Zementmörtel und Kalkzementputz vertretbar?

08.07.2009



Wir sanieren zu Zeit einen Altbau. Die Mauern des Untergeschosses bestehen aus Ziegel.
Die Vorbesitzer hatten alle Wände schön dick mit Gipsputz Verputzen lassen, der u.A. zu Feuchtigkeitsproblemen (auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte) führte.
Mittlerweile haben wir sämtlichen Gipsputz von den Wänden entfernt und was wir darunter fanden war nicht wirklich schön.
Die Ziegelsteine sind fast ausnahmslos sehr weich (lassen sich mit einem Schraubenzieher sehr schön einstechen).
Jetzt habe ich mir sagen lassen, dass man früher nicht unbedingt die besten Ziegel verwendet hat und diese vermutlich nur einmal gebrannt wurden, allerdings auch der Gipsputz mit an dem bescheidenen Zustand der Ziegel Schuld sein könnte.
Wie dem auch sei, jedenfalls sind beim Entfernen des Gipsputzes in den Wänden teilweise Löcher entstanden (ausgebrochene bzw. zerbröselte Ziegel), alles sieht jetzt etwas wüst aus.
Als Endputz wollte ich auf den Wänden gerne komplett Luftkalkmörtel verwenden.
Aufgrund des desolaten Zustandes der Wände, würde ich jedoch die Fehlstellen gerne vorher mit Zementmörtel auswerfen bzw. neu ausmauern.
Zementmörtel scheint mir für diesen Zweck die bessere Wahl, weil er eine wesentlich höhere Anfangsfestigkeit hat und nicht so lange benötigt, um durchzuhärten.
Ist bauphysikalisch etwas dagegen einzuwenden?
Versaue ich mir damit meine nachher homogenen Kalkputzwände?
Kann der Zementmörtel die Ziegelsteine weiter schädigen?

Das gleiche betrifft die Küchenwände und die Heizkörperstellen. Dort wollte ich anstatt des reinen Kalkputzes einen Kalkzementputz verwenden, weil ja relativ zeitnah Sachen (Küchenschränke und Heizkörper) aufgehängt werden sollen und der Kalkputz zum durchcarbonisieren viel zu lange dauert.

Was ist von meinen Maßnahmen zu halten.

Zementmörtel zum ausbessern der maroden Wände?

Kalkzementputz für Wandflächen mit erhöhtem Festigkeitsbedarf?

Hole ich mir damit evtl. noch mehr Probleme ins Haus?



Fragen über Fragen



Hallo Lukejack,

stell doch mal ein paar Bilder ein, das macht es leichter.

- Kommen die zerbröselnden Ziegel in der ganzen Wand vor oder nur im unteren Bereich und/oder im Bereich der Bohrloch-Injektagen?
- Kannst Du herausfinden (vielleicht über den Vorbesitzer) was dort injiziert wurde und wann?
- Liegt das Haus auf ebenem Grund?
- Du schreibst Untergeschoss. Es handelt sich um den Keller nehme ich somit an?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Also Fotos...



...müsste ich erst noch machen.
Ist aber kein Problem.
Also weich sind die Ziegel auf jeder Höhe.
Im Sockelbereich kommt es mir allerdings besonders schlimm vor.
Was dort injiziert wurde?
Schwierige Frage, zu den Vorbesitzern haben wir eigentlich keinen Kontakt mehr (wobei ich mir aber auch sicher bin, dass die das nicht wissen, Unterlagen gab es jedenfalls keine mehr dazu, ist mittlerweile bestimmt ca. 15 bis 20 Jahre her).
Es handelt sich um das Erdgeschoss, das Haus ist nicht unterkellert.



Zement der Allesretter!



Hallo

nach meiner Erfahrung verspricht man sich leider immer zu viel vom Zement, der sich m.E. immer mehr als Ursache von Bauschäden herausstellt.

Das sehen hier zwar viele anders - aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit Luftkalk bearbeitete Konstruktionen länger halten und einfacher instand zu halten sind als die modernen zementären und vergüteten Baustoffe und Mörtel.

