Welchen Putz auf Schlackesteine?

04.02.2007



Hallo!
Da dies mein erster Beitrag ist, möchte ich mich mal kurz vorstellen.Ich komme aus Siegen und bin seit fast 4 Jahren Besitzer des "kleinen Anwesens" eines ehemaligen Fuhrbetriebes. Die Gebäude wurden zwischen ca. 1870 und 1952 errichtet. Das alte Wohnhaus ist ein Fachwerkhaus. Ich bin nun dabei alles nach und nach möglichst in Eigenregie zu sanieren, wobei ich die alte Bausubstanz so gut es geht erhalten möchte, bzw. dort zurückzubauen, wo im Laufe der Jahrzehnte massive Bausünden begangen worden sind.
Nun zu meiner Frage:
Der ehemalige Pferdestall (24 qm) ist aus Schlackesteinen (51 cm dicke Außenwände) 1901 errichtet worden, und wird seit den 50er Jahren als Büroraum genutzt und beheizt. Da man auf die glorreiche Idee gekommen ist diesen Raum mit Gipsputz (Rotband oder ähnliches) und Tapete zu versehen, gab es dort wohl schon immer ein Problem mit Feuchtigkeit. Jedenfalls ließ sich der Putz nur mit dem Spachtel ganz leicht abtragen, und die Tapete war in dem Bereich wo Holzschränke dicht an der Wand standen komplett durchfeuchtet und verschimmelt. Insgesamt scheint das Mauerwerk jedoch relativ trocken. Da ich keinerlei Informationen zu Schlackesteinen bezüglich bauphysikalischer Eigenschaften (Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit,etc.) gefunden habe, bin ich nun unsicher welche Art Putz ich auftragen soll. Der Raum soll nur als eine Art "Partyraum" genutzt werden und mit einem kleinen Holzofen bei Bedarf beheizt werden. Hat vielleicht jemand Erfahrungen mit dem Verputzen von Schlackesteinmauerwerk gemacht?



Putz auf Schlackesteine



Hallo Tim,
Ich habe im Mansfelder Land Maurer gelernt, dort gibt es Schlackesteine aus Kupferschlacke, die sich die Bauern früher selber als Baumaterial gewickelt haben. Diese Riesentrumms habe ich in unangenehmer Erinnerung, was das Putzen betrifft. Die Oberfläche ähnelt Obsidian bzw. Glas, darauf Putz zu bringen ist schwer, aber möglich.
Als erste Schicht kommt ein dünnflüssiger Vorspritzmörtel in P2 oder besser P3, der etwa 2/3 der Fläche bedecken sollte. Nach dem Trocknen und Abbinden kann zweischichtig mit Kalk- oder Kalkzementmörteln weiter geputzt werden.
Zu den physikalischen Eigenschaften kann man sich seinen Teil bei der Zusammensetzung denken. Die Mansfelder Steine ziehen kein Wasser und sind sehr schwer. Partys feiern geht sicher, aber Du mußt damit rechnen, das bei ungenügender Lüftung das Kondenswasser regelrecht die Wände herunterläuft.

Viele Grüße
Georg





Hallo Georg!
Vielen Dank für die Anwort.
Also "unsere" Schlackesteine sind von der Form und Größe den "normalen" Ziegelsteinen sehr ähnlich.Man kann sie aber teilweise zerbröseln, wenn man mit dem Schraubendreher reinsticht. Über dem Stall befinden sich noch zwei Wohnräume, deren Umfassungswände sind ebenfalls aus Schlackesteinen. Probleme mit der Feuchtigkeit gibt es dort nicht, im Haus herrscht allgemein eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit. Allerdings weiß ich auch nicht, welcher Putz dort aufgetragen wurde. Leider sind die Räume auch vermietet, so dass ich momentan keine Möglichkeit zum nachschauen habe. Im Stall selbst war früher eine "Zwangslüftung" vorhanden (Belüftung über die Außenwand und Entlüftung über das Dach bzw. Schornstein). Ich denke ich werde diese Lüftung wieder "aktivieren" und es mal an einer Wand mit Kalkzementputz versuchen. Bevor der Gipsputz an die Wand gekommen ist, hat das System ja anscheinend auch funktioniert.....



Lehmputz wäre denkbar



Nach Ihren Erläuterungen zu definieren, sollte ein Lehmputz eigentlich funktionieren.
2-lagig mit einer Glasfaserarmierungseinlage wäre aus unserer Sicht und ohne die Substanz augenscheinlich zu kennen, denkbar und machbar.
Dazu einfach Fertigware erdfeucht nutzen (BigBag), die ist für Do-it-yourself-Leute am einfachsten zu händeln und zu verarbeiten.

Grüße Udo