Fassadenverputz Bruchstein (verschiedene Materialen)

15.06.2010



Guten Tag an die Forums Mitglieder
Wir sind umgezogen und haben jetzt ein schönes altes Haus gefunden welches jetzt ein neues Kleidchen braucht.
Hier die Daten zum Haus:
Baujahr 1839. Es ist ein altes Försterhaus und die ca 90-1oocm dicken Mauern bestehen aus Bruchsteinen, Lehm-Erde, Ziegeln und was wohl sonst noch gefunden wurde (hauptsächlich aber Naturstein und dazwischen Erde). Die Wände sind innen wie aussen absolut trocken.
Ca 10 cm unter der Erde ist der Lehm-Mörtel-Erde zwischen den Steinen natürlich durch die Bodenfeuchtigkeit auch dementsprechend feucht. Der Aufbau des Dachstockes wurde mit Ytong Mauerwerk ergänzt.
Das Haus ist nur unterhalb der Küche auf einer kleinen Fläche unterkellert. Ca 5qm. Wohl was wie natürlicher Kühlschrank...In diesem Keller ist es feucht und ein bisschen nass da dort noch eine Art Brunnen ist. Es riecht weder modrig noch schimmlig noch sonst irgendwie ungesund. Das gesamte Mauerwerk des Hauses weist weder Risse noch sonstige grossen Beschädigungen auf.

Nun, ich habe natürlich schon im Forum rumgestöbert aber es sind doch ein paar Fragen offen.

1. Die ganze Aussenfassade muss neu verputzt und gestrichen werden. Da wir es hier aber mit diversen bereits bestehenden Baumaterialien zu tun haben sind wir ein bisschen unsicher was zu tun ist. Wir tendieren eigentlich zu Kalk...
2. Was haltet Ihr von Drainagen und wann ist das überhaupt notwenig?

Ich danke zum Voraus für Eure Hilfe und liebste Grüsse



Noch was vergessen



Nachtrag:

An diversen Stellen muss noch ausgebessert werden, dass heisst die Fugen müssen aufgefüllt werden. Was für Material ist zu verwenden? Mörtel, Lehm...???
Danke



Putzarbeiten



So sollten Sie es machen.

Untergrund: Naturstein-, Bruchsteinmauerwerk
Untergrundvorbereitung
Vorhandenen Altputz abschlagen, loses und mürbes Fugenmaterial ca. 2 cm tief auskratzen. Mauerwerk mit Stahl- oder Straßenbesen gründlich abkehren. Haftungsbehindernde Trennschichten wie Staub oder Verwitterungsprodukte etc. mittels Druckluft oder Nebelstrahlverfahren reinigen.
Grundierung
Freigelegte und gereinigte Untergrundfläche mit 4%-iger Tonerdelösung satt einsprühen und sofort frisch in frisch Spritzbewurf einwerfen.

Haftspritzbewurf
Vorbereiteten und grundierten Untergrund dünn und vollflächig mit Solubel Luftkalkmörtel (Körnung 6 mm bzw. 4 mm) vorspritzen. Standzeit max. 1 Tag. Spritzbewurf ggf. aufrauen.

Egalisierung von Untergrundvertiefungen
Auswerfen von Fugen, Fehlstellen, Vertiefungen etc. auf ausreichend angesteiften Haftspritzbewurf mit Solubel Luftkalkmörtel (Körnung 6 mm bzw. 4 mm). Anschließend mit einem Holzbrett auf Mauerwerksniveau abziehen. Nach ausreichender Ansteifung der Putzoberfläche für Carbonatisierung und nachfolgender Putzhaftung aufrauen (Putzkamm, Zahnspachtel). Max. Schichtstärke 25 mm, bei größeren Schichtstärken ist mehrlagig zu arbeiten. Standzeit 1 - 3 Tage.

Grundputz
Anbringen eines Grundputzes auf vorbereiteten und egalisierten Untergrund mit Solubel Luftkalkmörtel (Körnung 4 mm) mit einer mittleren Schichtstärke von ca. 15 mm. Waage- und senkrecht mit Holzlatte abziehen. Nach oberflächlicher Ansteifung für Carbonatisierung und nachfolgender Putzhaftung aufrauen (Gitterrabbot). Standzeit 1 - 3 Tage.

Feinputz
Aufbringen eines Feinputzes auf Grundputz mit Solubel Luftkalmörtel (z.B. 1 mm Körnung). Anschließend kann die Oberfläche abgefilzt oder nach Musterfläche gestaltet werden. Schichtstärke 2 - 4 mm. Evtl. Nachbehandlung ist zu berücksichtigen

