Salzbelastung

25.01.2013


Folgene Ausgangssituation:

Nachträglich eingezogene Wand (4 m Breite, Ziegel, kein FW, vor Jahrzehnten eingebaut) in einem ehemaligen Stall im früheren Wirtschaftteil d. Hauses.
Derzeit trennt die Wand die Küche vom HWR, also innenliegend,
Sandsteinfundament mit alter Horizontelsperre (Funktion ??).

Sanierung des Gebäudes vor einem Jahr, die betreffende Wand wurde neu verputzt und gestrichen (Lehm, Kalk-Kasein),
nach ein paar Monaten blätterte die Farbe an ein paar Stellen ab und der Putz bröselt (Höhe ggw. bis max 60 cm) vorwiegend auf der beheizten Küchenseite gegenüber vom Ofen, wohl weil die Wand immer wieder feucht wird und durch die Ofenwärme am Tag wieder abtrocknet.

Auf der HWR Seite gab's aml ein Feuchteproblem, weil der Abluftschlauch vom Trockner hinter der Maschine unbemerkt abgefallen war, nach Neuanschluss etwa 45% rLF.

gemäß Analyse der Putzkümel besteht eine Salzbelastung.

Folgender Vorschlag liegt mir vor:

Der Lehmputz entfernen,
bis 20 cm Höhe Dichtschlämme auftragen
Sanierputz.
optional Mauerwerksinjektion als Horizontalabdichtung (hierfür 600€ für 4 Meter !).

Alternativ Vorschlag eines Sachverständigen,
(der aber aus anderen Gründen bei uns war):

Lehmputz ab,
Heraklitplatte an die Wand
Putz (welcher ist nicht angegeben)

Da wir annehmen, dass immer mal wieder Putz-Ausblühungen auftreten könnten, möchten wir eingentlich einen Fliesensockel anbringen.

Die Sache mit der MW-Injektion halte ich für ungeeignet, da das Salz weiterhin hygroskopisch bleiben wird,
Das Aufbringen einer Trennschicht zwischen MW und Putz (z.B. Heraklit o.ä.) überzeugt mich schon eher.

Was ist zu tun?
Kann man eine solche Wand eigentlich mit Fiesen belegen?

Dank und Gruß Götz



Salzbelastung



Wenn es keine funktionierende Horizontalsperre gibt, wird die aufsteigene Bodenfeuchte immer wieder Salz in diie Verdunstungszone transportieren.

Was auf keinen Fall funktioniert: der Versuch, die Feuchtebelastung "einzusperren", durch Dichtschlämmen, Fliesen etc. Dadurch wird die Feuchtigkeit nur weiter nach oben getrieben, bis zur nächsten Verdunstungsmöglichkeit.

Salz vergrößert beim Trocknen und beim erneuten Durchfeuchten (Hygroskopizität) sein Volumen und sprengt alles behindernde ab.

Chemische Horizontalsperren funktionieren nachweislich nicht.

Mögliche Lösung: Im Mauersägeverfahren eine Dichtungsbahn einbauen und den Schlitz verpressen. Salzbelasteten Putz und Mörtel in der Verdungstungszone herauskratzen, entsorgen und neu aufbauen.

Oder: die ganze Wand abreissen, eine Horizontalsperre einbauen und neu aufmauern. Wird wahrscheinlich die preiswerteste und nachhaltigste Lösung sein.



Salzbelastung



Wie nass (oder feucht) ist denn die Wand?
Wurde ein Feuchteprofil gemessen, wenn ja was kam dabei heraus?

Viele Grüße





MKL SolidTechnology GmbH





"Chemische Horizontalsperren funktionieren nachweislich nicht."

Architekten gibt’s die gibt’s gar nicht.
Weisen Sies mal nach Herr Pickartz.



@ bpB



Anonymen Forumsmitgliedern antworte ich nicht besonders gerne, heute mache ich eine Ausnahme. Ich nehme an, das Sie gewerblich in diesem Bereich arbeiten.

Ich empfehle folgende Lektüre:

- Weber/Hafkesbrink: "Bauwerksabdichtung in der Altbausanierung"
- Balak/Pech: "Mauerwerkstrockenlegung" mit Bezug zur Ö-Norm-Serie B 3355 / TU Wien

Weisen Sie doch bitte mal nach, das es funktioniert, zu 100%, dauerhaft und in in jedem baukonstruktiven Fall, Herr bpB



das muss ich nochmal klarstellen:



Die Wand ist nicht feucht, soweit man das ohne Messung sagen kann, aber eine Messung gibt's nicht.

Es gibt eine alte Horizontalsperre und gibt keinen Grund zur Annahme, dass diese nicht intakt wäre.

Das betroffene Areal ist auch nicht am Mauerfuß, sondern etwas höher.

