Innenwand verputzen - Welches Material, welche Armierung?

28.11.2009


Eine Frage an die echten Profis unter Euch:

Ich saniere im Augenblick einen Raum im 1. OG meines sehr großen Hauses (Fachwerk, außen verschiefert) und frage mich, welches die beste Art ist, eine Innenwand großflächig zu verputzen.

An der Wand wurden einige Fächer neu mit Hintermauerziegeln und Zementmörtel aufgemauert, weil die alten Lehmfächer bröselig und winddurchlässig waren. Die Wand habe ich begonnen mit Rotband zu Verputzen als Armierung benutzte ich Streckmetall.

Diese Art der Wandsanierung habe ich mit bei einem Maurer abgeschaut, der in den 70er Jahren bereits andere Stellen im Haus so saniert hatte. Bis jetzt scheint das Resultat recht gut zu sein. Keine Probleme mit Feuchtigkeit auf dem Putz und auch die Balken scheinen OK zu sein, wenn man mal hinter den nun über 30 Jahre alten Rotband aus den 70ern schaut.

Nun die Fragen:

1) Bisher wurde Streckmetall als Armierung benutzt. Was haltet Ihr von Kunststoffnetzen?

2) Was haltet Ihr von Rotband? Ich möchte keinen Lehm verwenden, weil die alten Lehmputze doch arg bröselig waren. Ich will was „modernes“ und festes, was auch hält. Gibt es Fertigmischungen die evtl. besser sind als Rotband?

3) Wie nicht anders zu erwarten, entstehen nach Trocknung des Putzes entlang der Balken Risse. Diese wurden früher vor dem Tapezieren mit Raufaser noch mal kurz verschlossen und dann war’s auch gut - also seit den 70ern keine gravierenden neuen Risse. Kann man die Risse vermeiden? Die Balken mit Stroh zu verkleiden wie man das früher gemacht hat finde ich jetzt nicht so toll (Ungeziefer etc.).

Freue mich auf Eure Antworten!



Mal



überlegen, was kann man denn noch verkehrt machen. ;-))
Also, Hintermauerziegel ist ja in Ordnung, aber Zementmörtel sollte im Fachwerkbau tunlichst vermieden werden. Am besten wär ein Kalkmörtel.
Streckmetall als Putzträger darf nicht direkt mit Gips in Kontakt kommen, sondern muss zuerst mit einem Kalkzementmörtel ausgesetzt werden.
Rotband ist ein "kunstharzvergüteter" Gipsmörtel und sollte im Fachwerkbau bestenfalls an Innenwänden eingesetzt werden.
Ein moderner Lehmputz erreicht durchaus eine dem Gipsputz vergleichbare Oberflächenfestigkeit. Alternativ wäre ein Kalkputz auf jeden Fall die bessere Lösung.
Kunstoffnetze?? Ich vermute mal, das hier Glasfasergewebe gemeint ist. Als Putzträger ungeeignet und dient der Putzarmierung zur Rissverminderung.
MfG
dasMaurer



Nun



als Armierung könnte man auch die Wand mit Ziegelgewebe (Ziegelrabitz) überspannen und mit Kalkmörtel (Weisskalkhydrat)verputzen.

Grüsse Thomas



Streckmetall / Fertigmischung für Kalkputz



Danke für Eure Antworten!

1) Zum Thema Streckmetall: An der von "dasMaurer" erwähnten Rostgefahr beim direkten Kontakt mit Gips/Rotband ist zwar was dran, allerdings sind die Streckmetalle verzinkt. Daher treten Roststellen höchsten dort auf, wo die Verzinkung beschädigt ist. Ich habe interessehalber mal Stellen aus den 70er Jahren aufgemacht, die bei uns mit Streckmetall + Rotband verputzt waren und man sah Rost zum Glück nur an einigen kleineren Bruchstellen im Metall. Der Rest war dank Verzinkung OK :)

2) Kalkmörtel zum Mauren mit Ziegeln sowie kalkbasierte Putze für die Oberflächen wird hier im Forum ja häufiger empfohlen.

