Bruchstein verputzen oder verfugen

10.06.2005


Hallo

Wir haben an einem 450 Jahre altem Haus den Zementputz von dem Haussockel und Erdgeschoß entfernt. Das Haus wurde mit Bruchstein / Schiefer gebaut. Die Beschaffenheit der Steine ist unterschiedlich. Ein Teil der Steine ist groß und an der Vorderseite glatt. Andere Schiefersteine sind jedoch ziemlich dünn und an der Vorderseite gesplittert.

Nun steht die Frage im Raum, die Bruchsteinwand zu verfugen oder mit einem Kalkmörtel einzuschlemmen.

Zusammengefaß gab es verschiedene Meinungen:

lt. Bauunternehmer wäre ein verfugen der Bruchsteine schwierig da der alte Mörtel keinen Halt bieten würde, selbst wenn wir die Fugen reinigen würden. Die Verfugung würde weiterhin rausfallen.
Desweiteren würde die Gefahr bestehen das Regen und Straßennässe in die Schiefersteine ziehen würden und bei Frost die Steine zerplatzen und sich nach einigen Jahren Löcher in der Wand bilden würden.

Ein anderer Vorschlag wäre die Wand mit einer Kalkschlemme zu überziehen. Dies wäre historisch richtig da diese Häuser immer verputzt gewesen wären.

Wir haben ein Haus mit dieser Kalkschlemme gesehen. Nach zwei Jahren löste sich die Farbe im Sockelbereich ab und wurde sehr unansehnlich.

Würde mich über eine neutrale Meinung und einen guten Rat freuen.
Gruß
Silvia



Zusammengefasst …



wird es noch weitere oder unzählige Meinungen und Ratschläge geben …!!
Der Bauunternehmer ist wohl von der "mittelalten Schule" - nein nicht aus dem Mittelalter - da haben sie's richtig gemacht ……
Die Fugen sind mit reinem Kalkmörtel gebaut worden und nun über die Jahre etwas schwach geworden.
Da sollte man mit einer "Kalkfrischzellenkur" reagieren!
Aber nicht irgendeinen Kalkmörtel oder irgendwelche Kalkprodukte hernehmen, sondern "reine" Kalkprodukte.
Schauen Sie mal unter "www.solubel.de" nach - oder rufen Sie da an!
evtl liegen neben Alterserscheinungen auch Salzbelastungen vor - da müssten Sie dann gesondert darauf reagieren. (die könnten daher kommen, da der Zementputz eine absperrende Wirkung hat) der war nix für das Gemäuer!!
Ob nun Kalkschlämme, Staubkalk oder unterschiedlichste Putze - der Untergrund sollte vorher evtl untersucht und das System abgestimmt werden …
ein altes Gemäuer ist nun mal kein Kopf …
da hilft oft und schnell …nur ein Asperin und fertig

wie gesagt: schauen Sie mal dort nach oder mailen sie mir?

Grüsse aus Nürnberg

Florian Kurz





Hallo Silvia,
zuerst sollten die Zementanteile alle restlos entfernt werden. Ungesehen ist es freilich schwierig, optimale Tips zu geben. Wie Florian schon schrieb, ist ein reiner Kalkmörtel das Beste. Auf gut vorgenäßter Wand und bei nicht zu heißem Wetter aufgetragen, kann der optimal abbinden. Ich würde ihn auch nur als Kalkschlämme auftragen und nicht als Dickschicht putzen, so daß die Struktur von Sockel & Wand noch erkennbar bleibt. Einem solch alten Haus darf und sollte man sein Alter auch ansehen. Und wenn doch aus früheren Mängeln einmal nach Jahren etwas durchschlägt, kann man schnell mal wieder überkalken.
Ich denke, Ihr Bauunternehmer möchte gern viel Umsatz machen.

Frohes Schaffen und gutes Gelingen wünscht
D.Fr.



@ Dietmar



ob die Kalkschlämme im Aussenbereich so lange hält?
Wenn mann als Kalkschlämme nur "Sumpfkalk und Wasser" nimmt wirds zu dünn, denk ich - und die zementputzbedingte Salzbelastung ist auch noch nicht im Griff!!
An sonsten:
"less is more"

FK





@ Hallo Florian,
ich hab die Wand nicht gesehen, also kann ich falsch liegen. Mit Kalkschlämme meine ich nicht bloß Wasser & Kalk, sondern Kalkmörtel, etwas verdünnt und mit Deckenbürste aufgetragen. Ich kenne Fassaden, da hält das seit 500 Jahren und schützt die Steine und ist diffussionsoffen.

