Kalkputz auf Lehmgefache mit Streckmetall???




Hallo Ihr Lieben,

da Ihr mir schon einmal super geholfen habt, hab ich gleich das nächste Problem.
Die Gefache von unserem 1712 Fachwerkhaus haben wir mit Lehm restauriert. Hat auch super geklappt. Jetzt muß noch ein abschließender Kalkputz drauf. Nun habe ich zwei Fachmänner und zwei unterschiedliche Meinungen. Der eine meint: Kalkputz hält durch die angebrachten "Löcher" und Stroh im Lehm. Der andere sagt: blos nicht, da muß unbedingt Streckmetall drauf und dann der Kalkputz, da sonst der Putz aufeinander nicht hält und abfällt.

Wer hat Ahnung und kann mir sagen wie ich es "richtig" mache?
Liebe Grüße von der Frau deren beste Freundin Hilti und Flex heißen. Neu dazu gekommen sind noch Wasserwage und Baldrian für die Nerven meiner Familie

Silke



Kalkputz



Das mit der Haftung auf Lehm war bei Außenputz immer ein Problem. Früher hatte man sich z.B. damit beholfen Stücke von alten Dachziegeln oder Ziegelsplitter in den Lehm mit einzubetten die dann als Putzträger dienten. Auch Löcher und freiliegendes Stroh sind haftungsfördernd.
Ich würde mich nicht allein darauf verlassen und lieber zu Ziegeldraht (kein Streckmetall!) greifen. Im Innenbereich ist gewebearmierter Lehmputz die bessere Wahl, an den Außenwänden vorzugsweise kombiniert mit Dämmung und Wandheizung.

Viele Grüße





 "Die Gefache von unserem 1712 Fachwerkhaus haben wir mit Lehm restauriert".

Was heißt das konkret? Welche Ausfachungsart meinen Sie, wurden die vorhandenen Ausfachungen überarbeitet oder erneuert?

Mit besten Grüßen
Bernd Kibies



Gefache in Lehm wurden:



also wir haben die Gefache zum Teil erhalten können, sprich angeraut mit einer Art Igel-Holzbrett, dann feucht gemacht, neuer Lehmgrundputz mit Stroh aufgetragen, fast bündig abgezogen und wieder mit Löcher versehen, damit hoffentlich der Kalkputz hält.
Zum Teil sind aber auch die Gefache raus gefallen und wir haben diese mit Lehmsteine ausgemauert.

Viele Grüße
Silke Andersen



Visualität



Hallo

Könnten Sie ein Bild mit der einen wie der anderen Ausfachung einstellen.

Draht und Co sind in Gefachen nicht so der Hit und eher Kontraproduktiv.

FK



haftbrücke



heißt das zauberwort.ich schließe mich erstmal den worten von herrn böttcher an und schlage vor das sie einfach den Lehm vornässen und eine dünne kalkmörtelschlämme auftragen die in den löemh eindringen kann bzw sich verkrallt mit der aufgerauten oberfläche.danach den Putz aufbringen auf die erforderliche bzw gewünschte stärke und schon ist ein zustand hergestellt den wie altvorderen schon so gemacht haben.





Ich habe mal so einiges per C+P zusammen gestellt, die richtige Variante und Ausführung müssen vor Ort der Planer und Verarbeiter wählen.

Vorbereitende Arbeiten bei Gefachreparatur:
Gefache der Fachwerk-Aussenwand mit Lehmflechtwerkausfachungen oder Ziegelausfachungen mit Lehmunterputz wie folgt ausbessern:
Wand auf Hohlstellen abklopfen, lose Strohlehmanteile der Gefache entfernen, gefachumlaufende Fuge zur späteren Aufnahme des Putzrandes vertiefen, umlaufend einen Gewebestreifen, Breite ca. 20 cm, mit verzinkten Näglen oder Klammern, an die Fachwerkbalken anbringen, verbliebene Strohlehmfläche vornässen, Löcher und Unebenheiten, falls erforderlich mehrlagig, mit Unterputz aus Lehm, fett eingestellt, gemischtkörnig, mit gewaschenem Sand (Körnung 0-2 mm) und Stroh (Gerste), ausgleichen,
Glatte Oberflächen mit Wasser besprühen und mit einem Nagelbrett oder Rilleneisen diagonal sich kreuzend, 2 bis 3 mm tiefe Rillen im Abstand von 1 bis 3 cm herstellen.

