Gipswände

21.02.2006



Hallo zusammen,

unsere Wände sind aus Backstein, und wurden innen mit Gipsputz versehen. (Ich möchte aber lehm!)
Leider kommt nicht in Frage, den Gips abzuschlagen um mit Lehm einen Neuanfang zu machen.
Kann ich trotzdem Lehm drüberputzen?
also:
a) Gips aufkratzen bis er rauh ist, grundieren, dann einen dünnen Lehmputz drauf(bis 1cm Fein-. Ober-, Dekor-, Edel- und was es da sonst noch gibt)?
--> habe nämlich gelesen, dass nicht die Stärke des Putzes für eine Feuchteregulierende Wirkung zuständig ist, sondern die Größe der verputzten Oberfläche

oder
b) Gips aufkratzen, grundieren, mit irgendwas armieren, Lehmunterputz und dann Lehmoberputz drauf
--> könnte das Probleme mit Schimmel geben, da die Feuchte am Lehm bindet, aber nicht durch den Gips kann?

oder
c) Gips grundieren, Lehmstreichfarbe drauf, und 10 Jahre warten bis genug Geld da ist für eine Entfernung des Putzes?

Freue mich auf eure Antworten,
Gruß Kate

PS: Wäre auch dankbar für Adressen von Herstellern mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis der Lehmbaustoffe, da wir bissel aufs Geld achten müssen.



Grundsätzlich



kann ein Lehmputz mittels einer Haftbrücke direkt auf den Lehm aufgetragen werden.
Die raumklimatische Wirkung hängt auch von der dicke der Lehmschicht ab. Es macht einen Unterschied ob die Lehmputzsschicht 3 oder 20 mm stark ist.

Aber den Putz abschlagen, wenn keine Schäden da sind würde ich auch nicht.

Viele Grüße Gerd Meurer



Lehm auf den Gips





Lehm auf den Gips



Wenn es nicht aus anderen wichtigen Gründen erforderlich ist den Gipsputz abzunehmen, kann man ihn belassen. Dann einfach mit einer Grundierung Streichen und den Lehmputz drüberputzen. Die passende Grundierung zu den Lehmputzen hat jeder Lehmhersteller bzw. er kann euch sagen welche Grundierung ihr verwenden müßt. Die Größe der mit Lehm verputzten Flächen hat mehr Einfluss auf das Raumklima als die Dicke.

Gruß Harry Unger



Hmmmm



Natürlich hält in der einen oder anderen Form der Lehm auf dem Gipsputz, doch beide Materialien sind Schalenbildner und der Gipsputz unterliegt auch einer gewissen Fäulnisbildung, wenn über gewisse Zeiträume eine übermäßige Feuchtigkeitsebene sich befindet.
Durch die verschiedensten Imprägnierungen mache ich eigentlich die bestehende Oberfläche dicht, um mich mit einer Natürlichkeit zu umgeben.
Warum dies?
Wenn, dann würden wir nur mit einer Lehmfarbe streichen, doch der ökologische Faktor ist natürlich nicht der weltbewegende.
Wir würden sagen, entweder Konsequenz oder Kuddelmuddel.

Grüße Udo



Einfluß der Dicke auf das Raumklima



Hallo,
Für die kurzzeitige Aufnahme von Wasserdampf ist tatsächlich die Fläche des Lehmputzes verantwortlich, die Dicke spielt nur bei Langzeitpufferung eine Rolle, deswegen würde ich den Gipsputz grundieren und mit einem Lehmoberputz beschichten.

Grüße,
Herbert



Oh vielen Dank



für eure Antworten erstmal.

Natürlich gehts mir um das Raumklima, sonst würde ich das nicht machen wollen (also ich müsste nicht, es ist ja schon ein Putz da...)
@udo: Der Gips ist ja sowieso schon dampfdicht, so wie ich das bis jetzt verstanden habe. Ob mit Grundierung oder ohne. Insofern habe ich auch nichts dagegen, mich im Nachinein ein bisschen mit Natürlichkeit zu umgeben, da es ja nicht anders geht. Eine Putz-Entfernung wäre wirklich eine recht fundamentalistische Tat, da dieser noch sehr gepflegt ist, und wir außerdem mal wieder die falschen 6 Zahlen angekreuzt hatten :(.
Hand aufs Herz: eine Kompromisslösung muss nicht immer gleich Kuddelmuddel bedeuten, oder?

Feuchtigkeitsprobleme gibt es in dem Haus nicht, da es nachträglich ein Fundament bekommen hatte. (Zum Glück wohnt die Familie die es vor 100 Jahren gebaut hatte, direkt gegenüber und kann unsere Fragen beantworten.)

Wie hoch ist das Risiko, dass sich im Lehm Feuchtigkeit staut, welche sich dann negativ auf den Gips auswirken könnte? Wenn ich lüfte, sollte der Lehm die Feuchtigkeit ja eigentlich an die trockenere Zimmerluft abgeben. Oder läuft der Puffer-Effekt primär über die Außenwand?

Lieben Gruß,
Kate



Standfeuchte



Nicht aufsteigende oder anderweitige Feuchtigkeit war meinerseits hier Grundlage, sondern die längere Standfeuchte des zu verarbeitenden Lehmmaterials.
Hängt aber jeweils von der Auftragsstärke ab.
Eine Lehmfarbe und auch ein Dünnschichtlehmputz bringt eigentlich keine spürbare Klimaverbesserung im Gebäude und Wohnung.
Es wäre famos, dies zu behaupten und auch zu proklamieren!
Somit handelt es sich also nur um eine ästhetische Verbesserung.
Vielleicht mal über gespritzte Baumwolle nachdenken, als eventuelle Alternative.
Bringt einige Verbesserungen hinsichtlich statischer Aufladungen (Verdreckungen), Raumschallminimierung etc.

Grüße Udo