Fundstelle ;-)

11.08.2004



Hallo miteinander,

bin gerade beim Browsen auf einen interessanten Erfahrungsbericht gestoßen, den ich Euch nicht vorenthalten will. Was so alles passieren kann, wenn Profis am Werk sind. Bin gespannt, was Udo dazu sagt.

Hier geht's los:

Die Innenwände unseres Holzständerhauses wurden von einem - im Lehmbau erfahrenen - Gipsermeister mit Lehmsteinen ausgemauert. Anschließend wurde ein strohhaltiger Lehmgrundputz aufgebracht. Nach dem Trocknen der Wände hat sich der Putz von den Lehmsteinen gelöst und konnte ohne großen Aufwand großflächig von den Lehmsteinen abgezogen werden. Um dem Putz eine bessere Haftung zu geben, hat man vor dem zweiten Putzversuch die Lehmwände mit Lesando Putzgrundierung gestrichen, was eine rauhe Oberfläche ergeben hat. Anschließend wurde erneut ein Grundputz - dieses Mal ein Lehmputz der Fa. Maxit ohne Strohanteil - aufgebracht. Auch dieser hat sich nach einigen Tagen von den Lehmsteinen gelöst. Nachdem auch der zweite Versuch, die Lehmwand mit Lehmputz zu verputzen, gescheitert war, hat man als Haftgrund eine Lage Kalkputz aufgebracht. Auf den getrockneten Kalkputz wurde dann der Lehmputz aufgetragen. Wenngleich die Haftung nun deutlich besser ist als bei den beiden Putzversuchen zuvor, so gibt es dennoch einige Stellen, wo sich der Putz wieder zu lösen beginnt. Nun hat der Gipser vorgeschlagen, die betroffenen Bereiche mit Dübeln und Schrauben auf der Lehmwand zu befestigen. Ich bin allerdings nicht so sehr begeistert von dem Vorschlag, da ich der Ansicht bin, dass der Putz auch ohne Schrauben einwandfrei auf der Lehmwand haften muss. Der Hersteller der Lehmsteine hatte nach dem fehlgeschlagenen zweiten Putzversuch sogar vorgeschlagen, die Lehmwände mit BETONKONTAKT!!! zu grundieren, um so für eine bessere Haftung zu sorgen. Meines Erachtens ist der Grund für die fehlende Haftung in einer mangelhaften Qualität der Lehmsteine zu suchen. Dies würde allerdings bedeuten, dass die Steine entfernt und durch neue, einwandfreie Steine ersetzt werden müssten. Ihr könnt euch vorstellen, mit welchem Aufwand, sowohl zeitlicher als auch finanzieller Art, dies verbunden wäre. Schließlich müssten die Wände eingerissen, neu aufgemauert und neu verputzt werden. Außerdem wäre die Elektroinstallation zu erneuern. Die nächste Frage ist, wie dem Steinhersteller dieser Fehler nachgewiesen werden kann, so dass er für den Schaden aufkommen muss. Irgendwelche Kommentare, Tipps oder Lösungsvorschläge? Vielen Dank!



This make my day



Ich wische mir gerade die Tränen aus den Augen. Das ist echt ein Hammer! Ich hoffe, du hast dem armen Bauherrn Fachwerk.de empfohlen. Der ist ja wirklich gestraft. Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man das glatt als Sketch im Fernsehen senden.



Manfred Gerner



("Schäden an Fachwerkfassaden") beschreibt auf S. 110 die einfache Probe der Haftung des Lehms auf Ziegelsteinen nach DIN 1169 von 1947 (zurückgezogen).
Gipser bleib bei Deiner Raspel !



Der Horror jedens Bauherren!!



Hallo Bernd fröhlich,
das ist Jahr einen starker Bericht den du dar ins Fachwerkforum gestellt hast
ich würde man sagen dass die Lehmsteine von dem im Lehmbau erfahrenen (Gipsermeister ) eingebaut worden sind sind keine Lehmsteine sondern Grünlinge!
Zu den anderen Aussagen werde ich mich weiter nicht auslassen dar diese nur Sch.... sind
den Armen Bauherrn würdig raten das der sich an einer Fachfirma (Lehmbau Fachbetrieb, oder evtl. einen Sachverständigen Büro zur Schadensbehebung) wenden sollte damit er nicht noch mehr verzweifelt!
Kleiner Tipp am Rande:
Geh auf den Bau und du erlebt ist immer was Neues

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



@ Andreas Vollack



Die Grünlinge könnten natürlich einiges erklären.

Gruß aus BS



Udo antwortet...



...und kann dazu sogar noch kongretere Aussagen machen!

Habe diesen Hilferuf damals sofort recherchiert und dazu eine fast zweiseitige Mail vom Betroffenen erhalten.
Darin erläuterte er mir minutiös den gesamten Hergang und mir sträubten sich sämtliche Nackenhaare!
Es handelte sich dabei um Materialien der Fa. EIWA und die Notlösungen mit Betonkontakt traf der Herr Eider (EIWA) dem Bauherren gegenüber gleich selbst!
Die Gipserfirma hob alle Hände, denn sie hat schon mehrfach mit Lehm gearbeitet und derartiges ist ihr bis dato noch nicht passiert.
Als alle Versuche scheiterten, erklärte sich der Eider persönlich bereit, "fachmännisch" den Lehmputzaufbau vorzuführen bzw. anzuleiten.
Leider lag dieses Material nach ca. 14 Tagen auch wieder in der "Bude"!!!!
Eine Fachumfrage meiner mir damals bekannten Fachleute ergab folgendes Ergebnis:
Falsches Lehmsteinmaterial und dazu noch fehlerhaftes Material, da diese Steine aus stink normalen Produktionsabläufen stammte (Fertigungsanlagen werden mit Trennmitteln behandelt und außerdem ist es ein sehr unhomogenes Lehmbaustoffmaterial, da diese Steine nachher in einen Brennprozeßß gelangen und somit als lehmbaustoffe ungeeignet sind, wenn sie nachher verputzt werden sollen.
Aber trotzdem hätte es Lösungen gegeben, die dieses Märtyrium für den Bauherren in Grenzen gehalten hätte.
Der gesamte Prozeß zog sich fast über ein Jahr hin!

Grüße vom "vielleicht" Lehmbau-Erfahrenen aus der Lausitz.



Grünlinge + verputzen geht doch



Hallo,
Nach einschlägigem Studium diverser Fachliteratur "Einfälle statt Abfälle" habe ich mir aus beschichteten Spanplatten eine Form für jeweils 8 Grünlinge hergestellt und dann oben im Wald Lehm geholt mit gewaschenen Sand, Sägespäne und Strohhäcksel im Botich gemischt und anschliessend in die Form gedrückt. So hatte ich jede Woche 8 neue Lehmsteine / Grünlinge, welche im Heizungskeller brav weitertrockneten.
Anschließend habe ich in meinem Schlafzimmer eine Wand hochgemauert und direkt mit Lehm verputzt (Claytec Unterputz). Der Lehmputz wurde dann mit Glasfasermatten armiert und das Ergebnis war verblüffend perfekt. Der Rest des Zimmers wurde mit Schilfrohrmatten und Lehmputz renoviert.

Grüße aus Friesenheim - Oberweier
Thomas Klein (tomklein@web.de)