Vorbereitende Arbeiten bei Neuausfachung mit Lehmsteinen:
Scharfkantiges (nicht V-förmiges) Auskratzen der Stoß- und Lagerfugen im frischen Mauerwerk in einer Tiefe von 0,5 – 1,0 cm zur Verbesserung der Haftung des Kalkputzes

Zusätzliche vorbereitende Arbeiten:
Nach dem Antrocknen die Lehm-Oberfläche noch im feuchten Zustand mit stark verdünnter Kalkmilch streichen, so daß der Kalk mehrere Millimeter in den Putzgrund eindringen kann und als Haftbrücke dient.

Bei Ausführung der Putzarbeiten beachten:
Ausführung Putz balkenbündig, mit umlaufenden Kellenschnitt. Aufbrennen vermeiden, Pflegemaßnahmen beachten.
Bei Bedarf (starke thermische Beanspruchung, Putzflächen sehr groß oder Haftgrund sehr schlecht) Einbetten eines alkalibeständigen Außenputz-Armierungsgewebes aus Glasfaser,
vollflächig, Stöße mind. 100 mm überlappen, in die frische Grundputzlage.

Sollten Sie wirklich die Rippenstreckmetallvariante wählen, die ich nicht empfehlen kann, dann ist folgendes zu beachten:
Rippenstreckmetall ist umgekehrt zu verwenden, so daß der Putz in die offenen Rippen eindringen kann. Putz sollte kein Größtkorn über 2 mm Durchmesser enthalten.

Gutes Gelingen wünscht
Bernd Kibies



Lehmputz im Außenbereich



Wäre Lehmputz eine Alternative?

Sofern die Randbedingungen stimmen, kann Lehmputz durchaus eine Alternative sein.

Hinweis:
Nähere Informationen zur Thematik "Lehmputz im Außenbereich" haben wir auf unserer Website hinterlegt.
Der entsprechende Bauberatungs-Beitrag kann abgerufen werden unter:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/81-lehmputz-im-aussenbereich


Strohlehm-Grundputz und Lehmsteine als Untergrund sind schon einmal optimal.

Wenn dann noch die anderen örtlichen Faktoren stimmen, spricht m. E. viel mehr für Lehm- als für Kalkputz.
Man könnte sich immerhin die zeit- und kostenaufwendige Vorbereitung des Putzgrundes sparen. Zudem wäre Lehmputz bauphysikalisch vorteilhafter.

Übrigens: Die nebenstehende Aufnahme zeigt eine Versuchs- / Musterfläche in einer schlagregenbeanspruchten Wand eines Betriebsgebäudes der Fa. Lehmbauwerk Kleinfahner LehmBaustoffe Thilo Schneider, Anger 56, 99100 Kleinfahner



Lehmputz im Außenbereich



...wie wurde oder wird die vorgeschlagene Variante von Frau Meisinger wetterfest gemacht?

Interessiert mich, da Lehm an sich ja nicht witterungsbeständig ist.

Zur Ausgangsfrage:
der Lehmuntergrund (ob nun Stakung mit Stohlem oder Lehmsteinausfachung) sollte so rauh wie möglich gestaltet werden.
Da Kalk und Lehm keine chemische Verbindung eingehen, müß die Haftung mechanisch hergestellt werden.

Ich habe dann auf den rauhen Lehm (Kellenschnitt nicht vergessen) einen Bewurf aus sehr dünnen Kalkputz aufgebracht, anschließend Gittex Glasfasergewebe aufgebracht und zum Schluß den Endputz.

Hält in allen Gefachen seit acht Jahren problemlos.

Frage an Bernd Kibies:
Wozu soll der in der Beschreibung genannte Gewebestreifen dienen? Zur Winddichtigkeit?

Grüße
Martin



Lehmputz pur



Den Versuch, Lehmputz "wetterfest" zu machen, sollte man lieber bleiben lassen.


Für weitere Infos, wie bereits gesagt, bitte hier

http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/81-lehmputz-im-aussenbereich

nachschauen.

Dort finden sich auch Beispiele, was bzw. wie man es besser nicht machen sollte.



Anstatt...



...Werbung in eigener Sache zu machen wäre mir eine kurze, prägnante Antwort zum Thema lieber gewesen. Schade.