Freundliche Grüße
D.Fr.



@ Dietmar



… ich hab die Wand auch noch nicht gesehen …
Schau! Da sieht man es wieder!
Der eine denkt bei "Kalkschlämme" an "Wasser und Sumpfkalk" - und der andere an "dünnen Putz" ... ein dritter an Staubkalk und Wasser und ein vierter evtl an KalkKaseinanstriche ...

hoffentlich hilfts dem Frager - unsere Meinungen!!

FK



Fugarbeiten



So sollte es gemacht werden.
Zementmörtel restlos beseitigen .
Steinflangen und Kanten im JOS-Verfahren reinigen.
Nach der Reinigung die gesamten Flächen mit 4% essig saurer Tonerdelösung einsprühen.
Mit Luftkalkmörtel 4 mm Körnung Vorfugen...Oberflächen mit einen Holzklotz aufrauhen.
Abschließend mit Luftkalkmörtel 2 mm Körnung steinbündig Verfugen.
Bei richtiger Verarbeitung hält das Jahrzehnte lang.
Könnte Ihnen ein Angebot erstellen.
Gruß Peter



Wie funktioniert das mit der Kalkschlämme



Also Kalkschlämme habe ich verstanden, muß man die Fugen vorher mit einem Mörtel versehen bevor die Schlämme aufgetragen wird?

Diese Schlämme ist nach meiner Vorstellung doch ziemlich flüssig und kann doch nur eine dünne Deckschicht bilden.
Oder sehe ich das etwas verkehrt?

Lt. Verputzer und Bauunternehmer wird der Putz aufgesprüht und abgerieben, so das es verbeult :-) aussieht.

Gerne würde ich ein Bild zufügen, muß aber erst einmal schauen wie dies funktioniert.

Vielen Dank an Alle
Silvia



Putz oder nicht Putz?



Hallo Silvia

Soll die Wand denn "verputzt" werden? (alles weiß - unregelmässige oder unregelmässige Oberfläche?)

oder sollen die diversen Steine sichtbar bleiben?



FK





So wie ich es verstanden habe muß auf alle Fälle in die Fugen ein Mörtel eingearbeitet bzw. aufgespritzt werden. Der weitere Vorgang wäre so das die Steine durch den Putz zu erahnen sind. Die Steine sind nicht mehr sichtbar.

Wie sieht es dann mit der Schlämme aus? Wird die einfach nur aufgetragen und die Fugen bleiben offen?

Was ist die bessere Technik? Wir sah so ein Verputz "früher" aus?


Gruß
Silvia





Hallo Silvia,
die Frage, ob erst verfugt und dann noch einmal übergeschlämmt werden muß, kann man wirklich nur beantworten, wenn man sich die Fugentiefe und -zustand sehr genau angesehen hat. Es ist auch davon abhängig, wie es am Ende aussehen soll. Freilich kann man auch teilweise die Natursteine sichtbar lassen und muß nicht alles übertünchen.
Jedenfalls sollen Fugenmaterial und Schlämme die gleiche chemische Zusammensetzung haben. Wie oben schon gesagt: Ohne Zementanteile.



Hallo Sylvia



Sende dir mal einige wichtige Hinweise.



Altbau und Denkmalpflege Informationen Fugarbeiten .


Die häufigsten Fehler bei der Sanierung von Fugen

Immer wieder kommt es bei der Fassadensanierung zu großen Bauschäden . Meist sind Verstöße gegen die Handwerksregeln die Ursache. Die folgenden Hinweise nennen typische Planungs-Verarbeitungs und Baufehler:

A) Verarbeitungsbedingte Fehler
1. Schlechte Untergrundvorbereitung
Trennschichten am Untergrund wie Altputzreste, Staub, Verschmutzung, Moos-, Algen- oder Wurzelbewuchs stören die Mörtelhaftung. Sie sind sorgfältig zu entfernen, um Putzablösungen und mangelhaften Flächenverbund zu vermeiden. Auf Natursteinuntergründen ist das Aufbringen einer Haftbrücke aus Staubkalkschlämme erforderlich, um den Flächenverbund von Fehlstellenergänzungen sicherzustellen.
Unterschiedlich und schlecht saugender Untergrund und Altoberflächen stören das gleichmäßige und durchgreifende Abbinden der neuen Mörtelschicht. Aufbrennen mit schlechter Putzhaftung, ungenügender Erhärtung und Risse sind die Folge. In der Frischmörtelphase muß der Untergrund ein ausreichendes Feuchtereservoir, gegebenenfalls durch Nachversorgung, aufweisen, um den Abbingdeprozeß nicht vorzeitig zu unterbinden.Wenn Vertiefungen im Untergrund nicht zuerst ausgemörtelt, sondern mit der ersten Lage zugemörtelt werden, entstehen besonders starke Schichtlagen. Sie trocknen nur langsam aus, bilden durch alle Folgeputzlagen gehende Schwundrisse und sind im Folgewinter stark frostgefährdet.