Gibt es hierfür fertige Kalk-Produkte im Baumarkt zu kaufen? Ich habe keine Lust zum selber Mischen, auch wenn das etwas billiger sein mag.

3) Wie ist es mit der Festigkeit von Kalkputzen? Halten darin auch schwere Küchenschränke? Wir haben an anderen Stellen Kalkputze, vermutlich aus den 20er/30er Jahren und das ganze ist ein elendiges, sandiges Gebrösele (s.Bild)…



Hallo Peter



"Wie ist es mit der Festigkeit von Kalkputzen? Halten darin auch schwere Küchenschränke? "
Weder im Kalkputz noch im Rotband halten Küchenschränke. Diese sollte man mit guten Dübel im Mauerwerk oder am Fachwerkbalken verankern!

Rotband würde ich Dir nicht empfehlen, besser sind Kalkputze, die man sich selber anmischen kann, wenn Du auf Sachware gehen willst, so hat SAKRET einen guten Sandanteil, der sich auch mit der Kelle putzen lässt, z.B. bei Quick-Mix war ich nicht so begeistert, klebte zu sehr auf der Kelle. Das solltes Du aber selber ausprobieren, da ja auch alle Produkte nicht überall zu bekommen sind.



Festigkeit



von Kalkmörtel, wenn der Kalkputz bröselt und absandet, ist er nicht richtig verarbeitet worden und/oder es wurde mit dem Kalk sehr sparsam umgegangen. Leider ist das sehr häufig. Ein korrekt verarbeiteter Kalkputz hat das nicht.
Wandhängende Montagen lassen sich nicht im Putz verankern, sondern müssen mit der Wand verbunden werden.
Und zum Streckmetall: wenn die Wand relativ trocken ist, hält sich das mit dem Rost in Grenzen. Aber wenn Feuchtigkeit dazukommt, ist das Zeug innerhalb weniger Jahre komplett weg.
MfG
dasMaurer



fachwerk sanierung



hallo peter!
die von dir bemängelten putze sind mit sicheheit weit aus älter als du.wirst du jemals so alt wie dein lehmputz an der wand?in ein Fachwerkhaus gehörten materialen aus dem das haus gebaut wurde.kalk und lehm,aber bestimmt nicht rotbrand oder ein zementputz.ein mehrlagiger lehmputz mit gewebe einlage reißt nicht und du mußt schon kraft aufwenden um die oberfläche zu beschädigen.das gleiche gilt für kalk.
noch ein tip du kannst auch 70 stengieges schilfroh-gewebe
als putzträger nehmen, st günstiger als r.st.metal.
nachdänkliche grüß danndich
thomas



Hallo Olaf,



zwar spät entdeckt, aber bestätige Deine Erfahrungen Sakret - Quickmix. Ging mir übrigens mit versch. Quickmixprodukten so. Vermutlich haben die soviel Haftchemie in die Putze geknallt, damit es auch beim ungeübtesten Kellenschwung an der Wand Kleben bleibt und ein "Erfolgserlebnis" beschert.
Allerdings war der Anteil der "Klebchemie" zu hoch, daß der von Dir beschriebene Effekt eintrat. Bin inzwischen völlig weg vom Quickmix.

Weihnachtliche Grüße



fachwerkliche Grüße



.... Wünsch ich Dir und allen Lesern auch,
und wenns da ist - ein gesundes neues 2010 !
Anbei noch ein Foto aus Pommern



Der Baum gehört zum Haus oder das Haus zum Baum -



wie herum auch immer, jedenfalls sehr stimmungsvoll.

Einen guten Rutsch und ein gesundes erfolgreiches 2010 !


Anbei ein Blick aus unserer Null-Grad-Baustelle: