungsbild erhalten
werden soll.
Das Rieseln der Putzkörnchen ist durch
einfaches Abfegen oft nicht aufzuhalten.
Lithiumwasserglas hat eine hervorragende
festigende Wirkung ohne die
Wasserdampfdiffusion zu beeinträchtigen.
Weil kaum Pottasche enthalten ist kommt es
nicht zu den weißen Ausblühungen wie von
Kaliwasserglas.
Lithiumwasserglas wird u. a. zur Festigung von
Naturstein in der Restaurierung eingesetzt und
als Bindemittel für Wandlasuren auf
Kunststoffdispersionsfarben verwendet.
Ich werde es mal versuchen...



Wat fürn Mist...



A. Sonntag

Ich kenn diese Problematik und die Lösung...

Wasserglas, Kaliwasserglas oder was fürn Wasserglas auch immer zum Verfestigen?

Man nehme:


1 Teil Sumpfkalk gut abgelagert
6 Teile Magerquark 0,1% Fett


alles gut mischen, ca 10min ruhen lassen, dann mit Wasser zu einer wässrigen Lösung verdünnen.

Diese Mischung dünn auftragen und trocknen lassen. Wischtest machen und bei Bedarf wiederholen.

Streichbar, spritzbar, rollbar. Nicht zu satt auftragen, die Oberfläche sollte nach der Behandlung nicht glänzen.


Ich benutze die Mischung als Untergrundbehandlung bei Lehmputz und stark sandende Untergründe...

Ich glaub nicht, daß die Kinder auf diese geringen Mengen gebundenen Milcheiweißes reagieren, ein Blindtest würde da Klarheit schaffen. Milcheiweisalergie bei Kuhmilchunverträglichkeit gut und schön, aber dann gib Deinen Kindern zu essen, damit sie sich nicht am Putz vergreifen....sfg
Im Notfall kann man diese Verfestigung nochmals mit einem Anstrich versehen. auf diesen Untergrund hält sogar Dispersionsfarbe...


Andreas



@ A. Sonntag



So kann man sogar Sonntags dazulernen :-)

Die Festigungswirkung war mir nicht mehr erinnerlich. Ich hatte weiland ein Mittel gegen Schimmel gesucht - klarer Fall von selektivem Lesen. Steht ja auch im Produktblatt bei Kremer Pigmente, wo ich mein Lithiumwasserglas bezogen habe.

Viel Erfolg

Thomas



Aufwand/Kosten?



Lithiumwasserglas scheint ja für den Zweck okay zu sein.
Es werden aber für die Überarbeitung der ganzen Wände (wieviel m² sind es zusammen?) nicht unerhebliche Kosten anfallen. Wer kommt jetzt dafür auf? Warum sind Claytec bzw. der Fachbetrieb nicht auf die Idee mit dem Verfestigen mit Wasserglas gekommen?

Und: Hätte man sich den ganzen Ärger nicht sparen können, wenn man die Wände von vorneherein mit einer Sumpfkalkfarbe gestrichen hätte und auf die Nummer mit dem offensichtlich zu mageren weißen Lehmfeinputz verzichtet hätte?

Konnte der hinzugezogene Sachverständige feststellen, dass der Feinputz evtl. nicht gemäß der Herstellervorgabe angemischt war? Vor einiger Zeit gab es hier einen Thread, in dem es um möglichst hochweißen Lehmputz ging. Dort wurde erklärt, dass Lehmputz nur bis zu einer bestimmten Grenze weiß sein kann, weil der Grundstoff, also auch die hellsten natürlichen Lehmarten nicht reinweiß sind und Zumischung von weißem Marmormehl o.ä. die Materialeigenschaften negativ beeinflusst.

Mich wundert halt, dass es bei derart eingeführten Produkten wie von Claytec/Yosima zu so einem Totalversagen kommen kann, obwohl alle Verarbeitungsrichtlinien eingehalten wurden. Inzwischen sind Claytec/Yosima-Feinputze auch in Museen, Banken, Architekturbüros usw. zu finden und ich kann mir nicht vorstellen, dass man dort so ein Kreiden/Stauben akzeptieren würde.



und warum



nicht einfach mit Lehmfarbe streichen?
Ist zwar nicht preiswert, aber das "festigt" die Oberfläche auch?



die Frage ist schon etwas abgestanden



aber:

Lehmfarben enthalten auch Beimengungen, die hier als Putzverfstiger diskutiert wurden:

Methycellulose = Kleister
Kieselgur = das, was nach Verfestigung der diversen Alkali Wassergläser (neben Alkali-Carbonat) übrigbleibt
und auch Casein.
Bei Vega von Kreidezeit allerdings als Pflanzenkasein deklariert, das besonders als "allergiker-geeignet" bezeichnet wird.

Was Pflanzenkasein eigentlich ist, erschließt sich mir nicht wirklich. Immerhin ist Kasein der wichtigste Eiweiß-Bestandteil der Milch und in der Tat für die meisten Kuhmilchallergien verantwortlich.

Das Pflanzen gleichzeitig auch Säugetiere sind, stimmt ja bekanntermaßen nicht, so ist "Pflanzenkasein" wohl ein pflanzliches Eiweiß mit ähnlichen Eigenschaften. Ob man darauf auch allergisch reagieren kann, halte ich nicht für augeschlossen, es ist aber wohl viel seltener.
Der Allergologe kann das (vorab) testen.

Das mit den Allergien ist eine schwierige Sache, insbesondere mit dem Staub. Die klassische Haus-Stauballergie ist eine Allergie auf die Sch..ße der Hausstaubmilbe, die wohnt im Bett eines jeden Zeitgenossen, egal was an der Wand ist.
Hier sind z.B. Kunstfaser Bettwäsche und glatte Oberflächen viel besser als natürliche Materialien.

Die Bestandteile des Lehmes sind anorganisch: Ton, Sand, Schluff, also im wesentliche fein bis sehr fein zerriebenes Gestein. Allergien hierauf sind mir nicht bekannt (sonst dürften die Kinder bei Wind auch nicht mehr an den Strand oder in die Sandkiste).
Allerdings können die Stäube natürlich andere Allergene transportieren, z.B. das Kasein wenn man es daraufgestrichen hat!

Warum die Kinder husten, wird sich ohnehin schwer klären lassen, wenn vorab schon Allergien bekannt sind.

Ich würde die Wände mit einer Sumpfkalkfarbe überstreichen, die ist für allergiker gut geeignet, erhält die Eigenschaften des Lehms, dringt in die Oberfläche ein und verfestigt sie auch, es bleibt weiß und es schützt gegen Schimmel.
Vorher sorgfältig abfegen und auch eine Probefläche anlegen ob's wirklich hilft.

Vielleicht ist das Problem aber schon lange gelöst

Gruß G