Meines Wissens ist Lehmputz im Außenbereich, vor allem auf der bewitterten Seite, ungeeignet. (Schreiben sie auf ihrer Seite ja selbst).

Ich persönlich würde keinen Vorteil darin sehen, an meinem Haus ein Sammelsurium an Putztechniken und -materialen zu vereinen.

Grüße
Martin

P.S.: hab mir das Ganze mal durchgelesen. Als Bauherr gäbe es mir da zu viele "wenn und abers". Daraus resultiert eben eine gewisse "Labilität" und ein gewisses Risiko was ich, als Bauherr nicht gerne hätte.



Lehmputz ist bewitterbar ...



... wenn auch nicht unter extremen Bedingungen. Steht halt so im genannten Beitrag (wer lesen kann ist klar im Vorteil) ;-)

Als Werbung in eigener Sache möchte ich meine Beiträge im Übrigen nicht verstanden wissen, und wenn ich hier im Forum Produkte und Firmen nenne, dann nur, weil bzw. wenn ich sie ruhigen Gewissens weiter empfehlen kann.

Ich denke weiterhin, dass es legitim ist, auf eigne Bauberatungsbeiträge hinzuweisen, bevor man sich hier im Forum die Finger "wundschreibt".
Wem's nicht passt, braucht den Links ja nicht nachzugehen.

Und noch Eines: Manche Dinge bzw. Sachverhalte lassen sich nun mal in wenigen Worten erläutern, andere eben nicht.



Ich kann wohl lesen...



...bitte beachten sie den Zusatz "(schreiben sie ja selbst)" in meinem letzten Beitrag. Denn ich habe mir die Mühe gemacht Ihren Link mal zu verfolgen. Und genauso wenig wie sie Lust haben sich die Finger wund zu schreiben, hat der geneigte Leser hier im Forum im allgemeinen Lust sich die Augen wund zu lesen.

Geheimniskrämerei (...hängt von den Zuschlagsstoffen ab) hilft hier aber nicht.

Hier bei uns in der Gegend wurde traditionell immer mit Lehm ausgefacht und mit Kalk verputzt. Und ich gehe davon aus, dass viele Menschen in den vergangenen Generationen auch mal probiert haben, Lehm im Außenbereich zu verwenden. Nun frage ich mich, warum es das bis dato bei uns immer noch nicht gibt.

Übrigens würde jeder Sachbearbeiter beim Denkmalschutz (hier in unserer Gegend) ihre Variante ad Acta legen. Als ich mein Haus kaufte, dachte ich auch Lehm, Lehm, Lehm. Voll Öko eben. Die Verwendung im Außenbereich wurde seitens des Denkmalschutzes schlichtweg abgelehnt.

Lehm ist ja nun einmal so einfach zu verarbeiten, weil Fehler reversibel sind. Nass machen und ausbügeln. Das macht ihn neben anderen positiven Effekten ja so attraktiv.

"Nass machen und ausbügeln" !! Im Ausbereich?

Grüße
Martin



@ Martin



Wenn Sie meinen Website-Beitrag aufmerksam gelesen haben, dürfte Ihnen eigentlich nicht entgangen sein, dass ich an keiner Stelle pauschalierend ausgeführt habe, Lehm sei auf der bewitterten Seite nicht einsetzbar, wohl aber Folgendes:

"Mit Lehm geputzte Fassadenflächen sollten nur einer geringen, maximal einer mittleren Schlagregenbeanspruchung ausgesetzt sein.


Hinweis:

Bezüglich der Bewertung und Einordnung der Schlagregenbeanspruchung kann man sich an den durchschnittlichen regionalen Jahresniederschlagsmengen und dem Windanfall bzw. der in der DIN 4108-3 enthaltenen Übersichtskarte zur Schlagregenbeanspruchung in Deutschland orientieren.
Es bedarf in jedem Einzelfall jedoch einer individuellen Festlegung der zutreffenden Beanspruchungsgruppe unter Berücksichtigung der regionalen und örtlichen klimatischen Verhältnisse bzw. Bedingungen und der darauf aufbauenden Abschätzung und letztendlich der Entscheidung, ob Lehm als Außenputz verwendet werden kann."



Und was die von Ihnen unterstellte Geheimniskrämerei betrifft, erlaube ich ich u. a. auf folgende Passage zu verweisen:

"Nicht bewährt hat sich die Beimischung von Quarzsand, da dieser zu rasch absandet bzw. ausgewaschen wird. Eine Auflösung der Putzschicht ist dann unausweichlich.


