Hilfe bei der Putzauswahl

11.10.2011 joerjen



Hallo Leute...

ich stehe nun vor der Wahl, welchen Putz ich im Erdgeschoß verwenden sollte. Das EG besteht aus Nebenräumen und meiner Werkstatt und soll per Wandheizung beheizt werden...so 16-18°C Raumtemperatur sollten da dicke ausreichen.
Die Außenwände bestehen aus Hartbrandklinkern (ca. 40cm dick) und sollen noch mit einer leichten Innendämmung aus Holzweichfaser gedämmt werden auf der dann auch die Wandheizung sitzt. Die Innenwände bestehen zum Teil aus Ziegel- und zum Teil aus Porotonmauerwerk.

Die Fundamente der Außenwände bestehen aus vermauerten Natursteinen und es gibt keine Horizontalsperre - das Mauerwerk ist aber trocken (auch vor der Sanierung gab es keine Anzeichen von Feuchtigkeit), zumal der Fußboden EG etwa 0.5m über dem Geländeniveau sitzt.

Nun würde ich gern im Winter die Räume Verputzen - Kalk- und Lehmputz stehen zur Auswahl...die Heizung ist zu dem Zeitpunkt nicht angeschlossen, d.h. eine forcierte Trocknung kann nicht stattfinden - ich kann die Räume jeweils nur per Heizer frostfrei halten...

Welchen Putz würdet ihr hier empfehlen?



Egal



womit geputzt wird die Räume müssen frostfrei bleiben.

Die Trocknung kann auch durch ein Raumentfeuchtung unterstützt werden.

Ich denke, dass die Lehmputze besser auf der Weichholzfaserplatten haften und einfacher zu Verarbeiten sind.

Grüße





Hallo...

dass die Räume frostfrei bleiben müssen, ist mir natürlich klar.
Meine Angst besteht darin, dass der Lehmputz sehr lange zum Trocknen braucht und dann vielleicht schimmelt?!?
Ich habe hier immer gelesen, dass die Wandheizung beim Putzen in Betrieb sein sollte - dient das nur zur schnelleren Trocknung, oder soll damit auch bewirkt werden, dass die Rohre sich ausdehnen und genug Platz im Putz haben?!?



Die Wandheizung



sollte beim Verputzen aus sein. Sonst zieht der Putz am Rohr schnell an und läßt sich schlecht ausglätten. Nach dem Putz kann Lehmputz durch das Beheizen getrocknet werden. Ein Notwendigkeit besteht aber nicht.

Wichig ist das der Putz trocknet, das kann aber auch z. B. durch eine Querlüftung sichergestellt werden.

Ich würde nicht nur aus diesem Grund ein Rohr mit geringen Temperaturausdehungskoeffizienten wählen, reines Kunstoffrohr ist da nur bedingt geieignet.

Grüße





Hallo Gerd,

gut, dann hatte ich das falsch verstanden.

Eigentlich hatte ich vor, Metallverbundrohr dort anzubringen, damit ich mit entsprechendem Gerät auch vor dem Bohren einfach Leitungen finden kann.



Auch ich



würde eine Mettalverbundrohr aus PE und Aluminium wählen, das wenig Rückstellkräfte hat.

Hast Du schon eine Auslegung für die Wandheizung?

Grüße





Nein, die Auslegung habe ich noch nicht. Ich habe aber bereits mit meinem "Sanitäter" darüber gesprochen und er würde die Auslegung von seinem Lieferanten machen lassen...und ich hoffe, mich auf diese Auslegung verlassen zu können.

Welche Nachteile hätte denn die Überdimensionierung - oft habe ich den Eindruck, dass Berechnungen eher in diese Richtung gehen.



Eine Überdimensionierung



hat den Nachteil das es mehr kostet und mehr Wandfläche benötigt wird, die auch verputzt werden muss.

Vorteile sind kurze Reaktionszeiten und niedrige Vorlauftemperaturen.

Grüße





Hallo...

ich muß die Wände ja sowieso verputzen. Die Wände an denen weniger Wandheizung wäre, muß ich ja trotzdem mit der höheren Putzdicke versehen. Von daher wäre allein der Mehrpreis der Rohre und Halteschienen der Nachteil.

