Aussenputz ohne Anstrich?

29.05.2003



Beim Betrachten älterer Bilder aus meiner Heimatgegend oder zahlreichen Gebäuden im Osten Deutschlands fällt mir die umbra-, lehm-, ockerfarbene oder bräunliche Farbgebung der Aussenputze auf. Mir gefällt diese Farbgebung der Gebäude sehr gut und ich frage mich, ob es sich hierbei tatsächlich um einen Anstrich handelt? Oder ist es einfach ein Aussenputz ohne Anstrich bzw. ein Putz mit enthaltenen Farbpigmenten? Aus welchen Bestandteilen ist ein solcher Putz zusammengestellt?



Putzfarbe



Ich bin kein Experte in dieser Materie, aber wenn man sich ernsthaft mit traditionelle Architektur befasst erfährt man eine ganze Menge, insofern man dafür offen ist. Jede Region, jede Epoche hat seine Farbgebung, ob gestrichen oder im Putz selbst. Das alemannische Fachwerk ist farbenfroher als in Norddeutschland. Preussen hat für seine Verputzen Fassaden besondere Farben angewendet. In Bayern ist der Okerfarbener Putz bekannt, im ländlichen Bereich der weißen Putz. In der Barockzeit wurden die Putzfarben fröhlicher, in der Renaissance waren sie dunkler. Dies hängt natürlich auch davon ab welche Pigmente regional zur Verfügung standen.
Prof. Manfred Gerner, Propsteischloss Johannisberg in Fulda, hat ein Buch über Fargebung im Fachwerk geschrieben. Eine zu empfehlende Literatur.
m.f.g.
J.E.Hamesse



Das ist mir auch schon mal aufgefallen...



... aber nicht nur an Fachwerk in der ehemaligen DDR. Viele Steinhäuser waren bis in die 60er aber auch im Westen (z.B. Zechenhäuser im Ruhrgebiet) ähnlich verputzt - aber m.E. nicht gestrichen, sondern die gelblich-ocker Färbung stammt vom Sand als Putzbestandteil, der nicht gewaschen wurde. Der enthält immer Spuren von Eisen(hydr)oxiden, vergleiche z.B. gewaschenen Sand (für die Kinder-Sandkiste) und Sand auf einer Straßenbaustelle (als Material für Unterbau...). Das Pigment wäre also die Verunreinigung aus Fe2O3, FeO(OH) o.ä. Letztere könnte man dem gewaschenen Sand gezielt wieder zusetzen - oder gleich den ungewaschenen nehmen: vielleicht mal ausprobieren...! Viel Spaß wünscht



ockerf. Putze



Es handelt sich wahrscheinlich um einen alten Lehmputz, der zum Schluß mit Buttermilch fixiert wird. solche putze gab es in Erfurt. Habe in Erfurt mit Pof. Burkhard Duscha ( FH Erfurt, FB Architektur) sein Haus so saniert.Diese Putze haben ihre Eigenfarbigkeit durch den Lehm aus der Region. In Gebieten, wo der Boden eisenhaltiger ist sind sie röter. Daran erkennt man auch die Gegend. Diese Putze sind vom Material sehr günstig - aber man muß Handwerker suchen , die das noch original Verarbeiten können- die gibt es aber im Osten viel!!! Der Putz ist zauberhaft in der Oberfläche, überhaupt nicht schmutzanfallig und die Schatten wenn die Sonne draufscheint nicht mit einer Farbe zu vergleichen.Bei guter Ausführung kann er ewig halten. Liebe Grüsse --nur Mut - es lohnt sich !!!! A. Hochberg