Ebenso nicht zu empfehlen ist die "Veredelung" des Lehmputzes mit hydraulischen Bindemitteln wie z. B. Weißzement.

Durch das schnelle Abbinden des hydraulischen Bindemittels können sich die positiven Eigenschaften des Lehms nicht ausreichend entfalten, d. h. der Putz wird spröde. Bei mechanischen Belastungen zerbröselt er geradezu. Auch ist er anfällig gegenüber auftretenden Spannungen, z. B. durch das Schwinden und Quellen von Fachwerkbalken. Rissbildungen und Ablösungen von ganzen Scherben können die Folge sein."


Im Übrigen ist es unüblich, dass Rezepturen von den produzierenden Unternehmen bekannt gegeben werden. Dies gilt bei Lehmprodukten ebenso wie bei Schokolade.



Schokolade und Lehmputz...



...wie geschrieben, ist mir nicht entgangen, was ihre Website beinhaltet.

Die von ihnen genannte Passagen sind aber nur Negativbeispiele. Nämlich von dem, was der "bewitterungsresistente" Lehmputz NICHT enthalten sollte.

Das ist mir nicht entgangen.

Soviel zur "Geheimniskrämerei".

Nein, ich verlange von Ihnen nicht irgendwelche Rezepturen preis zugeben (da sind wir bei der Schokolade).

Nur...muß das Rad neu erfunden werden?

Und da sind wir bei seit Jahrhunderten funktionierenden Verfahren. Ohne Lehmputz im Außenbereich.

Ich halte den "Versuch" im Sinne eines historischen Fachwerkhauses (wie oben zu lesen ist von 1712) für nicht hilfreich.

Und letztendlich fehlt bei dem von ihnen eingestellten Link jeglicher Hinweis auf denkmalschützerische Aspekte.

Da kommt, unabhängig von jeglicher "Funktionalität" kein Besitzer eines historischen Fachwerkhauses drum rum.



Das Wort zum Dienstag ...



... soll es nicht sein, aber ein paar Worte möchte ich doch noch los werden.

Selbst wenn ich es wollte, könnte ich keine Rezepturen zum Besten geben, da mein Büro nicht zum produzierenden Gewerbe gehört.
Aus der Erfahrung heraus weiß ich zwar, was in einen guten, im Außenbereich verwendbaren Lehmputz reingehören kann, aber da je nach Zusammensetzung des gewonnenen Rohlehms und nach den an den Putz zu stellenden Ansprüchen hier ganz individuell verfahren werden muss, was jeder verantwortungsbewusste Hersteller tut, gibt es ohnehin kein "Patentrezept".

Von daher muss manchmal das Rad doch neu erfunden werden. Gerade zu einer Zeit, in der zwar bei Vielen eine Rückbesinnung auf alte Werte und Verfahren erfolgt, das alte Fachwissen jedoch nur noch rudimentär vorhanden, in manchen Fällen sogar verloren gegangen ist.
Insoweit rechne ich es denen hoch an, die mit viel Enthusiasmus und oftmals in mühevoller Kleinarbeit bemüht sind, alte Techniken wieder zu beleben und vormals über Jahrhunderte bewährte Produkte wieder anzubieten.

Oftmals sind es diese Tüftler, die das ermöglichen, was die Denkmalpflege gern hätte, bislang aber mangels Angebot nicht bekommenen hat.

Und um es an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich zu sagen:
Ich halte Lehmputz im Außenbereich nicht als das allein seelig machende. Jedes Objekt ist und soll einzigartig bleiben. Nur warum soll ich Lehmputz verdammen und im Rundumschlag Kalkputz postulieren, wenn Lehmputz geschichtlich belegt ist bzw. als ortsypisch gelten kann? - Weil seit vielleicht fünfzig Jahren ein Kalkputz auf der Fassade gewesen ist, muss Lehmputz noch lange nicht untypisch sein.
In rauen Regionen, wie z. B. den Höhenlagen des Thüringer Waldes, ist Kalkputz mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso falsch am Platz wie Lehmputz; hier ist Verschieferung, anderswo Verbretterung, wieder an anderer Stelle ein Ziegelbehang usw. angesagt.