Ihre Angst, dass der Kalkmörtel langsamer trocknet und der zementäre Putz schneller "fertig" ist, könnte sich als Irrtum herausstellen, denn auf der Oberfläche schaut der zwar trockener aus aber im Inneren und "hinten" ists genau so feucht wie sonst auch.
Und das ist der Nachteil des Z-Putzes und der Vorteil des Luftkalkmörtels.
Der erste hält das Wasser fest und kann nur "sperren" aber das auf 2 Seiten - und der letzte kann das Wasser / Feuchte besser abtransportieren.

Gipsputz ist wie Sie schon gemerkt haben auch nicht das Gelbe vom Ei.

Ich würde bei Ihrem Haus nur auf Luftkalk setzen - schauen Sie bei www.solubel.de rein und informieren Sie sich da.

Seit Jahren nur gute Erfahrungen damit gemacht.

Gutes Gelingen

FK



Luftkalkmörtel...



...ist auch eigentlich das Produkt meiner Wahl.
Nur fürchte ich, dass an den Stellen, wo nachher etwas aufgehängt werden muss, die Handwerker mit ihren Bohrhämmern Krater im Putz hinterlassen (weil der Luftkalkmörtel ja nur sehr langsam von außen nach innen erhärtet).
Bei den Schadstellen an den Wänden ist er wohlmöglich zu weich, um eine "tragende" Rolle zu spielen.
Oder gibt es auch Luftkalkmauermörtel, mit welchem man statische haltbare Ausbesserungen vornehmen kann?
Solubel ist auch die von mir anvisierte Firma, hatte schon ein sehr interessantes Gespräch mit einem dortigen Experten.



Moin,



Putze haben keine statische Funktion,
Wenn Sie Fehlstellen haben so müssen diese dem Rest der Wand angepasst sein. Mit Luftkalk erhält man MG I und so wie Sie ihre Wand beschreiben würde ich auch nicht mehr als MG I verarbeiten.
Ich kenne die Fa. solubel nicht habe aber noch nix negatives gehört, ich nehme jedoch immer Weisskalkhydrat als Sackware + Sand.
Was das Aushärten betrifft so wollen Sie doch nicht sagen, dass Sie z.b. Schränke an eine nicht ausgehärtete Wand hängen? Sie wissen schon das die Wand dann noch nass ist? und beim Aushärten von Luftkalk Wasser anfällt?



Also...



...MG I würde reichen?
Ich hatte an anderer Stelle bereits gelesen, dass zu harter Mörtel bei weichem Ziegel sogar kontraproduktiv sein könnte.
Kann man Luftkalkmörtel denn auch in so großen Stärken aufbringen, die dann ja tief in der Wand liegen?
Bindet der dann überhaupt noch ab?
Ich dachte, mann soll Luftkalkmörtel immer nur in dünneren Lagen aufbringen. Das geht allerdings bei den Mauerfehlstellen (teilweise Ziegelsteinstärke) nicht.
Die gröbste Körnung bei Solubel ist 0-8mm. Könnte man damit schon Mauerwerk massiv ausfüllen, bzw. den Mörtel als Mauermörtel zum ausmauern (oder grds. zum Mauern verwenden)?

Also mit dem Aushärten und den Küchenmöbeln ist das ja so eine Sache. Deswegen meine Idee mit dem Kalk-Zement-Mörtel.
Luftkalk würde ja bei 10mm Durchhärtung / Jahr mehrere Jahre brauchen.
Wann sollte ich da eine Küche aufbauen?