Gibt es außer den Clipschienen noch andere Möglichkeiten, die Wandheizung auf der Holzweichfaser zu befestigen?



Natürlich gibt es



andere Möglickeiten wie z. B. ein Lochband mitdem das Rohr dirkt auf der Platte befestigt werden kann. Nur wird dan die Leistung des Rohrs reduziert.

Anbei zur Information ein Foto vom möglichen Aufbau.

Grüße





Lochband - auf die Idee bin ich ja noch gar nicht gekommen. Da habe ich ja noch so einige Meter liegen.

Hat denn schonmal jemand sowas mit Kalkputz ausgeführt, d.h. Holzweichfaserinnendämmung und Wandheizung darauf?



Haben wir auch schon



gemacht.

Grundsaätzlich ist es einfacher auf den weichen Platezen mit einem zäh elastischen Putz wie Lehm, der sich auch durch ein gutes Anhaftungverhalten auszeichnet zu arbeiten.

Grüße





Hallo Herr joergen,
wie stark soll den die Holzweichfaserdämmplatte den werden? Mit der Innendämmung jeglicher Art werden Sie sich den Temperaturnullpunkt weit nach innen ziehen, denn die Wand wird durch die Dämmung nicht mehr genügend erwärmt. Um so stärker gedämmt wird, um so tiefer komm der Temperaturnullpunkt nach innen. Und da kann es sehr schnell passieren, dass an den nun kälteren alten Innenwandflächen das Wasser auskondensiert, nämlich das, was durch die Holzweichfaserplatte hindurch diffundiert ist. Holzweichfaserplatten sind ein guter Dämmstoff, aber in diesem Bereich würde ich darauf verzichten. An Ihrer Stelle würde ich mir dies noch mal überlegen. Aus meiner Sicht ist es besser mit dem gleichen Material innen weiter zu arbeiten. Also mit etwas besser dämmenden Ziegelsteinen, besser noch Baustoffe aus Blähton oder am besten sind aus meiner Sicht Lehmbaustoffe geeignet. Es gibt mittlerweile gute fertige Lehmprodukte mit organischen und anorganischen dämmenden Zuschlägen und auch können diese selbst ideal hergestellt werden. Lehm ist für Sie zum Selbstbau ein genialer Baustoff. Nehmen Sie in Ihre Überlegungen z.B. Leichtlehmsteine mit auf. Auf diese können Sie dann innen mit der gewünschten Wandheizung ideal arbeiten, auf der Sie beide vorgeschlagenen Putze auftragen können. dem Lehm wäre dem Vorrang zu geben wegen seiner besseren Qualitäten.

Egal wie Sie vorgehen, würde ich Ihnen doch raten, unmittelbar nach der Herstellung des Putzes diesen durch die Wandheizung zu trocknen. Einige Hersteller verwenden organische Beimengungen in den Lehmputzen leider auch den Kalkputzen. So kann es sein, das z.B. Eiweißausblühungen auftreten, sich auf der Oberfläche Schimmel bildet oder gar Pilze wachsen. Ja auch das geht, wenn es feucht genug ist.

Viele Grüße
Michael reisinger





Hallo Herr Reisinger,

die Holzweichfaserplatte soll 2cm stark werden. Was Sie allerdings mit dem Temperaturnullpunkt meinen, erschließt sich mir nicht. Ich kenne zwar den Taupunkt aber ihr Begriff erschließt sich mir nicht.
Die Variante mit Leichtlehmsteinen mag interessant sein, jedoch ist der Dämmwert deutlich schlechter und der Raumverlust deutlich höher. Der Effekt mit dem Taupunkt ist aber auch hier vorhanden...sicherlich etwas weniger aufgrund der schlechteren Dämmwirkung.

Das Trockenheizen eines Lehmputzes ist gut, ohne Frage...aber bei einem Kalkputz halte ich das eher nicht für vorteilhaft.





Temperaturnullpunkt: das ist der Punkt, der oftmals vergessen wird. Er beschreibt genau den Punkt in der Konstruktion, an dem die Temperatur 0°C beträgt. Wenn Sie Ihre Konstruktionen selbst durchgerechnet oder durchgerechnet haben lassen haben, so können Sie dies in den jeweiligen Diagrammen sehen.