Den Förderern und Anwendern von Lehmputz geradezu zu unterstellen, dies Produkt zu verwenden, weil Fehler so einfach ausgebügelt werden können, sprichwörtlich mit dem "Schwamm drüber" gegangen werden kann, finde ich schon etwas umverfroren, um es noch gelinde zu sagen.
Ein Umgangsstil der auf der einen Seite diesem an sich anspruchsvollebn Forum m. E. nicht angemessen, dafür aber auf der anderen Seite geeignet ist, das eine oder andere mit Begeisterung angetretene Mitglied im wahrsten Sinne des Wortes zu vergraulen.



Stopp, liebe Frau Meisinger...



...ich habe mich als ebenso angesehenes Mitglied wie sie es sind, hier im Forum nach etwa achtjähriger Mitgliedschaft vor ziemlich genau einem Monat löschen lassen.

Grund dafür war, eine ähnlich fehlgeleitete Antwort eines "Fachmanns", wie die ihre.

Das können sie vermutlich nicht wissen, Frau Meisinger, ist aber so.

Und es geht beileibe nicht darum, Lehmputz zu verdammen. Im Außenbereich hat er nach meiner Meinung, und auch nach Meinung einiger Fachleute nicht´s zu suchen.


Und wenn sie meine Postings lesen können, werden sie erkennen, dass ich geschrieben habe...."Das macht ihn neben anderen positiven Effekten ja so attraktiv."

Lehm ist gut, Lehmputz auch, aus meiner Sicht aber nicht im Außenbereich.

Und wenn es dann schon um Kalkputz geht: ich habe auch nicht´s gegen Trasskalk. Auch das funktioniert. Andere angesehene Mitglieder hier im Forum haben auch dagegen etwas einzuwenden.

Diese Möglichkeit der Meinungsbildung sollte der Fragestellerin aber durchaus ermöglicht werden.

Als Förderer und Anwender von Lehmputz verwende ich dieses Produkt übrigens weil es so einfach handhabbar ist....aber nicht im Außenbereich ;-)

Grüße
Martin



lehmputz



im Außenbereich ist als thema eigentlich schon überflüssig da sich wie martin schon richtig bemerkt hat wahrscheinlich kein Fachwerkhaus findet das Lehmputz im außenbereich zeigt.sollte dies doch der fall sein ist es entweder nicht fertig oder aber es besteht die möglichkeit das jemand im zuge einer selbsterdachten revolutionierung einfach die jahrhunderte alte methode geändert hat.was natürlich zur folge hat das dies nicht funktionieren kann,ansonsten hätte man schon früher auf den arbeitsgang verzichtet die lehmgefache zusätzlich mit Kalk zu verputzen!
auch nicht außer acht lassen sollte man die tatsache das eben früher von den erbauern jeglicher bauwerke die zur verfügung stehenden materialien bestmöglich kombiniert wurden,und zwar funtkionell und relativ langlebig. aber das ist ein anderes thema.
der Aufbau von Fachwerk wie es bisher unter meine augen gekommen ist,war und bleibt von alters her (ausgenommen in der jüngsten vergangenheit 'fachmännisch' instandgesetzte gebäude) bestehend aus lehmgefachen und einem Kalkputz der entweder die komplette Fassade oder wände im Innenbereich überzogen hat oder eben nur die gefache.

was jahrhunderte lang funktioniert hat kann heute nicht schlecht sein denn die alten mussten aus der not eine tugend machen und wussten genau was zusammen harmoniert oder auch nicht.

richtig ist auch das man in solchen foren wirklich nur diskutieren kann was mich dazu veranlasst von meiner seite immer darauf hinzuweisen das sich alles am objekt entscheidet unter einer in augenscheinnahme.alles andere ist spekulation wenn es nicht wie in diesem falle um grundsätzliches geht.



Nur ein Zitat ...



... aus der Broschüre "Putz und Farbe an Fachwerkbauten", herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte in Hessen und Niedersachsen, entnommen dem Kapitel III. "Verputz der Gefache" auf den Seiten 9 und 10, für alle, die den Verputz historischer Fachwerkgebäude nicht wahr haben möchten bzw. leugnen:

"Der von altersher übliche Lehmputz auf Stakung oder auf Lehmziegeln erfüllt wie der Kalkputz in hohem Maße die Anforderungen an Elastizität im Verbund mit dem Holzgefüge. Außerdem besitzt er ausgezeichnete bauphysikalische Eigenschaften, die es geraten sein lassen, diese Art der Ausfachung so weit wie irgend möglich beizubehalten. Es ist weit sinnvoller und kostensparender, hier Reparaturen durchzuführen als moderne Baustoffe zu wählen."



