Bewertung Wandaufbau

06.04.2012



Hallo zusammen,

nach dem ich nun schon einige Zeit lesend hier unterwegs bin, möchte ich meine erste Frage loswerden.

Wir haben während nun schon länger dauernden Immobiliensuche endlich ein Haus samt Grundstück gefunden, welches uns sehr gut gefällt.

Es handelt sich dabei um ein Bauernhaus, dessen OG + Dach im Rahmen eines Ersatzneubaus vor ca. 10 Jahren neu erstellt wurde. Es Bestand kein Denkmalschutz, so dass der Eigentümer das Fachwerk nicht wieder hergestellt hat.

Die Außenwände des 1. OG sind wie folgt aufgebaut (von außen nach Innen)

- Fassade mit Fachwerkimitation (Holzstärke 60mm) mit Wärmedämmputz ausgeputzt (Hersteller uns unbekannt)
- geschosshohe Liapor-Wandelelemete (d=30mm
- mineralischer Innenputz
- Wandgestaltung (z.T. Sturkturputz, z.T. Tapete)

Fest steht, dass wir die Tapete und den Sturkturputz entfernen und durch Naturfarben ersetzen würden.

Wir ist der Wandaufbau sonst zu bewerten? Sind mit Ausnahme der ggf. erforderlichen Pflege des Holz irgendwelche Dinge zu beachten. Welche Probleme sind ggf. zu erwarten.

Die Decke zwischen EG und 1OG wurde übrigens als Spannbeton-Hohldecke ausgeführt.

Danke schon mal für Tipps/Hinweise und schöne Ostern.

Grüße

Mu Lei



OG- Neubau



Technisch gesehen ist das eine vernünftige Konstruktion, bis auf die eingesetzten Fachwerkimitathölzer. Falls diese Wandteile starker Bewitterung ausgesetzt werden kann es zu Wandauffeuchtungen kommen und das Holz kann sich verformen/reißen/faulen.Das Problem sind die Übergänge Putz- Holz, die sind nie dicht zu kriegen.
Wenn das System funktioniert weil die Bewitterung sich in Grenzen hält kann es bleiben. Wenn es zu Schäden kommt wie Kantenabsprengungen am Putz, Verwerfungen der Holzprofile, Spuren von ablaufendem Wasser aus Holzfugen, Fäulnis... dann empfehle ich das Holz auszubauen und die Lücken mit Dämmputz aufzufüllen. Lieber ein aufgemaltes oder aufgeputztes Fachwerkimitat (wem es denn unbedingt gefällt) als so etwas.
Zur Innengestaltung:
Die Dämmwirkung wird sich in Grenzen halten aber dafür haben Sie Bestandsschutz. Ich würde das so belassen und nicht noch mit Innendämmung nachrüsten.
Als Oberfläche wäre ein mineralischer Innenputz, ob Leicht- oder Normalputz ist Ihre Entscheidung, passend. Falls schon einer drauf ist dann können Sie mit einer Kalkglätte oder Lehmoberputz nacharbeiten. Den können sie mit Lehmfarben oder Mineralfarben beschichten. Lehmputz, Lehmfarben und Leimfarben haben den Vorteil das sie reversibel sind. Mineralfarben auf Kalkbasis sind einfach überstreich- und überputzbar.

Viele Grüße



OG



Die Wandstärke der Liaporelememente ist vermutlich 30 cm.

Was die Probleme mit dem Fachwerk immitat anbelangt, wurde von Herr Böttcher ja schon beschrieben.

Im Innenbereich sollen Putz und Tapete entfernt werden, es empfiehlt sich diese durch reinem Luftkalkmörtel zu ersetzen und mit Naturfarben (wie von Ihnen gewünscht) zu streichen.

Grüsse Thomas



OG Neubau



Vielen Dank an Herrn Böttcher und Herrn Kehle für die ersten Antworten.

Es ist richtig, die Liapor-Wandelemente sind 30cm stark. Ich kann es leider oben nicht mehr editieren.