3.Mangelhaftes Aufrauhen der Frischmörtel-Oberfläche

Wurde der Frischmörtel nicht genug aufgerauht, entstehen eine geringere Gesamtoberfläche und eine sperrende Sinterhaut aus Kalkkristallen. Dies verringert die Carbonatisierungsgeschwindigkeit infolge CO 2-Zutritt aus der Luft. Der Mörtel trocknet und erhärtet langsamer. Die trocknungsbedingte Versinterung der Oberfläche reichert dort Bindemittel an. Der ungleichmäßige Festigkeitsaufbau im Mörtelquerschnitt führt dann zu Rissen. Die gebremste Trocknung erhöht die Frostgefahr.

Der beste Zeitraum für die Herstellung von Fugen im Außenbereich sind die frostfreien Monate (Ende April Mitte Oktober). Fugmörtel erhärten durch Aufnahme von CO2 aus der Luft. Vorher muß die entsprechende Menge an Wasser aus dem Putz abtrocknenNeben der langsam fortschreitenden Carbonatisierung setzt die Frühfestigkeit aber auch durch die Trocknung selbst ein. Ein richtig rezeptierter Mörtel erreichen deshalb ausreichende Stabilitität und Frostsicherheit, auch wenn er noch lange nicht durchcarbonatisiert ist. Voraussetzung für beide Festigungsprozesse ist immer die Trocknung

Hohe Luftfeuchte (Herbst) schränkt die Wasserabgabe, den davon abhängigen CO2-Zutritt und die Mörtelhärtung ein. Frischer Fugenmörtel sollte weitgehend im Jahr des Mörtelauftrages durchtrocknen. Terminverzögerungen gefährden diese kalktypische Anforderung.
Falscher Bauablauf verzögert bzw. unterbricht die Mörtelhärtung. Ungenügend abgebundene Flächen sind dann im Folgewinter besonders frostempfindlich und können schichtenweise abfrieren.


Für weitere Fragen im Bereich der Fassadensanierung sowie chemiefreie Fassadenreinigung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung Info / Tel. 0174/1466995

Ansprechpartner : Herr Peter Schneider / Frau Sylvia Krause




Gez.Peter Schneider





Hallo sylvia

ich kenn mich mit putzen zwar nicht so gut aus aber versuch doch mal eine firma zu finden in der noch jemand ohne maschine Verputzen oder besser gesagt verbandeln/verfugen kann, falls du die steine sichtbar lassen willst. irgendein altgeselle oder ein seniormaurer dann werden die fugen nicht ganz so breit zugemeiert, und man sieht mehr Stein als fuge!



wir können das noch



also das mit dem verfugen und verputzen machen wir alles noch ohne maschine..handarbeit is halt alles..

gruß peter



Fast geschafft



Hallo an Alle,

wir haben es "fast" geschafft. Der Putz ist am gesamten Haus entfernt. Unter einer fast 10 cm!! dicken Betonschicht fanden wir ein wunderschönes Sichtfachwerk aus Eichenholz. Völlig intakt. Die Fugen der Bruchsteinwände wurden freigelegt und soweit vom Beton und sonstigem Material entfernt.

Folgende Vorgehensweise haben wir uns vorgestellt.
Fachwerk bleibt frei. Die Eichenbalken werden zur Sicherheit mit einer Lasur (farblos) gestrichen. Die Gefache sind aus Lehm und bleiben es auch. Sie werden mit einem Kalkputz versehen. Bei der Bruchsteinwand soll mit der Maschine Putz aufgetragen werden und die Kopfsteine mit einem Besen rausgearbeitet werden. Was sagt Ihr dazu? Die Frage ist nur noch die Art des Putzes. Kalk-Trass, Kalkputz oder welche Möglichkeit gibt es noch?

