Putz für Wandheizung

20.01.2011



Hallo,

wir wollen unser Haus vollständig mit Wandheizung beheizen. Das Haus ist aus Leichbetonsteinen gebaut und wird mit einer Außendämmung (Zellulose i.V.m. Holzfasse) gedämmt.

Aufgrund der für das Raumklima guten Eigenschaften sowie der guten Wärmeleitfähigkeit und -speicherung hatten wir uns für das Verputzen der Heizungsrohre ursprünglich für Lehm entschieden.

Allerdings haben wir uns jetzt doch für den Einbau einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung entschieden. Damit werden die guten klimatischen Eigenschaften des Lehmputzes wieder zum Teil aufgehoben. Die Wärmespeicherung erfolgt ja m.E. eh zu einem großen Teil auch mit in den Leichtbetonsteinen. Auch ist das Verputzen mit Lehm ziemlich teuer. Daher sind wir am überlegen, jetzt doch auf einen anderen Putz (der vor allem günstiger ist!!!) umzuschwenken.

Habt ihr diesbezüglich Erfahrungen, Vergleiche oder Sonstiges? Gemäß der Hersteller ist ja sogar Gipsputz für Wandheizung möglich.



Von Gipsputz...



...würde ich abraten.
Kalkputzsystem, z.Bsp. Hessler-Kalkputz-System ist wohl die bessere Lösung!



Putz für Wandheizung



Lehm ist natürlich optimal in Verbindung mit einer Wandheizung.Wenn es kein Lehm sein soll würde ich auf Luftkalkmörtel verwenden,diesem setzen wir ein wenn Lehmputz nicht möglich ist.Die verwendung von Lehmputz ist "relativ" einfach bei Luftkalkmörtel gibt es einiges zu beachten,bei der Verarbeitung.Das System mit Lufkalkmörtel ist nicht wirklich billiger als Lehmputz .

Grüße aus Sachsen
Torsten Selle





Hallo,

Gipsputz gibt die besten Risse. Luftkalkmörtel ist relativ elastisch, und unschlagbar billig als Baustellenmischung:
Sand + Weißkalkhydrat, fertig ist der Putz.
Werksfertigmischung sind im Hinblick auf irgendwelche Einbausituationen immer gut optimiert, haben m.E. aber den schwerwiegenden Nachteile, daß bis zu 3/4 Sand durch die Gegend gefahren und auch bezahlt wird. Ich sehe nicht ein, daß ich Sand aus dem Allgäu nehmen muß, wenn ich im Rheinland baue. Im Hinblick auf den Transportaufwand spricht also alles für die Baustellenmischung.
Nachteil: wenn Sie nicht sorgfältig arbeiten, sieht eben jede Charge anders aus.
Nehmen Sie örtliche Produkte !

Grüße vom Niederrhein



Der



Putz solltte schwer sein ca. 1500 kg/m³.

Meine erste Empfehlung wäre Lehm dann Kalk-

Für die Putz gelten unterschiedliche Verarbeitungshinweise die unbedingt einzuhalten sind.

Grüße aus Koblenz Gerd



billig muss nicht gut sein,



wenn man bedenkt dass mit Lehmputz des Wohngefühl zu einem Wohlgefühl wird. Und das bis ans Ende der Tage.
Besonders bei einer Wandheizung können alle Vorteile des Lehms, von der Wärmespeicherung bis zur Feuchteregulierung und Dämpfung des Raumschallpegels optimal genutzt werden.

mit lehmigen Grüßen
L.Hunziger



Lehmersatz



schaut mal bei Marmorit rein

Ich selbst habe sehr sehr gut Erfahrungen mit Rotkalk
Den kann jeder gipser mit gängigen Machienen verarbeiten

Gruß
Hanne





Hallo,
Von Gips kann man schon aus raumklimatischer Sicht diesen abraten. Gips ist zwar baubiologisch OK, leider nimmt er jedoch viel zu langsam die Feuchtigkeit aus der Raumluft auf. Mit 4 Personen mal testen wenn z.B bei Freunden solch einer eingebaut ist oder in einer Musterhausausstellung. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass schon nach einer halben Stunde die Luftfeuchtewerte so hoch werden, das man sich unwohl fühlt. Da puffert der Lehm natürlich besser. Dem oben geschriebenen kann ich mich nur anschließen - Lehm an erster Stelle, dann kalk. Bei Kalk muss man jedoch sehr zaghaft mit dem Heizen sein. wir hatten da einige Probleme mit Rissen mehr als bei Lehm. Und wissen muss man auch, das Kalkputz die doppelte Wassermenge beim abbinden freisetzt, die als Anmachwasser zugeführt wurde. Und das kann bei einigen Objekten schon zu viel sein und es kann zu Schimmel während der Bauzeit kommen. Wieviel kostet der Lehmputz? leider müssen wir immer wieder feststellen, das bei einigen Firmen die Preise schon mal 100 % höher liegen, gegenüber den in z.B. den Ausschreibungen wenn ein Planer hinzugezogen wird. Im direkten Wasserkontakt ist Gipsputz jedoch da um vieles hungriger auf Wasser.

