Lehm-oder Luftkalkputz auf Lehmgefache

10.04.2008



Für das Auswechseln von beschädigten Fachwerkbalken an einer Fachwerkaußenwand mußte ich einige Gefache entfernen (Lochziegel mit Kalkzementputz)Die neuen Gefache mauere ich mit Leichtlehmsteinen 1200 und Leichtlehmmörtel aus.Meine Frage nun: welchen Außenputz nehme ich? Lehmputz oder Luftkalkputz mit Haaren. Die Wand ist reine Wetterseite (Wind und Regen)Streichen möchte ich anschließend mit Silikat Farbe.
Kann mir einer Rat geben?





Hallo,

für wesentlich halte ich einen konstruktiven Schutz der Wetterseite (Dachüberstand, ggf. Verbretterung wenn Giebel betroffen).
Lehmputz ist für schlagregenbelastete Fassaden ungeeignet, Luftkalkputz ginge mit Anstrich bedingt.
Ich würde Ihnen aber zu einem naturhydraulischen Kalkputz (NHK)raten, der eine bessere Wetterbeständigkeit hat.

Grüße vom Niederrhein



Wetterseite ist (je nach Lage) meist nur sicher mit Bekleidung



Sichtbares Holzfachwerk ist in der Regel nicht dicht gegen eine Schlagregenbelastung. Das WTA-Merkblatt 8-1-96, "Bauphysikalische Anforderungen an Fachwerkfassaden" gibt unter 1.2 "Schlagregenschutz" Hinweise zu Fachwerksichtfassaden. Dabei werden zwei Wege genannt: ein Schutz der Fassade durch Bekleidung, oder die fachgerechte Ausbildung der Fugen zwischen Gefach und Holz. Hinzuweisen ist auch auf die Forderung an gleicher Stelle, vorhandene konstruktive Maßnahmen gegen Schlagregen, wie z.B. vorhandene Verkleidungen bei nachfolgenden Bauarbeiten, unbedingt zu belassen. Andere konstruktive Maßnahmen wie Auskragungen und Überstände mindern die Belastung im Ganzen.
Ausschlaggebend ist neben der jährlichen Niederschlagsmenge die tatsächlich auf die Fassade auftreffende Wassermenge. Bis zu einer Grenze von 140 l/m2a sind keine Schlagregenschäden zu erwarten. Dies ist die Grenze zwischen den Beanspruchungsgruppen I und II, geringe und mittlere Schlagregenbelastung (Schlagregenbeanspruchung in der Bundesrepublik Deutschland nach DIN 4108-3, Anhang C).

Bei jährlichen, höheren Wassermengen in der Beanspruchungsgruppe II ist an einem Sichtfachwerk regelmäßig mit Schäden durch eindringendes Regenwasser zu rechnen. Fachwerkfassaden bei mittlerer Schlagregenbeanspruchung erfordern einen Regenschutz durch Bekleidungen oder Putzsysteme. (H. Künzel, Der Feuchtehaushalt von Holzfachwerkwänden, Bauforschung für die Praxis Band 23, Fraunhoder IRB-Verlag, Stuttgart 1996, Seite 80, Tabelle 10).

Ich kann Künzel´s Aussage voll bestätigen und mit Fällen aus meiner Schadenspraxis untermauern. Dabei sind nicht einmal einbezogen
a)zusätzlich anfallende (erhöhte) Tauwassermengen, die auf Innendämmungen zurückzuführen sind,
b)die Verstärkung der Schäden aus (zu)dampfdichten Farbbeschichtungen auf Gefach und Holz, geschweige denn die noch katastophaleren Folgen aus der (verbreiteten) dampfsperrenden Fugenversiegelung mit "modernen" Dichtstoffen!
Bild: Schlagregenbeanspruchung in der Bundesrepublik Deutschland nach DIN 4108-3, Anhang C



Fachwerk und Putz



Hallo

ich würde Ihnen zu Luftkalkputz mit Haaren raten - für die ersten 2 Lagen.
Den Finish-Putz dann ohne!
Schauen Sie mal bei www.solubel.de nach - vielleicht hilfts weiter.
Hydraulische Kalkputze bekommen mit der Zeit die gleichen Eigenschaften, wie die zementären Putze, sind also m.E. ungeeignet.
Auch keine anderen "vergütenden" Mittelchen aus dem Chemiebaukasten reinmachen!
Putzaufbau sollte "gekonnt" gemacht werden - dann minimieren sich die Fehler und Schwachpunkte!

Gutes Gelingen

FK



Anschluß



Wir schließen uns den Meinungen der Communarden mit an.
Dem Lehmputz ist hier eine komplette Absage zu erteilen.
Kalkputzsysteme sind hier angebrachter, so wie in den Beiträgen voran bereits erläutert.
Die Mindestaufputzstärke sollte bei 25 mm liegen. Somit müßte die Ausmauerung incl. Dreikantleisten einen Rücksprung von ca. 30 mm betragen, damit man einen leichten Strohlehmunterputz auftragen kann auf den man dann (wenn durchgetrocknet!) den Kalkputzaufbau ausführt.
Hier ist auch das GRÄFIX-Material einsetzbar.

Trotzdem wäre die beste Lösung der bereits angesprochene konstruktive Fassadenschutz.
Also Lehm bis an die Holzoberfläche und nachher mit einer Kreuzlattung die Holzverschalung (Kiefer/Lärche) aufbringen.

Handwerklicher Gruß

Udo Mühle



Je dicker desto gut!



Beim Putzen - vor allem außen und mit Kalk sollte man nicht zu VIEL wollen. Das könnte ein Bumerang werden - wichtig ist die Materialwahl und die Verarbeitung!
Wie schon geschrieben sind hydraulische Bindemittel in Kalkputzen m.E. nicht förderlich - was ist in dem Putzsystem von G. drin?
Keiner will es wissen! Ich schon und deshalb würde ich ihn nicht nehmen!

Nach den Steinen - die Fugen schön auskratzen - würde ich auch keinen Lehmputzzwischengang machen, da das der Haltbarkeit nicht gerade zuträglich ist!
Wie gesagt: die einen schreiben so - die anderen so!

Gutes Gelingen!

FK