Allmählich wirds...



... albern...

Nicht alles, was in Broschüren steht ist automatisch richtig, zum anderen steht da nix von Außenputz, oder Verputzen des Gefachs.
Allerdings steht da was von "Verbund mit dem Holzgefüge"...

Die Fragestellerin hat sich wahrscheinlich längst verabschiedet...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



aus



dem was ich da lesen kann steht aber nichts von außenbereich!...und darum geht es doch soweit ich mich erinnere...im Innenbereich ist das auch soweit richtig,aber außen dient der Kalkputz als 'schutz' des lehmes vor witterunseinflüssen...das dürfte doch auch logisch und nachvollziehbar sein wie ich finde...irgendeinen grund muss es ja dafür geben das die von alters her diese Schiene fahren...und dieser liegt klar auf der hand...wie auch immer,jedem seine meinung und seinen erfolg bei der ausführung der ideen...es ist mir persönlich auch noch nie ein reiner Lehmputz im Außenbereich begegnet,es sei denn der kalkputz war abgefallen...was nicht ausschließt das ich mich gerne vom gegenteil überzeugen lasse,allerdings nur wenn es sich um alten bestand handelt!...



Ziegelgewebe



verwenden, Haftbrücke aus Sumpfkalk vorstreichen, mehrlagig mit Sumpfkalk verputzen, Armierung nicht vergessen, dann klappts.



Wie sich vielleicht ...



... aus dem Broschürentitel "Putz und Farbe an Fachwerkbauten" (An statt IN) ableiten lässt, beschäftigt sich das v. g. Werk ausschließlich mit der äußeren Gestaltung.



Wie soll denn das gehen?



Pauschal-Bums!

Wie soll man denn ein Ziegelgewebe handwerklich, nachhaltig, langlebig und sinnvoll an einem Gefach aus Lehm befestigen?

Das Verputzen dieses Teils wird dann eigentlich zur Vorsatzschale mit Minimalverbund zum Gefach - Holhraumgefahr.

Ich finde ja Ziegelrabitz auch nicht schlecht aber nur da wo's sinnvoll ist.

Der Verweis auf "Kalkmilch" als Grundierung kann auch nach hinten losgehen, wenn nur drauf gestrichen wird kann diese Lage Kalk auch zum Trennmittel oder zur Trennschicht mutieren.

VORSICHT ist die Mutter der Porzellankiste.

Wenn der Lehmuntergrund passt erste dünne Kalkmörtelschicht einarbeiten - dann einen Luftkalk (ohne Trass-Zauber) :-) evtl mit Dachshaarzusatz 0-4 aufbringen - dann einen 0-1er dünn drüber, Kalk-Kaseinfarbe frescal drüber.

Ich würde kein Streckmetall nehmen, für das Geld lieber ein paar Kästen Bier Kaufen

FK



@kurz



Wir haben diese mit geeigneten Dübeln befestigt.



Eigentlich wollte ich mich...



..wie vermutlich die Fragestellerin auch, hier ausklinken.

Kann mir dennoch nicht verkneifen nochmals zu antworten:

@Frau Meisinger.
Interessantes Zitat das sie da verwenden.
Woher die Verfasser ihre "Weisheit" haben, kann ich mir nicht erklären.
Ich bin in Niedersachsen geboren und lebe nun in Hessen. Beruflich bin ich bundesweit unterwegs und schaue mir, weil ich selbst eins habe, natürlich historische Fachwerkhäuser an (Bauherrenblick). Bisher ist mir keines begegnet, dass als Außenputz einen Lehmputz aufweist. Keines!
Aber vielleicht war ich ja blind.


@Florian Kurz
noch was aus der Praxis:
neben meinem "Job" als Besitzer eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses bin ich auch ausübender Jäger.

"Dachshaarzusatz". Interessant.
Ich kenne die Erlegungszahlen von Dachsen in Deutschland. Wo und in welchen Mengen kann man denn "Dachshaarzusatz" beziehen?