Ich bin gespannt, was die Holzfasern anstellen, wenn die auf den feucht gewordenen Klinkern anliegen. Schade finde ich, dass Erfahrungen über Mängel selten weiter gegeben werden. Daher mein Tipp, wenn Sie die HWD-Platte einbauen sollten, dann sollte die wenigstens im Lehm liegen um die auf jeden Fall entstehende Feuchtigkeit auf der Fläche zu verteilen und einen besseren Transport des Tauwassers zu ermöglichen. Ich würde gern die Erfahrungen in 10 Jahren hören. Meiner Meinung nach gehören in Problembereiche keine organischen Materialien.
Diffusionswiderstand von Kalk/lehm 7/8
Diffusionswiderstand von HWD-Platten 2/5
Diffusionswiderstand von Klinkern 380-470
Jetzt versetzen Sie sich mal als Wassermolekühl in diese Situation.

Ja, die Lehmsteine verringern die Innenfläche, erhöhen aber gewaltig die Raumqualität. Um das herauszufinden muss man natürlich solche Objekte vergleichen können. Der Lehm wird jedoch die entstehende Feuchte besser aufsaugen und nach innen verteilen. Und woher wissen wir, dass die Dämmwirkung schlechter ist. Gar nicht. Was jedoch von einigen versucht wird zu beweisen, ist, dass Einiges in den Berechnungen der Enev mehr hingebogen wurde, als auf wahrer Physik beruht und dass einige Werte wie z.B. Sonnenerträge auf den Wänden oder die Strahlungszahl von Baustoffen ganz vergessen wurde. Und da muss man sich fragen warum. Wem hilft dieses.

Und Dämmen ist nicht alles – es muss ein guter Mix aus Dämmung und Speicherung von Energie vorhanden sein. Die TU Dresden hat in den 90-ern herausgefunden, dass das Vergleichobjekt aus hoch gedämmten Porenbeton mehr Energie verbraucht als ein aus schlechterem Baustoff hergestellten Stein welcher eine bessere Wärmespeicherung aufwies. Da lohnt es sich zu überlegen.

Trockenheizen: das ist richtig, dass Kalkputz eher noch mit Wasser versorgt werden muss als zwangsgetrocknet zu werden. Das meine ich aber nicht. Ich würde nie einen Kalkputz zusätzlich mit Wärmeversorgen (also bei unseren Objekten), außer unmittelbar nach dem überputzen der Wandheizung. Kurz aufdrehen und wieder abschalten so dass sich die Rohre „Platz“ verschaffen können. Dann muss der Putz eher etwas feucht gehalten werden um auszucarbonatisieren. Und was macht da in diesem Zeitraum Ihre 2 cm HWD-Platte oder der Kalkputz mit organischen Beimengungen von Tütenmix & Co. Es gibt kaum einen Hersteller der wirklich nur anorganische Stoffe im Kalkputz hat – leider. Daher mein Tipp (für den Kalkputz) in andere, besser geeignete Monate verlegen.

Viele Grüße
Michael Reisinger



Sie



schreiben "Schade finde ich, dass Erfahrungen über Mängel selten weiter gegeben werden"
Als Unternehmer und Gutachter der mit solchen Produkten seit fast 20 Jahren auseinandersetzt, stelle ich fest, dass die schlechte Erfahrungen sehr schnell zurückkommen die guten aber selten.

Ich hab selbst ein denkmalgeschützes Gebäude das ich mit einer leichten Innendämmung und eine Wandheizung ausgerüstet habe. Hier blicke ich auch fast 12 Jahre Erfahrung im eigenen Haus zurück. 2010 haben wir auch wegen der energetischen Optimierung den 1. Bundespreis in der Denkmalpflege erhalten. Unsere innengedämmten Wandkonstruktionen sind schadensfrei auch auf schwierigen Untergründen wie neue hartgebrannte Ziegel und Bruchsteinmauerwerk.

Natürlich ist dämmen nicht alles und viel hilft nicht viel.

Aber auch ohne Dämmung sind oft Schadensfälle auch kalten ungedämmten Bauteilen zu beochten und kommen in meiner Praxis als Gutachter öfters vor.

Auch durch die Wandheizung finden der Feuchtigkeitstransport nach innen statt und wird dort über die Kapilarität des Lehms sehr gut verdunstet.

Grüße