Massives 45er Sandsteinmauerwerk sanieren und dämmen?

28.03.2005



Hallo liebe Forenteilnehmer,

ich bin beim Stöbern auf diese Internetseite gestoßen und möchte versuchen hier einige Ratschläge zu bekommen. Es handelt sich zwar nicht um ein Fachwerk, aber schön alt ist es.
Sachlage:
Ein 1898 erbautes Haus, seit einem 3/4 Jahr unbewohnt. Die Heizung lief seitdem im Frostschutzbetrieb. Ich habe dazu einige Fragen bezüglich der Sanierung und wäre sehr froh für einige Tips/ Ratschläge.
Das Haus ist mit einem niedrigen Gewölbekeller (nur für Heizöltank,-Ofen) teilunterkellert. Der Keller ist trocken.
Das Mauerwerk ist 45cm dick, Sandstein massiv, ohne Luftschicht und innen verputzt. Das Mauerwerk zeigt im EG bis ca. 30cm oberhalb des Estrichs stellenweise leichte Feuchtigkeit (Der Putz ist dort brüchig (rieselt), aber es ist kein Schimmel zu erkennen). Ob eine Drainage im Aussenbereich vorhanden ist, kann ich nicht sagen. Der Grundwasserspiegel ist weit niedriger als das Fundament. Das eine Horizontalsperre besteht, ist eher unwahrscheinlich. Das Mauerwerk wurde aussen bis vor 15 Jahren regelmäßig komplett mit Farbe gestrichen. Diese blättert ab und soll in naher Zukunft entfernt werden (Sandstrahlen). Was es für eine Farbe ist, ist nicht bekannt.
Ich möchte den Putz innen an den schadhaften Stellen abschlagen und neu anputzen (1) und zusätzlich innen, nur vor die Aussenwände, eine Konstruktion mit Ausbauplatten (2) anbringen, um die Wände zu begradigen und um zwischen Putz und Verkleidung Dämmung einfügen zu können. Ich würde die Konstruktion nicht mit Holzlatten an die Aussenwände verschrauben, sondern mit verzinkten U-Profilen (an bestehende Holzbalken und auf Estrich verschraubt) arbeiten.
Dazu meine Fragen:
zu (1): Welchen Putz sollte man nehmen? Sanierputz, einfachen Kalk-Zementputz oder Kalkputz als "Opferputz"?
zu (2): Wirkt sich diese Konstruktion nachteilig bezüglich der Feuchtigkeit (Wärmebrücke/ Kondensation) aus? Wenn überhaupt, dann Rigips oder Fermacell? Sollte man dort überhaupt dämmen? Wenn man die Heizungsrohre (sind auf Putz verlegt) hinter dieser Konstruktion in dem Zwischenraum belässt, hätte die Strahlunsgwärme der Heizungsrohre einen positiven Effekt hinsichtlich des möglichen Kondensationproblems im Zwischenraum?
Ich bin kein registriertes Mitglied in dieser community, freue mich aber über jeden Tip/ Ratschlag! Sollten noch Fragen offen sein, nur zu! :)
Mit freundlichen Grüßen und frohe Ostern wünschend
H. Lohmann



Innendämmung



ist bei dieser Mauerwerksstärke im Prinzip richtig. Folgende Grundsätze sollten dabei beherzigt werden:
- bei jeder Innendämmung entsteht rechnerisch eine Ebene, in der Tauwasser ausfällt, hier auf der inneren Bauteiloberfläche, es sollte deshalb gewährleistet sein, daß kapillar eine Austrocknung nach innen möglich ist.
- deshalb muß das Dämmmaterial wärmedämmend, kapillaraktiv und feuchtebeständig sein.
Nach dem vorstehenden können also Folien, Vorhängekonstruktionen und feuchteunbeständige Materialien wie Gips und Papier ausgeschlossen werden.
Dann bleiben übrig:
- eine Leichtlehminnenschale
- wärmedämmender Innenputz z.B. Climasan Perlit, mehrlagig

wenn nur wenig Kondensat anfällt außerdem
- Holzweichfaserplatten im Kalk- oder Lehmputzbett.

Ein "einfacher" Innenputz, sagen wir 3 cm zweilagiger Kalkputz geht nicht, weil die Anforderungen der EnEv an zu erneuernde Bauteile eingehalten werden müssen.

Es kann nicht schaden, im Sockelbereich eine Wandflächenheizung zusätzlich anzubringen.
Besondere Aufmerksamkeit widmen Sie bitte Fensterlaibungen und einbindenden Bauteilen.
Sollte eine Austrocknung nach außen gewährleistet sein , z.B. wegen guter Besonnung, kann innen auch eine dampfsperrende Schaumglasdämmung angeordnet werden, die dann aber vollflächig anzusetzen ist.

Meine erste Wahl würde vermutlich auf eine Kombination aus Wärmedämmputz, Holzweichfaserplatte und Wandheizung fallen.

mit besten Grüßen