Lehmputz bringt jedoch wesentlich mehr als zur das Raumklima hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit ausgleichend zu wirken.

Von was ich jedoch gern abraten würde, ist die zentrale Lüftungsanlage. So weit ich gehört habe, sollen diese wohl in einem der skandinavischen Ländern bereits wieder verboten sein. Zu viele Probleme mit Asthma und trockenen Augen. Aber auch über die Stoffe die die Hersteller in die Rohre einarbeiten, die Bakterien und Schimmel zurückhalten sollen, sollte man nachdenken. Denn diese kommen auch irgendwann in Ihre Raumluft. Und welcher Nutzer reinigt noch dazu seine Rohrleitungen zu 100 % zu den vorgegebenen Wartungszeiten.

viele Grüße aus Radebeul





@Kollege Reisinger:Die Lüftung geht auch "rohrfrei", jedenfalls was die Zuluft angeht. Im übrigen stimme ich Ihnen zu.

Grüße vom Niederrhein



@ domusantiqua



Checken sie doch ganz einfach auch mal die gesamten Inhaltsstoffe ihrer angesprochenen Anbieterempfehlung!
Leider finden sich da drin Zuschläge und Beimischungen, die in rein natürlichen Kalkputzen so nie zu finden wären.
Hängt alles mit angeblicher Maschinengängigkeit zusammen.
Leider eben auch viel Sondermist da drin!

Es gibt aber Kalkputzanbieter die mittlerweile nur noch sehr geringe oder auch gar keine Beimischungen in Form von Zellulosen haben.
Hessler Kalk, Gräfix, um nur einige zu nennen.
Und auch mit der maschine problemlos zu verarbeiten.

Trotzdem favorisiere ich bei Wandheizungen den Lehmputz an erster Stelle.
Das Warum, wurde ja von meinen Vorrednern bereits erörtert.

Grüße Udo



Lüftung geht auch "rohrfrei", jedenfalls was die Zuluft angeht



rohrfrei, ja ich weiß, aber wieviele bauen dies wirklich so ein - und was passiert mit dem Inhalt in dem Entlüftungsrohr wenn es nicht gereinigt wird - aber da sind wir schon bei einem anderen Thema



Herr Reisinger...



...hier mal einige Vorteile von Reinkalkputzen:
-hoch diffusionsoffen
-pilz- und schimmelwidrig
-feuchtigkeitsentziehend
-Reinigung der Innenluft (Abbau von Schadstoffen)
-für Allergiker geeignet
-individuelle Oberflächengestaltung von rustikal bis edel, naturbelassen, einfarbig, mehrfarbig, Glitzereffekte
Reinkalkputze
Das Hessler-Kalksystem ist ein Reinkalk-System. Dies bedeutet, dass im Gegensatz zu vielen anderen am Markt erhältlichen Produkte ausschließlich kalkgebunden und damit frei von synthetischen Bindemitteln, Zement, Gips etc. sind sowie keinerlei Konservierungsstoffe enthalten.
Wenn man keine Ahnung hat, wie man mit Lehmputz arbeitet, kann es auch schnell in die Hose gehen, wie das Foto zeigt!
Ob dies einem Reinkalkputz nach 3 Wochen passiert ist mehr als fraglich.



Vor einer Wandheizung...



sollte man nicht mit Schimmel orakeln, den gibt es da nicht. Ausführungsfehler kann es freilich wie im Lehm, so auch im Kalk geben. "Wenn man keine Ahnung hat..." produziert man halt schöne Aufträge für die nachfolgende Fachfirma, das gilt für alle Bereiche des Baues gleichermaßen.



Ach ja,



über Sinn oder Unsinn der angedachten Lüftung mit Wärmerückgewinnung würde ich doch noch 'mal grübeln. Der Anteil rückgewonnener Wärme wird gern etwas überhöht, das Verkeimen der Leitungen und Register durch die Jahre gern übersehen.

Amortisiert sich das wirklich?