So



geht das nicht, Fehlstellen sind mit Mauerwerk zu ersetzen. Steine und Mörtel dem vorh. Mauerwerk anpassen.
sie möchten das Ganze möglichst einfach gestalten und alles überputzen (ist ja verständlich) aber wie schon vorher erwähnt PUTZ HAT KEINE STATISCHE FUNKTION da reden wir dann auch nicht von MG I sondern von P I,
man kann die Aushärtung unter Zugabe von CO2 beschleunigen
Sie können auch einen hydraulischen Kalk nehmen, der Kalk-Zement wird Ihnen runterfliegen,
Zitat: "Ich hatte an anderer Stelle bereits gelesen, dass zu harter Mörtel bei weichem Ziegel sogar kontraproduktiv sein könnte."
Das ist richtig, die Kraft konzentriert sich in der Fuge und der Stein hält dem Druck nicht Stand und versagt.
Ob MG I reicht ist die Frage, wie gesagt, so wie Sie die Wand beschreiben würde ich davon ausgehen, aber das lässt sich doch nur vor Ort bestimmen



Luftkalkmörtel festigt das Mauerwerk wieder



Hallo,

ich finde es gut, dass Sie den Gipsputz entfernt haben. Früher hat man mit Luftkalkmörtel X Stockwerke gemauert und verputzt, die Bauwerke halten immer noch!

Wenn Sie jetzt auf diese guten alten Ziegelmauern aufeinmal mit Zement arbeiten, könnte es sein, dass die Mauern noch mehr leiden.

Verschiedene Untergründe sind nachher schwierig für einen reinen Luftkalkmörtel, -Luftkalkputz, -Sumpfkalkfeinputz oder -Sumpfkalkfarbe.

Darum ist es immer besser auf der ursprünglichen Schiene zu bleiben.

Wenn Sie Hilfe brauchen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



Ok,



dann muss ich mich nochmal verbessern. Ich wollte also nicht sämtliche Fehlstellen mit Putz verschließen. Dort wo Steine oder Stücke wieder eingemauert werden können, soll es auch geschehen.
Nur ist es ja so, dass bei solchen Puzzles auch mal der ein oder andere dickere Klatschen Putz verarbeitet werden muss.
Außerdem ist dann ja auch Putz hinter den neu vermauerten Steinen. Carbonisiert der überhaupt noch, wenn der so tief in der Wand liegt?
Kann man eigentlich generell sagen, wie lange man nach dem Verputz warten muss, bevor man dann die Küche aufbauen kann?
Und was ist eigentlich mit dem Fliesenspiegel, da hat Luftkalkmörtel nix verloren, oder?
Weil hinter den Fliesen dürfte es das mit dem Carbonisieren ja gewesen sein und der Putz wird weich, oder (gleicher Fall wie im Bad)? Welchen Putz nimmt man dort besser?



Herstellerinfos



Also, ich habe nach einer Anfrage Antwort von Solubel bekommen.
Von Zementputz jeglicher Art wurde mir abgeraten, da dieser, wie ich ja auch schon vermutete, viel zu hart für den weichen Ziegel wäre und die Steine noch mehr schädigen würde.
Als Mörtel für Fehlstellen und für Heizkörper und Hängeschrankstellen wurde mir der Luftkalkmörtel SP 50 empfohlen, der wesentlich schneller als der Standard-Luftkalkmörtel carbonisiert.
Dieser Mörtel wurde mir auch zum Wiederaufmauern mit Ziegel empfohlen.
Ich denke mal, so werde ich's wohl machen.
Einzig eine Frage blieb offen.
Ich möchte einen Teil einer Wand mit Ytong-Steinen verstärken.
Zum Mauern von Ytong gäbe es keine Produkte.
Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten. Einfach mal mit SP 50 probieren oder doch einen Zementpampendünnbettmörtel verwenden (alternativ geht's nach allgemeiner Erfahrung auch mit Fliesenkleber)?



Herstellerinfos



Zum Mauern von Ytongsteinen Ytong- Planblockmörtel verwenden.
Welche Festigkeitsklasse und welche Steinart (Planplatten oder Planblöcke?) wollen Sie denn einsetzen?

Viele Grüße

p.s. Das die Fa. Solubel nur ihre eigenen Produkte empfielt, ist ja wohl klar.



Planplatte



wollte ich verwenden und diese vollfächig auf die vorhandene Wand kleben.
Planblockmörtel = zementhaltig = hydrophob = Hemmung der Atmungsfähigkeit der Wand?