Das ist eine ganz ernst gemeinte Frage. (Nicht dass sie da auf "Fertigmischungen" verweisen)

Die erlegten Dachse in meiner Region, und hier gibt es welche, würden als Haarlieferant vermutlich für 20 qm reichen. Ok vielleicht auch für 40 qm, denn es handelt sich ja nur um einen "Zusatz".
Das ist nun eine etwas sarkastische Schätzung, aber sie werden mir sicher Antworten liefern können, wo Dachshaar in Mengen die für ein ganzes Haus reichen, zu beziehen sind.
Bei uns in Deutschland sicher nicht. Jedenfalls nicht, wenn sich mehr als zehn Hausbesitzer für ihren Ratschlag erwärmen könnten.
Ich versuche selbst seit vielen Jahren einmal einen Dachs zu erlegen. Nicht um seine Haare als Zusatz im Lehm zu verwenden (auf die Idee bin ich bisher nicht gekommen). Nein, die kann man auch essen und es soll eine Delikatesse sein.
Gelungen ist es mir, mangels Gelegenheit in 15 Jahren nicht.
(Jagdgegner oder Vegetarier sollten sich mit Kommentaren bitte zurückhalten.)

An "Baufachlichen"- Ratschlägen gibt hier schon "tolle" Dinge zu lesen.

@Andreas Stiwitz
danke für die zustimmenden Worte.

ansonsten zweifelnde Grüße
Martin



@ Martin



Si tacuisses, philosophus mansisses.





Das Fachwerk.de-Mitglied Udo Mühle ist z.B. noch im Besitz einiger Kartons mit Dachshaar. Im Lehmputz sollte man diese durchaus kritisch sehen.
http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/rosshaar-lehm-107406.

Bernd Kibies



Ein Bildbeleg



Hier die Aufnahme eines in meinem Heimatort stehenden landwirtschaftlichen Gebäudes, das nach 1889 errichtet worden sein muss, da es in einer historischen, letztmals mit Stand vom 26. Juni 1889 fortgeschriebenen Karte noch nicht eingezeichnet ist.

Das Fachwerk ist augenscheinlich nie behandelt worden und die ursprünglich vollständige Lehmausfachung hat wohl nie einen Kalkputz getragen. Ob allerdings irgendwann einmal ein Kalkanstrich aufgebracht worden ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Diesbezügliche Reste oder Spuren sind jedoch nicht zu finden.
Leider lässt die Instandhaltung des von den Dimensionen her schon recht beeindruckenden sowie markanten Gebäudes etwas zu wünschen übrig. Abgängige Lehmausfachungen sind in der Vergangenheit bereits unter Verwendung diverser Baustoffe ersetzt worden.

Im Ort finden sich im Übrigen noch weitere, allerdings kleinere Gebäude gleicher Bauart. Auch bei diesen Gebäuden sind weder Kalkputze noch Kalkanstriche nachweisbar.

Der Lehm wurde in Ortsnähe abgebaut.



Außenputz



Irgendwie beginnt sich dieser Streit ob Lehmputz für Außenputz geeignet ist oder nicht sich zu verselbstständigen. Bei diesem Stand gibt es keinen fachlichen Austausch und Informationen, sondern nur noch Totschlagargumente.

Ich fasse den Erkenntnisstand mal zusammen:
1. Natürlich gibt es Lehmbauten, mit oder ohne Lehmputz. Ich habe in meiner Fotodatei viele Bilder von Lehmfassaden in unterschiedlichen Zuständen des Verfalls. Das so etwas gemacht wurde ist kein Zeichen das hier eine bewährte, allgemein anwendbare Bauweise vorliegt. Der schiefe Turm von Pisa ist auch kein Paradebeispiel für eine fachgerechte Gründung.
Die Gründe können vielfältig sein: Geldmangel, fachliches Unwissen, Experementierfreudigkeit oder die sicher auch damals beliebte Verallgemeinerungssucht. Jemand erzählt das die das in den welschen Ländern so machen also muß es funktionieren...
Im übertragenen Sinne: "Im Forum habe ich gelesen das man das machen kann also mache ich das auch..."
Das ist die Gefahr die aus solchen Diskussionen enstehen kann. Es werden nicht alle Fakten beleuchtet, es geht nur noch darum recht zu haben.

2.Die Frage ist aber WO diese Gebäude stehen, WIE sie gebaut wurden und WELCHER Wetterexposition sie ausgesetzt sind. Es geht IMMER um den einzelnen Fall.