Lehmputz ist hervorragend als Feuchtepuffer für ein ausgegliches Raumklima, dann erscheint mir die Lüftungsanlage (ohne Ihre genaue Situation freilich zu kennen) überflüssig.





Kalkputz finde ich prinzipiell sehr gut, dann bitte aber nicht als Rein- sondern als Reinstkalkputz. Ein kleiner Unterschied, der dem Laien so nicht auffällt. Im Reinkalkputz dürfen meines erachtens ich glaube 3 - 5 % undeklarierte Zusätze mit drin sein. Und da ist schon so mancher Reinkalkputz an der Wand durch den Inhaltsstoff Methylcellulose schimmlich geworden. Und das muss nicht sein. oder ein Baubetrieb wollte uns 1999 einen reinkalkputz verkaufen wo sich dann herausstellte das da ca. 5% Vinylchlorid und Ethylen drin waren.

Also durch eigene verarbeitung und durch Rückinfo von Bauherren weiß ich, dass sich Lehm viel besser Verarbeiten lässt, als ein Kalkputz.

beide Putze haben eine Berechtigung, man muss sich die bauphysikalischen Gegebenheiten des Einbauortes anschauen und dann entscheiden.





Vielen Dank für die vielen Antworten.

In der Tag denke ich jetzt tatsächlich nochmal über eine KWL nach. Nur sehen die derzeitigen Planungen vor, nur die Wandheizungsrohre im Erdgeschoss zu verputzen. Oben wollte ich aus Kostengründen mit Fermacell arbeiten.

Nun denke ich auf einmal doch wieder darüber nach, statt KWL auch das OG mit Lehm zu verputzen.

Preise liegen hier zwischen 35-45 € pro m² an Lehmputz. Alleine im EG sind da schon ca. 100² zu verputzen. Im OG würden nochmal geschätzte 50m² dazu kommen. Und damit würden wir nur die AUSSENWÄNDE mit Wandheizung verputzen. Da die Innenwände aber auch nicht unterschiedlich aussehen sollen und wir nicht den typischen Lehmton haben wollen, wird noch Feinputz oder aber diffusionsoffene Farbe hinzukommen. Und da ist dann ja immer noch nicht sicher, ob nicht immer noch mit zu hoher Feuchtigkeit zu kämpfen habe. Denn auch wenn Lehm viel Feuchtigkeit speichern kann, so muss man auch diese "rauslüften".

Eine KWL wäre immer noch teurer - schon klar. Nur spart man dort zum einen Energie mit ein und zum anderen ist frische Luft garantiert (natürlich nur bei sauberen Rohren).

Puhh... fällt mir echt schwer das Thema. Über weitere Antworten bzw. Meinungen würde ich mich freuen.



Denn...



...frag doch 'mal beim Udo "LehmHandWerk" Mühle einen alternativen Preis an.

Fermacell vor WH? Das behindert den Wärmedurchgang, möchte ich meinen. Die Die Heizleistung dieses Aufbaues würde ich prüfen lassen.





Hallo!
Ich lebe nun seit rund 15 Jahren in einem ca. 100 Jahre alten Haus, in das ich eine Wandheizung eingebaut hat. Teil 1 ca. 1994, Teil 2 2010. Beides mit Lehm verputzt und mit den besten Erfahrungen. Teil 2 habe ich mit dem maschinengängigen Lehmputz ip333 von maxit gemacht. Risse habe ich keine, ich meine sogar, dass Lehm für Wandheizungen überdurchschnittlich gut geeignet ist. Und was den Preis betrifft, da würde ich mir einfach mal zwei, drei Angebote machen lassen. Denn nachdem die Maschinentechnik die Gleiche ist und auch die Mitarbeiter des Unternehmers kein eigenes Seminar brauchen, spielt sich der Unterschied i.d.R. im Materialpreis ab. Ich denke, die Zeiten horrender Preisunterschiede zwischen einem Lehmputz und z.B. einem Kalkputz dürften ziemlich vorbei sein.



@ Roland Döpfner



leide möchte ich ihnen mitteilen,, dass nicht überall, wo Lehm drauf steht auch dieser unbedingt drin ist.
Also Lehm ist schon mit drin, aber eben halt auch anderes Beimengungszeug.
Und warum muss Lehm für Wandheizungen (dicke Auftragsstärken!!!) erst getrocknet werden, um dann wieder aufzumauken?
Dazu kommt noch, dass die modernen Mischtechniken kaum Zeit lassen, diese Tonmoleküle vollständig zum Aufschluss zu bringen.
Das ist aber eine Wichtigkeit, um hohe Festigkeiten des Putzes zu erhalten.
Viele Kunden bemängeln dies bereits, weil stetig feinste Abrieselungen stattfinden.
Und dann wird diesem begegnet, indem mit Verfestigern (pure Chemie mittlerweile!) diese Flächen eingestrichen werden.
Diffusion und Speicherung und Klimatisierung vermindert oder gar tot gemacht.