Erst einmal bin ich froh, dass es sich um eine "eine vernünftige Konstruktion" handelt. Wir haben bei unserer Grundstücksuche schon viel Pfusch gesehen und schon von sehr vielen Objekten abgelassen.

Ich gehe mal davon aus, dass vom Grundsatz her das Fachwerkimitat hinsichtlich der möglichen Einflüsse bei Bewitterung ähnlich verhält wie echtes Fachwerk.

Das Fachwerkimitat ist nur auf der Süd- und der Nordseite des Hauses angebracht. Der Dachüberstand liegt dort lt. Zeichnungen bei 45cm. Die Giebelseiten sind verputzt.

Soweit wie ich es gesehen habe, gibt es noch keine der von Herrn Böttcher genannten Schäden. Das Imitat macht einen sehr professionellen Eindruck, d.h. man sieht nicht gleich, dass es kein echtes Fachwerk ist. Es sind nicht nur aufgeschraubte Bretter, wie man es leider häufig sieht.

Falls es doch einmal gemacht werden müsste, würde ich eine Verschalung (Lärche) bevorzugen und ggf. dann noch eine passende Außendämmung installieren. Was ist davon zu halten?

Herr Böttcher, was meinen Sie mit "Die Dämmwirkung wird sich in Grenzen halten aber dafür haben Sie Bestandsschutz" ? Bezieht sich dies auf den Dämmputz oder die gesamte Konstruktion? Ich kenne Liapor auch als großformatige Mauersteine und kenne Neubauten die mit 36er-Liapor-Wänden ohne zusätzliche Dämmung errichtet wurden.

Zur Innengestaltung:
Wo vorhanden, kommt der Strukturputz definitiv runter. Den Hersteller habe ich vom Eigentümer noch nicht in Erfahrung gebracht. Er meinte jedoch, dass es ein Fertigputz aus dem Eimer war. Von der Haptik ist er sehr künstlich. Ich tendieren zu Lehmputz + passende Wandfarben als Ersatz.

Es gibt im Haus noch Räume (Schlafzimmer und zwei Kinderzimmer), die noch mit konventionellen Heizkörpern beheizt werden. Ich überlege, dort eine Wandheizung zu installieren und Lehmputz zu verwenden.

Die anderen Räume haben übrigens Fußbodenheizung.

Viele Grüße



Innendämmung



Ich wollte damit nur ausdrücken das es sich bei einer bereits gedämmten Wandkonstruktion nicht lohnt, mittels einer Innendämmung noch ein paar 10-tel U-Wert Minderung herausquetschen zu wollen. Das rechnet sich nie.

Viele Grüße





Wir haben uns die Fassade nun noch einmal genauer angesehen. Es gibt auf der Wetterseite einige kleinere Schadstellen im Übergangsbereich Holz-Putz.

Wir sind im Zuge der Kaufentscheidung nun etwas tiefer in die Umbauplanung eingestiegen.

Was wäre denn die Empfehlung, wenn wir die Wetterseite im Zuge der notwendigen Maßnahmen überarbeiten würden? Ziel sollte eine dauerhafte Lösung sein, d.h. wir würden auch einen gewissen Mehraufwand in Kaufnehmen, wenn wir damit eine qualitativ bessere Lösung erzielen.

- Blendfachwerk + Putz runter und Dämmung + Verschalung neu
- Putz runter, neue Dämmung + Verschalung (Blendfachwerk wo sinnvoll gleich als Träger für die Verschalung verwenden).
- nur neue Verschalung

Ich gehe einmal davon aus, dass das Aufbringen einer zusätzlichen Dämmung auf den Dämmputz unsinnig ist.

Als Verschalung würde ich Lärche bevorzugen, da dies mir als sehr verwitterungsbeständiges Holz bekannt ist und ich ggf. ohne zusätzlichen Anstrich auskommen könnte.

Welche Dämmung (Werkstoff) wäre den sinnvoll?