Wenn früher oder heute Lehmbauten mit Lehmputz gebaut werden dann immer unter Beachtung dieser Regeln:
- passende Wetterexposition: wenig Niederschläge, wenig Wind, Besonnung.
- konstruktiver Holz- und Schlagregenschutz durch Eingeschossigkeit, Dachüberstand, Spritzwasserschutz und Abdichtung durch Sockel (boots and cap).
- Putzzusammensetzung, Verarbeitung.
- ständige Instandhaltung.

Wenn das nicht eingehalten wird dann gibt es einen erhöhten Instandsetzungsbedarf oder Verfall.
Man sieht man die Folgen an dem Beispiel mit der Scheune. Eine ganze Reihe von Gefachen wurden bereits ausgetauscht, es gibt verheerende Schäden vor allem am Giebel.
Sichtfachwerk mit Lehmausfachung und Lehmputz außen trägt selbst bei Einhaltung der o.g. Kriterien ein erhebliches weiteres Risiko in sich: die heutige Art der Wohnungsnutzung. Feuchte- und Wärmeströme in einer Fachwerkwand bieten genug Schadenspotential selbst bei korrekter Verarbeitung und Planung. Wenn das ein Wohnhaus wäre würden die Schäden wohl noch schlimmer aussehen.

3. Man kann sich darüber austauschen ob in bestimmten Fällen Lehmputz außen funktioniert, gut. Auch ich habe seit Jahren mit Lehm gebaut und auch mit Putz im beregneten Außenbereich experimentiert. Zum Lehmbau gekommen bin ich übrigens im Rahmen einer weiterbildung in Großfahner, als sich dieser Markt erst zu entwickeln begann.
Aus meinen Versuchen weiß ich das bereits eine kleine Abtropfkante die eine Wasserfahne laufen läßt in kurzer Zeit erhebliche Schäden hervorrufen kann. Je schneller Wasser fließt, je schlimmer die Zerstörung. So etwas zu verhindern ist konstruktiv an einer Fassade praktisch nicht ausführbar. Auch die Oberflächengestaltung ist entscheidend. Glatte, mit der Glättkelle nachverdichtete Oberflächen sind dicht und fest, sie widerstehen flüssigem Wasser viel besser als rauhe, poröse Oberflächen. Aber wie wirken sich solche verdichteten Putze auf den Feuchte- und Wärmehaushalt der Wand aus?
Rauhe Fassadenoberflächen aus wenig verdichtetem Lehmputz mit geringerem Tonanteil bremsen fließendes Wasser und damit dessen Erosionsfähigkeit. Die diffusionsoffene, kapillare Struktur behindert die inneren Wärme- und Feuchteströme nicht. Aber schon geringer Regenmengen werden von dem rauhen, porigen, gut kapillar leitfähigem Lehmputz aufgesaugt und eingelagert. Wenn es in der arabischen Wüste nur ein paarmal im Jahr regnet, kann das ein Gebäude gut verkraften, die eingelagerte Feuchte wirkt als Klimaanlage. Bei uns regnet es aber mehr wie in der Wüste und ist nicht so heiß.

Deshalb meine Empfehlung:
Wer als Laie mit dem Gedanken spielt, selber sein Haus außen mit Lehm zu Verputzen weil er gelesen hat das geht, möge die Finger davon lassen, nicht weil Lehmputz Sch.. ist sondern weil ihm die Erfahrung und das Wissen fehlen.
Wer als Profi, sei es nun als Bauleiter, Projektentwickler, Baubetreuer, Planer oder Auftragnehmer so ein Projekt ausführt sollte sich um die Risiken und die Unwägbarkeiten vorher im Klaren sein. Das ist mit einer Bedenkenanmeldung an den Bauherren nicht getan.
Ich würde das nicht umsetzen, weil ich in dem Vorhaben auch keinen Sinn sehe. Den erheblichen Risiken die ein Lehmaußenputz bringt stehen keine Vorteile gegenüber.

Viele Grüße



bravo herr böttcher,



sie haben es zusammengefasst und auf den punkt gebracht...da bedarf es keiner weiteren worte mehr...



Doch...



...der Georg wieder ;-)

Wie so oft, klar strukturierte, verständliche und nachvollziehbare Erläuterungen aus der Fachwelt.

Danke.

@A. Meisinger:
schweigende Philosophen nützen auch niemandem. Ich bediene mich, so gut es geht, meiner Erfahrungen und dem Gesehenen. Jedoch keiner "Phrasen" ;-)