Anstrich
Mehrmaliger freskaler Sumpfkalk-Kaseinfarben-Anstrich


Weitere Infos gerne auf Anfrage





Wenn das Mauerwerk oberhalb des Erdniveaus überall trocken ist, ist das schon mal sehr gut.
Kalkputz scheint mir für so ein Gebäude ein Muss zu sein. Anno 1840 hätte man einen Putz aus Kalkhydrat (gelöschter Kalk) und Sand genommen, heute gibts fertige Sackware diverser Hersteller, die etwas bessere Verarbeitungseigenschaften haben, aber auch wesentlich teurer sind.
Da doch erhebliche Mengen an Material aufgebracht werden müssen, sollten Sie sich ein paar Offerten von Firmen, die Referenzen über solche Arbeiten haben, einholen. Für die gewünschte Oberfläche ist es gut, wenn man ein Gebäude in der Nähe zeigen kann, das so ist wie man es selbst gerne hätte. Manche Firmen haben Mühe damit, eine Aussenwand nicht exakt eben fertig zu machen, und verfallen dann ins Pseudorustikale. Beides ist grässlich. Die Auswahl der Produkte sollten sie der ausführenden Firma überlassen, weil diese Erfahrung damit hat und sie sich hoffentlich vorher ein Referenzobjekt haben zeigen lassen.
Wenn Sie zugleich einen Aussen-Isolierputz auf Mineralbasis (z.B. Kalkmörtel mit Perlit) aufbringen lassen, werden die Wärmedämmeigenschaften deutlich verbessert. Viele "Fachleute" raten allerdings hiervon ab, weil es doch viel effizientere und kostengünstigere Dämmstoffe gebe, aber Styroporplatten aussen auf so ein Haus zu Kleben ist ein Murks sondergleichen. Viele dieser alten Bruchsteinwände sind bezüglich Wärmedämmung, wenn sie trocken sind, zudem deutlich besser als berechnet (manche Ingenieure rechnen mangels genauer Zahlen mit dem Wärmeleitwert von Beton).

Falls die Deckschicht in der gewünschten Farbe ausgeführt wird, ist Streichen unnötig und nicht jeder Kratzer fällt gleich farblich auf.

Eine Drainage ist nach Ihrer Beschreibung nicht nötig. Auf eine "Aufwertung" des Kellers (Trockenlegung) sollten Sie allerdings verzichten.





Verfahren Sie wie Jens Paulsen schreibt.

Was Ihre Frage zur Dränage betrifft.
Diese ist nur notwendig, wenn mindestens den Lastfall “Aufstauendes Sickerwasser” am Objekt vorliegt, dann auch nur, wenn Sie die daraus resultierende Feuchtigkeit im Keller stört.

Grüße aus Schönebeck



Baujahr 1839,



und keine gravierenden Schäden, kein Moder im Keller?
Da kann ich nur empfehlen, möglichst behutsam und dem Original entsprechenden Baustoffen zu sanieren.
Anscheinend wurde damals mit dem gebaut, "was halt grad da war", aber offensichtlich mit entsprechender fachlicher Kompetenz. Wichtig ist, das Gesamtsystem des Gebäudes zu erhalten. Dann kann das Haus weitere 170 Jahre bestehen;-)).
MfG
dasMaurer



unser Häuschen



Vielen Dank für diese extrem hilfreichen Antworten bis jetzt.
Nun, wir haben extrem Glück da wirklich nirgends auch nur der kleinste Moder oder Modergeruch ist. Im Keller hat es eine Art Brunnen und Steinboden an welchen wohl bis jetzt nicht gross rumgefummelt worden ist. Wie gesagt, der Keller ist max. 4-5 qm und die Nässe stört nicht.
Wir haben uns eben auch überlegt, dass wohl das Beste ist, wenn das Haus schon in so einem tollen Zustand ist, es möglichst auch nur nach der alten Bauweise wieder herzustellen und nur was echt nötig ist.. Und genau da ist es uns extrem wichtig es nach dem Prinzip: Gesamtsystem des Hauses erhalten. Wenns 170 Jahre gehalten hat, davon 20 Jahre leer, wirds das auch noch ein paar Jahre mehr halten.





Eine Feuchte oder nasse Wand richt von hause aus nicht modrig, dieser Gestank kommt vom verrotten organischer Stoffe wie Holz, Pappe, Textilien und der gleichen.
So etwas hat in einem feuchten Keller aber auch nichts verloren.

Grüße aus Schönebeck



Putzarbeiten



Bei den Putzarbeiten, halten Sie sich bitte an den Beitrag von
JOS-Verfahren Fassadenreinigung&Instands Service.

Was die Drainage anbelangt, stellt sich die Frage, warum etwas das schon seit über 100 Jahren funktioniert ändern?
Einfach so lassen wie es ist.

Grüsse Thomas



Vielen Dank



Vielen dank für Eure zahlreichen Hilfestellungen. Das ist ja ein echt tolles Forum!!!!
Liebe grüsse



Bruchsteinmauer reparieren



Hallo Romig8,
Hallo Zusammen,

Naturstein-Mauern, Querschnitt 100 cm. (mehr wissen wir noch nicht)
Dachstock aus Ytong, welches aus meiner Sicht kein Baustoff ist!Darauf würde ich mich nicht getrauen zu verputzen, aber wie es scheint, Solubel macht`s möglich!
Sorry muss mal weg, bis dann...

Grüße

Mladen



Natursteinmauer reparieren



Hallo zusammen,

dieser Arbeit sollte besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Es gilt, die Löcher, Fugen, kompakt zu füllen, ohne Hohlräume.
Dies geschieht am besten durch stopfen von Hand, mit Gummihandschuhen.
Mit dem anwerfen werdet Ihr die Löcher nicht füllen können und macht Ihr den Mörtel noch dünner an, dann ist die Haftung des Mörtels an den Flanken der Steine nicht gegeben, außerdem; je mehr Wasser Ihr beimischt umso grösser die Gefahr der Schwundrisse, weil das Wasser ja verdampft.
Schlussendlich: Ihr werdet die Qualität durch anwerfen, anspritzen des Mörtels nie erreichen wie mit stopfen von Hand.
Probiert es doch einfach aus

Viele Grüße

Mladen