Fliesenkleber anstatt Vorspritz?

19.12.2011 joerjen



Hallo Leute,

da ich ja immer mal gern auf anderen Baustellen schaue, wie dort was gemacht wird, war ich am WE bei einem Freund zu Besuch. Er hat ein Haus aus Poroton gemauert und zwei Verputzer waren gerade dabei, den Innenputz vorzubereiten. Dabei haben sie Fliesenkleber "dünn" angerührt und dann grob den Poroton damit vorgestrichen (der Stein schaute an vielen Stellen noch durch)...die meinten, das kann man machen anstatt Zementvorspritz und soll nur die Saugfähigkeit beim Putzen herabsetzen. Macht man das so - ich habe das bisher nirgends so gesehen? Darauf sollte dann ein Kalkzementputz drauf....



Vorputz



Ich denke diese netten jungen Werktätigen machen einfach etwas nach, was sie irgendwo gesehen oder gehört haben.
Sinn macht das jedenfalls nicht.
Innenputz kann (und wird) auf Poroton direkt und einlagig aufgebracht. Nur wenn unterschiedliche Wandmaterialien verarbeitet wurden (das wäre aber ein fachlicher Fehler) kann man mit einer Aufbrennsperre arbeiten, um das unterschiedliche Saugverhalten solcher Untergründe zu egalisieren. Das kann eine passende Grundierung, aber auch ein Vorputz sein.
Ein zu großes Saugverhalten des Untergrundes kann ich mit Vornässen oder einer etwas flüssigeren Mischung viel besser steuern.
Allerdings glaube ich nicht das in dieser Jahreszeit verdurstender Putz eine Rolle spielen kann.

Viele Grüße





Hallo Georg,

das habe ich mir ja auch gedacht, denn ich habe selbst mittlerweile etliche Flächen einlagig auf Poroton aufgebracht. Wenn man ordentlich vornäßt und dem Putz mehr Wasser als üblich gab, klappte das tadellos.

Als Ubedarfter schaut man gern mal, was andere so machen und ist in solchen Momenten doch etwas verwirrt, dass "Fachleute" es so machen, wie man es bisher nirgends gelesen hat.



In



einem Hebel Handbuch (1993, ein neueres habe ich nicht, da ich kaum Porenbeton verarbeite)

"Nach DIN 18550 mir bei Innenputzarbeiten keine Mehrlagigkeit gefordert. Es muß jedoch nach dieser Norm ein Spritzbewurf zur Verbesserung der Haftung aufgebracht werden" - steht unter 34.5. Innenputz aus Baustellenmörtel.
" Wegen der besseren Verarbeitung der Putze sollte dem Vornässen eine Grundierung vorgezogen werden....." (Seite 72).

Ich selber trage fast immer einen Spritzbewurf auf. allerdings mit einem scharfen Sand (Estrichsand, Mauersand).
Vornässen ist trotzdem notwendig, da ein handgemischter Mörtel das Wasser nicht so lang hält wie eine Sachware.



Innenputz



Hallo Olaf,
es ging hier um Poroton und nicht um Porenbeton.
Das mit dem Spritzbewurf als Haftbrücke schreibt Hebel nur bei Baustellenmörtel vor; bei Porenbeton eine unübliche Verputzmethode.
Die Regel sind Hebel Glättputz und Dünnputz, da braucht nicht grundiert zu werden.

Wienerberger schreibt zum (Außen)putz: ..." auf das vorgenässte Mauerwerk ist bei Bedarf ein volldeckender Spritzbewurf der Putzmörtelgruppe PIII aufzutragen (bei Poroton- Mauerwerk im allgemeinen nicht notwendig)."
Das sollte noch eher auf den Innenputz zutreffen.


Viele Grüße

p.s. Wenn der zementhaltige Fliesenkleber nicht vollständig abgebunden ist und dann der übliche Gipsputz aufgetragen wird, erleben die beiden Erfinder ein Desaster.



Oh



ups, da war mal wieder der Leseteufel, sorry. :-)
Aber auch da könnnnnnte man spritzen, muß aber nicht, da die Oberfläche schon entsprechend gestaltet ist. Aber das Vornässen - vor allem bei eigener Sand-Mischung ist äußerst wichtig. Das mit dem Fliesenkleber ist wohl ähnlich zu bewerten wie Ansetzbinder als Fugenspachtel. Auf dem Bau passieren jeder Tag die merkwürdigsten Dinge - und manchmal geht es sogar gut !

Bild: Anschluß eines Ofens mit 15 cm Rohr - auch das hat jahrlang funktioniert und nicht mal der Schorni hats gemerkt.