Kalkfeinputz / Kalkglätte

23.08.2011



Hallo,
kurz meine Ausgangslage:
Backsteinhaus von 1950, alle Wände mit Kalk-Sandputz verputzt. Inziwchen sind im Laufe der Jahre ein Paar Ausbesserungen mit Gips, Zementmörtel, Rotband etc. hinzugekommen. Aber keine großen Flächen.
Der Originalkalkputz hatte anscheinend eine Feinputzschicht auf Kalkbasis (jetzt matt aber ziemlich glatt wenn auch arg defekt und also nicht mehr einfach überstreichbar)
Wir haben jetzt alle Tapeten runtergerissen, werden die Wände noch vom Tapetenkleber befreien und Schleifen sowie Löcher ausbessern.
Alle Wände sollen glatt (matt) und weiss (gerne auch kein allzu strahlendes Weiss) werden. Kontraste werden durch naturbelassenen Lehmputz auf einzelnen Wänden geschaffen. (dafür nehme ich die Wände, die am vermacktesten sind :-)
Fragen:

1. Ist Kalkglätte und Kalkfeinputz das gleiche?
2. Muss/sollte ich bei beidem noch mit Kalkkaseinfarbe nachstreichen?
3. Kann ich Kalkfeinputz selber anmischen (eingesumpftes Weisskalkhydrat und Sand) und wo bekomme ich am besten den Sand (0-0.5 mm?)dazu her? Mein Baustoffhändler hat nur 0-3mm Sand. Selber sieben?

Ich bin experimentierfreudig und es muss nicht alles perfekt sein. Es sind allerdings auch einige viele Quadratmeter und ich stehe auf günstig (nicht auf billig)



Kalk ist kein Wunschkonzert



… allerdings auch kein Mythenzauber!

Die oberen Schichten Ihres Putzes, der so glatt ist, werden wahrscheinlich mehrere Schichten von Kalkfarbe sein.

zu1.
Kalkglätte ist ein ganz feiner Kalkputz der mechanisch (mit einer Glättkelle) geglättet wird.
Feinputz wird in der Regel "gefilzt" oder mit einem feinen Schwammbrett verrieben.

zu 2.
Ja - wenn man einen normalen Kalkputz hat.
Wenn man einen durchgefärbten hat kann das entfallen.

zu 3.
nicht selber mischen
Meist reicht: 0-1 mm!
schauen Sie mal bei www.solubel.de rein.

FK



Hab mal experimentiert



Danke schonmal für die Antwort. Ich habe heute mal ein wenig experimentiert:

Weisskalkhydrat (1 Woche eingesumpft) etwa 1:3 mit Feinsand (0.1-0.4) aus dem Baumarkt (7€ pro 25kg) und zwei Eßlöffel Magerquark pro Eimer.
War etwas schwer die richtige Menge Wasser zu finden. Es war erstmal immer viel zu flüssig.
Habe dann mit einem Flexspachtel angefangen die Oberkante der Wand und die linke Ecke zu spachteln. Dabei habe ich festgestellt, dass es wichtig ist immer Material auf dem Spachtel zu haben und dass es bei mir gut klappt von links oben nach rechts unten zu arbeiten. Ich bin Rechtshänder, fühle mich aber irgendwie mit dem Spachtel in der linken Hand wohler. So richtig perfekt ist es nicht geworden aber ich denke ganz okay...
Habe etwa ein Viertel der Wand ( von links aus) verputzt.
Dann habe ich das Filzbrett genommen und dieses naß gemacht aber gut abgestriffen. Dann ganz leicht in 8-Form kreisend gerieben. Dabei wird der Putz gleichmäßiger aber auch etwas rauher. Direkt danach war er recht sandig. Den Sand habe ich dann mit einem feinen Handbesen abgefegt. Es fühlt sich jetzt ziemlich glatt an und sandet kaum ( noch nicht trocken)
Klingt das für die Fachleute nach einem vernünftihgen Vorgehen oder mache ich da Blödsinn?

@Florian Kurz:
Danke für die Antwort. Warum nicht selber mischen? Ich finde fertigputze ziemlich teuer. Lohnt sich das?





Moin,moin,

Hört sich für meinen Geschmack gut an.
Habe auch schon mit dem "selbstgemixten"
Kalkfeinputz (CL90 + Sand 0.1-0.4)gespachtelt, wunderbare Ergebnisse.
Fertigprodukte habe ich ebenfalls diverse verarbeitet,auch gute Ergenisse.
Abschreckend finde ich jedoch immer den Preis der für ein
solches Produkt zu berappen ist.
Nur Kalkglätte habe ich noch nicht selbst erstellt, hier fehlt es irgendwie an Marmormehl.
Wenn Sie mit der Oberfläche zufrieden sind ist doch alles schick.

mfg alex



Fertigprodukte



Ich bin da auch ein bisschen verunsichert.
Meine Wahrnehmung ist folgende:

Auf der einen Seite heisst es, dass Dispersionsfarben eine dem Modernisierungswahn geschuldete, viel zu teuere und noch dazu ungesunder und baubiologisch ungünstige Veränderung waren. Ein wichtiges Argument ist hier sicherlich die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die grade im professionellen Bereich eine große Rolle spielt. Nichts ist so teuer wie Arbeitszeit.
Auf der anderen Seite scheint sich grade aus den jahrhundertelang erprobten Kalkfarben ein Geschäft (Öko boomt) zu entwickeln, dass zumindest auf der ökonomischen Seite den gleichen oder einen ähnlichen Weg geht.
Das Ganze noch gepudert mit ein bisschen Mythos und Esotherik. :-)

Ich weiss es aber halt nicht wirklich. Hoffe nur, dass mein Eigenmix nicht in einem Jahr auf mein neues Parkett fällt :-) Das wäre sehr ärgerlich und könnte mich die Ehe kosten ;-)

Gibt es ein selbstdurchführbares Testverfahren für die Haftung von Feinputz? Was sollte er aushalten können? Und ab wann kann man das beurteilen? Feste mit der Schulter dagegenrennen? (aua)



Nathan der Weise



Hallo

Manche Kalkputzproduzenten sind groß - vor allem im Verkaufen von schlechten Erzeugnissen - meist haben die ein gutes Netz an Infrastruktur und Konnections zum Großhandel etc.