Nur zum Nachdenken mal gedacht und nicht zur Belehrung oder Gängelung.
Entscheiden soll immer noch der Endverbraucher!

Gruß vom Handwerker.





Danke für die bisherigen Antworten.

Auch wenn ich jetzt nochmal ein wenig abschweife:

Unser Haus besteht ja aus 30 cm Leichtbetonhohlblockziegeln und wird von außen gedämmt. Sollte noch eine Dämmung zwischen Rohren und Mauerwerk oder können die Rohre direkt darauf? (die Suche hier im Forum hat zwar nen Thema dazu ausgeworfen, aber ohne Antwort darauf)



Maschinengängiger Lehmputz



Hallo Herr Mühle,

die Erfahrung, dass der Lehmputz rieselt, habe ich nicht gemacht. Er ist als Grundputz erstaunlich fest und hat sich mit Lehmdünnputzen hervorragend überarbeiten lassen, auch mit Gewebespachtelung. Die Mischung des Lehmputzes schätze ich auf ca. 25 - 30 % Ton, der Rest Sand. Weitere Beimengungen sind mir nicht bekannt, vielleicht ist die berühmte Messerspitze Cellulosepulver drin. Ich denke, so ähnlich wird es auch im konventionellen Bereich sein, dass das Korn die Massenmehrheit darstellt. Ich mußte auch überhaupt keine weitere Behandlung der Oberfläche vornehmen, alle weiteren Bearbeitungsschritte in Lehm erfolgten ausnahmslos ohne Zwischenbehandlung. Ausgehend von teilweise 35 mm Grundputz auf dem Mauerwerk folgte dann ein zweilagiger Auftrag des Abschirmputzes Meno auf Lehmbasis mit eingelegtem Gewebe, darauf je nach Wunsch entweder der feine Spachtelputz oder wir haben die Flächen über einen Lehmglätter sehr fein und glatt ausgeführt, um sie hinterher mit Lehmfarbe zu streichen. Alles hat dabei mit herkömmlichem Werkzeug und herkömmlichen Techniken funktioniert, wobei man wie ich finde nicht unterschätzen darf, dass durch die hohen mechanischen Kräfte bei der Maschinentechnik die Tonminerale in ganz anderer Art und Weise maltretiert werden als beim Aufrühren mit dem Quirl und dem anschließenden Sumpfen. Ich habe den Grundputz aus der Maschine als unglaublich sämig empfunden, der sich sehr gut hat auf der Fläche abkardätschen und filzen lassen. Das sind lediglich meine Erfahrungen, auf den Einsatz von Härtern oder anderen chemischen Zusätzen habe ich verzichtet und bin dennoch ganz gut klargekommen. Auch das bitte ich nur als persönlichen Erfahrungsbericht zu werten und nicht als Maßstab!!!



Ein Lehmputz mit 25-30% Tonanteil



halte ich aufgrunf der hohen Wasseraufnahme der Tonminerale für nicht einsatztauglich.

Das Schwindverhalten wäre extrem!

In der Druck - und Abriebfestigkeit des Lehms gibt es herstellungsbedingt große Unterschiede.

Ein Grunbelehm der mit Sand und ggf. auch mit Planzenfasern vermischt wird hat ein deutlich höhere Druckfestigkeit als ein Tonmehl dem Sand zugemischt wird. Es sei den dem Material wird Verfestiger mit z.B Cellulose beigemischt.

Grüße Gerd



@ Heiko



Auf eine zusätzliche Dämmebene innenseitig unter der Wandheizung kann verzichtet werden.
Bzw. sollte auch hierbei verzichtet werden.
Zwei Dämmebenen könnten bauphysikalische Probleme aufwerfen und später aufzeigen.

Direkt auf die Wand verlegen, unter Wärme verputzen und Gewebe einbetten, durchtrocknen lassen und abschließend mit Lehmfeinputz oder auch Colorputz endfertig beschichten.

Im Obergeschoss kann man auch auf Dachschrägen mit Wandheizung arbeiten.
Oder mit einer Lehmtrockenbauplatte an den Dachschrägen, wenn die Giebelflächen mit der Wandheizung belegt ausreichen.

Viel Erfolg und gutes Gelingen,

Udo Mühle