Im Voraus schon einmal herzlichen Dank an Alle. Ohne Eure Unterstützung wären wir nicht soweit gekommen bzw. das Haus hätte Schaden genommen. Es soll doch, wenn möglich, weitere 500 Jahre stehen bleiben :-)

Silvia



Eure Einstellung gefällt mir.



Hallo Silvia,
Ich freue mich über die Einstellung wie Ihr mit Eurem Haus umgeht. Auch wie nachträgliche Änderungen aus der Zement-Epoche wieder rückgängig gemacht sind.
Den Kalkputz, den Ihr abschießend auf die Ausfachungen glätten wollt, könnt Ihr auch auf den Bruchsteinsockel auftragen. Wie Du schon schreibst: Anwerfen, nicht zu dick als Schicht, und mit der Bürste vertreiben. Richtig um die Steine herum.
Das kommt auch meinen ersten Gedanken mit der Kalkschlämme recht nahe - s.o.
Beim Putzen mit Kalk ist zu beachten, daß er möglichst lange noch feucht bleiben kann. Um so besser härtet er aus, ohne so hart wie Beton zu werden. Mit einem Sprühgerät einfach mehrmals noch sanft einsprühen, gerade so viel, daß das Wasser nicht wegläuft.

Gutes Gelingen wünscht
Dietmar



Beton adé …



Schön dass das Holz noch keine Schäden davongetragen hat und die Gesamtsituation noch intakt ist.
Die Hölzer bitte NICHT mit Lasuren, Lacken, Chemopampendeschichtbildndern behandeln.
entweder nur Ölen oder mit Naturfarben bearbeiten (wegen den Farben mal info@pfk3.com mailen, da die nicht im www erreichbar sind!
Die Kalkputze vorher auf das Gefach abstimmen und evtl mit Staubkalk oder Tonerdelösung vorbehandeln? Und bei den Kalkputzen auf die Reinheit achten und auf die Inhaltstoffe (solubel.de) mehrlagig arbeiten.
bei den Bruchsteinmauern die gleiche Putzqualitäten hernehmen und handwerklich wie schon beschrieben ist verfahren. Vorbereitung der Wände abstimmen wie oben (Kalkstaub - oder Tonerdevorbehandlung)
Ich würde auf jeden Fall keine trass oder zementhaltigen (auch nicht <5%) Kalkprodukte nehmen.
Putznachbehandlungen und Auftrag nach handwerklichem Wissen ausführen (Schatten, nicht heiß, nicht windig; nachnässen etc. nicht vergessen.

dann wird das auch was mit den "weiteren 500 Jahren"
braucht ihr intensivere Beratung?

Grüsse aus Nürnberg

Florian Kurz



gute Handwerker vor Ort



Hallo Ihr Alle!

Habe gute Handwerker in unserer Nähe gefunden. Wir haben zwar viel in Eigenleistung gemacht, aber gelernt ist halt gelernt. Zimmermänner, Dachdecker, Verputzer und Anstreicher sind am Werk. In der Stadt herrscht allgemeine Begeisterung.

Und nun meine wichtigste Frage:
Warum hat mich niemand vor den Millionen von Nägeln in den Eichenbalken gewarnt?? Warum ist es so wichtig alle Nägel zu entfernen? Gibt es eine chemische Reaktion oder so? Würde mich nur mal so interessieren.

Gruß
Silvia



Bruchstein



Also ich würde den Bruchstein mit Solubel Luftkalkmörtel PS50 frostbeständig Verfugen.
Haben wir gerade an einen Bauernhaus gemacht.Siehe auch Bild.
Weitere Infos siehe Homepage

mfg Peter Schneider



Vorgabe Denkmalamt



Leider habe ich mich zu früh gefreut. Reibungsloser Ablauf ist dank des Denkmalamtes nicht mehr möglich.
Laut deren Aussage soll Farbe (Pigmente) auf das Fachwerk.
Im unteren Bereich wird ein glatter Putz verlangt. Die Eckquader(abgerundet) aus Sandstein sollen ebenfalls verputz werden. Kalkschlämme ist nicht erwünscht.
Wir wollten unser Haus instand setzen bzw. schützen und dies mit Materialien die für ein Fachwerkhaus geeignet sind (Lehm, Holz, Kalk, Stroh, ggf. Öl mehr nicht. Warum ist das so schwer zu verstehen? Natürlich soll es auch schön anzusehen sein und das Stadtbild bereichern. Verstehe die Welt nicht mehr. Was soll ich jetzt tun bzw. welche Möglichkeiten und Argumente kann ich vorbringen um sie zu überzeugen?