Manche sind klein und fein und deren Erzeugnisse sind aus Erfahrung entstanden, setzen sich zusammen aus Material und Aufwand (es fehlen Kosten für solvente Vertreter die im flotten Firmenwagen die Länder betören und die für ein Glitzerprospektmarketing und durchschlagende Messeauftritte)

Manche haben eine "ausgewogene Sieblinie" anderen ist das so ziemlich egal was sich der Kunde auf die Wände klatscht oder klatschen lässt.

Das wichtige ist beim Kalk die Qualität der Kalke, die Zuschläge, die Sande und vor allem dann die RICHTIGE Verarbeitung mit vornässen, vorbehandeln der Flächen, rabbortieren, Schichtenaufträge, Carbonatisierung je nach Schichtdicke, nass in nass, die richtige Farbauswahl, das richtige Handling etc. etc.

Der Homo baumarktiensis ist es aber gewohnt, dass er "nach gut Dünken" die Materialien verwenden kann - bloß nicht nachdenken müssen, Zeit haben wir sowieso keine, un ddas alles OHNE Erfahrung Verarbeiten kann.

Das liegt daran, dass wir immer denken, dass Handwerker uns nur abzocken wollen und das bisschen wir auch selber machen können. Das wird natürlich auch verstärkt durch die starke Einflussnahme der Industrie auf die damals ach so stolze Handwerkerschaft, die mittlerweile nur noch als Industrieproduktmonteurschaft fungieren darf.
Die fetten Gewinne schöpft der Handel ab und die Grossen.

Leiden tut die Qualität der ausgeführten Arbeiten und die Nachhaltigkeit und die Qualität im Handwerk.

Das "Selber Machen" setzt einfach voraus, dass man Zeit mitnimmt und Erfahrungen sammelt. Ein Handbuch zum "Wie mach ichs richtig" a la Gebrauchsanweisung vom Biber-Baumarkt - das gibts halt nicht.
Dafür ist der Materialmix und die Unterschiedlichkeit der Baustoffe am Bau zu verschieden, die vorhandenen Schäden zu individuell.

Bequem = Baumarkt
Gut = Erfahrung und Können

Kalk braucht Zeit und Feuchte und Luft, keine Hitze, keinen Zugwind und einen guten Handwerker - und alles in einer guten ausgewogenen Dosis.

FK



Nathan



Danke für die Darstellung. So ungefähr habe ich es mir auch gedacht. Ich will ja auch echt weder den kleinen noch großen Herstellern, geschweige denn den Handwerkern etwas. Insgesamt habe ich einfach festgestellt, dass man wirklich alles lernen kann.
Wie gut das Ergebnis wird hängt bei jedem Gewerk von vielen Faktoren ab, zu denen manuelles Geschick, der Baustoff, die Verarbeitung usw. gehören.
Ich bin selber Berufschullehrer im Gesundheitswesen. Trotzdem habe ich inzwischen eine Handvoll Gitarren u.ä. gebaut / restauriert. z.T. ohne Fertigteile.

P.S. an "weise" arbeite ich noch :-)





Nabend,

einen Test für guten Putz hab ich auch nich,
kann nur sagen,das mein Putz ca. 2 Jahre an der Wand klebt.
Wichtig bei Kalk ist wirklich die Nachbehandlung,schön über einige Tage feucht, nicht nass, halten.
Die Oberfläche auch nicht "todreiben".
Ist halt alles Erfahrungssache.
Habe auch schon eine Wand am nächsten Tag wieder abgeschlagen( naja,abschlagen bei einem Tag alten Kalkputz ist ja auch übertrieben ;-))müssen,
hier hatten sich einige Hohlstellen aufgezeigt.
Wo genau der Fehler lag kann ich nicht sagen,aber ich denke Untergrund nicht feucht genug,und die Anwurftechnik war nich io, (auf KS-Planstein).
Bin absolut Ihrer Meinung,Nathan: Man kann alles lernen!
In diesem Sinne.

mfg alex



wenn



FK auch anderer Meinung ist, Kalkputz kann man immer selber anmischen, aber zum Ausbessern reicht Kalkglätte. Die ist etwa im Anfassen wie Gips - fein gemahlen. Feinputz auf die ganze Fläche muß man nicht auftragen, wird auch für einen Laien schwer. (Wieso bekomme ich immer Gänsehaut, wenn Lehrer sagen, man kann alles lernen ...? .-) )
Eine Alternative wäre ein Überfilzen der Wand mit Sand-Kalkgemisch, etwa 1:1 mit dem Schwamm. Damit wurden früher alte Wände glatt gefilzt und bekamen eine feine Struktur. Der Vorgang ähnelt dem Filzen nach dem Neuputz, aber es wird fein Masse auf die feuchte Wand aufgetragen. Allerdings stand uns da auch noch Karbidschlamm zu Verfügung.