Wand



1. Es gibt sehr wohl Mörtel für Ytong, das wollte ich Ihnen mitteilen.
2. Ich bin von einer Innenwand ausgegangen, da Sie wohl hoffentlich nicht eine Innendämmung meinen.
3. Der Mörtel ist zum Vermauern im Dünnbett bestimmt.
4. Die Planplatten sind nicht zum Verkleben auf Wände gedacht.

Falls es zu einer größeren Fuge zwischen alter Wand und Vormauerung kommt, mit PII oder PI auffüllen. Sie können natürlich auch mit dem Verfüllmörtel mauern, wenn Sie sich das im Dickbett zutrauen.
Die Festigkeitsgruppe der Vormauerung sollten Sie mit der Festigkeit der vorhandenen Wand und dem Dickbettmörtel abstimmen, falls der zum Einsatz kommt.
Im Zweifel einen eher weicheren Stein bzw. Mörtel zum Vormauern wählen.
Vergessen Sie nicht, ab und zu mal einen Wandverbinder als Anker einzusetzen.

Viele Grüße

p.s. Nur so nebenbei: Warum wollen Sie eigentlich die Wand vorsetzen?



Solubel



meinte, dass sie keinen Kalkmörtel im Programm haben, mit dem man Ytong Mauern kann.
Ich frage mich, warum das mit Kalkmörtel nicht gehen soll?
Verputzen kann man Ytong doch damit.
Den üblichen Dünnbettmörtel kenne ich, würde aber, wenn's geht, darauf verzichten.
Es geht um einen Drempel im Obergeschoss.
Der Anschluss an die Dachschräge ist nicht besonders massiv (nur 1 Ziegelstärke).
Daher wollte ich den Drempel verstärken, indem ich Ytong-Platten vor setze.



Ytongwand



Da die Platten wohl als Wärmedämmung gedacht sind, kann man Sie von außen einfach mit PII aufkleben. Eine ebene Fläche ist ja nicht erforderlich.

Viele Grüße



Aufkleben...



...wollte ich die Platten von der Innenseite, und zwar vollflächig (ohne Unterbrechung der Diffusionsschicht).
Die unterste Plattenreihe steht dann ja quasi auf dem Etagenboden, die Platten müssen außerdem keine Last aufnehmen.



Ytongwand



Aha, also doch eine Innendämmung.
Dieser kleine, aber feine Unterschied kann Ihnen eine Menge Ärger bereiten. Gasbeton ist nun mal keine Innendämmung aus Calciumsilikat, obwohl er chemisch gleich ist.
Das ist wie der Unterschied zwischen einem Sack Mehl und einem Saxofon. Spätestens wenn Sie hineinblasen merken Sie den Unterschied.
Wenn Sie eine Innendämmung haben wollen, dann nehmen Sie auch das passende Material dafür.
Wenn Sie bei Ytong bleiben wollen, dannn mindestens 11,5 cm aber bitte außen davor oder anderweitig von außen dämmen.

Viele Grüße



Kein Dämmsystem



Also ich wollte den Drempel nicht systematisch von innen Dämmen, sondern nur etwas "verstärken".
Ein Dämmsystem (vor allem im Innenbereich) kann sehr viel Ärger machen, da haben Sie sicherlich recht.
Ich wollte nur bewirken, dass ein gewisses Material, auch im Anschlussbereich Drempel->Schräge, vorhanden ist.
Ich meine, dass es, auch wenn keine sonderlich dämmende Wirkung insgesamt erzielt wird, einen Unterschied macht, ob an der Verbindungsstelle Drempel->Schräge nur eine Zigelsteinstärke als Anschluss dient, oder aber eine Schicht Ytong zur Verstärkung davor sitzt.
Die Frage ist, ob man Ytong auch mit Kalkmörtel verbauen kann (auch wenn's extra dafür angebotene Dünnbettmörtel gibt).
Im Zweifelsfall würde ich das einfach mal an einer Stelle ausprobieren.
Im Vorfeld Meinungen zu hören kann jedoch sicherlich nicht schaden.
Ytong wird doch nicht nur zur Dämmung eingesetzt, oder?