Auffällig geworden ist der Schaden, weil sich zunächst die Farbe vom Lehm gelöst hat (so ähnlich wie Blasenwurf) und dass die obersten 2-3 mm Putz bröselig / sandig werden, insbesondere im Sommer.
Salzausblühungen sind nicht zu sehen, die Salzbelastung wurde aus einer oberflächlichen Kratzprobe des Lehmputzes an der schadhaften Stelle nachgewiesen.

In dem rückwärtigen angrenzenden Raum hat bis in die 60er Jahre das Schwein gewohnt. Jetzt ist dort der HWR.
An der Rückseite der schadhaften Stelle ist auch alles ok.

Ich war bisher davon ausgegangen, dass der nasse Lehmputz seinerzeit nach dem Auftragen aus der Wand Salze aufgenommen hat und so angetrocknet ist.
Wenn die Luftfeuchtigkeit ausreicht, binden die hygroskopischen Salze Feuchtigkeit aus der Luft.
Wenn ich ordentlich einheize, kristallisiert alles wieder aus und beschädigt den Putz.

Daher war ich auch der Annahme, dass es sinnvoller ist, das Mauerwerk so gut es geht vom (neuen) Putz zu trennen und möglichst wenig Luftfeuchte in die Wand eintreten zu lassen.


Grüße von Götz

Bild folgt



Salz aus Tierfäkalien ...



... ist dann die Erklärung. Schweinekot und -Urin, vom Mauerwerk, Putz, Mörtel jahrelang aufgesogen.

Verdunstender Harnstoff wird mikrobiologisch in Ammoniak und weiter zur salpetrigen oder Salpetersäure umgewandelt, die dann Nitrate (Mauerwerkssalpeter) auch in hochgelegenen Bereichen der Wand bildet.

Sie können im belasteten Bereich die salzgesättigten Baustoffe nur austauschen. Die Konstruktion muss dann diffusionsoffen und kapillarakiv sein. Alles andere ist Kosmetik und hilft dauerhaft nicht. Auf keinen Fall Lemputz verwenden, wenn mit Feuchteeintrag zu rechnen ist.

Dampfdichte Anstriche oder Beläge sind kontraproduktiv und verlagern die Problematik nur, wie beschrieben.



nach



meiner Erfahrung wäre es das beste, den Putz bnochmal abzuhacken, 1 Jahr trocknen (Salz immer wieder abkehren) und dann eine normalen Kalkputz drauf. Keine Anstriche, keine Fliesen - wird alles irgendwann abgesprengt !!
Als Aufgabe für die nächsten Jahre: austretende Salze immer wieder abkehren, gebenenfalls nochmal iregndwann Putz erneuern.
PS: Dichtschlämme unter Sanierputz ist Blödsinn !



Warum so kompliziert?



Bringen Sie eine Folie mit Noppen z. B. I-Bausystem auf und Verputzen neu mit Sanierputz - fertig.
@
Herr Pickartz bevor Sie solche Empfehlungen geben empfehle ich Ihnen lesen Sie das Buch: "Gesund wohnen in Altbauten".
Evtl. helfen Ihnen meine Erfahrungen bei der Problematik
von Feuchteschäden und deren Instandsetzung weiter.





Nun Herr Pickartz,

ich habe nicht geschrieben dass “die Injektion” zu 100%, dauerhaft und in jeder Baukonstruktion funktioniert.

sondern Sie haben geschrieben dass
"Chemische Horizontalsperren funktionieren nachweislich nicht."

Wenn Sie “die Injektion” etwas genauer definieren würden wüsste ich möglicherweise welche Sie meinen.

Ich persönlich kenne einige Verfahren die in bestimmten Konstruktionen sehr gut und zu 100% funktionieren.

Ein Beispiel nur, längst aaRdT, ist die Schlauchinjektion der Arbeitsfugen in WU- Betonkonstruktionen gegen den höchst möglichen Lastfall drückendes Wasser. Egal übrigens ob von außen oder von innen drückend.

Sie gehen recht in der Annahme das ich gewerblich in dieser Branche arbeite, genau das ist der Grund warum ich hier nur noch anonym schreibe.
Macht nämlich kein Spaß permanent als einer hingestellt zu werden der andere Leute über den Tisch ziehen will.


@Gehlerding
Ein, oder besser der einzige Nachteil von Lehm ist das dieser nicht Wasserfest ist.
Das heißt, wenn die Oberfläche feucht wird lässt ihre Haftzugfestigkeit nach, die Farbe verliert den tragfähigen Untergrund und blättert ab.
Da Salzausblühungen ihren Ausführungen zu Folge nicht sichtbar sind gehe ich eher von einer geringeren Belastung aus die aber temporär ausreicht die Oberfläche hygrisch so zu befeuchten das es der Lehmputz nicht verkraftet.
Ich würde den Lehmputz im betreffenden Bereich + 50 cm (Sicherheit) gegen einen Kalkputz austauschen, der kann auch mal etwas feucht werden ohne seine Festigkeit zu verlieren.





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