Innenputz im Natursteinhaus

26.09.2008



Ich renoviere gerade mein Natursteinhaus in Italien (Ligurien). Die Wände sind vom alten, brüchigen Putz befreit und jetzt stellt sich mir die Frage nach dem Material für den neuen Putz.

Die Wände sind aus Bruchsteinen und Erde errichtet (ca. 50 cm dick). Leider wurden viele kleine Steine verwendet und nicht gerade die schönsten. Die Wände unverputzt lassen scheidet somit aus. Zement und Kalk sind wohl beim Mauerbau nicht verwendet worden.

Welche Materialien eigenen sich für diese Wände zum Verputzen am besten, wenn berücksichtigt werden soll, dass das Mauerwerk durch den Putz auch eine Stabilisierung erhalten soll? Außerdem herrscht hier oftmals recht feuchtes Klima.

Wer kann mir Tipps geben?



Feuchtes Klima...



Witterungsbedingt oder gibt es Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit bzw. feuchten Innenwandbereichen?

Wenn die Substanz trocken ist, bietet sich Lehmputz geradezu an. Ggf. in Verbindung mit einer moderaten Innendämmung und einer Wandheizung.

Gruß vom Edersee





Danke für den ersten Tipp.

Das Haus liegt 20 km vom Meer weg und es herrscht feuchtes maritimes Klima. Also: keine aufsteigende Feuchtigkeit sondern oftmals hohe Luftfeuchtigkeit.





Nix gegen Lehmputz aber eine Stabilisierung ist damit nicht hinzubekommen.
Und bei feuchtem Klima halte ich ihn auch für verfehlt.

Was bleibt ist ein guter Kalkputz.
Sollte allerdings das Mauerwerk mit Lehmmörtel vermauert worden sein kann es trotz Armierungsgewebe im Kalkputz zu Rissbildung an der starreren Putzscheibe kommen.

gruß jens



Stabilisierung einer 50 cm dicken Natursteinwand...



...mit Putz? Dafür gibt es geeignetere Möglichkeiten. In erster Linie sollten dafür (falls überhaupt nötig) der Fugenmörtel überarbeitet werden bzw. Teilbereiche evtl neu aufgemauert werden.
Natürlich kann man auch in maritimen Klima mit Lehmputz arbeiten. Gerade in solchen Grenzbereichen wie z.B. ja auch in Küche und Bad kann der Lehmputz seine feuchteregulierende Wirkung so richtig zur Geltung bringen...
Was Er nicht abkann sind dauerfeuchte oder salzbelastete Wände.
Kalkputz geht natürlich auch und wäre auch nicht die schlechteste Wahl.
Bin halt ein Lehmfan, daher bei mir nach möglichkeit immer die erste Wahl :-)

Lehmige Grüße
Mathias





Danke für die Antworten.

Alte Häuser in Ligurien sind, wie Natursteinwände an steilen Hängen, aus Steinen und Erde aufgebaut. Außen werden sichtbar die "schönen", gleichmäßig behauenen Steine platziert und der Innenraum mit dem "Abfall" vom Behauen gefüllt. Zwischen dien Steinen findet sich Erde, damit die Fugen dicht sind und das ganze Mauergebilde stabil ist, die Steine also nicht wackeln. Mit anderen Worten: Kein Zement, kein Kalk, kein Verputz, kein Fugenmörtel.

Hilfreich wäre für mich, zu wissen, wie man aus Grundstoffen den Putz herstellen kann. Fertigputz bestimmter Hersteller hilft mir wahrscheinlich in Italien magels Lieferbarkeit nicht weiter. Danke schon mal im Voraus.





Bei dem beschriebenen Wandaufbau ist Lehmputz wohl die bessere Wahl.
Zur Herstellung kann Mathias sicher weiterhelfen.

gruß jens



Lehmputz selber mischen...



...dafür gibt es kein Patentrezept. Je nach Tongehalt des Lehmes muss ggf. noch mit Sand und Strohäcksel abgemagert werden. Dazu gehört dann aber doch einiges an Hintergrundwissen. Ist der Lehm zu fett eingestellt wird es netzartige Schwundrisse und Abschüsselungen geben, ist er zu mager hat er nicht ausreichend Klebkraft und sandet...
Grundvoraussetzung ist ein guter, möglichst steinfreier Lehm. Solche "Eigenmischungen" sollte man vor dem großflächigem Verputz ausreichend am Objekt testen. Der große Nachteil allerdings ist die zeitraubende Zubereitung. Ebenfalls sind solche Mischungen in der Regel nicht Putzmaschienengängig, was ebenfalls wieder Zeit und somit auch Geld kostet. Evtl. lohnt dann doch der Import aus Deutschland. Bin bei Bedarf gerne behilflich. Gibt es in Italien keinen Lehmputzhersteller ala Claytec oder Conluto?
Das wäre ja direkt eine Marktlücke im Italienischem Markt...

Gruß vom Edersee
Mathias





ja kannst mal sehen, haste sogar noch ne Marktlücke entdeckt. Wozu das Forum alles gut is?!

gruß jens



Danke



Vielen Dank für die Informationen und Ratschläge.

Ich versuche jetzt herauszufinden, ob es in Italien eine Lieferanten für Lehmprodukte gibt. Fündig geworden bin ich bisher nur in Südtirol. Das ist leider von Ligurien ein ziemliches Stück weg...

Der Hinweis mit der Marktlücke ist nicht schlecht, zumal es hier viele alte Natursteinhäuser gibt und diese sehr oft von Mittel- oder Nordeuropäern gekauft und hergerichtet oder sogar aus Ruinen wieder neu aufgebaut werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei erträglichen Preisen und entsprechendem Angebot an Material und Fachkräften die "Ausländer" mehr Naturprodukte einsetzen würden, wenn es sie denn gäbe.

Ciao.
Holger