Wenn Sie den Aufwand,



die Fassade zu erneuern schon betreiben wollen, ist das komplette entfernen des Blendfachwerks und des Dämmputzes wohl die Sinnvollste Lösung.
Beim Neuaufbau gibt es verschieden Ansätze.
Bei einer Schalung ergeben sich folgende Möglichkeiten:

1. - Rahmenkonstruktion / Dämmung (z.B.flexible Holzweichfaser)
- Windbruch, Luftdicht angeschlossen
- Hinterlüftungsebene / Unterkonstruktion für Schalung
- Schalung

2. - Rahmenkonstruktion / Dämmung (z.B.Perlite oder Holzweifaser)
- 22 mm Holzweichfaser N+F
- Hinterlüftungsebene / Unterkonstruktion für Schalung
- Schalung

2. - Holzweichfaser (z.B. Diffutherm von Pavatex) Randbereich und Übergänge Luftdicht angeschlossen
- Hinterlüftungsebene / Unterkonstruktion für Schalung
- Schalung
Beachte: bei senkrechter Anordung der Schalung, ist eine Querlattung zusätzlich erforderlich.
Und bitte die EnEv mit Ausnahmeregelungen und Befreiungen im Auge behalten.

Bei Fragen einfach melden.

Grüsse Thomas



Danke für die ersten Tipps.



Können Sie etwa abschätzen, welcher Betrag pro Quadratmeter Fassadenfläche für die von Ihnen genannten Möglichkeiten grob anzusetzen ist.

In welchem Fall würde welche der vorgeschlagenen Varianten zum Einsatz kommen? Welche Vor-/Nachteile ergeben sich jeweils?

Ihr Hinweis "Und bitte die EnEV mit Ausnahmeregelungen und Befreiungen im Auge behalten." bezieht sich sicherlich auf die Tatsache, dass man nicht alles auf EnEV-Standard bringen muß und man im Gebäudebestand Ausnahmen machen kann, oder? Wir haben dies auf jeden Fall im Auge und werden es auf jeden Fall durchkalkulieren. Ich hoffe, wir finden da noch einen "guten" Energieberater, der nicht nur seine Systeme verkaufen will.

Wir sind im Zuge der Kaufentscheidung gerade dabei, abzuschätzen, was alles auf uns zukommen kann, ohne das es unbedingt gleich realisiert werden muß. Einige Umbauten (u.a. auch der Ersatz der 17Jahre alten Ölheizung, vgl. andere Frage) sollen defintiv gemacht werden.

Im Zuge dessen denken, wir auch darüber nach einige Dinge energetisch zu verbessern. Ich persönlich bevorzuge es, den Primärenergieeinsatz so weit wie sinnvoll möglich zu reduzieren. Der derzeitige Besitzer hat einen Ölverbrauch von 1600-1800l/Jahr auf 150m2 Wohnfläche inkl. Warmwassererzeugung

Wenn z.B. das Gerüst für Reparaturarbeiten schon steht, kann man auch gleich über die Fassade nachdenken. Der Vorschlag des in den Entscheidungsprozeß eingebundenen Bauingenieurs, war statt Ausbesserung der Schäden und Streichen gleich eine Verschalung (ohne Dämmung) zu machen. Ich gehe davon aus, dass sich durch eine gute Verschalung der Pflegeaufwand auch in Grenzen hält. Ich habe eigentlich nicht wirklich Lust, alle paar Jahre den Putz neu streichen zu müssen. Eine natürlich verwitternde Holzverschalung empfinde ich da als bessere Lösung.

Wenn es natürlich keinen Nutzen bringt, die Fassade mit einer neuen Dämmung zu versehen, dann lassen wir es bleiben.

PS: Wir haben zwar einen auf Altbauten spezialisierten Bauingenieur an der Hand. Informieren uns aber zusätzlich noch über andere Quellen. Eine zweite Meinung schadet ja nicht. Entschieden wird definitiv erst, wenn ein nachvollziehbares Gesamtkonzept steht.